Mit dem Start der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko kehrt auch ein lange vermisstes Fußball-Gefühl zurück: das gemeinsame Mitfiebern. Nach einer aktuellen Studie der Universität Hohenheim gewinnt Public Viewing in Deutschland wieder deutlich an Bedeutung.
Fast die Hälfte der Befragten gab an, Spiele der Weltmeisterschaft gemeinsam mit anderen Menschen verfolgen zu wollen. Besonders stark ausgeprägt ist dieser Trend bei jungen Erwachsenen bis 35 Jahre. Ausschlaggebend seien vor allem die Atmosphäre, das Gemeinschaftsgefühl und die besondere Stimmung bei öffentlichen Übertragungen.
Damit zeichnet sich ein klarer Unterschied zur Weltmeisterschaft 2022 in Katar ab. Das Winterturnier hatte aufgrund des ungewöhnlichen Austragungszeitpunkts, politischer Diskussionen und einer insgesamt geringeren Fußball-Euphorie deutlich weniger Menschen zu gemeinsamen Veranstaltungen bewegt.
Die Studie zeigt jedoch auch, dass nicht alle Fans unbeschwert auf Großveranstaltungen blicken. Sicherheitsbedenken spielen weiterhin eine Rolle und beeinflussen die Entscheidung vieler Menschen, ob sie an öffentlichen Übertragungen teilnehmen.
Die Forscher untersuchten zudem die Auswirkungen der Weltmeisterschaft auf den Arbeitsalltag. Demnach werden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer während des Turniers durchschnittlich 26 Minuten pro Arbeitstag mit WM-Themen verbringen. Das wäre der höchste bislang gemessene Wert.
Zum Vergleich: Während der Weltmeisterschaft 2022 lag dieser Wert lediglich bei zehn Minuten täglich, bei der WM 2018 bei rund 16 Minuten.
Da das Turnier in Nordamerika über einen längeren Zeitraum läuft als frühere Weltmeisterschaften, rechnen die Wissenschaftler mit erheblichen Auswirkungen auf die Produktivität. Insgesamt könnten laut der Studie fast zwölf Arbeitsstunden pro Beschäftigten während des Turniers verloren gehen.
Die WM entwickelt sich damit nicht nur zu einem sportlichen Großereignis, sondern erneut zu einem gesellschaftlichen Phänomen, das Millionen Menschen in Deutschland bewegt.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Fußball schlägt den AlltagDie Ergebnisse überraschen nicht. Fußball-Weltmeisterschaften entfalten eine Kraft, die weit über den Sport hinausgeht. Sie schaffen Gesprächsthemen, Emotionen und Gemeinschaftserlebnisse, die im Alltag oft fehlen.
Gerade nach der vergleichsweise emotionsarmen WM 2022 scheint das Interesse wieder deutlich gestiegen zu sein. Die Austragung im Sommer, lange Abende und die Aussicht auf große Fußballfeste sorgen für eine völlig andere Dynamik.
Die Prognose: Sollte die deutsche Nationalmannschaft erfolgreich ins Turnier starten, werden Public-Viewing-Veranstaltungen einen regelrechten Boom erleben. Gleichzeitig dürfte die Produktivität in vielen Büros tatsächlich spürbar sinken – allerdings nur vorübergehend.
Historischer HintergrundPublic Viewing entwickelte sich insbesondere während der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006 zu einem gesellschaftlichen Massenphänomen in Deutschland. Millionen Menschen verfolgten damals Spiele gemeinsam auf Fanmeilen und öffentlichen Plätzen.
Seitdem gehören Großbildübertragungen zu den prägenden Elementen internationaler Fußballturniere. Die Pandemie und die Winter-WM 2022 führten jedoch zeitweise zu einem Rückgang dieser Tradition.
ZukunftsprognoseSollte Deutschland bei der WM weit kommen, könnten Zuschauerzahlen bei Public-Viewing-Veranstaltungen neue Höchststände erreichen. Städte, Gastronomie und Veranstalter würden davon wirtschaftlich profitieren.
Gleichzeitig zeigt die Studie, dass Sportgroßereignisse zunehmend Einfluss auf Arbeitsabläufe und Konsumverhalten haben. Unternehmen werden künftig verstärkt Wege finden müssen, diese Effekte zu berücksichtigen.
GewinnspielFrage: Wie viele Minuten pro Arbeitstag beschäftigen sich Beschäftigte laut Studie durchschnittlich mit der WM?
A) 10 Minuten
B) 16 Minuten
C) 26 Minuten
D) 36 Minuten
Teilnahme:
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
Mini-InfoboxFast 50 Prozent planen Public Viewing
Besonders beliebt bei unter 35-Jährigen
WM in USA, Kanada und Mexiko
26 Minuten WM-Beschäftigung pro Arbeitstag
Fast zwölf Arbeitsstunden Produktivitätsverlust erwartet
OZD-AnalyseRückkehr der Fußball-Euphorie
– Public Viewing erlebt ein starkes Comeback.
– Sommerturnier sorgt für bessere Stimmung.
Auswirkungen auf den Alltag
– a) Mehr Gespräche über Fußball.
– b) Höherer Medienkonsum.
– c) Mehr Zeitaufwand während der Arbeit.
Wirtschaftliche Folgen
– Gastronomie profitiert.
– Produktivität sinkt kurzfristig.
– Folgen: Spürbare gesellschaftliche und wirtschaftliche WM-Effekte.
Public Viewing bezeichnet die öffentliche Übertragung von Sportereignissen auf Großbildleinwänden, bei denen viele Menschen gemeinsam Spiele verfolgen.
Was ist die Universität Hohenheim?Die Universität Hohenheim in Stuttgart gehört zu den renommierten deutschen Hochschulen und veröffentlicht regelmäßig Studien zu gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen.
OZD-ExtrasBemerkenswert: Der Begriff „Public Viewing“ wird im englischsprachigen Raum eigentlich überwiegend für öffentliche Aufbahrungen Verstorbener verwendet. In Deutschland entwickelte er sich jedoch seit der WM 2006 zum Synonym für gemeinsames Fußballschauen.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.