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Tote bei neuen Luftangriffen im Jemen erschüttern die Region

Jemens blutiger Konflikt eskaliert: Neue Luftangriffe und Vergeltungsschläge erschüttern das Land. Die Opferzahlen steigen, internationale Sorgen wachsen.

Fakten im Überblick

Die Huthi-Miliz berichtet von 27 Toten nach saudiarabischen Luftangriffen nahe Sanaa.

Huthis greifen mit Raketen und Drohnen saudiarabische Ziele wie den Flughafen von Riad an.

Es gibt widersprüchliche Angaben zu einer Beteiligung Syriens im Kampf gegen die Huthis.

Die Gewalt im Jemen hat einen neuen traurigen Höhepunkt erreicht. Bei Luftangriffen auf ein Dorf nahe der Hauptstadt Sanaa, für die nach Angaben der pro-iranischen Huthi-Miliz Saudi-Arabien verantwortlich ist, kamen laut Huthi-Gesundheitsministerium 27 Menschen ums Leben und 36 wurden verletzt. Besonders erschütternd sind die Berichte, dass die meisten Opfer Frauen und Kinder gewesen sein sollen. Während Rettungskräfte weiterhin verzweifelt in den Trümmern nach Überlebenden suchen, meldeten die Huthis, dass auch Sanitäter während weiterer Luftangriffe ins Visier geraten seien. Diese Angaben lassen sich unabhängig bislang nicht bestätigen. Die saudische Seite äußerte sich zunächst nicht zu den schweren Vorwürfen.

Als direkte Reaktion starteten die Huthis nach eigenen Angaben sechs Raketen- und Drohnenangriffe auf saudiarabische Ziele. Im Visier standen offenbar Anlagen des staatlichen Ölkonzerns Aramco, der Flughafen von Riad und Militärstellungen an der Grenze. Eine unabhängige Bestätigung dieser Angriffe steht noch aus. Die Militärkoalition unter Führung Saudi-Arabiens gab an, eine auf die Region Riad abgefeuerte Rakete erfolgreich abgefangen zu haben. Auch am Donnerstag hatte die Koalition den Abschuss einer weiteren Rakete nahe der heiligen Stadt Medina gemeldet, während die Huthis abstreiten, Medina ins Visier genommen zu haben.

Die Gewalt reißt nicht ab: Erst am Freitag kamen bei einem Angriff auf einen Markt in der Provinz Tais nach Huthi-Angaben 30 Menschen ums Leben, weitere acht wurden verletzt. Während die Huthis erneut Saudi-Arabien für die Luftangriffe verantwortlich machen, werfen die von Saudi-Arabien unterstützten Regierungstruppen den Huthis vor, den Markt mit einer ballistischen Rakete beschossen zu haben. Seit Juli, als die Kämpfe zwischen den Huthis und Regierungstruppen nach vier Jahren relativer Ruhe wieder aufloderten, sind den Vereinten Nationen zufolge mehr als 1600 Menschen getötet und über 300.000 Jemeniten aus ihrer Heimat vertrieben worden. Die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition steht weiter auf Seiten der international anerkannten Regierung, während die Huthis vom Iran unterstützt werden.

Verwirrung gibt es unterdessen bei der Frage einer möglichen syrischen Beteiligung am Krieg im Jemen. Jemenitische Regierungs- und Militärvertreter berichten, Syrien habe mit Saudi-Arabien die Entsendung von bis zu 3000 Soldaten vereinbart. Ein entsprechendes militärisches Kooperationsabkommen sei bei einem Besuch des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa in Riad unterzeichnet worden. Demnach sollen bereits mehrere hundert syrische Soldaten an der Grenze stationiert worden sein. Aus diplomatischen Kreisen in Syrien wird diese Darstellung jedoch heftig zurückgewiesen und entsprechende Berichte als "zum jetzigen Zeitpunkt völlig unbegründet" bezeichnet. Zwar sei ein Abkommen zur Ausbildung von Soldaten unterzeichnet worden, zur Stationierung syrischer Truppen in Saudi-Arabien gebe es jedoch keine Angaben. Die Unsicherheit über mögliche internationale Einmischungen bleibt damit groß.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Der Jemen im Strudel der Mächte

Der erneute Ausbruch massiver Gewalt im Jemen macht auf erschütternde Weise deutlich, wie wenig die internationale Gemeinschaft bislang zum Schutz der Zivilbevölkerung beitragen konnte. Die Berichte über getötete Frauen und Kinder bei den Luftangriffen sind erschütternd und zeigen erneut die Grausamkeit dieses längst internationalisierten Konflikts. Mit der Vergeltungsrhetorik der Huthis und den daraufhin gemeldeten Angriffen auf saudiarabische Ziele dreht sich die Spirale aus Gewalt und Gegengewalt weiter. Besonders beunruhigend ist die Unsicherheit über eine mögliche syrische Beteiligung, die – falls sie sich bestätigen sollte – den Konflikt weiter regionalisieren könnte. Noch gibt es nur widersprüchliche Informationen, doch jedes neue Element in diesem Krieg birgt das Risiko einer unberechenbaren Eskalation. Es braucht dringend eine politische Initiative, um weiteres Leid zu verhindern. Realistisch erscheint jedoch eher eine Fortsetzung der Gewalt, solange keine wirksamen Vermittlungsbemühungen erkennbar sind.

Historischer Hintergrund

Der Jemen-Konflikt ist das Resultat eines jahrzehntelangen Machtkampfes zwischen verschiedenen politischen und religiösen Gruppen. Seit 2015 eskalierte der Krieg, als die Huthis – unterstützt vom Iran – große Teile des Nordjemen übernahmen und die von Saudi-Arabien unterstützte, international anerkannte Regierung ins Exil ging. Saudi-Arabien führt seither eine Militärkoalition, die mit Luftangriffen gegen die Huthis vorgeht. Iran gilt als wichtigster Partner der Huthis. Die Situation bleibt durch die verschiedenen internationalen Unterstützer und die strategische Lage des Jemen – etwa durch seine Nähe zu wichtigen Schifffahrtswegen – hoch komplex.

Zukunftsprognose

Sollte sich die Gewaltspirale weiter drehen, ist mit anhaltend hohen Opferzahlen und weiteren Vertreibungen im Jemen zu rechnen. Politisch könnte eine nachgewiesene Beteiligung Syriens oder anderer Staaten den Konflikt international ausweiten. Wirtschaftlich sind erneut Angriffe auf saudische Ölanlagen möglich, die – sofern erfolgreich – zu Unsicherheiten auf den Rohstoffmärkten führen könnten. Gesellschaftlich drohen dem Jemen weitere humanitäre Katastrophen und eine Generation, die im Krieg aufwächst. Eine echte Entspannung erscheint in naher Zukunft wenig wahrscheinlich.

Erklärungen

Was sind die Huthis?

Die Huthis sind eine schiitische Bewegung aus dem Jemen, die mit dem Iran verbündet ist. Sie kämpfen gegen die international anerkannte Regierung, die von Saudi-Arabien unterstützt wird.

Wer ist an der Militärkoalition beteiligt?

Die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition vereint mehrere arabische Staaten, die die jemenitische Regierung militärisch unterstützen.

OZD-Extras

Die Berichte über eine mögliche syrische Beteiligung im Jemen-Krieg sind besonders pikant, da Syrien bislang nicht militärisch in diesen Konflikt verwickelt war. Bereits geringe Meldungen über Angriffe auf Ölanlagen können Bewegungen beim Rohölpreis auslösen – konkrete Einflüsse stehen hier jedoch noch aus.

Gewinnspiel

Welche Hauptstadt wurde laut Huthis bei Luftangriffen getroffen?

A) Sanaa

B) Riad

C) Taiz

D) Medina

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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.