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Paukenschlag aus Washington: Bayer erringt historischen Sieg im Glyphosat-Streit

Der Oberste Gerichtshof der USA entscheidet im Glyphosat-Streit zugunsten von Bayer. Für den Konzern könnte dies Milliarden sparen.

Nach Jahren milliardenschwerer Rechtsstreitigkeiten hat der Bayer-Konzern einen entscheidenden juristischen Erfolg erzielt. Der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten stellte sich im Streit um mögliche Gesundheitsrisiken des Unkrautvernichters Glyphosat auf die Seite des Unternehmens und stärkte damit die Position des Leverkusener Konzerns erheblich.

Die Richter des Supreme Court entschieden, dass Bayer beziehungsweise die Tochtergesellschaft Monsanto keine zusätzlichen Warnhinweise auf den Verpackungen des Pflanzenschutzmittels Roundup anbringen mussten, solange die zuständige US-Bundesbehörde das Produkt als sicher eingestuft hatte.

Für Bayer könnte das Urteil weitreichende Folgen haben. Der Konzern erklärte unmittelbar nach der Entscheidung, dass dadurch zehntausende laufende Verfahren abgewiesen und zahlreiche zukünftige Klagen verhindert werden könnten.

Im Zentrum des Verfahrens stand die Klage des Amerikaners John Durnell. Er führte seine Blutkrebserkrankung auf die Nutzung des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup zurück und hatte vor einem Gericht im Bundesstaat Missouri zunächst Recht bekommen. Das Gericht sprach ihm im Jahr 2023 eine Entschädigung in Höhe von 1,25 Millionen Dollar zu, weil nach Auffassung der Richter ein zusätzlicher Warnhinweis auf der Verpackung fehlte.

Der Supreme Court bewertete die Rechtslage nun jedoch anders.

Die US-Umweltbehörde EPA hatte Glyphosat zuvor als unbedenklich eingestuft. Nach Auffassung des Obersten Gerichts besitzen die bundesweiten Vorgaben der amerikanischen Behörden Vorrang gegenüber möglichen zusätzlichen Anforderungen einzelner Bundesstaaten.

Mit dem Urteil dürfte eine zentrale juristische Grundlage vieler Klagen gegen Monsanto und Bayer erheblich geschwächt werden.

An den Finanzmärkten wurde die Entscheidung regelrecht gefeiert. Die Bayer-Aktie legte an der Börse in Frankfurt zeitweise um mehr als 15 Prozent zu und verzeichnete damit einen ihrer stärksten Kurssprünge der vergangenen Jahre.

Der Konzern hatte seit der Übernahme von Monsanto im Jahr 2018 bereits mehr als zehn Milliarden Dollar zur Beilegung von Glyphosat-Verfahren ausgegeben. Zusätzlich wurden weitere acht Milliarden Dollar für noch laufende Prozesse zurückgestellt.

Trotz des Erfolgs bleibt die juristische Aufarbeitung des Falls noch nicht vollständig abgeschlossen. In den Vereinigten Staaten sind weiterhin mehrere zehntausend Klagen anhängig.

Bereits im Februar hatte Bayer einen milliardenschweren Sammelvergleich angekündigt. Demnach sollen über einen Zeitraum von bis zu 21 Jahren insgesamt maximal 7,25 Milliarden Dollar ausgezahlt werden, um bestehende und mögliche zukünftige Verfahren zu beenden.

Der Konzern betonte mehrfach, dass mit dem Vergleich kein Schuldeingeständnis verbunden sei.

Die Debatte über mögliche Gesundheitsrisiken von Glyphosat dauert derweil weltweit an.

Während die amerikanische Umweltbehörde EPA und zahlreiche weitere Behörden das Mittel bei sachgemäßer Anwendung als unbedenklich bewerten, verweisen Kritiker auf die Einschätzung der Internationalen Agentur für Krebsforschung aus dem Jahr 2015.

Damals wurde Glyphosat als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft. Gleichzeitig wiesen die Wissenschaftler ausdrücklich darauf hin, dass diese Bewertung nicht automatisch bedeute, dass die tatsächliche Nutzung des Mittels zu Krebserkrankungen führt.

Auch in Europa bleibt die Diskussion hochpolitisch. Die Europäische Kommission hatte zuletzt angekündigt, die Zulassung von Glyphosat künftig zeitlich unbegrenzt ermöglichen zu wollen und Genehmigungsverfahren zu vereinfachen.

Umweltverbände kritisieren diese Haltung seit Jahren scharf und werfen den Behörden vor, wirtschaftliche Interessen höher zu bewerten als mögliche Gesundheits- und Umweltgefahren.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Ein Urteil mit enormer Signalwirkung

Die Entscheidung des Supreme Court dürfte weit über Bayer hinaus Wirkung entfalten. Sie stärkt grundsätzlich die Rolle staatlicher Zulassungsbehörden und begrenzt gleichzeitig die Möglichkeiten einzelner Bundesstaaten, strengere Warnpflichten durchzusetzen.

Für die Industrie bedeutet dies mehr Rechtssicherheit und Planbarkeit. Für Kritiker hingegen entsteht die Sorge, dass mögliche Gesundheitsrisiken künftig schwerer juristisch durchgesetzt werden können.

Der Fall zeigt die enorme Bedeutung wissenschaftlicher Bewertungen durch Behörden wie die EPA. Wer dort eine Zulassung erhält, verschafft sich künftig möglicherweise auch erhebliche Vorteile vor Gericht.

Der gesellschaftliche Streit um Glyphosat wird durch dieses Urteil daher keineswegs beendet sein. Vielmehr dürfte er in Politik, Wissenschaft und Öffentlichkeit weitergeführt werden.

Historischer Hintergrund

Glyphosat wurde in den 1970er Jahren entwickelt und entwickelte sich zum weltweit meistverwendeten Unkrautvernichtungsmittel.

Die Übernahme des US-Unternehmens Monsanto durch Bayer im Jahr 2018 für rund 63 Milliarden Dollar zählt zu den größten Firmenübernahmen der deutschen Wirtschaftsgeschichte.

Kurz nach dem Kauf begann eine Welle von Schadensersatzklagen in den USA, die den Konzern bis heute finanziell belastet.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Bewertung der Internationalen Agentur für Krebsforschung aus dem Jahr 2015, die Glyphosat als "wahrscheinlich krebserregend" einstufte.

Zukunftsprognose

Das Urteil dürfte die Zahl neuer Glyphosat-Klagen in den USA deutlich reduzieren.

Gleichzeitig wird Bayer versuchen, die verbliebenen Verfahren möglichst schnell über Sammelvergleiche abzuschließen und die milliardenschweren Rechtsrisiken endgültig zu begrenzen.

International bleibt die Diskussion über den Einsatz von Glyphosat jedoch bestehen. Besonders in Europa dürfte die Debatte über Umwelt- und Gesundheitsrisiken weiter an Intensität gewinnen.

Für Bayer bedeutet das Urteil vor allem eines: mehr finanzielle Planungssicherheit und eine mögliche Entlastung der Bilanz in Milliardenhöhe.

Gewinnspiel

Frage: Welche Behörde hatte Glyphosat in den USA als unbedenklich eingestuft?

A) FDA

B) CDC

C) EPA

D) USDA

Zum Gewinnspiel:

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Mini-Infobox

Supreme Court entscheidet zugunsten von Bayer

Keine zusätzlichen Warnhinweise erforderlich

Bayer-Aktie steigt zeitweise um mehr als 15 Prozent

Bereits über zehn Milliarden Dollar für Vergleiche ausgegeben

Zehntausende Verfahren könnten betroffen sein

OZD-Analyse

Juristischer Meilenstein

– Das Urteil stärkt die Position bundesweiter Zulassungsbehörden in den USA.

Wirtschaftliche Auswirkungen

– a) Sinkende Rechtsrisiken für Bayer

– b) Entlastung der Bilanz

– c) Größere Planungssicherheit für Investoren

Folgen

– Der Ausgang künftiger Glyphosat-Verfahren dürfte maßgeblich durch die Entscheidung des Supreme Court beeinflusst werden.

Erklärungen

Wer ist Bayer?

Der deutsche Konzern gehört weltweit zu den größten Unternehmen in den Bereichen Pharma, Agrarwirtschaft und Biotechnologie und übernahm 2018 den US-Saatgut- und Pflanzenschutzhersteller Monsanto.

Was ist Glyphosat?

Glyphosat ist ein weltweit eingesetztes Herbizid zur Bekämpfung von Unkraut in Landwirtschaft, Gartenbau und Industrie. Seine möglichen Gesundheits- und Umweltfolgen werden seit Jahrzehnten kontrovers diskutiert.

OZD-Extras

Die Übernahme von Monsanto gilt rückblickend als eine der umstrittensten Unternehmensentscheidungen der deutschen Wirtschaftsgeschichte und belastete Bayer über Jahre hinweg mit milliardenschweren Rechtsrisiken.

Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.