Fakten im Überblick
Bundeskanzler Friedrich Merz und US-Präsident Donald Trump haben ihr in der vergangenen Woche verschobenes Telefonat nachgeholt.
Merz und Trump sprachen über nächste Schritte zur Beendigung des Krieges in der Ukraine sowie über die Lage in der Straße von Hormus und im Roten Meer.
Der Bundeskanzler würdigte die Verabschiedung neuer Sanktionen gegen Russland durch den US-Kongress.
Bundeskanzler Friedrich Merz und US-Präsident Donald Trump haben nach einer Woche Verzögerung wieder miteinander telefoniert. Bei dem Gespräch am Donnerstag standen mehrere internationale Krisen im Mittelpunkt, darunter der Krieg in der Ukraine sowie die angespannte Lage an wichtigen internationalen Schifffahrtswegen.
Der Sprecher der Bundesregierung, Stefan Kornelius, teilte mit, Merz und Trump hätten sich über "nächste Schritte zur Beendigung des Krieges in der Ukraine" ausgetauscht.
Dabei würdigte der Bundeskanzler die Verabschiedung des Graham-Sanktionsgesetzes durch den US-Kongress.
Die neuen Maßnahmen sollen den wirtschaftlichen Druck auf Russland erhöhen. Sie richten sich unter anderem gegen Bereiche der russischen Energie- und Verteidigungswirtschaft sowie gegen Strukturen, mit denen bestehende Sanktionen umgangen werden sollen.
Damit bleibt der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine eines der zentralen Themen in den Beziehungen zwischen Berlin und Washington.
Deutschland gehört innerhalb Europas zu den wichtigsten Unterstützern der Ukraine. Die Vereinigten Staaten spielen zugleich eine zentrale Rolle bei internationalen Bemühungen um eine Beendigung des Krieges.
Ein zweiter Schwerpunkt des Telefonats war die Lage im Nahen Osten.
Merz und Trump sprachen nach Angaben der Bundesregierung über "die Lage in der Straße von Hormus und im Roten Meer".
Beide seien sich einig gewesen, "dass es einer schnellen Öffnung beider Wasserwege bedarf".
Die Straße von Hormus gehört zu den wichtigsten Schifffahrtswegen für die weltweite Energieversorgung. Durch die Meerenge zwischen Iran und Oman wird ein erheblicher Teil des international gehandelten Erdöls und Flüssigerdgases transportiert.
Auch das Rote Meer und die Verbindung über den Suezkanal besitzen enorme Bedeutung für den Welthandel zwischen Europa und Asien.
Störungen auf diesen Routen können Transportkosten erhöhen, Lieferketten belasten und die Preise für Energie und Waren beeinflussen.
Neben den aktuellen Krisen erinnerten Merz und Trump an die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den Vereinigten Staaten, die sich in der vergangenen Woche zum 25. Mal gejährt hatten.
Merz betonte dabei nach Angaben seines Sprechers "die besondere Verbundenheit zwischen Deutschen und Amerikanern".
Ursprünglich sollte das Telefonat bereits anlässlich dieses Jahrestages stattfinden.
Die Bundesregierung sagte das Gespräch jedoch ab und verschob es, ohne öffentlich einen konkreten Grund dafür zu nennen.
Unmittelbar zuvor hatte Trump den Wahlerfolg der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt kommentiert.
Der US-Präsident sprach von einem "wirklich großen Abend" für die "populistische Partei".
"Sie sind auf dem Vormarsch und lassen sich das nicht mehr gefallen", erklärte Trump mit Blick auch auf die deutsche Migrationspolitik.
Aus Berlin kamen darauf deutliche Reaktionen.
Der Transatlantik-Koordinator der Bundesregierung, Metin Hakverdi (SPD), betonte: "Wir Deutschen entscheiden selbst, wie wir mit Migration umgehen, und auch, wen wir wählen."
Er fügte hinzu: "Ratschläge aus dem Weißen Haus brauchen wir dabei nicht".
Die Bundesregierung erklärte zudem grundsätzlich, dass Bundeskanzler Merz Kommentierungen ausländischer Staats- und Regierungschefs zur innenpolitischen Situation und insbesondere zu deutschen Wahlen ablehne.
Ob Trumps Äußerungen zur AfD und zur deutschen Migrationspolitik in dem nun nachgeholten Telefonat zur Sprache kamen, geht aus der offiziellen Mitteilung der Bundesregierung nicht hervor.
Öffentlich genannt wurden ausschließlich außen- und sicherheitspolitische Themen sowie das gemeinsame Gedenken an die Anschläge vom 11. September.
Das Gespräch zeigt damit zugleich die besondere Struktur der deutsch-amerikanischen Beziehungen.
Berlin und Washington können bei einzelnen politischen Fragen deutlich unterschiedliche Positionen vertreten. Bei der Ukraine, der Sicherheit Europas, der Energieversorgung und der Freiheit internationaler Handelswege bleiben Deutschland und die Vereinigten Staaten jedoch eng miteinander verbunden.
OZD/AFP
OZD-Kommentar - Diplomatie funktioniert auch bei politischen Differenzen
Das nachgeholte Telefonat zwischen Friedrich Merz und Donald Trump zeigt, wie eng innenpolitische Irritationen und internationale Interessen inzwischen miteinander verbunden sind.
Trumps Kommentare zur deutschen Landtagswahl hatten in Berlin Widerspruch ausgelöst.
Gleichzeitig stehen Deutschland und die Vereinigten Staaten vor außenpolitischen Fragen, bei denen eine direkte Abstimmung zwischen Bundeskanzler und US-Präsident wichtig bleibt.
Die Ukraine ist dafür das deutlichste Beispiel.
Auch die Lage an der Straße von Hormus und im Roten Meer betrifft beide Staaten unmittelbar, weil dort Sicherheits-, Energie- und Handelsinteressen zusammenkommen.
Bemerkenswert ist deshalb vor allem, worüber die Bundesregierung nach dem Telefonat öffentlich berichtete: Ukraine, Russland, Hormus, Rotes Meer und die transatlantische Verbundenheit.
Ob die vorausgegangenen politischen Irritationen intern ebenfalls angesprochen wurden, bleibt offen.
Die realistische Prognose: Berlin und Washington werden trotz unterschiedlicher Positionen bei einzelnen politischen Fragen den direkten Austausch fortsetzen müssen. Ukraine, Russland, Nahost und Welthandel lassen beiden Regierungen nur begrenzten Spielraum für länger anhaltende diplomatische Distanz.
Historischer Hintergrund
Die Beziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten gehören seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs zu den wichtigsten außenpolitischen Partnerschaften der Bundesrepublik.
Die USA spielten eine entscheidende Rolle beim Wiederaufbau Westdeutschlands und bei dessen Einbindung in die westlichen Bündnisse.
Mit der NATO entstand eine sicherheitspolitische Verbindung, die bis heute besteht.
Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 erklärte der NATO-Rat erstmals in seiner Geschichte den Bündnisfall nach Artikel 5.
Deutschland beteiligte sich anschließend über viele Jahre am internationalen Einsatz in Afghanistan.
Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 hat die transatlantische Zusammenarbeit erneut erheblich an sicherheitspolitischer Bedeutung gewonnen.
Gleichzeitig gab und gibt es zwischen Washington und Berlin regelmäßig Differenzen, unter anderem bei Handel, Verteidigungsausgaben, Energiepolitik und internationalen Konflikten.
Zukunftsprognose
Politisch dürfte der direkte Kontakt zwischen Merz und Trump angesichts der internationalen Krisen wichtig bleiben.
Für die Ukraine ist entscheidend, wie die USA und die europäischen Staaten ihren politischen, wirtschaftlichen und militärischen Kurs gegenüber Russland koordinieren.
Wirtschaftlich besitzt vor allem die Lage an der Straße von Hormus und im Roten Meer enorme Bedeutung.
Anhaltende Störungen der Schifffahrt können Energiepreise, Transportkosten und Lieferketten belasten.
Für Deutschland als exportorientierte Volkswirtschaft sind sichere Seewege besonders wichtig.
An den Börsen reagieren insbesondere Energie-, Transport- und Luftfahrtunternehmen empfindlich auf Veränderungen bei Ölpreisen und Frachtraten.
Beim Rohöl bleibt die Straße von Hormus ein zentraler Risikofaktor. Eine nachhaltige Entspannung könnte den Preisdruck reduzieren, während weitere Störungen erneut starke Ausschläge auslösen könnten.
Auch der Euro und der US-Dollar können indirekt auf Veränderungen der geopolitischen Risikolage reagieren.
Wer ist Friedrich Merz?
Friedrich Merz ist Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland und Vorsitzender der CDU.
Als Regierungschef vertritt er Deutschland auf internationaler Ebene und gehört innerhalb Europas zu den zentralen Ansprechpartnern der Vereinigten Staaten.
Wer ist Donald Trump?
Donald Trump ist Präsident der Vereinigten Staaten.
Die USA sind Deutschlands wichtigster außereuropäischer Sicherheitspartner und innerhalb der NATO der militärisch stärkste Mitgliedstaat.
Zwischen der Bundesregierung und der US-Regierung bestehen enge sicherheits- und wirtschaftspolitische Beziehungen, zugleich aber Differenzen bei verschiedenen politischen Themen.
Warum ist die Straße von Hormus so wichtig?
Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und dem Arabischen Meer.
Sie liegt zwischen Iran und Oman und zählt zu den strategisch wichtigsten Wasserstraßen der Welt.
Vor allem für den internationalen Handel mit Erdöl und Flüssigerdgas besitzt die Meerenge enorme Bedeutung.
Störungen können deshalb weit über den Nahen Osten hinaus wirtschaftliche Folgen haben.
Warum ist das Rote Meer für Deutschland wichtig?
Das Rote Meer bildet gemeinsam mit dem Suezkanal eine der wichtigsten Handelsverbindungen zwischen Europa und Asien.
Wird die Route unsicher oder unpassierbar, müssen Handelsschiffe teilweise den erheblich längeren Weg um Afrika nehmen.
Das verlängert Transportzeiten und kann Frachtraten sowie Kosten für Unternehmen erhöhen.
OZD-Extra - Ein Telefonat mit zwei Botschaften
Interessant an dem Gespräch zwischen Merz und Trump ist nicht nur, was besprochen wurde, sondern auch der Zeitpunkt.
Das ursprünglich geplante Telefonat war verschoben worden, nachdem Trumps Äußerungen zur deutschen Landtagswahl in Berlin auf Widerspruch gestoßen waren.
Eine Woche später standen nun wieder gemeinsame internationale Interessen im Mittelpunkt.
Besonders die Verbindung zwischen Ukraine und Nahost ist wirtschaftlich bedeutsam.
Neue Sanktionen gegen Russland können den internationalen Energiehandel verändern. Gleichzeitig beeinflusst die unsichere Lage an der Straße von Hormus die Ölversorgung aus dem Nahen Osten.
Für Europa treffen damit zwei geopolitische Risiken aufeinander.
Sollte sich die Lage an den wichtigen Schifffahrtswegen entspannen, könnte dies Energie- und Transportmärkte entlasten. Eine weitere Eskalation würde dagegen insbesondere Ölpreise, Frachtraten und die europäische Wirtschaft belasten.
Das Telefonat zwischen Berlin und Washington war deshalb weit mehr als diplomatische Routine.
Gewinnspiel
Über welche internationale Wasserstraße sprachen Friedrich Merz und Donald Trump bei ihrem Telefonat?
A: Straße von Hormus
B: Straße von Gibraltar
C: Bosporus
D: Ärmelkanal
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.