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Rhein fällt auf historischen Tiefstand: Nur noch 14 Zentimeter bei Düsseldorf – Wirtschaft in Alarmbereitschaft

Historisches Niedrigwasser am Rhein: Bei Düsseldorf fällt der Pegel auf nur 14 Zentimeter. Schifffahrt, Industrie und Deutschlands Wirtschaft geraten unter Druck.

Fakten im Überblick

Der Rheinpegel bei Düsseldorf sank am Freitag zeitweise auf 14 Zentimeter.

Der bisherige bekannte Tiefstwert von 2018 lag bei 23 Zentimetern.

Auch Köln, Koblenz und die Donau sind von Niedrigwasser betroffen.

Größere Niederschläge sind laut DWD vorerst nicht in Sicht.

Ökonomen warnen vor Belastungen für Deutschlands Wirtschaftswachstum.


Der Rhein erreicht bei Düsseldorf einen historischen Tiefstand – und aus einem meteorologischen Problem wird zunehmend ein wirtschaftliches Risiko für Deutschland. Wegen der anhaltenden Trockenheit sank der Pegel in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt am Freitagmorgen zwischenzeitlich auf nur noch 14 Zentimeter.

Damit wurde der bisherige bekannte Negativrekord deutlich unterschritten. Im extrem trockenen Jahr 2018 waren bei Düsseldorf 23 Zentimeter registriert worden. Der neue Wert liegt neun Zentimeter darunter.

Die Entwicklung trifft nicht irgendeinen Fluss. Der Rhein ist eine der wichtigsten Transport- und Industrieachsen Europas. Von der Schweiz über Deutschland bis zu den Niederlanden verbindet er große Produktionsstandorte, Raffinerien, Chemieparks und Häfen mit dem Welthandel.

Das Niedrigwasser beschränkt sich zudem nicht auf Düsseldorf. Auch an wichtigen Pegeln bei Köln und Koblenz bleiben die Wasserstände niedrig. Gleichzeitig kämpfen andere deutsche Flüsse wie die Donau mit ähnlichen Problemen.

Nach Angaben der Bundesanstalt für Gewässerkunde wurden Niedrigwassermarken in zahlreichen Gewässerabschnitten in diesem Jahr "ungewöhnlich früh" unterschritten.

Eine schnelle Wetterwende ist nicht in Sicht.

Der Deutsche Wetterdienst erwartet zum Start der kommenden Woche allenfalls im äußersten Norden Deutschlands etwas Regen. Einzelne Gewitter oder lokale Unwetter reichen nicht aus, um die Situation an großen Flüssen nachhaltig zu entspannen.

Damit wächst der Druck auf die Binnenschifffahrt.

Bei niedrigen Wasserständen können Frachtschiffe nicht mehr vollständig beladen werden. Sie müssen entweder mit deutlich weniger Ladung fahren oder Transporte zeitweise ganz einstellen. Für dieselbe Menge Kohle, Chemikalien, Mineralölprodukte, Erze oder andere Massengüter werden dadurch mehr Fahrten und zusätzliche Schiffe benötigt.

Das verteuert Transporte – und diese Mehrkosten können entlang der Lieferketten bei Industrieunternehmen und letztlich auch bei Verbrauchern ankommen.

Allerdings bedeutet ein Pegelstand von 14 Zentimetern ausdrücklich nicht, dass der Rhein bei Düsseldorf nur noch 14 Zentimeter tief ist.

Der Pegelwert darf nicht mit der tatsächlichen Tiefe der Fahrrinne verwechselt werden. Wie die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes erläutert, befindet sich der Nullpunkt der teilweise jahrzehntealten Pegelskalen nicht am tiefsten Punkt des Flusses.

Die für die Schifffahrt relevante Fahrrinne ist daher tiefer als der angezeigte Pegelstand.

Trotzdem ist die Lage ernst. Je weiter der Wasserstand fällt, desto weniger Tiefgang können Frachtschiffe nutzen – und desto geringer wird ihre wirtschaftlich transportierbare Ladungsmenge.

Das trifft insbesondere die industriellen Zentren entlang des Rheins in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg.

Für Chemiekonzerne, Stahlhersteller, Raffinerien, Kraftwerke und andere energie- und rohstoffintensive Unternehmen ist der Fluss ein zentraler Transportweg. Ein kurzfristiger Wechsel auf Straße oder Schiene ist nur begrenzt möglich, weil dort zusätzliche Kapazitäten fehlen und Transporte häufig teurer sind.

Damit könnte das Niedrigwasser sogar die gesamtwirtschaftliche Entwicklung Deutschlands treffen. Ökonomen halten es für möglich, dass die Probleme auf den Wasserstraßen das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr verringern oder im ungünstigen Fall sogar zunichtemachen.

Der historische Pegelstand von Düsseldorf ist deshalb weit mehr als ein Rekord für die Wetterstatistik. Er ist ein Warnsignal für Deutschlands industrielle Infrastruktur.

Und solange großflächiger, länger anhaltender Regen ausbleibt, dürfte sich daran wenig ändern.

OZD/AFP


OZD-Kommentar – Deutschland schaut seinem wichtigsten Fluss beim Schrumpfen zu

14 Zentimeter am Pegel Düsseldorf sind ein Symbol für ein Problem, das Deutschland viel zu lange wie ein außergewöhnliches Naturereignis behandelt hat.

Natürlich kann keine Bundesregierung Regen bestellen. Aber sie kann dafür sorgen, dass Deutschlands Wirtschaft auf extreme Niedrigwasserperioden besser vorbereitet ist.

Der Rhein ist keine romantische Kulisse zwischen Köln, Koblenz und dem Mittelrheintal. Er ist eine industrielle Hauptschlagader Europas. Über ihn werden enorme Mengen an Rohstoffen und Gütern zwischen den Niederlanden, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Frankreich und der Schweiz bewegt.

Wenn diese Verkehrsader schwächelt, reicht es nicht, auf Lastwagen und Güterzüge zu verweisen. Auch deren Kapazitäten sind begrenzt.

Deutschland braucht deshalb eine langfristige Strategie: resilientere Wasserstraßen, angepasste Schiffsflotten, leistungsfähigere Schienenkorridore, digitale Pegel- und Logistikprognosen sowie schnellere Infrastrukturprojekte.

Unsere Prognose: Niedrigwasser wird von einem vermeintlichen Ausnahmeereignis immer stärker zu einem kalkulierbaren Standortfaktor. Unternehmen werden ihre Lieferketten darauf einstellen müssen – und Regionen entlang des Rheins werden Milliarden investieren müssen, wenn Deutschlands industrielle Wettbewerbsfähigkeit nicht mit dem Wasserstand sinken soll.

Historischer Hintergrund

Der Rhein gehört seit Jahrhunderten zu den wichtigsten Verkehrswegen Europas. Vom Alpenraum fließt er durch beziehungsweise entlang der Schweiz, Liechtenstein, Österreich, Deutschland, Frankreich und die Niederlande und verbindet große europäische Wirtschaftsräume mit den Nordseehäfen.

Besonders für Deutschland besitzt der Fluss enorme wirtschaftliche Bedeutung. Industrieregionen in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg sind eng mit der Rheinschifffahrt verbunden.

Zu den bedeutenden Standorten entlang beziehungsweise im unmittelbaren Wirtschaftsraum des Flusses gehören Duisburg, Düsseldorf, Köln, Bonn, Koblenz, Ludwigshafen, Mannheim und Karlsruhe.

Das Trockenjahr 2018 zeigte bereits, welche Folgen extremes Niedrigwasser haben kann. Transporte wurden eingeschränkt, Frachtraten stiegen und Industrieunternehmen mussten ihre Logistik anpassen.

Nun ist der damalige Düsseldorfer Tiefstwert von 23 Zentimetern nach den vorliegenden Daten mit zwischenzeitlich 14 Zentimetern deutlich unterschritten worden.

Zukunftsprognose

Ohne länger anhaltende Niederschläge dürfte die Situation auf dem Rhein angespannt bleiben. Einzelne Gewitter können lokal große Regenmengen bringen, verändern den Wasserstand eines riesigen Flusssystems aber nicht zwangsläufig nachhaltig.

Für die Industrie bedeutet dies ein wachsendes Kostenrisiko.

Chemie-, Stahl-, Energie- und Mineralölunternehmen entlang des Rheins müssen mit geringeren Ladungsmengen je Schiff rechnen. Dadurch steigen die Transportkosten pro Tonne.

Auch die Versorgung von Produktionsstandorten kann schwieriger werden, wenn Niedrigwasser über längere Zeit anhält.

Deutschland dürfte deshalb verstärkt in widerstandsfähigere Logistikketten investieren müssen. Dazu gehören Schiffe mit geringerem Tiefgang, optimierte Fahrrinnen, zusätzliche Bahnkapazitäten und größere Lagerbestände an wichtigen Produktionsstandorten.

Geografisch reicht das Problem weit über Nordrhein-Westfalen hinaus: Der Rhein verbindet deutsche Industriezentren mit Rotterdam und anderen Nordseehäfen und ist damit Bestandteil europäischer und globaler Lieferketten.



Mini-Infobox

Rheinpegel Düsseldorf: zeitweise 14 Zentimeter

Bisheriger Tiefstwert: 23 Zentimeter im Jahr 2018

Betroffene Regionen: unter anderem Düsseldorf, Köln und Koblenz

Weitere betroffene Wasserstraße: Donau

Wettertrend: vorerst keine nachhaltige Entspannung durch Regen


OZD-Analyse

1. Hauptpunkt – Der Rhein erreicht eine historische Niedrigwassermarke

Der zwischenzeitliche Pegelstand von 14 Zentimetern bei Düsseldorf unterschreitet den bisherigen bekannten Tiefstwert von 2018 deutlich. Gleichzeitig wurden Niedrigwassermarken in zahlreichen deutschen Gewässerabschnitten ungewöhnlich früh erreicht.

2. Hauptpunkt – Die wirtschaftlichen Risiken wachsen

a) Frachtschiffe können bei geringem Wasserstand weniger Ladung aufnehmen und müssen ihren Tiefgang reduzieren.

b) Zusätzliche Fahrten erhöhen die Transportkosten für Chemie, Stahl, Energie, Rohstoffe und andere Massengüter.

c) Straße und Schiene können die fehlenden Kapazitäten der Binnenschifffahrt kurzfristig nur begrenzt ersetzen.

3. Hauptpunkt – Folgen

Hält das Niedrigwasser an, könnten Produktions- und Transportkosten steigen. Besonders betroffen wären industrielle Regionen entlang des Rheins. Ökonomen warnen bereits davor, dass die Entwicklung das deutsche Wirtschaftswachstum schwächen oder im ungünstigen Fall zunichtemachen könnte.


Erklärungen

Was bedeutet ein Rheinpegel von 14 Zentimetern?

Ein Pegelstand von 14 Zentimetern bedeutet nicht, dass der Rhein an dieser Stelle lediglich 14 Zentimeter tief ist.

Pegel besitzen festgelegte Nullpunkte, die nicht mit dem tiefsten Punkt des Flussbetts übereinstimmen. Die Fahrrinne kann deshalb trotz eines extrem niedrigen Pegelwertes wesentlich tiefer sein.

Für die Schifffahrt bleibt der Pegel dennoch entscheidend, weil sinkende Wasserstände den maximal möglichen Tiefgang und damit die Ladungsmenge der Schiffe begrenzen.

Was ist der Rhein?

Der Rhein ist mit einer Länge von mehr als 1200 Kilometern einer der wichtigsten Flüsse Europas. Sein Einzugsgebiet verbindet den Alpenraum mit West- und Mitteleuropa und der Nordsee.

Für Deutschland ist der Rhein gleichzeitig Verkehrsweg, Wirtschaftsraum, Wasserressource und Lebensraum.

Besonders zwischen Duisburg, Düsseldorf, Köln, Koblenz, Mainz, Mannheim und Karlsruhe befinden sich bedeutende Häfen und Industriestandorte.

Warum ist Düsseldorf besonders wichtig?

Düsseldorf liegt direkt am Rhein und im Zentrum Nordrhein-Westfalens, der bevölkerungsreichsten deutschen Region und eines der bedeutendsten Industriegebiete Europas.

Der dort gemessene historische Tiefstand besitzt deshalb sowohl hydrologische als auch wirtschaftliche Signalwirkung.

Warum ist der Rhein für Deutschlands Industrie so wichtig?

Binnenschiffe können große Mengen schwerer Güter vergleichsweise effizient transportieren. Das macht den Rhein insbesondere für Chemikalien, Mineralölprodukte, Erze, Kohle, Baustoffe und andere Massengüter wichtig.

Über den Rhein bestehen zudem direkte Verbindungen zu den großen Seehäfen der Niederlande. Dadurch ist die Wasserstraße ein Bindeglied zwischen deutschen Industriezentren und dem globalen Handel.


OZD-Extras

Besonders wichtig für das Verständnis der aktuellen Meldungen ist der Unterschied zwischen Pegelstand und tatsächlicher Wassertiefe:

Was bedeutet das Niedrigwasser für die Börse?

Das Niedrigwasser könnte für den deutschen Aktienmarkt wirtschaftlich relevanter werden, wenn es über längere Zeit anhält.

Besonders sensibel sind Unternehmen mit großen Produktionsanlagen entlang des Rheins und einem hohen Bedarf an Rohstoff- oder Massenguttransporten. Chemie-, Stahl-, Energie- und Logistikkonzerne könnten mit höheren Frachtkosten und möglichen Lieferengpässen konfrontiert werden.

Für Anleger entscheidend ist deshalb weniger der einzelne Rekordwert in Düsseldorf als die Dauer des Niedrigwassers.

Bleiben die Pegel über Wochen extrem niedrig, können höhere Transportkosten die Margen einzelner Industrieunternehmen belasten. Gleichzeitig könnten Logistikunternehmen mit geeigneten Transportkapazitäten und Anbieter von niedrigwasseroptimierten Schiffen, Bahnlogistik oder Infrastrukturtechnik stärker in den Fokus rücken.

Der Rheinpegel wird damit im Extremfall vom hydrologischen Messwert zum Konjunkturindikator.

Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.