Fakten im Überblick
Emilien Jacquelin startet vorübergehend als Radprofi.
Sein erstes Rennen ist La Polynormande am 16. August.
Danach folgt vom 18. bis 21. August die Tour du Limousin.
Im Training absolvierte er 7330 Kilometer und 134.000 Höhenmeter.
Seine Biathlon-Karriere setzt der französische Olympiasieger im Winter fort.
Vom Biathlon-Gewehr auf den Rennradsattel: Der französische Olympiasieger Emilien Jacquelin erfüllt sich einen außergewöhnlichen sportlichen Traum und steigt zumindest zeitweise in den professionellen Straßenradsport ein. Der 31-Jährige wird für das französische Team Decathlon-CMA CGM bei zwei Rennen in seiner Heimat an den Start gehen.
Sein Debüt ist bereits für den 16. August beim französischen Eintagesrennen La Polynormande vorgesehen. Nur zwei Tage später wartet die nächste Herausforderung: Vom 18. bis 21. August soll Jacquelin bei der Tour du Limousin antreten. Dort fährt er für dasselbe Team wie das erst 19 Jahre alte französische Top-Talent Paul Seixas.
Für den Biathlon-Star ist der Ausflug in den Profiradsport weit mehr als eine PR-Aktion. Jacquelin hat sich über Monate intensiv vorbereitet. Seit Ende März absolvierte er in einem Trainingslager in den französischen Alpen 7330 Kilometer auf dem Rad und bewältigte dabei beeindruckende 134.000 Höhenmeter.
"Ich bin mir der Chance bewusst, die man mir bietet", sagte Jacquelin zu seiner überraschenden Nominierung. Die Teilnahme an den beiden Profirennen sei für ihn "der Lohn mehrerer Monate harter Arbeit, in denen ich alles darangesetzt habe, bereit für diesen Moment zu sein".
Damit erfüllt sich der Franzose nach eigenen Worten "einen Kindheitstraum".
Jacquelins Begeisterung für den Radsport reicht weit zurück. Besonders inspiriert wurde er vom legendären italienischen Kletterer und Tour-de-France-Sieger Marco Pantani. Der 2004 verstorbene Italiener war für seinen aggressiven Fahrstil in den Bergen und seine spektakulären Attacken berühmt.
Wie viel Pantani Jacquelin bedeutet, zeigte sich sogar bei den Olympischen Winterspielen im vergangenen Februar. Dort trug der Franzose symbolisch einen silbernen Ohrring, der einst Pantani gehört hatte.
Sportlich reist Jacquelin mit reichlich Selbstvertrauen in sein neues Abenteuer. Bei den Olympischen Winterspielen Mailand-Cortina gewann er mit Frankreich Gold in der Männerstaffel und holte zudem Bronze in der Verfolgung. Bereits bei den Spielen von Peking 2022 hatte er zwei olympische Silbermedaillen mit französischen Staffeln gewonnen.
Trotz seines Einstiegs in den Profi-Radsport verabschiedet sich Jacquelin keineswegs vom Biathlon. Sein Rad-Abenteuer bleibt zunächst auf den Sommer beschränkt. Im Winter will der Olympiasieger wieder auf Schnee mit Langlaufski und Gewehr um Weltcup-Siege kämpfen.
Genau diese Kombination macht sein Projekt so außergewöhnlich: Jacquelin versucht nicht, seine erfolgreiche Karriere zu beenden und eine neue zu beginnen. Er will zeitweise zwei der körperlich anspruchsvollsten Ausdauersportarten auf professionellem Niveau miteinander verbinden.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Genau solche Sportler braucht der Spitzensport
Emilien Jacquelin könnte es sich bequem machen. Olympiagold, weitere olympische Medaillen, etablierter Weltklasse-Biathlet – sportlich muss der Franzose niemandem mehr beweisen, dass er außergewöhnliche Leistungen vollbringen kann.
Und trotzdem wagt er etwas Neues.
7330 Kilometer und 134.000 Höhenmeter zeigen, dass dieses Projekt keine Showveranstaltung ist. Jacquelin weiß, dass zwischen einem hervorragenden Radfahrer im Biathlontraining und einem professionellen Straßenfahrer ein gewaltiger Unterschied liegt.
Gerade deshalb ist sein Versuch faszinierend. Im modernen Spitzensport werden Athleten immer stärker spezialisiert. Jacquelin geht bewusst in die andere Richtung und folgt einer persönlichen Leidenschaft.
Ob er bei La Polynormande und der Tour du Limousin sportlich mithalten kann, ist völlig offen. Doch genau darin liegt der Reiz. Sein größter Sieg ist bereits vor dem Start gelungen: Er hat aus einem Kindheitstraum ein konkretes sportliches Ziel gemacht.
Historischer Hintergrund
Biathlon und Straßenradsport wirken auf den ersten Blick völlig unterschiedlich, besitzen physiologisch jedoch wichtige Gemeinsamkeiten. Beide Sportarten verlangen enorme aerobe Ausdauer, effiziente Energiebereitstellung und die Fähigkeit, über lange Zeiträume hohe Belastungen zu bewältigen.
Viele Biathleten nutzen das Rennrad deshalb während der schneefreien Monate als Trainingsgerät. Ein tatsächlicher Start bei professionellen Straßenrennen ist jedoch eine andere Dimension: Positionskämpfe im Peloton, Windschatten, Abfahrten, Rennstrategie und hohe Geschwindigkeiten verlangen spezielle Erfahrung.
Jacquelins Vorbild Marco Pantani wurde in den 1990er-Jahren zu einer Ikone des europäischen Radsports. Der Italiener gewann 1998 sowohl den Giro d'Italia als auch die Tour de France und wurde insbesondere für seine Attacken in den Alpen und Pyrenäen berühmt.
Jacquelins sportliche Heimat liegt ebenfalls in den französischen Alpen – einer Region, die sowohl für den Wintersport als auch für die Tour de France von herausragender Bedeutung ist.
Zukunftsprognose
Die beiden Rennen im August werden zeigen, wie konkurrenzfähig Jacquelin im professionellen Straßenradsport tatsächlich ist. Seine Ausdauerwerte und das enorme Trainingspensum schaffen gute körperliche Voraussetzungen. Schwieriger dürfte die Anpassung an Renntechnik, Taktik und das Fahren in einem professionellen Peloton werden.
Sollte Jacquelin überzeugen, könnten weitere sommerliche Einsätze denkbar werden. Eine vollständige Abkehr vom Biathlon erscheint dagegen kurzfristig unwahrscheinlich.
Für das Team Decathlon-CMA CGM besitzt das Experiment zusätzlich enorme mediale Strahlkraft. Ein französischer Biathlon-Olympiasieger im französischen Profiradsport verbindet zwei Sportwelten, die in Frankreich eine große Fangemeinde besitzen.
OZD-Analyse
1. Hauptpunkt – Ein außergewöhnliches Doppelprojekt
Jacquelin versucht, professionellen Radsport und Biathlon miteinander zu verbinden. Seine Biathlon-Karriere bleibt dabei bestehen.
2. Hauptpunkt – Die Voraussetzungen
a) 7330 Trainingskilometer zeigen eine langfristige Vorbereitung.
b) 134.000 Höhenmeter sprechen für einen starken Fokus auf Berg- und Ausdauerleistung.
c) Mit Decathlon-CMA CGM erhält Jacquelin die Möglichkeit, sich unter professionellen Bedingungen mit etablierten Straßenfahrern zu messen.
3. Hauptpunkt – Folgen
Überzeugt Jacquelin bei seinen Rennen in Frankreich, könnte sein Experiment weitere Starts ermöglichen und zugleich zeigen, wie stark sich Fähigkeiten zwischen verschiedenen Ausdauersportarten übertragen lassen.
Erklärungen
Wer ist Emilien Jacquelin?
Emilien Jacquelin ist ein französischer Biathlet und Olympiasieger. Der 31-Jährige gehört seit Jahren zur internationalen Spitze und gewann bei den Olympischen Winterspielen Mailand-Cortina Gold mit der französischen Männerstaffel sowie Bronze in der Verfolgung. Bereits bei den Olympischen Spielen 2022 in Peking gewann er zwei Silbermedaillen in Staffelwettbewerben.
Wer war Marco Pantani?
Marco Pantani war einer der bekanntesten italienischen Radprofis der 1990er-Jahre. Der außergewöhnliche Kletterer gewann 1998 sowohl den Giro d'Italia als auch die Tour de France.
Pantani wurde wegen seines markanten Auftretens und seiner offensiven Fahrweise zu einer Kultfigur des internationalen Radsports. Der Italiener starb 2004 im Alter von 34 Jahren.
Was ist die Tour du Limousin?
Die Tour du Limousin ist ein mehrtägiges Straßenradrennen in Frankreich. Sie wird in der Region Limousin beziehungsweise im heutigen Nouvelle-Aquitaine ausgetragen und kombiniert traditionell anspruchsvolle, wellige Strecken mit taktisch schwierigen Rennsituationen.
Was ist Decathlon-CMA CGM?
Decathlon-CMA CGM ist ein französisches Profi-Radsportteam. Die Mannschaft startet auf internationalem Spitzenniveau und gehört damit zur Elite des Straßenradsports. Mit dem jungen Paul Seixas verfügt das Team zudem über eines der größten französischen Talente seiner Generation.
OZD-Extras
Besonders beeindruckend ist Jacquelins Trainingsstatistik: 134.000 Höhenmeter entsprechen rechnerisch mehr als 15 Besteigungen des Mount Everest vom Meeresspiegel bis zum Gipfel.
Auswirkungen auf Wirtschaft und Sponsoring
Für Decathlon-CMA CGM ist Jacquelins Einsatz auch kommunikativ wertvoll. Der Olympiasieger erreicht neben klassischen Radsportfans ein großes Wintersportpublikum in Frankreich, Deutschland, Norwegen und weiteren europäischen Märkten.
Direkte Auswirkungen auf die Börsen sind nicht zu erwarten. Marketingseitig kann das Projekt jedoch die Sichtbarkeit der beteiligten Marken erhöhen – insbesondere in Frankreich, wo sowohl Straßenradsport als auch Biathlon hohe mediale Aufmerksamkeit genießen.
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.