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Angriffe auf Riad und Ölanlagen: USA warnen vor gefährlicher Eskalation am Roten Meer

Nach Angriffen der Huthi-Miliz auf Riad und saudische Ölanlagen warnen die USA vor einer raschen Eskalation. Auch wichtige Schifffahrtsrouten geraten unter Druck.

Fakten im Überblick

Die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz hat erstmals seit der jüngsten Eskalation Riad sowie Ziele rund um den wichtigen saudischen Ölhafen Janbu angegriffen.

Das US-Außenministerium warnt, die militärischen Auseinandersetzungen könnten „rasch eskalieren“, und rät US-Bürgern, Reisen in die Golfregion ernsthaft zu überdenken.

Die Kämpfe bedrohen mit Bab al-Mandab und der weitgehend blockierten Straße von Hormus zwei für Energiehandel und internationale Schifffahrt entscheidende Meerengen.

Der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und der vom Iran unterstützten Huthi-Miliz im Jemen erreicht eine neue gefährliche Dimension. Nach Raketen- und Drohnenangriffen auf die saudiarabische Hauptstadt Riad sowie Ziele an der Küste des Roten Meeres warnen die USA vor einer weiteren Eskalation. Die militärischen Auseinandersetzungen könnten „rasch eskalieren“, erklärte das US-Außenministerium in Washington. US-Staatsangehörige, die sich noch nicht in der Golfregion befinden, sollten Reisen dorthin „ernsthaft überdenken“. Die Warnung verweist auch auf Gefahren für zivile Flughäfen und andere Infrastruktur.

Wie angespannt die Situation inzwischen ist, zeigte sich am Samstag direkt in Riad. In der saudischen Hauptstadt waren heftige Explosionen zu hören, nahe dem internationalen Flughafen stiegen Flammen und schwarzer Rauch auf. AFP-Journalisten beobachteten einen brennenden Öltank mit dem Logo des staatlichen Energiekonzerns Aramco. „Ich habe die Sirenen gehört, dann haben meine Fenster gewackelt“, berichtete eine Einwohnerin von Riad. Ein anderer Bewohner beschrieb den Angriff als „angsteinflößend“. Die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition erklärte, eine auf Riad abgefeuerte Rakete sei „erfolgreich abgewehrt und zerstört“ worden. Auch Angriffe auf weitere Ziele seien vereitelt worden.

Die Huthis übernahmen die Verantwortung für die Angriffe. Sprecher Jahja Saree erklärte, die Miliz habe „eine große Anzahl ballistischer Raketen und Marschflugkörper sowie Drohnen“ eingesetzt. Ein Angriff habe sich gegen „wichtige Einrichtungen“ in Riad gerichtet, ein weiterer gegen Anlagen von Aramco in der Hafenstadt Janbu am Roten Meer. Die Huthis bezeichneten ihre Angriffe als Reaktion auf saudische Attacken auf die von ihnen kontrollierte jemenitische Hauptstadt Sanaa. Saudi-Arabien wiederum wirft der Miliz Angriffe auf Zivilisten und zivile Infrastruktur vor. Die Angaben der Konfliktparteien zu einzelnen Treffern und Schäden lassen sich während der laufenden Kämpfe teilweise nicht unabhängig bestätigen.

Hinter der aktuellen Eskalation steht eine erneute Verschärfung des seit Jahren andauernden Jemen-Konflikts. Die Huthis haben ihre Position entlang der Küste des Roten Meeres ausgebaut und kontrollieren inzwischen strategisch bedeutende Gebiete in der Nähe der Meerenge Bab al-Mandab. Seit Juli kündigte die Miliz zudem eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien an. Riad reagierte auf das Vorrücken mit Luftangriffen auf von den Huthis kontrollierte Gebiete. Nach Angaben der Vereinten Nationen, die AFP in der Ausgangsmeldung zitiert, wurden seit Wiederaufnahme der schweren Kämpfe Hunderte Menschen getötet und mehr als 110.000 vertrieben.

Besonders brisant ist die geografische Lage des Konflikts. Bab al-Mandab verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und dem Indischen Ozean. Die Route ist für Frachter, Containerverkehr und Energietransporte zwischen Asien, dem Nahen Osten und Europa von erheblicher Bedeutung. Gleichzeitig bleibt die Straße von Hormus am Persischen Golf weitgehend blockiert. Der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf bekräftigte am Sonntag, Teheran werde die Meerenge erst wieder vollständig öffnen, wenn iranische Bedingungen erfüllt und US-Zusagen umgesetzt seien.

Damit geraten zwei zentrale maritime Nadelöhre gleichzeitig unter geopolitischen Druck. Die Auswirkungen sind längst an den Finanz- und Energiemärkten angekommen. Nach den Huthi-Angriffen gerieten mehrere Börsen am Golf unter Druck. Der saudiarabische Leitindex verlor am Sonntag 0,3 Prozent, in Katar fiel der Markt um 1,1 Prozent. Die Entwicklung der Ölpreise bleibt zugleich stark von militärischen Nachrichten und diplomatischen Signalen abhängig.

Die USA stehen dabei vor einer schwierigen Lage. Nach Berichten hatte Washington eine saudische Anfrage nach eigenen Luftangriffen auf die Huthis zuletzt abgelehnt. Gleichzeitig bleibt Saudi-Arabien ein enger Sicherheitspartner der Vereinigten Staaten. Die weitere Entwicklung hängt deshalb nicht nur von Riad und den Huthis ab, sondern auch von Iran, den USA und weiteren Regionalmächten. Die jüngsten Angriffe auf Riad zeigen, wie schnell aus dem Krieg im Jemen eine noch größere regionale Sicherheitskrise werden könnte.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Zwei Meerengen, ein gefährlicher Konfliktherd

Die aktuelle Eskalation besitzt eine Dimension, die weit über Saudi-Arabien und den Jemen hinausgeht. Bab al-Mandab und die Straße von Hormus gehören zu den strategisch bedeutendsten Schifffahrtswegen der Welt. Werden beide gleichzeitig beeinträchtigt, betrifft die Krise nicht nur regionale Sicherheit, sondern auch Lieferketten und Energieversorgung in Europa, Asien und anderen Weltregionen.

Hinzu kommt die komplizierte politische Konstellation. Die Huthis werden vom Iran unterstützt, Saudi-Arabien besitzt enge sicherheitspolitische Beziehungen zu den USA, und weitere Staaten wie die Türkei und Pakistan beobachten die Entwicklung mit eigenen Interessen. Jede zusätzliche direkte militärische Beteiligung eines weiteren Staates könnte die Zahl der Konfliktparteien erhöhen und diplomatische Lösungen erschweren.

Die kommenden Tage dürften deshalb besonders von zwei Fragen geprägt sein: ob die gegenseitigen Angriffe zwischen Saudi-Arabien und den Huthis weiter zunehmen und ob diplomatische Kontakte mit Iran Fortschritte bei der Straße von Hormus ermöglichen. Beides wird nicht nur über die Sicherheitslage am Golf und im Roten Meer entscheiden, sondern auch die internationalen Energiemärkte beeinflussen.

Historischer Hintergrund

Der Konflikt im Jemen reicht viele Jahre zurück. Die Huthi-Bewegung übernahm 2014 die Kontrolle über die Hauptstadt Sanaa und große Gebiete im Norden des Landes. Saudi-Arabien griff 2015 gemeinsam mit Verbündeten militärisch in den Krieg ein, um die international anerkannte jemenitische Regierung zu unterstützen.

Iran unterstützt die Huthis politisch und militärisch, wobei Teheran und die Miliz den Umfang dieser Unterstützung unterschiedlich darstellen. Saudi-Arabien betrachtet den wachsenden Einfluss der Huthis an seiner südlichen Grenze als Sicherheitsbedrohung.

Besondere internationale Bedeutung erhielt der Konflikt durch Angriffe auf Schiffe und Energieinfrastruktur rund um das Rote Meer. Die strategische Lage des Jemen an Bab al-Mandab macht das Land zu einem Schlüsselpunkt für den Welthandel. Die jüngsten territorialen Gewinne der Huthis entlang der Küste haben diese Bedeutung zusätzlich erhöht.

Zukunftsprognose

Politisch erhöht die Eskalation den Druck auf Washington, Riad, Teheran und andere regionale Akteure, eine weitere Ausweitung zu verhindern. Zugleich bleibt offen, ob die USA ihre bisherige Zurückhaltung gegenüber einer direkten militärischen Unterstützung Saudi-Arabiens beibehalten.

Wirtschaftlich gehören Energiepreise und Frachtraten zu den empfindlichsten Bereichen. Werden Schiffe gezwungen, längere und teurere Routen zu wählen, können Transportkosten steigen. Eine dauerhafte Einschränkung von Öltransporten könnte zusätzlich Auswirkungen auf Benzin- und Dieselpreise in Europa und Deutschland haben.

Gesellschaftlich ist vor allem die Bevölkerung des Jemen betroffen. Neue Kämpfe können weitere Fluchtbewegungen auslösen und die ohnehin schwierige humanitäre Situation verschärfen.

International besteht das Risiko, dass sich der Konflikt stärker mit der Auseinandersetzung zwischen Iran und den USA verbindet. Gleichzeitig können diplomatische Gespräche über die Straße von Hormus Möglichkeiten zur Deeskalation eröffnen. Eine belastbare Prognose hängt deshalb stark von den Entscheidungen der beteiligten Regierungen und Konfliktparteien in den kommenden Tagen ab.

Wer sind die Huthis?

Die Huthis sind eine bewaffnete Bewegung aus dem Jemen, die auch unter dem Namen Ansar Allah bekannt ist. Sie kontrollieren Sanaa und große Teile des Landes und werden vom Iran unterstützt. Seit Jahren stehen sie im Konflikt mit Saudi-Arabien und dessen Verbündeten.

Was ist Bab al-Mandab?

Bab al-Mandab ist eine Meerenge zwischen dem Jemen auf der Arabischen Halbinsel und Dschibuti sowie Eritrea in Afrika. Sie verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden. Wer vom Suezkanal in Richtung Indischer Ozean fährt, muss diese Passage durchqueren.

Warum ist die Straße von Hormus so wichtig?

Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman. Sie ist eine der bedeutendsten Routen für den weltweiten Öl- und Flüssiggastransport. Einschränkungen können deshalb internationale Energiepreise und Lieferketten beeinflussen.

Was ist Saudi Aramco?

Saudi Aramco ist der staatlich kontrollierte Ölkonzern Saudi-Arabiens und einer der bedeutendsten Energiekonzerne der Welt. Angriffe auf seine Anlagen werden von den Märkten besonders aufmerksam verfolgt, weil sie potenziell Auswirkungen auf Produktion und Export haben können.

OZD-Extra – Die Krise erreicht bereits die Börsen

Die Eskalation hinterlässt erste Spuren an den Finanzmärkten. Nach den Huthi-Angriffen fiel der saudiarabische Leitindex am Sonntag um 0,3 Prozent. Die Aktie des Energie- und Wasserkonzerns ACWA Power verlor 2,8 Prozent, während Aramco nach anfänglichen Verlusten schließlich 1,3 Prozent höher schloss. Katars Aktienindex verlor 1,1 Prozent.

Für Rohöl bleibt die Lage besonders sensibel. Entscheidend ist nicht allein, ob einzelne Anlagen getroffen werden, sondern ob Förderung, Raffinerien, Pipelines oder Exportwege dauerhaft ausfallen. Auch Gold kann in geopolitischen Krisen als sicherer Hafen stärker gefragt sein. Beim US-Dollar hängen mögliche Bewegungen neben der Sicherheitslage von Zinserwartungen und der allgemeinen Risikoaversion der Investoren ab.

Für Deutschland und Europa wären längerfristige Störungen vor allem über höhere Energie- und Transportkosten relevant. Sollten gleichzeitig Bab al-Mandab und die Straße von Hormus stark eingeschränkt bleiben, könnten sich Umwege, Versicherungsprämien und Frachtkosten verteuern.

Gewinnspiel

Welche strategisch wichtige Meerenge verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden?

A: Straße von Gibraltar
B: Bosporus
C: Bab al-Mandab
D: Straße von Malakka

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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.