Die vier führenden deutschen Friedens- und Konfliktforschungsinstitute haben in ihrem aktuellen Friedensgutachten 2026 eine deutliche Warnung ausgesprochen: Die internationale Ordnung befinde sich in einem tiefgreifenden Zerfallsprozess. Staaten würden immer häufiger militärische Gewalt als „gängiges Mittel“ zur Durchsetzung politischer Interessen einsetzen.
Das Gutachten, vorgestellt vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH), dem PRIF Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung, dem Bonn International Centre for Conflict Studies (bicc) und dem Institut für Entwicklung und Frieden (INEF), zeichnet ein alarmierendes Bild der globalen Lage.
Demnach agierten immer mehr Staaten wie „Warlords“: Sie ignorierten internationales Recht, schwächten multilaterale Institutionen und setzten militärische Gewalt gezielt ein, um politische, wirtschaftliche oder territoriale Ziele zu erreichen. Besonders betroffen seien laut Analyse Großmächte und Regionalakteure gleichermaßen.
Die Forscher verweisen auf eine zunehmende Blockade der Vereinten Nationen, sinkende Wirkung von Rüstungskontrolle und wachsende Militärausgaben weltweit. Gleichzeitig werde Entwicklungspolitik zurückgefahren – ein Trend, der die Stabilität zusätzlich gefährde.
Besonders kritisch bewerten die Institute, dass Krieg nicht mehr nur als „letztes Mittel“ betrachtet werde, sondern zunehmend als normales politisches Werkzeug. Diese Entwicklung beschleunige den Vertrauensverlust in internationale Regeln und Institutionen.
Im Gutachten werden unter anderem die USA, Russland und Israel als Beispiele für Staaten genannt, die in diesem Kontext eine zentrale Rolle spielen. Auch Länder wie die Türkei, Pakistan, Äthiopien und mehrere Golfstaaten werden als Akteure mit wachsender militärischer Machtprojektion eingeordnet.
Die Wissenschaftler fordern deshalb eine stärkere Rückbindung internationaler Politik an das Völkerrecht. Deutschland und die EU sollten multilaterale Institutionen stärken, eigene sicherheitspolitische Abhängigkeiten reduzieren und gleichzeitig Entwicklungszusammenarbeit als Stabilitätsinstrument ausbauen.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Die Rückkehr der MachtpolitikDas Gutachten beschreibt keine ferne Zukunft, sondern eine Gegenwart, die längst begonnen hat. Die Sprache der „Warlords“ ist bewusst scharf gewählt – und genau darin liegt ihre Aussage: Regeln verlieren an Bindungskraft, Macht ersetzt Recht.
Ob man die genannten Beispiele im Detail teilt oder nicht – der Trend ist eindeutig. Internationale Institutionen wirken oft blockiert, Konflikte werden zunehmend bilateral oder militärisch entschieden, und diplomatische Mechanismen verlieren an Durchsetzungskraft.
Die Prognose ist unbequem: Wenn diese Entwicklung nicht gebremst wird, droht eine Welt, in der nicht mehr Regeln, sondern Stärke und Opportunität über Sicherheit entscheiden.
Historischer HintergrundDas Friedensgutachten wird jährlich von führenden deutschen Forschungsinstituten erstellt und analysiert globale Konflikt- und Sicherheitstrends. Seit seiner Einführung in den 1980er-Jahren gilt es als wichtiger wissenschaftlicher Gradmesser für internationale Friedenspolitik.
Die aktuelle Ausgabe 2026 steht im Kontext multipler globaler Krisen: anhaltende Kriege, geopolitische Rivalitäten, eine Schwächung der Vereinten Nationen und wachsende militärische Aufrüstung in vielen Regionen der Welt.
ZukunftsprognoseSollten sich die beschriebenen Trends fortsetzen, wird sich die internationale Ordnung weiter fragmentieren. Regionale Machtblöcke könnten an Bedeutung gewinnen, während globale Institutionen weiter an Einfluss verlieren.
Gleichzeitig steigt das Risiko, dass Konflikte schneller eskalieren, da verbindliche Regeln und Vermittlungsmechanismen an Wirkung verlieren.
GewinnspielFrage: Welche Organisation veröffentlicht das Friedensgutachten 2026 gemeinsam?
A) NATO und EU-Kommission
B) Vier deutsche Friedensforschungsinstitute
C) Vereinte Nationen und OSZE
D) G7-Staaten
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
Mini-InfoboxFriedensgutachten 2026 veröffentlicht
Warnung vor „Warlord“-Staaten
Völkerrecht verliert an Bedeutung
UN als geschwächt beschrieben
Rüstungsausgaben steigen weltweit
OZD-AnalyseZerfall der internationalen Ordnung
– Staaten orientieren sich zunehmend an Macht statt Regeln.
Strukturelle Probleme
– a) Blockade der UNO
– b) Sinkende Wirkung von Rüstungskontrolle
– c) Rückgang internationaler Entwicklungshilfe
Folgen für die Weltpolitik
– Mehr bilaterale Konflikte
– Weniger Vermittlung durch Institutionen
– Erhöhte Eskalationsgefahr in Krisenregionen
Das Friedensgutachten ist eine jährliche wissenschaftliche Analyse globaler Konflikte, erstellt von führenden deutschen Friedensforschungsinstituten, die politische Empfehlungen zur internationalen Sicherheit geben.
OZD-ExtrasBemerkenswert ist, dass das Gutachten nicht nur militärische Konflikte betrachtet, sondern auch wirtschaftliche und politische Machtverschiebungen als zentrale Treiber der globalen Instabilität bewertet.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.