Fakten im Überblick
Mindestens 165 Todesopfer wurden bislang bestätigt.
Mehr als 1300 Menschen gelten in Nepal und Tibet als vermisst.
Ursache war nach aktuellen Erkenntnissen ein Gletscherabbruch mit Eis- und Gerölllawine.
Eine der schwersten Naturkatastrophen der vergangenen Jahre erschüttert den Himalaya. Nach der gewaltigen Sturzflut im Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet suchen Rettungskräfte nach mehr als 1300 Vermissten. Bis Donnerstag wurden mindestens 165 Todesopfer geborgen, doch die Behörden rechnen mit einem weiteren deutlichen Anstieg der Opferzahl.
Nach neuen Erkenntnissen der US-Erdbebenwarte (USGS) wurde die Katastrophe nicht durch ein Erdbeben ausgelöst. Die zunächst registrierten seismischen Signale stammen demnach von einem massiven Gletscherabbruch mit anschließender Eis- und Gerölllawine. Diese blockierte zunächst den Fluss Lhende und löste anschließend eine gigantische Sturzflut aus.
Auch das Internationale Zentrum für integrierte Bergentwicklung (Icimod) in Kathmandu bestätigt diese Einschätzung. Experte Saswata Sanyal erklärte, die Eis- und Geröllmassen hätten den Fluss aufgestaut, bevor sich die Wassermassen mit zerstörerischer Kraft talwärts entluden.
Die Folgen sind verheerend. Nach Polizeiangaben wurden allein in Nepal bislang 162 Tote geborgen, in Tibet bestätigten die chinesischen Behörden drei Todesopfer. Gleichzeitig wächst die Zahl der Vermissten dramatisch. In Nepal gelten inzwischen 823 Menschen als verschwunden. In Tibet meldete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua 558 Vermisste. Insgesamt wird damit nach mehr als 1300 Menschen gesucht.
Besonders betroffen ist die nepalesische Ortschaft Syabrubesi, ein international bekannter Ausgangspunkt für Trekkingtouren im Himalaya. Hunderte Touristen aus aller Welt wurden von den Wassermassen überrascht.
Nach Angaben der nepalesischen Katastrophenschutzbehörde befinden sich unter den Vermissten mindestens 579 Touristen aus dem In- und Ausland. Chinesische Staatsmedien berichten zudem von 260 ausländischen Vermissten auf tibetischer Seite.
Der US-Reiseveranstalter Himalayan Glacier teilte mit, dass eine komplette Reisegruppe weiterhin vermisst werde. Betroffen seien 15 Australier, zehn Kanadier, neun Nepalesen, acht US-Bürger, zwei Briten, zwei Singapurer sowie eine Person mit US-amerikanischer und russischer Staatsangehörigkeit.
Australiens Premierminister Anthony Albanese bestätigte, dass insgesamt 34 Australier vermisst werden. Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte unterdessen, derzeit lägen keine Erkenntnisse über betroffene deutsche Staatsangehörige vor. Die deutsche Botschaft in Kathmandu stehe in engem Kontakt mit den örtlichen Behörden.
Verifizierte Videoaufnahmen zeigen die ungeheure Wucht der Naturkatastrophe. Mehrstöckige Gebäude, Fahrzeuge und fliehende Menschen werden von einer meterhohen Flutwelle mitgerissen. Die Umwelt-Historikerin Ruth Gamble beschrieb die Geröll- und Schlammlawine als eine Welle, die sich "wie ein Tsunami" rund 170 Kilometer durch das Bhote-Koshi-Tal bewegte.
Internationale Hilfsorganisationen sprechen von einer humanitären Katastrophe. "Ganze Dörfer sind ausgelöscht worden", erklärte David Fisher von der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung. Benötigt würden dringend Decken, medizinische Ausrüstung, Tragen und Leichensäcke.
Während in Tibet rund 800 Rettungskräfte mit Fahrzeugen, Booten und Suchhunden im Einsatz sind, versucht die nepalesische Armee mit Hubschraubern und Flugzeugen, weitere Überlebende aus den zerstörten Gebieten zu evakuieren.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Klimarisiken im Hochgebirge werden zur globalen Bedrohung
Die Katastrophe im Himalaya zeigt eindrucksvoll, wie verletzlich Hochgebirgsregionen geworden sind. Schmelzende Gletscher, instabile Eisformationen und extreme Wetterereignisse erhöhen weltweit das Risiko plötzlicher Sturzfluten. Besonders Regionen mit wachsendem Tourismus geraten dadurch zunehmend in Gefahr. Die internationale Gemeinschaft muss Frühwarnsysteme und grenzüberschreitende Katastrophenschutzkonzepte deutlich ausbauen, um ähnliche Tragödien künftig besser verhindern zu können.
Historischer Hintergrund
Der Himalaya zwischen Nepal, Tibet (China), Indien und Bhutan beherbergt die größten Gletscher außerhalb der Polarregionen. Immer wieder führen Erdrutsche, Gletscherabbrüche und Monsunregen zu schweren Überschwemmungen. Wissenschaftler beobachten seit Jahren, dass sich die Gletscher aufgrund steigender Temperaturen vielerorts zurückziehen und dadurch das Risiko sogenannter Gletschersee-Ausbrüche und Sturzfluten zunimmt.
Zukunftsprognose
Die Such- und Bergungsarbeiten werden voraussichtlich noch viele Tage andauern. Mit weiter steigenden Opferzahlen ist zu rechnen. Gleichzeitig dürfte die Katastrophe neue Diskussionen über Klimaanpassung, Katastrophenschutz und den Ausbau von Frühwarnsystemen in den Hochgebirgsregionen Asiens auslösen. Auch der internationale Tourismus im Himalaya könnte vorübergehend erheblich beeinträchtigt werden.
Erklärungen
Was ist eine Sturzflut?
Eine Sturzflut ist eine plötzlich auftretende, extrem schnell fließende Wassermasse, die häufig durch Starkregen, Gletscherabbrüche oder den Bruch natürlicher Staudämme ausgelöst wird. Sie entwickelt enorme Zerstörungskraft.
Was ist ein Gletscherabbruch?
Ein Gletscherabbruch entsteht, wenn große Eis- und Geröllmassen plötzlich abbrechen und ins Tal stürzen. Dadurch können Flüsse blockiert oder gewaltige Flutwellen ausgelöst werden.
OZD-Extras
Die betroffene Route zwischen Kathmandu in Nepal und Lhasa in Tibet zählt zu den bekanntesten Reise- und Trekkingstrecken im Himalaya und wird jedes Jahr von tausenden internationalen Touristen genutzt.
Wie wirkt sich das auf die Börsen aus?
Direkte Auswirkungen auf die internationalen Börsen bleiben bislang begrenzt. Regional könnten jedoch Infrastruktur-, Tourismus- und Versicherungsunternehmen wirtschaftlich belastet werden. Langfristig rücken Investitionen in Klimaanpassung, Frühwarnsysteme und Katastrophenschutz weltweit stärker in den Fokus.
Gewinnspiel
Was gilt nach den aktuellen Erkenntnissen als Auslöser der verheerenden Sturzflut?
A) Ein Vulkanausbruch
B) Ein Gletscherabbruch mit Eis- und Gerölllawine
C) Ein Taifun
D) Ein Dammbruch
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.