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Razzia rund um die EM 2024: Ermittler durchsuchen auch DFB-Zentrale

Die Justiz ermittelt wegen möglicher Vorteilsgewährung im Zusammenhang mit der Fußball-EM 2024. Bei bundesweiten Durchsuchungen rückte auch die DFB-Zentrale in Frankfurt in den Fokus – der Verband sieht sich jedoch lediglich als Zeuge.

Ermittlungen wegen des Verdachts der Vorteilsgewährung erschüttern die Organisation der Fußball-Europameisterschaft 2024 in Deutschland. Am Mittwoch durchsuchten Ermittler der Staatsanwaltschaft Bochum und des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen mit Unterstützung örtlicher Polizeibehörden mehrere Objekte im Bundesgebiet. Betroffen war dabei auch die Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Frankfurt am Main.

Der DFB bestätigte die Durchsuchung, stellte jedoch klar, dass sich die Ermittlungen nicht gegen den Verband selbst richten. „Die Ermittlungen betreffen weder den DFB als Organisation noch einzelne Mitarbeitende oder Verantwortliche“, erklärte der Verband. Der DFB sei in dem Verfahren lediglich als Zeuge beteiligt und habe den Ermittlungsbehörden umfassende Zusammenarbeit zugesichert.

Im Mittelpunkt der Untersuchungen stehen Verantwortliche der Organisationsgesellschaft der Europameisterschaft sowie Vertreter einzelner Gastgeberstädte. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft besteht der Verdacht, dass Beschäftigte der Ausrichtergesellschaft Mitarbeitenden von Gastgeberstädten unzulässige Vorteile verschafft haben könnten. Dazu sollen Einladungen zu Fußball-Länderspielen sowie Eintrittskarten zu Vorzugskonditionen gehört haben.

In einer gemeinsamen Mitteilung erklärten die Staatsanwaltschaft Bochum und das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen, untersucht würden mutmaßlich nicht genehmigte Vorteile, die ein damals für eine Gastgeberstadt tätiger Beschuldigter von Verantwortlichen der Organisationsgesellschaft erhalten haben soll. Zudem sollen Gastgeberstädten exklusive Vorkaufsrechte für Eintrittskarten eingeräumt worden sein. Diese seien teilweise genutzt und auf unterschiedliche Weise weiterverwendet worden.

Organisiert wurde die Europameisterschaft 2024 von der EURO 2024 GmbH, einem Gemeinschaftsunternehmen des DFB und der Europäischen Fußball-Union (UEFA). Die Gesellschaft mit Sitz in Frankfurt am Main befand sich mehrheitlich im Besitz der UEFA.

Die Ermittlungen befinden sich noch in einem frühen Stadium. Die Beschuldigten hatten bislang keine Gelegenheit, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Es gilt die Unschuldsvermutung.

OZD


OZD-Kommentar

Korruption oder Vorteilsgewährung im Umfeld großer Sportveranstaltungen beschädigen das Vertrauen in den Fußball besonders nachhaltig. Auch wenn sich die Ermittlungen ausdrücklich nicht gegen den DFB richten, zeigt der Fall erneut, wie sensibel der Umgang mit Eintrittskarten, Einladungen und Privilegien bei internationalen Großturnieren ist.

– Die Ermittlungen treffen ausgerechnet eine Europameisterschaft, die organisatorisch vielfach gelobt wurde.
– Der DFB ist derzeit zwar nur Zeuge, dennoch gerät der Verband erneut in den Fokus öffentlicher Aufmerksamkeit.
– Entscheidend wird sein, ob sich der Verdacht strafrechtlich bestätigt oder ob sich die Vorwürfe am Ende nicht erhärten.

Gerade nach den zahlreichen Korruptionsaffären im internationalen Fußball wäre jeder nachgewiesene Missbrauch von Vorteilen ein weiterer Imageschaden für den Sport. Transparenz und vollständige Aufklärung sind deshalb unverzichtbar.


Historischer Hintergrund

Große Fußballturniere standen in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder im Zusammenhang mit Korruptions- und Vorteilsaffären. Besonders die Vergaben internationaler Turniere sowie der Umgang mit Eintrittskarten sorgten mehrfach für Ermittlungen und öffentliche Kritik. Die Europameisterschaft 2024 in Deutschland galt organisatorisch als erfolgreich und verlief sportlich sowie logistisch weitgehend reibungslos. Die nun eingeleiteten Ermittlungen betreffen mögliche Vorgänge im organisatorischen Umfeld der Veranstaltung.


Zukunftsprognose

Die Ermittlungen dürften sich über Monate hinziehen. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, könnten strafrechtliche Konsequenzen sowie strengere Compliance-Regeln für zukünftige Sportgroßveranstaltungen folgen. Bleiben die Verdachtsmomente dagegen unbelegt, dürfte der Fokus wieder auf organisatorische Verbesserungen bei künftigen Turnieren gerichtet werden.


Mini-Infobox

Ermittlungen zur EM 2024

Durchsuchungen an mehreren Standorten in Deutschland

Auch DFB-Zentrale in Frankfurt durchsucht

Verdacht auf Vorteilsgewährung

Ermittlungen richten sich gegen Verantwortliche der Organisationsgesellschaft und einzelne Beteiligte aus Gastgeberstädten

Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung


OZD-Analyse

1. Gegenstand der Ermittlungen

a) Verdacht auf unzulässige Vorteile für Mitarbeitende von Gastgeberstädten.

b) Eintrittskarten und Einladungen stehen im Mittelpunkt.

c) Die Ermittlungen richten sich gegen einzelne Beschuldigte, nicht gegen den DFB.

2. Rolle des DFB

a) Der Verband ist nach eigenen Angaben lediglich Zeuge.

b) Er kündigte umfassende Kooperation mit den Ermittlungsbehörden an.

c) Einzelne DFB-Verantwortliche sind laut Mitteilung derzeit nicht Beschuldigte.

3. Bedeutung des Verfahrens

a) Das Vertrauen in Sportgroßveranstaltungen steht erneut auf dem Prüfstand.

b) Der Ausgang der Ermittlungen könnte Auswirkungen auf zukünftige Compliance-Regeln haben.

c) Bis zum Abschluss der Ermittlungen gilt für alle Beschuldigten die Unschuldsvermutung.


Was ist die EURO 2024 GmbH?

Die EURO 2024 GmbH war die Organisationsgesellschaft der Fußball-Europameisterschaft 2024 in Deutschland. Sie wurde als Gemeinschaftsunternehmen des Deutschen Fußball-Bundes und der UEFA gegründet und war für Planung, Organisation und Durchführung des Turniers verantwortlich. Mehrheitseigentümer war die UEFA.


Was ist der Deutsche Fußball-Bund (DFB)?

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ist der größte nationale Fußballverband der Welt. Er organisiert den Amateur- und Profifußball in Deutschland, betreut die Nationalmannschaften und richtet zahlreiche Wettbewerbe aus. Im vorliegenden Ermittlungsverfahren tritt der Verband nach eigenen Angaben ausschließlich als Zeuge auf.

Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.