Australien fordert die sofortige Abschaffung der neuen US-Zölle.
Neuseeland bezeichnet die Entscheidung als "äußerst enttäuschend".
Japan äußert offizielles "Bedauern" über die Maßnahmen.
Die USA begründen die Zölle mit einem unzureichenden Vorgehen gegen Zwangsarbeit.
Australien, Neuseeland und Japan haben mit deutlicher Kritik auf die neuen US-Zölle gegen rund 60 internationale Handelspartner reagiert. Die Regierungen der drei engen Verbündeten Washingtons weisen die Begründung der Vereinigten Staaten zurück und warnen vor wirtschaftlichen Schäden sowie einer weiteren Belastung des internationalen Handels.
Australiens Handelsminister Don Farrell bezeichnete die Maßnahmen als klaren Verstoß gegen bestehende Vereinbarungen. "Diese Zölle sind ungerechtfertigt und stehen im Widerspruch zu unserem Freihandelsabkommen", erklärte Farrell. Die zusätzlichen Abgaben müssten "abgeschafft werden".
Auch Neuseelands Regierungschef Christopher Luxon übte scharfe Kritik. Die Entscheidung aus Washington sei "äußerst enttäuschend". Zölle seien kein geeignetes Mittel, um internationale Probleme zu lösen. "Sie treiben die Kosten in die Höhe und sorgen für Unsicherheit bei den Unternehmen."
Zudem stellte Luxon die zentrale Begründung der US-Regierung infrage. "Die US-Untersuchung hat keine stichhaltigen Beweise für die Behauptungen im Zusammenhang mit Zwangsarbeit geliefert", schrieb der Regierungschef im Onlinedienst X.
Auch Japan reagierte mit diplomatischer Deutlichkeit. Die Regierung in Tokio äußerte ihr "Bedauern" über die Entscheidung der Vereinigten Staaten. Ein Regierungssprecher betonte: "Japans Industrie und Handel richten sich nach internationalen Regeln." Die Strafzölle gegen Japan seien offenbar allein deshalb verhängt worden, weil dort kein ausdrückliches Einfuhrverbot für Waren bestehe, die unter Zwangsarbeit hergestellt wurden.
Die US-Regierung hatte am Donnerstag neue Importzölle gegen rund 60 Handelspartner angekündigt. Das Weiße Haus begründet die Maßnahme mit einem aus seiner Sicht unzureichenden Vorgehen gegen Zwangsarbeit. Die neuen Zollsätze zwischen zehn und 12,5 Prozent traten in der Nacht zum Freitag in Kraft. Für die Europäische Union bleibt es nach Angaben Washingtons beim allgemeinen Zollsatz von zehn Prozent. Auch Australien, Neuseeland und Japan gehören zu den betroffenen Staaten.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Der Preis der KonfrontationDie Reaktionen zeigen, dass die USA mit ihrer neuen Zollstrategie nicht nur Rivalen, sondern auch enge Partner gegen sich aufbringen. Wenn selbst langjährige Verbündete wie Australien, Neuseeland und Japan öffentlich widersprechen, verliert Washington an diplomatischer Glaubwürdigkeit.
Der Kampf gegen Zwangsarbeit ist zweifellos ein wichtiges Anliegen. Doch wenn dieser Vorwurf ohne allgemein anerkannte Belege zur Grundlage neuer Handelsbarrieren wird, wächst weltweit das Misstrauen. Die Gefahr besteht, dass wirtschaftspolitische Ziele künftig immer häufiger moralisch begründet werden. Das könnte den internationalen Freihandel dauerhaft beschädigen und neue Gegenmaßnahmen auslösen.
Historischer HintergrundAustralien, Neuseeland, Japan und die Vereinigten Staaten gehören seit Jahrzehnten zu den engsten wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Partnern im Indopazifik. Freihandelsabkommen und gemeinsame Sicherheitsbündnisse prägen ihre Beziehungen. Bereits während der ersten Präsidentschaft Donald Trumps sorgten Strafzölle gegen Verbündete für erhebliche Spannungen. Die aktuellen Maßnahmen knüpfen an diese Politik an und könnten bestehende Handelsbeziehungen erneut belasten.
ZukunftsprognoseSollten die neuen US-Zölle bestehen bleiben, könnten betroffene Staaten Gegenmaßnahmen oder Verfahren vor internationalen Handelsinstitutionen prüfen. Unternehmen dürften verstärkt nach alternativen Lieferketten suchen, während Investitionen durch die steigende Unsicherheit gebremst werden könnten. Geopolitisch wächst das Risiko, dass sich Handelskonflikte zwischen Nordamerika, Europa und dem Indopazifik weiter verschärfen.Die neuen Zölle sind kein unmittelbarer Börsencrash-Auslöser. Sie wirken aber als zusätzlicher Belastungsfaktor in einer ohnehin angespannten Lage. Sollte daraus ein größerer Handelskonflikt entstehen, könnten vor allem der DAX, der Nikkei, exportorientierte europäische Industriewerte sowie die US-Technologiebörsen in den kommenden Wochen stärker unter Druck geraten. Aktuell dominieren jedoch die Sorgen über den Nahostkonflikt, den Ölpreis und die Inflation die Stimmung an den Finanzmärkten.
GewinnspielFrage: Welches Land bezeichnete die neuen US-Zölle als "äußerst enttäuschend"?
A) Kanada
B) Neuseeland
C) Mexiko
D) Brasilien
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OZD-AnalyseWachsender Widerstand gegen Washington
– Mehrere enge Verbündete stellen sich offen gegen die neue US-Handelspolitik.
Auswirkungen auf den Welthandel
– a) Vertrauensverlust zwischen Handelspartnern.
– b) Höhere Kosten für Unternehmen und Verbraucher.
– c) Gefahr weiterer Gegenzölle und Handelskonflikte.
Folgen
– Die internationale Handelspolitik könnte zunehmend von politischen und
geopolitischen Interessen bestimmt werden. Für Unternehmen steigt die
Unsicherheit bei Investitionen und Lieferketten.
Wer ist Christopher Luxon?
Christopher Luxon ist seit 2023 Premierminister von Neuseeland. Der frühere Manager einer internationalen Fluggesellschaft verfolgt eine wirtschaftsorientierte Politik und setzt sich für offenen Freihandel sowie stabile internationale Wirtschaftsbeziehungen ein.
OZD-ExtrasInteressanter Zusatzfakt: Australien und Neuseeland gehören zu den Ländern mit den engsten sicherheitspolitischen Beziehungen zu den USA. Gerade deshalb gilt ihre ungewöhnlich deutliche öffentliche Kritik als diplomatisch bemerkenswert.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.