Übersicht
Trump kündigt neue Angriffe auf den Iran an.
NATO bekräftigt Artikel 5 des Bündnisvertrags.
Europa erhöht Verteidigungsausgaben deutlich.
Patriot-Lizenzen für die Ukraine angekündigt.
Spannungen um Grönland und Spanien belasten zusätzlich das Bündnis.
Trump kündigt neue Angriffe auf den Iran an – Waffenruhe endgültig vor dem Aus
Nur wenige Wochen nach dem US-iranischen Rahmenabkommen droht der Konflikt im Nahen Osten erneut außer Kontrolle zu geraten. US-Präsident Donald Trump kündigte am Rande des NATO-Gipfels in Ankara weitere massive Militärschläge gegen den Iran an und erklärte die bestehende Waffenruhe faktisch für beendet.
"Ich werde sie etwas vorwarnen, wir werden sie heute Nacht richtig hart treffen", sagte Trump am Mittwoch. Zur Begründung verwies er auf angebliche Verstöße Teherans gegen das Abkommen. "Sie verletzen das Abkommen jeden Tag."
Der US-Präsident erhob zudem schwere Vorwürfe gegen die iranische Führung. "Sie stimmen allem zu und dann geben sie eine Pressekonferenz und sagen, wir hätten nicht einmal darüber geredet. Die sind nicht ganz bei Trost, mit diesen Leuten stimmt etwas nicht."
Bereits in der Nacht zuvor hatten die USA nach eigenen Angaben mehr als 80 militärische Ziele im Iran angegriffen. Hintergrund waren Angriffe auf drei Tanker in der Straße von Hormus, für die Washington den Iran verantwortlich macht. Teheran reagierte mit Raketen- und Drohnenangriffen auf US-Stützpunkte in Kuwait und Bahrain.
Parallel zur Zuspitzung im Nahen Osten stand in Ankara die Zukunft des westlichen Verteidigungsbündnisses im Mittelpunkt. Trotz der scharfen Kritik Trumps bekannten sich die 32 NATO-Staaten in ihrer Abschlusserklärung ausdrücklich zur gegenseitigen Beistandspflicht nach Artikel 5 des Nordatlantikvertrags.
"Ein Angriff auf einen ist ein Angriff auf alle", heißt es in der gemeinsamen Erklärung. Darin wird Russland erneut als langfristige Bedrohung für die Sicherheit des Bündnisses bezeichnet. Gleichzeitig verpflichten sich die europäischen Mitgliedstaaten und Kanada zu höheren Verteidigungsausgaben und einer stärkeren Eigenverantwortung innerhalb der Allianz.
Bundeskanzler Friedrich Merz sprach von einem historischen Wandel. Die NATO sei nach dem Gipfel "europäischer denn je". Nach seinen Worten sei die bisherige "Trittbrettfahrerei" Europas beendet. Nach NATO-Angaben werden die europäischen Mitgliedstaaten und Kanada ihre Verteidigungsausgaben in diesem Jahr auf 634 Milliarden US-Dollar erhöhen – ein Plus von elf Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Vor Beginn der Beratungen hatte Trump die Allianz noch scharf kritisiert. Er zeigte sich "sehr verärgert" über die aus seiner Sicht fehlende Unterstützung im Konflikt mit dem Iran. Zudem erneuerte er seinen Anspruch auf Grönland und erklärte, die Insel sei für die Sicherheit der Vereinigten Staaten unverzichtbar. Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen widersprach erneut und betonte, Grönland stehe "nicht zum Verkauf".
Auch Spanien geriet ins Visier des US-Präsidenten. Trump drohte Madrid mit dem Abbruch sämtlicher Handelsbeziehungen, nachdem Spanien der US-Armee die Nutzung militärischer Einrichtungen verweigert hatte.
Im weiteren Verlauf des Gipfels schlug der Ton jedoch deutlich um. Trump sprach von einem "großartigen Treffen" mit "viel Liebe und Eintracht". NATO-Generalsekretär Mark Rutte lobte den Zusammenhalt der Allianz und hob Trumps Rolle bei der Weiterentwicklung des Bündnisses hervor.
Zudem kündigte Trump an, der Ukraine den Bau von Patriot-Luftabwehrraketen in Lizenz ermöglichen zu wollen. Darüber wolle er mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sprechen. Die Patriot-Systeme gelten als eines der wichtigsten Elemente der ukrainischen Luftverteidigung gegen russische Raketenangriffe.
Die gleichzeitige Eskalation im Nahen Osten und die Stärkung der NATO verdeutlichen, wie eng sicherheitspolitische Entwicklungen inzwischen miteinander verknüpft sind. Während die Allianz ihre Geschlossenheit demonstriert, wächst zugleich die Sorge vor einer weiteren militärischen Ausweitung des Konflikts zwischen den USA und dem Iran.
OZD/AFP

OZD-Kommentar – Die Welt steht vor einer gefährlichen Doppelkrise
Der NATO-Gipfel sendet zwei völlig unterschiedliche Signale. Einerseits demonstrieren die Bündnispartner Einigkeit und stärken ihre Verteidigungsfähigkeit. Andererseits kündigt der Präsident der stärksten Militärmacht der Welt nur wenige Stunden später neue Angriffe gegen den Iran an.
Diese Parallelentwicklung erhöht das Risiko einer internationalen Sicherheitskrise erheblich. Ein erneuter militärischer Schlag gegen den Iran könnte den gesamten Nahen Osten destabilisieren und gleichzeitig die NATO vor neue politische Belastungsproben stellen. Diplomatische Lösungen rücken damit erneut in weite Ferne.
Historischer Hintergrund
Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran reichen bis zur Islamischen Revolution von 1979 zurück. Konflikte um das iranische Atomprogramm, Wirtschaftssanktionen und militärische Zwischenfälle prägen das Verhältnis seit Jahrzehnten. Parallel hat sich die NATO seit dem russischen Angriff auf die Ukraine stärker auf kollektive Verteidigung und höhere Verteidigungsausgaben konzentriert. Beide Entwicklungen beeinflussen heute maßgeblich die globale Sicherheitslage.
Zukunftsprognose
Sollten die angekündigten US-Angriffe erfolgen, dürfte der Iran erneut militärisch reagieren. Damit steigt die Gefahr weiterer Angriffe auf die Schifffahrt im Persischen Golf sowie auf US-Stützpunkte in der Region. Gleichzeitig dürfte die NATO ihre militärische Zusammenarbeit weiter intensivieren, während Europa seine Verteidigungsinvestitionen weiter ausbaut. Die geopolitischen Spannungen zwischen Nahost, Europa und dem Indo-Pazifik könnten dadurch weiter zunehmen.
Gewinnspiel
Frage: Wo fand der aktuelle NATO-Gipfel statt?
A) Brüssel
B) Washington
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D) Madrid
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Militärische Eskalation
– Die USA bereiten weitere Angriffe gegen den Iran vor und erklären die Waffenruhe faktisch für beendet.
NATO-Neuausrichtung
– a) Höhere Verteidigungsausgaben Europas.
– b) Bekräftigung der Beistandspflicht.
– c) Größere Eigenverantwortung der europäischen Bündnispartner.
Folgen
– Die internationale Sicherheitslage bleibt angespannt. Gleichzeitig stärkt die NATO ihre Abschreckungsfähigkeit, während der Nahost-Konflikt erhebliches Eskalationspotenzial besitzt.
Erklärungen
Was ist Artikel 5 der NATO?
Artikel 5 des Nordatlantikvertrags regelt die kollektive Verteidigung. Ein bewaffneter Angriff auf ein Mitglied wird als Angriff auf alle Bündnisstaaten betrachtet und kann gemeinsame Verteidigungsmaßnahmen auslösen.
Was ist das Patriot-Luftabwehrsystem?
Patriot ist ein modernes Flugabwehrsystem aus den USA. Es dient dem Schutz vor Flugzeugen, Marschflugkörpern und insbesondere ballistischen Raketen und zählt zu den leistungsfähigsten Luftverteidigungssystemen weltweit.
OZD-Extras
Die europäischen NATO-Mitglieder und Kanada erhöhen ihre Verteidigungsausgaben 2026 auf insgesamt 634 Milliarden US-Dollar. Das entspricht dem höchsten gemeinsamen Verteidigungsbudget ihrer Geschichte.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.