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Ist Hannibals größtes Geheimnis gelüftet

Neue Berechnungen liefern starke Hinweise auf Hannibals Alpenroute. Im Mittelpunkt steht der fast 3000 Meter hohe Col de la Traversette.

Geheimnis ein Stück nähergekommen sein. Mehr als 2200 Jahre nach Hannibals legendärer Alpenüberquerung mit Kriegselefanten haben Forschende neue Berechnungen vorgestellt, die den wahrscheinlichsten Weg des karthagischen Feldherrn durch das Hochgebirge aufzeigen.

Nach Angaben des Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (Idiv) sprechen bioenergetische Modelle dafür, dass Hannibal im Jahr 218 vor Christus den Col de la Traversette nutzte. Der 2947 Meter hohe Pass in den Cottischen Alpen an der heutigen Grenze zwischen Frankreich und Italien wäre demnach die energieeffizienteste Route für eine Armee mit rund 40.000 Soldaten, 7000 Pferden und 37 Kriegselefanten gewesen.

Seit Jahrhunderten streiten Historiker über den genauen Verlauf dieses außergewöhnlichen Feldzuges während des Zweiten Punischen Krieges. Die neue Untersuchung liefert nun weitere wissenschaftliche Argumente zugunsten der Traversette-Route.

"Die neue Analyse beseitigt zwar nicht alle Unklarheiten, liefert aber zusätzliche Argumente für die Traversette-Route", erklärte Koautor Emilio Berti. Der Pass habe den Anforderungen eines Marsches mit einer großen Armee und Elefanten durch extrem anspruchsvolles Gelände am besten entsprochen.

Für ihre Studie kombinierten Forschende des Idiv, der Universität Jena und der Universität Oxford digitale Höhenmodelle mit bioenergetischen Berechnungen. Grundlage waren Daten heutiger afrikanischer Elefanten, anhand derer sich der Energieverbrauch in unterschiedlichen Steigungen und Geländeverhältnissen modellieren ließ.

Das Ergebnis fiel eindeutig aus: Der Col de la Traversette erforderte den geringsten Energieaufwand. Andere häufig diskutierte Alpenpässe wie der Col de Montgenèvre, der Col du Clapier oder der Col du Mont Cenis hätten für Hannibals Heer einen um elf, 16 beziehungsweise 19 Prozent höheren Energieverbrauch bedeutet.

Die Berechnungen verdeutlichen zugleich die enormen Strapazen des historischen Marsches. Demnach verloren die Soldaten auf der Traversette-Route rund 19 Prozent ihrer Körperfettreserven. Dies könnte die hohen Verluste während der Alpenüberquerung erklären. Die Kriegselefanten dagegen büßten lediglich etwa vier Prozent ihrer Energiereserven ein – ein Hinweis darauf, warum viele der Tiere den schwierigen Marsch tatsächlich überlebten.

Bis heute ist allerdings nicht endgültig geklärt, weshalb Hannibal überhaupt Kriegselefanten über die Alpen führte. Historiker vermuten, dass sie den Römern in den ersten Schlachten einen psychologischen Schock versetzen oder die keltischen Stämme Norditaliens als potenzielle Verbündete beeindrucken sollten.

OZD


OZD-Kommentar – Moderne Wissenschaft schreibt Geschichte neu

Die Faszination um Hannibals Alpenüberquerung hält seit über zwei Jahrtausenden an. Bemerkenswert ist, dass moderne Computerberechnungen und biologische Modelle heute helfen, eines der größten Rätsel der Antike neu zu bewerten. Geschichte wird längst nicht mehr ausschließlich durch alte Quellen rekonstruiert, sondern zunehmend durch interdisziplinäre Forschung.

Dennoch bleibt Vorsicht geboten. Auch die überzeugendsten Modelle können historische Augenzeugenberichte nicht vollständig ersetzen. Die neue Studie liefert starke Indizien – den endgültigen Beweis für Hannibals Route aber weiterhin nicht.


Historischer Hintergrund

Hannibal Barkas war einer der bedeutendsten Feldherren der Antike. Während des Zweiten Punischen Krieges führte er 218 vor Christus sein Heer von der Iberischen Halbinsel über die Alpen nach Italien, um das Römische Reich direkt anzugreifen. Sein überraschender Alpenmarsch mit Tausenden Soldaten, Pferden und Kriegselefanten gilt bis heute als eine der außergewöhnlichsten militärischen Leistungen der Weltgeschichte. Die genaue Route durch die Alpen beschäftigt Historiker und Archäologen seit Jahrhunderten.


Zukunftsprognose

Die neue Studie dürfte die wissenschaftliche Debatte über Hannibals Alpenroute neu beleben. Künftige archäologische Ausgrabungen sowie moderne Geländescans könnten zusätzliche Belege liefern und die Traversette-Route weiter stützen oder widerlegen. Gleichzeitig zeigt die Forschung, wie digitale Modelle, Geografie und Biologie künftig immer häufiger historische Fragestellungen beantworten können.


Gewinnspiel

Frage: Welcher Alpenpass gilt laut der neuen Studie als wahrscheinlichste Route Hannibals?

A) Col du Mont Cenis

B) Col du Clapier

C) Col de Montgenèvre

D) Col de la Traversette

Gewinnspiel:
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Mini-Infobox

Hannibal überquerte die Alpen im Jahr 218 v. Chr.

Rund 40.000 Soldaten und 37 Kriegselefanten

Favorisierte Route: Col de la Traversette

Passhöhe: 2947 Meter

Studie von Forschenden aus Leipzig, Jena und Oxford


OZD-Analyse

Neue wissenschaftliche Methode

– Bioenergetische Modelle liefern neue Hinweise auf Hannibals Marschroute.

Die entscheidenden Ergebnisse

– a) Traversette benötigt den geringsten Energieaufwand

– b) Andere Alpenpässe wären deutlich kräftezehrender gewesen

– c) Die Modelle erklären die hohen Verluste der Soldaten.

Folgen

– Die Studie stärkt die Traversette-Hypothese und zeigt, wie moderne Naturwissenschaft historische Rätsel neu bewerten kann.


Erklärungen

Wer war Hannibal?

Hannibal Barkas war ein karthagischer Feldherr und einer der größten Militärstrategen der Antike. Während des Zweiten Punischen Krieges führte er sein Heer über die Alpen nach Italien und fügte Rom mehrere schwere Niederlagen zu. Sein Name gilt bis heute als Symbol für militärische Kühnheit und strategisches Geschick.

Was ist der Col de la Traversette?

Der Col de la Traversette ist ein 2947 Meter hoher Gebirgspass in den Cottischen Alpen an der Grenze zwischen Frankreich und Italien. Wegen seiner schwierigen Topografie zählt er zu den anspruchsvollsten historischen Alpenübergängen.


OZD-Extras

Die Kriegselefanten Hannibals gehörten vermutlich nicht zu den heute bekannten großen afrikanischen Savannenelefanten. Viele Historiker gehen davon aus, dass kleinere nordafrikanische Waldelefanten eingesetzt wurden, die inzwischen ausgestorben sind.


Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.