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Nervenkrieg am Golf: Hormus-Passage bleibt frei – aber die Gefahr wächst

Trotz iranischer Drohungen bleibt die Straße von Hormus befahrbar. Doch die Zahl der Schiffe ist deutlich eingebrochen – mit Folgen für die Weltwirtschaft.

Die angespannte Lage rund um die Straße von Hormus sorgt weiterhin für Nervosität auf den internationalen Märkten. Trotz wiederholter Drohungen aus Teheran, die strategisch bedeutende Meerenge zu schließen, setzen Schiffe ihre Fahrten durch die Passage zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman fort. Nach Angaben des Schiffsverfolgungsdienstes Kpler hatten bis Montagmittag bereits 15 Schiffe die Meerenge passiert. Damit bewegte sich das Verkehrsaufkommen auf einem ähnlichen Niveau wie am Wochenende, als insgesamt knapp 30 Schiffe pro Tag registriert wurden.

Zusätzliche Daten der Plattform MarineTraffic zeigen, dass weitere Schiffe die wichtige Wasserstraße durchquerten. Dennoch bleibt der Schiffsverkehr deutlich hinter dem Niveau zurück, das vor dem Ausbruch des Iran-Krieges üblich war. Nach Angaben des Fachmagazins „Lloyd’s List“ passierten zuvor durchschnittlich rund 120 Schiffe täglich die strategisch bedeutsame Route.

Die Unsicherheit unter Reedereien und Handelspartnern bleibt hoch. Viele Kapitäne wählen inzwischen alternative, von iranischen Behörden genehmigte Routen. Andere Schiffe schalten während der Passage ihre Transponder aus, um ihre Positionen nicht öffentlich sichtbar zu machen.

"Trotz der Unsicherheit im Zusammenhang mit den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran blieb die Straße von Hormus am Wochenende befahrbar", schrieb Nikos Pothitakis, Sprecher bei Kpler, am Montag im Onlinedienst X.

Hintergrund der aktuellen Spannungen ist das Mitte Juni unterzeichnete Rahmenabkommen zwischen dem iranischen Präsidenten Massud Peseschkian und US-Präsident Donald Trump. Das Abkommen soll den Krieg beenden, der Ende Februar durch Angriffe der USA und Israels auf iranische Ziele ausgelöst wurde. Während einer 60-tägigen Verhandlungsphase sollen nun die letzten Streitpunkte für einen dauerhaften Frieden geklärt werden.

Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte die Forderung des iranischen Parlamentspräsidenten Mohammed Bagher Ghalibaf. Er erklärte, dass künftig Gebühren für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus Bestandteil eines endgültigen Friedensvertrages werden sollten. Beobachter sehen darin einen möglichen Versuch Teherans, langfristig wirtschaftlichen Einfluss auf eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt auszuüben.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Die Welt bleibt Geisel der Hormus-Route

Die aktuelle Entwicklung zeigt erneut die enorme Abhängigkeit der Weltwirtschaft von wenigen strategischen Engpässen. Zwar bleibt die Straße von Hormus vorerst geöffnet, doch bereits die bloße Drohung einer Sperrung reicht aus, um Schifffahrt, Energiepreise und Finanzmärkte weltweit zu verunsichern. Teheran demonstriert damit seine geopolitische Machtposition, ohne einen einzigen Schuss abzugeben.

Die Forderung nach Transitgebühren könnte erst der Anfang sein. Sollte der Iran seine Kontrolle über die Passage wirtschaftlich ausbauen, drohen langfristig höhere Transportkosten und neue Belastungen für Verbraucher weltweit. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob das Friedensabkommen tatsächlich Stabilität bringt oder lediglich eine Atempause vor der nächsten Krise darstellt.

Historischer Hintergrund

Die Straße von Hormus gehört zu den wichtigsten Schifffahrtswegen der Welt. Die Meerenge verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und dem Arabischen Meer. Über diesen Seeweg werden große Teile der weltweiten Öl- und Gasexporte transportiert.

Die Anrainerstaaten Iran, Oman, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait, Katar und Bahrain sind wirtschaftlich eng mit der Passage verbunden. Seit Jahrzehnten gilt die Straße von Hormus als geopolitischer Brennpunkt. Bereits während des Iran-Irak-Krieges in den 1980er-Jahren kam es dort zu Angriffen auf Handelsschiffe und Tanker.

Zukunftsprognose

Kurzfristig dürfte die Passage offen bleiben, da weder die USA noch ihre Verbündeten eine vollständige Blockade akzeptieren würden. Dennoch wird der Schiffsverkehr vermutlich unter dem Vorkriegsniveau bleiben, solange die politische Unsicherheit anhält.

Mittelfristig könnten steigende Versicherungsprämien, Umleitungen und mögliche Transitgebühren die Kosten für Öl, Gas und internationale Warenströme erhöhen. Besonders Europa, Asien und die energieabhängigen Volkswirtschaften könnten die Auswirkungen deutlich spüren.

Gewinnspiel

Frage: Wie viele Schiffe passierten vor dem Krieg durchschnittlich täglich die Straße von Hormus?

A) 30 Schiffe
B) 60 Schiffe
C) 120 Schiffe
D) 250 Schiffe

Zum Gewinnspiel:
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Mini-Infobox

Straße von Hormus verbindet Persischen Golf und Golf von Oman

Vor dem Krieg rund 120 Schiffe täglich

Aktuell deutlich weniger Durchfahrten

Öl- und Gastransporte sind besonders betroffen

Iran fordert mögliche Transitgebühren

OZD-Analyse

Rückgang des Schiffsverkehrs
– Die Unsicherheit führt zu deutlich weniger Durchfahrten als vor dem Krieg.

Irans neue Strategie
– a) Politischer Druck auf den Westen
– b) Wirtschaftliche Kontrolle über Handelsrouten
– c) Forderung nach Durchfahrtsgebühren

Mögliche Folgen
– Höhere Transportkosten, steigende Energiepreise und anhaltende Unsicherheit für den Welthandel.

Erklärungen

Wer ist Massud Peseschkian?

Massud Peseschkian ist Präsident des Iran und gilt als vergleichsweise pragmatischer Politiker innerhalb des iranischen Machtapparates. Er vertritt das Land bei den aktuellen Friedensverhandlungen mit den USA.

Was ist die Straße von Hormus?

Die Straße von Hormus ist eine strategisch bedeutende Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie zählt zu den wichtigsten Handels- und Energierouten der Welt. Ein erheblicher Teil des globalen Öl- und Gasexports wird dort transportiert.

OZD-Extras

Rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Erdöls passiert die Straße von Hormus. Keine andere Meerenge besitzt derzeit eine vergleichbare Bedeutung für die globale Energieversorgung.

Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.