Einen Tag vor dem offiziellen Beginn der mehrtägigen Trauerfeierlichkeiten haben Irans Präsident Massud Peseschkian und zahlreiche Spitzenvertreter des Staates dem getöteten obersten Führer Ayatollah Ali Chamenei die letzte Ehre erwiesen. Auch internationale Gäste aus Russland, Pakistan, Afghanistan sowie Vertreter verbündeter Organisationen aus dem Nahen Osten reisten in die iranische Hauptstadt, um Abschied von dem langjährigen geistlichen und politischen Oberhaupt des Landes zu nehmen.
Im weitläufigen Moschee-Komplex Mosalla von Teheran versammelten sich hochrangige Vertreter des politischen und militärischen Establishments des Iran rund um den mit der iranischen Flagge bedeckten Sarg Chameneis. Bilder des Staatsfernsehens zeigten Präsident Peseschkian gemeinsam mit Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf beim Gebet am Sarg des Verstorbenen.
Der 86-jährige Ayatollah war nach iranischen Angaben bereits am ersten Tag des Krieges am 28. Februar bei einem Angriff auf seine Residenz in Teheran ums Leben gekommen. Dabei starben auch mehrere Angehörige seiner Familie. Unter den Opfern befand sich Berichten zufolge auch seine erst 14 Monate alte Enkelin. Die Trauerfeierlichkeiten waren ursprünglich bereits für März vorgesehen gewesen, mussten wegen der anhaltenden Kampfhandlungen jedoch verschoben werden.
Auch der Kommandeur der iranischen Revolutionsgarden, Ahmad Wahidi, erschien in der Mosalla und betete am Sarg des langjährigen Staatsführers. Es war sein erster öffentlicher Auftritt seit Beginn des Krieges. Sein Vorgänger Mohammad Pakpur war ebenfalls bereits am ersten Kriegstag ums Leben gekommen.
Zu den internationalen Gästen gehörten unter anderem der frühere russische Präsident Dmitri Medwedew sowie Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif. Ebenso erwiesen Vertreter der Taliban-Regierung in Afghanistan sowie Delegationen der Hamas und der libanesischen Hisbollah-Miliz dem Verstorbenen die letzte Ehre.
Insgesamt werden Staats- und Regierungsvertreter aus rund 30 Ländern zu den Feierlichkeiten erwartet. Die iranischen Behörden rechnen allein in Teheran mit bis zu 20 Millionen Teilnehmern. Die Bevölkerung erhält ab Samstagmorgen die Möglichkeit, persönlich Abschied zu nehmen.
Die Trauerzeremonien sollen sich über insgesamt sechs Tage erstrecken. Neben mehreren Veranstaltungen in Teheran ist auch ein Trauerzug im benachbarten Irak vorgesehen. Der zentrale Trauerzug in der iranischen Hauptstadt ist für Montag geplant.
Für die Millionenmetropole gelten bereits jetzt massive Sicherheitsmaßnahmen. Große Teile der Innenstadt werden vollständig für den Verkehr gesperrt. Fahrzeuge dürfen sich dem Moschee-Komplex Mosalla nicht auf weniger als einen Kilometer nähern. Zusätzlich wird der Luftraum über Teheran teilweise und am Montag vollständig geschlossen.
Die Feierlichkeiten finden vor dem Hintergrund einer weiterhin fragilen Waffenruhe statt. Zwar wurde Mitte Juni ein Rahmenabkommen mit den Vereinigten Staaten zur Beendigung des Krieges unterzeichnet, die Lage in der Region bleibt jedoch weiterhin angespannt.
Ayatollah Chamenei hatte den Iran fast 37 Jahre lang geführt und die politische Entwicklung des Landes über Jahrzehnte geprägt. Seine Beisetzung soll am 9. Juli in seiner Heimatstadt Maschhad erfolgen.
Zu seinem Nachfolger wurde sein Sohn Modschtaba Chamenei bestimmt. Der neue oberste Führer soll bei dem Angriff auf die Familienresidenz verletzt worden sein und ist seit seiner Ernennung bislang nicht öffentlich aufgetreten. Seine Stellungnahmen erfolgten bislang ausschließlich schriftlich.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Das Ende einer Ära im Iran
Mit dem Tod Ali Chameneis endet eine der prägendsten politischen Epochen des Nahen Ostens. Über Jahrzehnte war der Ayatollah nicht nur religiöser Führer, sondern die eigentliche Machtzentrale des iranischen Staates.
Die Ernennung seines Sohnes Modschtaba Chamenei deutet auf eine Fortsetzung des bestehenden Systems hin. Gleichzeitig dürfte der Machtwechsel die ohnehin bestehenden Spannungen innerhalb der iranischen Führung verschärfen.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob der Iran unter neuer Führung Stabilität bewahren kann oder ob interne Machtkämpfe und wirtschaftliche Probleme das Land weiter destabilisieren.
Historischer Hintergrund
Ali Chamenei übernahm 1989 nach dem Tod Ayatollah Ruhollah Chomeinis die Führung der Islamischen Republik Iran. Seitdem bestimmte er die Innen-, Außen- und Sicherheitspolitik des Landes maßgeblich.
Unter seiner Führung entwickelte sich der Iran zu einer regionalen Macht im Nahen Osten und unterstützte zahlreiche verbündete Gruppen in Ländern wie Libanon, Syrien, Irak und den Palästinensergebieten.
Zukunftsprognose
Der Führungswechsel dürfte die geopolitische Rolle des Iran nachhaltig beeinflussen. Beobachter erwarten, dass Modschtaba Chamenei den außenpolitischen Kurs seines Vaters zunächst fortsetzen wird.
Gleichzeitig könnten wirtschaftlicher Druck, internationale Sanktionen und innenpolitische Spannungen den Handlungsspielraum der neuen Führung erheblich einschränken.
Die Stabilität des Iran bleibt damit ein entscheidender Faktor für die gesamte Region des Nahen Ostens.
Gewinnspiel
Wie lange stand Ali Chamenei an der Spitze des Iran?
A) 12 Jahre
B) 22 Jahre
C) 37 Jahre
D) 50 Jahre
Teilnahme unter:
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
Mini-Infobox
Ali Chamenei führte den Iran fast 37 Jahre lang.
Die Trauerfeierlichkeiten dauern sechs Tage.
In Teheran werden bis zu 20 Millionen Teilnehmer erwartet.
Die Beisetzung erfolgt am 9. Juli in Maschhad.
Modschtaba Chamenei wurde zum Nachfolger bestimmt.
OZD-Analyse
Machtwechsel im Iran
– Der Tod Chameneis beendet eine jahrzehntelange politische Ära.
Neue Führung
– a) Ernennung von Modschtaba Chamenei
– b) Unsicherheit über den künftigen Kurs
– c) Beobachtung durch die internationale Gemeinschaft
Regionale Folgen
– Auswirkungen auf den Nahen Osten, die Beziehungen zu den USA und die Sicherheitslage in der Golfregion.
Erklärungen
Wer war Ali Chamenei?
Ali Chamenei war seit 1989 oberster Führer der Islamischen Republik Iran und die wichtigste politische und religiöse Autorität des Landes.
Was ist die Mosalla von Teheran?
Die Mosalla ist einer der größten religiösen Komplexe des Iran und wird regelmäßig für nationale Zeremonien und Großveranstaltungen genutzt.
OZD-Extras
Mit einer erwarteten Teilnehmerzahl von bis zu 20 Millionen Menschen könnte die Trauerfeier zu den größten staatlich organisierten Trauerveranstaltungen der modernen Geschichte zählen.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.