Kurzüberblick
Mindestens zehn Menschen sterben bei neuen Angriffen der Huthi-Miliz.
Acht Regierungssoldaten und mindestens zwei Zivilisten kommen ums Leben.
Marib bleibt Zentrum der Kämpfe zwischen Regierung und Huthis.
Raketen, Kamikaze-Drohnen und Artillerie kommen zum Einsatz.
Saudi-Arabien warnt die Miliz vor einer weiteren Eskalation.
Die Lage im Jemen spitzt sich nach den schwersten Kämpfen seit Jahren weiter dramatisch zu. Nur einen Tag nach den folgenschweren Angriffen mit Dutzenden Todesopfern setzte die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz ihre Offensive fort. Nach Angaben jemenitischer Armeekreise wurden in der strategisch wichtigen Provinz Marib acht Soldaten der international anerkannten Regierung getötet. Das Gesundheitsministerium meldete zudem mindestens zwei tote Zivilisten sowie 14 Verletzte nach Angriffen auf Wohngebiete und Lager für Vertriebene.
Die Huthis bekannten sich zu den Angriffen. Nach Angaben der jemenitischen Armee feuerte die Miliz mehr als zehn Raketen sowie sieben Kamikaze-Drohnen auf Militärstellungen im Gebiet Harib ab. Bereits zuvor war es in Sirwah und an der Front von Al-Kasara zu heftigen Artilleriegefechten gekommen. Außerdem wurde ein Waffenlager in der Provinz getroffen.
Gesundheitsminister Kasim Buhaibeh erklärte, die Huthi-Miliz habe gezielt Wohnviertel und Flüchtlingslager in der Stadt Marib bombardiert. Die Region zählt zu den letzten großen Hochburgen der international anerkannten Regierung im Norden des Landes und besitzt aufgrund ihrer Öl- und Gasvorkommen eine erhebliche wirtschaftliche und strategische Bedeutung.
Die Huthis begründeten ihre Angriffe mit einer angeblichen Mobilisierung saudiarabischer Truppen. Ein Sprecher der Miliz erklärte, der „saudiarabische Feind“ verstärke seine militärischen Aktivitäten. Deshalb seien Truppen, Fahrzeuge und Waffenlager mit einer großen Zahl von Raketen und Drohnen angegriffen worden.
Bereits am Vortag hatten koordinierte Angriffe auf Armeestützpunkte in Marib und Hadramaut nach Angaben aus Militärkreisen 58 Menschen das Leben gekostet. Es handelte sich um die höchste Zahl an Todesopfern bei Huthi-Angriffen seit der von den Vereinten Nationen vermittelten Waffenruhe im Jahr 2022, die die Kämpfe lange Zeit deutlich reduziert hatte. Diese Waffenruhe gilt inzwischen faktisch als zusammengebrochen.
Auslöser der jüngsten Eskalation war nach Angaben der Konfliktparteien ein Zwischenfall am Flughafen der von den Huthis kontrollierten Hauptstadt Sanaa. Nach dem Versuch eines iranischen Flugzeugs zu landen griffen Regierungstruppen die Landebahn an. In der Folge intensivierten sich die gegenseitigen Angriffe zwischen den Huthis und Saudi-Arabien. Die Miliz kündigte zudem eine Blockade saudiarabischer Häfen sowie Angriffe auf Öltanker an.
Nach Informationen aus Kreisen des saudiarabischen Militärs werde die von Riad geführte Koalition die jüngsten Angriffe nicht unbeantwortet lassen. Mit der Offensive auf Marib hätten die Huthis eine „rote Linie“ überschritten. Zwar wolle die Koalition keine weitere Eskalation, sie werde jedoch keine Veränderung des militärischen Kräfteverhältnisses zulassen.
Seit 2014 kämpfen die Huthis gegen die international anerkannte Regierung des Jemen. Während die Miliz die Hauptstadt Sanaa sowie große Teile des Nordens kontrolliert, hält die Regierung weite Regionen im Süden des Landes. Der Konflikt zählt zu den schwersten humanitären Krisen der Welt und hat bereits Hunderttausende Menschenleben gefordert.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Der Jemen droht erneut zum Pulverfass des Nahen Ostens zu werden
Die jüngste Eskalation zeigt, wie fragil jede Waffenruhe im Jemen geblieben ist. Marib ist nicht nur militärisch, sondern auch wirtschaftlich von zentraler Bedeutung. Sollten die Kämpfe weiter eskalieren, könnten erneut regionale Akteure wie Saudi-Arabien und der Iran stärker in den Konflikt hineingezogen werden. Damit wächst auch das Risiko neuer Spannungen für die internationale Energieversorgung und den Schiffsverkehr im Roten Meer. Eine diplomatische Lösung erscheint derzeit weiter entfernt denn je.
Historischer Hintergrund
Der Bürgerkrieg im Jemen begann 2014 mit dem Vormarsch der Huthi-Miliz auf die Hauptstadt Sanaa. Seit 2015 unterstützt eine von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition die international anerkannte Regierung. Der Iran wird von westlichen Staaten und regionalen Akteuren beschuldigt, die Huthis politisch und militärisch zu unterstützen. Der Konflikt hat eine der größten humanitären Krisen weltweit ausgelöst und Millionen Menschen in die Flucht getrieben.
Zukunftsprognose
Mit dem faktischen Ende der Waffenruhe dürfte sich die Sicherheitslage im Jemen weiter verschlechtern. Neue Kämpfe um Marib könnten die Öl- und Gasförderung beeinträchtigen und die Spannungen zwischen Saudi-Arabien und dem Iran erneut verschärfen. Gleichzeitig wächst die Gefahr weiterer Angriffe auf Schifffahrtsrouten im Roten Meer und im Golf von Aden – mit möglichen Auswirkungen auf den Welthandel und die Energiepreise.
Gewinnspiel
Frage: In welcher Provinz ereigneten sich die jüngsten schweren Angriffe der Huthi-Miliz?
A) Aden
B) Marib
C) Taiz
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Mini-Infobox
Mindestens zehn Tote bei neuen Angriffen
Zentrum der Kämpfe: Marib
Einsatz von Raketen und Kamikaze-Drohnen
Saudi-Arabien warnt vor weiterer Eskalation
Waffenruhe von 2022 gilt faktisch als gescheitert
OZD-Analyse
Militärische Eskalation
– Die Huthi-Miliz erhöht den militärischen Druck auf die Regierungstruppen mit koordinierten Raketen- und Drohnenangriffen.
Strategische Bedeutung
– a) Marib verfügt über wichtige Öl- und Gasvorkommen.
– b) Die Region ist ein Schlüsselgebiet im Bürgerkrieg.
– c) Eine Einnahme hätte erhebliche militärische und wirtschaftliche Folgen.
Folgen
– Der Konflikt könnte sich regional ausweiten und den internationalen Energiehandel sowie die Sicherheit der Schifffahrtsrouten im Roten Meer beeinträchtigen.
Erklärungen
Was ist die Huthi-Miliz?
Die Huthis sind eine schiitische Bewegung aus dem Norden des Jemen. Seit 2014 kontrollieren sie die Hauptstadt Sanaa sowie große Teile des Landes. Ihnen wird von westlichen Staaten und regionalen Regierungen Unterstützung durch den Iran zugeschrieben.
Was ist Marib?
Marib ist eine strategisch bedeutende Provinz im Osten des Jemen. Sie verfügt über wichtige Öl- und Gasfelder und gilt als eine der letzten Hochburgen der international anerkannten Regierung im Norden des Landes.
OZD-Extras
Eine weitere Eskalation im Jemen könnte die internationalen Ölpreise erneut unter Druck setzen. Angriffe auf Energieanlagen oder Schifffahrtswege im Roten Meer und am Golf von Aden gelten als Risikofaktoren für den globalen Rohstoffhandel. Davon könnten kurzfristig Energieunternehmen profitieren, während Transport- und Logistikunternehmen mit steigenden Kosten rechnen müssten.
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.