Die Übersicht
Trump erklärt die Iran-Feuerpause für beendet.
Mehr als 80 Ziele im Iran wurden angegriffen.
Iran meldet Gegenangriffe auf US-Stützpunkte.
NATO ringt in Ankara um Geschlossenheit.
Europa erhöht Verteidigungsausgaben deutlich.
US-Präsident Donald Trump hat auf dem NATO-Gipfel in Ankara die Feuerpause mit dem Iran für beendet erklärt und gleichzeitig seine scharfe Kritik an mehreren NATO-Partnern erneuert. Nach den nächtlichen Luftangriffen der USA auf iranische Militärziele sprach Trump von einem endgültigen Bruch der bisherigen Waffenruhe und bezeichnete die iranische Führung in ungewöhnlich scharfen Worten als "Lügner", "krank" und "Abschaum".
"Was mich betrifft, ist sie vorbei", sagte Trump auf die Frage nach der Zukunft der Feuerpause. Er fügte hinzu: "Es ist reine Zeitverschwendung, sich mit ihnen abzugeben." Die Führung in Teheran habe es auf die Vereinigten Staaten und auch persönlich auf ihn abgesehen. "Das sind fiese Typen, deshalb haben sie es auf jeden abgesehen, wahrscheinlich auch auf mich. Ich stehe schon seit Jahren ganz oben auf ihrer Liste."
Die USA hatten in der Nacht zum Mittwoch nach eigenen Angaben mehr als 80 militärische Ziele im Iran angegriffen. Washington begründete den groß angelegten Einsatz mit Angriffen auf drei Tanker in der Straße von Hormus, für die die iranische Führung verantwortlich gemacht wird. Ziel der Operation seien unter anderem Luftverteidigungssysteme, Kommandozentralen und Einrichtungen der Revolutionsgarden gewesen.
Teheran reagierte nach eigenen Angaben mit Raketen- und Drohnenangriffen auf US-Stützpunkte in Kuwait und Bahrain. In beiden Golfstaaten wurde Luftalarm ausgelöst. Damit verschärfte sich die Lage im Nahen Osten erneut, obwohl seit Mitte Juni ein Rahmenabkommen zwischen Washington und Teheran für eine schrittweise Beendigung des Konflikts bestand.
Parallel überschattete Trump den NATO-Gipfel mit massiver Kritik an mehreren Bündnispartnern. "Ich bin sehr verärgert über die Nato", erklärte der US-Präsident im Beisein von NATO-Generalsekretär Mark Rutte. Besonders scharf griff er Spanien an, das er als "schrecklichen Nato-Partner" und "hoffnungslosen Fall" bezeichnete. Madrid hatte der US-Armee im Iran-Konflikt die Nutzung von Militärstützpunkten verweigert und erhöht seine Verteidigungsausgaben bislang nur begrenzt.
Auch Deutschland, Italien und weitere europäische Staaten warf Trump erneut mangelnde Unterstützung vor. Die Verbündeten hätten Washington im Iran-Konflikt nicht ausreichend geholfen.
Ein weiteres Streitthema blieb Grönland. Trump bekräftigte seine strategischen Interessen an der zu Dänemark gehörenden Insel. "Wir brauchen es zum Schutz der Welt, nicht nur der Vereinigten Staaten", erklärte er. Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen wies die Forderungen erneut zurück und stellte klar: "Grönland steht nicht zum Verkauf."
Die europäischen NATO-Staaten bemühten sich währenddessen um Geschlossenheit. NATO-Generalsekretär Mark Rutte betonte das unveränderte Bekenntnis der USA zum Bündnis und verwies auf deutlich steigende Verteidigungsausgaben der europäischen Mitgliedstaaten. Nach neuen NATO-Zahlen investieren Europa und Kanada in diesem Jahr gemeinsam 634 Milliarden US-Dollar in ihre Verteidigung – elf Prozent mehr als im Vorjahr.
Bundeskanzler Friedrich Merz zeigte sich trotz der Spannungen optimistisch. Europa habe geliefert und übernehme zunehmend Verantwortung innerhalb des Bündnisses. Ziel bleibe eine stärkere europäische NATO, um die transatlantische Partnerschaft dauerhaft zu sichern.
Neben den Debatten über Verteidigungsausgaben stand auch die weitere Unterstützung der Ukraine auf der Tagesordnung. Die europäischen NATO-Staaten und Kanada wollen Kiew in den Jahren 2026 und 2027 mit insgesamt 140 Milliarden Euro militärisch unterstützen.
OZD/AFP

OZD-Kommentar – Trumps Konfrontationskurs verändert die NATO
Donald Trump setzt weiterhin auf maximale Konfrontation. Seine Angriffe richten sich inzwischen gleichzeitig gegen den Iran und gegen wichtige Verbündete innerhalb der NATO. Kurzfristig mag dieser Kurs politischen Druck erzeugen, langfristig birgt er jedoch erhebliche Risiken für den Zusammenhalt des westlichen Bündnisses.
Die gleichzeitige Eskalation im Nahen Osten und die Spannungen innerhalb der NATO könnten die internationale Sicherheitsordnung nachhaltig verändern. Europa dürfte deshalb seine militärische Eigenständigkeit weiter ausbauen.
Historischer Hintergrund
Die Straße von Hormus zwischen dem Iran und den Golfstaaten zählt zu den wichtigsten Schifffahrtswegen der Welt. Ein erheblicher Teil des globalen Ölhandels passiert diese Meerenge. Konflikte zwischen den USA und dem Iran prägen die Region seit der Islamischen Revolution 1979. Gleichzeitig steht die NATO seit Jahren vor der Herausforderung, die Lasten zwischen Nordamerika und Europa gerechter zu verteilen. Donald Trump fordert seit seiner ersten Amtszeit deutlich höhere Verteidigungsausgaben der europäischen Bündnispartner.
Zukunftsprognose
Mit der offiziellen Erklärung Trumps dürfte die Feuerpause faktisch beendet sein. Weitere militärische Aktionen im Persischen Golf erscheinen wahrscheinlich. Gleichzeitig wird der Druck auf die europäischen NATO-Staaten steigen, ihre Verteidigungsausgaben weiter zu erhöhen. Sollte der Konflikt mit dem Iran anhalten, könnten Energiepreise weltweit erneut deutlich steigen und neue Belastungen für die Weltwirtschaft entstehen.
Gewinnspiel
Frage: Wie viele Ziele griffen die USA nach eigenen Angaben bei ihrem jüngsten Angriff im Iran an?
A) 25
B) 48
C) Mehr als 80
D) 150
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OZD-Analyse
Militärische Eskalation
– Die Feuerpause zwischen den USA und dem Iran ist faktisch gescheitert.
Belastung der NATO
– a) Streit über Verteidigungsausgaben.
– b) Konflikte über den Iran-Krieg.
– c) Differenzen über Grönland und europäische Sicherheitsinteressen.
Folgen
– Die geopolitischen Spannungen nehmen deutlich zu. Gleichzeitig dürfte Europa seine militärische Eigenständigkeit weiter ausbauen und die NATO vor einer ihrer größten Belastungsproben der vergangenen Jahre stehen.
Erklärungen
Was ist die Straße von Hormus?
Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und dem Arabischen Meer. Sie zählt zu den wichtigsten Handelsrouten für Erdöl weltweit. Jede militärische Eskalation in diesem Gebiet hat unmittelbare Auswirkungen auf die internationalen Energiemärkte.
Wer ist Mark Rutte?
Mark Rutte ist NATO-Generalsekretär. Der ehemalige niederländische Ministerpräsident koordiniert die Zusammenarbeit der 32 Mitgliedstaaten und vertritt das Bündnis international.
OZD-Extras
Trotz der scharfen öffentlichen Kritik berichteten Teilnehmer des NATO-Gipfels von einer überraschend freundlichen Atmosphäre beim gemeinsamen Abendessen der Staats- und Regierungschefs. Hinter verschlossenen Türen wurde offenbar intensiv über Kompromisse zur zukünftigen Lastenteilung innerhalb des Bündnisses beraten.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.