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Historischer Einschnitt: Kurden lösen ihre Streitkräfte in Syrien auf

Die kurdisch dominierten Demokratischen Kräfte Syriens lösen sich auf und werden Teil der syrischen Armee. Für Syrien beginnt damit ein neuer politischer Abschnitt.

Fakten im Überblick

Die Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) lösen sich als eigenständige Streitmacht auf.

Die Kämpfer werden vollständig in die syrische Armee integriert.

Grundlage ist ein Abkommen zwischen der kurdischen Führung und der syrischen Übergangsregierung.


Mehr als zehn Jahre nach ihrer Gründung haben die kurdisch dominierten Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) ihre Auflösung bekanntgegeben. Kurdenführer Maslum Abdi erklärte am Dienstagabend in einer Fernsehansprache aus dem Präsidentenpalast in Damaskus das "Ende des Einsatzes" der SDF als unabhängige Streitmacht. Die Entscheidung erfolge nach dem "Abschluss des Prozesses der Eingliederung unserer Streitkräfte in die Brigaden der syrischen Armee".

Mit diesem Schritt endet eines der bedeutendsten Kapitel des syrischen Bürgerkriegs. Die SDF waren 2015 auf Initiative der Vereinigten Staaten gegründet worden. Ziel war es, einen verlässlichen militärischen Partner im Kampf gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) aufzubauen. In den folgenden Jahren entwickelten sich die SDF zu einer der schlagkräftigsten Streitkräfte in Syrien und spielten eine entscheidende Rolle bei der Zurückdrängung der Dschihadisten.

In ihrer stärksten Phase verfügten die SDF über rund 100.000 Kämpferinnen und Kämpfer, darunter Kurden und Araber. Sie kontrollierten weite Teile des ölreichen Nordens und Nordostens Syriens. Die Region blieb jedoch immer wieder Schauplatz militärischer Auseinandersetzungen. Die Türkei führte mehrfach Militäreinsätze durch, da Ankara die SDF als Verbündete der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) betrachtete.

Nach dem Sturz des langjährigen syrischen Machthabers Baschar al-Assad Ende 2024 veränderte sich die politische Lage grundlegend. Die Vereinigten Staaten unterstützten zunehmend die neue Übergangsregierung in Damaskus unter Präsident Ahmed al-Scharaa.

Die nun vollzogene Auflösung der SDF basiert auf einem Abkommen, das beide Seiten nach gewaltsamen Zusammenstößen Anfang des Jahres geschlossen hatten. Es sieht die vollständige Integration der kurdischen Selbstverwaltung in den syrischen Staatsapparat sowie die Stationierung staatlicher Sicherheitskräfte in den kurdisch geprägten Gebieten vor.

Gleichzeitig unterzeichnete Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa einen Erlass, der den Kurden umfassende Minderheitenrechte zusichert. Kurdenführer Abdi erklärte, die SDF hätten in den schwersten Jahren des Bürgerkriegs große Verantwortung übernommen und zahlreiche Städte vom IS befreit. "Die Umstände haben sich heute geändert und das Land ist in eine neue Phase unter den Vorzeichen des Friedens und der Teilhabe eingetreten."

Bereits wenige Tage zuvor hatte Abdi mitgeteilt, dass die kurdischen Selbstverwaltungsorgane vollständig in die staatlichen Institutionen Syriens integriert worden seien. Gleichzeitig kündigte er an: "Unser Kampf wird weitergehen, damit die Rechte unseres Volkes in der Verfassung festgehalten werden."

Die Auflösung der SDF markiert damit nicht das Ende des politischen Engagements der syrischen Kurden, sondern den Übergang von einer eigenständigen militärischen Struktur hin zu einer Beteiligung innerhalb des syrischen Staates.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Eine historische Chance für Syrien

Die Auflösung der SDF ist einer der bedeutendsten politischen Schritte seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs im Jahr 2011. Erstmals seit vielen Jahren besteht die Aussicht, dass bewaffnete Parallelstrukturen in staatliche Institutionen integriert werden. Ob daraus tatsächlich ein dauerhaft stabiler Frieden entsteht, hängt jedoch davon ab, ob die zugesagten Minderheitenrechte eingehalten und das Vertrauen zwischen Damaskus, den Kurden und den übrigen Bevölkerungsgruppen wächst. Die Vergangenheit zeigt, dass politische Vereinbarungen in Syrien oft fragil bleiben.

Historischer Hintergrund

Mit Beginn des syrischen Bürgerkriegs 2011 errichteten die Kurden im Norden Syriens eine weitgehend autonome Selbstverwaltung mit eigenen Sicherheitskräften. 2015 entstanden die Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) mit Unterstützung der USA als Bündnis kurdischer und arabischer Kämpfer. Gemeinsam mit einer internationalen Koalition trugen sie maßgeblich zur militärischen Niederlage der Terrororganisation "Islamischer Staat" bei. Gleichzeitig verschlechterten sich die Beziehungen zur Türkei erheblich, die die SDF als Bedrohung ihrer nationalen Sicherheit betrachtete.

Zukunftsprognose

Die Eingliederung der SDF in die syrische Armee könnte die staatliche Kontrolle über große Teile Nordsyriens stärken und die Voraussetzungen für einen langfristigen Wiederaufbau verbessern. Gleichzeitig bleiben erhebliche Herausforderungen bestehen. Die Umsetzung der zugesagten Minderheitenrechte, das Verhältnis zur Türkei sowie die Stabilisierung der ehemals umkämpften Regionen werden entscheidend dafür sein, ob der Friedensprozess Bestand hat. Wirtschaftlich könnten eine stabilere Sicherheitslage und die stärkere Einbindung der ölreichen Regionen langfristig Investitionen und den Wiederaufbau Syriens fördern.

Erklärungen

Was waren die Demokratischen Kräfte Syriens (SDF)?

Die Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) waren ein militärisches Bündnis überwiegend kurdischer, aber auch arabischer Kämpfer. Sie wurden 2015 mit Unterstützung der USA gegründet und spielten eine zentrale Rolle im Kampf gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat".

Wer ist Maslum Abdi?

Maslum Abdi ist einer der führenden kurdischen Politiker und Militärkommandeure in Syrien. Über Jahre führte er die Demokratischen Kräfte Syriens und gilt als wichtigste politische Stimme der syrischen Kurden.

OZD-Extras

Die SDF galten lange Zeit als einer der wichtigsten regionalen Partner der internationalen Anti-IS-Koalition. Ihre Integration in die syrische Armee könnte die Sicherheitsarchitektur des Landes grundlegend verändern.

Wie wirkt sich das auf die Börsen aus?

Direkte Auswirkungen auf die internationalen Börsen sind zunächst gering. Sollten sich die Sicherheitslage und die politische Stabilität in Syrien nachhaltig verbessern, könnte dies langfristig positive Effekte auf regionale Energieprojekte, Infrastrukturinvestitionen und den Wiederaufbau im Nahen Osten haben.

Gewinnspiel

Wofür waren die Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) international besonders bekannt?

A) Als Marineeinheit Syriens
B) Für ihren Kampf gegen den "Islamischen Staat" (IS)
C) Als Grenzschutz Jordaniens
D) Als Teil der NATO

https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen

Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.