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Kinderwunsch sinkt: Zukunftsängste verändern die Familienplanung junger Menschen

Der Kinderwunsch junger Menschen in Deutschland sinkt erstmals seit Jahren. Eine neue Studie zeigt: Zukunftsängste, Wohnungsnot und wirtschaftliche Unsicherheit beeinflussen die Familienplanung zunehmend.

Fakten im Überblick

Frauen zwischen 18 und 39 Jahren wünschen sich durchschnittlich 1,7 Kinder, Männer 1,6 Kinder.

Kriege, Klimawandel und wirtschaftliche Unsicherheit zählen zu den größten Zukunftssorgen.

Die tatsächliche Geburtenrate liegt mit 1,32 Kindern pro Frau deutlich unter dem Kinderwunsch.


Der Wunsch nach Kindern bleibt in Deutschland hoch, geht jedoch erstmals seit Jahren leicht zurück. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BIB), die am Mittwoch in Wiesbaden vorgestellt wurde. Danach wünschen sich Frauen zwischen 18 und 39 Jahren durchschnittlich rund 1,7 Kinder, Männer etwa 1,6 Kinder. Trotz des Rückgangs liegt der Kinderwunsch weiterhin deutlich über der tatsächlichen Geburtenrate.

Als einen wesentlichen Grund nennt das BIB die zahlreichen Krisenerfahrungen der vergangenen Jahre. Zukunftsängste prägen nach Einschätzung der Wissenschaftler zunehmend die Lebensplanung vieler junger Erwachsener. Besonders groß ist die Sorge vor Kriegen. Mehr als vier von zehn Befragten gaben an, deswegen sehr besorgt zu sein. Hinzu kommen Ängste vor einer Schwächung der Demokratie, den Folgen des Klimawandels und möglichen Wirtschaftskrisen.

BIB-Forschungsdirektor Martin Bujard betonte, dass der Rückgang der Geburten nicht auf einen grundsätzlich fehlenden Kinderwunsch zurückzuführen sei. "Es ist nicht der fehlende Wunsch nach Kindern, der den Geburtenrückgang prägt", erklärte Bujard. "Vielmehr führt der Aufschub der Familienplanung häufig zu unerfüllten Kinderwünschen."

Interessant ist dabei, dass sich die Vorstellung von der idealen Familiengröße kaum verändert hat. Frauen und Männer zwischen 18 und 39 Jahren halten nach wie vor durchschnittlich etwa 2,2 Kinder für ideal.

Neben den gesellschaftlichen Unsicherheiten beeinflussen auch konkrete Lebensbedingungen die Familienplanung. Viele Befragte bewerten die Situation auf dem Wohnungsmarkt sowie ihre Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten kritisch. Menschen ohne Kinder, die mit ihren Wohn- und Arbeitsbedingungen zufrieden sind, äußerten deutlich häufiger den Wunsch, innerhalb der nächsten drei Jahre eine Familie zu gründen.

Nach Einschätzung des Bundesinstituts reichen klassische familienpolitische Maßnahmen deshalb allein nicht aus. Entscheidend sei auch das gesellschaftliche Zukunftsvertrauen. "Entscheidend ist auch, ob junge Menschen mit Zuversicht auf ihre persönliche und gesellschaftliche Zukunft blicken", erklärte Bujard. "Politik, Medien und gesellschaftliche Institutionen prägen solche Zukunftserwartungen mit."

Die Entwicklung spiegelt sich auch in den offiziellen Geburtenzahlen wider. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts lag die Geburtenrate im vergangenen Jahr bei durchschnittlich 1,32 Kindern pro Frau – der niedrigste Wert seit 1997. Grundlage der Untersuchung sind Daten des familiendemografischen Panels "Freda", bei dem halbjährlich Erwachsene zwischen 18 und 55 Jahren in Deutschland befragt werden.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Kinder brauchen vor allem Zukunftsvertrauen

Die neue Studie macht deutlich, dass Familienpolitik weit über Elterngeld und Kita-Plätze hinausgeht. Wer eine Familie gründen möchte, braucht bezahlbaren Wohnraum, sichere Arbeitsplätze und das Gefühl, optimistisch in die Zukunft blicken zu können. Dauerkrisen, Kriege und wirtschaftliche Unsicherheit hinterlassen Spuren in den Lebensentscheidungen einer ganzen Generation. Sinkende Geburtenzahlen sind deshalb nicht nur eine demografische, sondern auch eine gesellschaftliche Vertrauensfrage.

Historischer Hintergrund

Deutschland gehört seit Jahrzehnten zu den Ländern mit niedrigen Geburtenraten. Trotz umfangreicher familienpolitischer Leistungen wie Elterngeld, Ausbau der Kinderbetreuung und steuerlicher Förderung blieb die Geburtenrate dauerhaft unter dem Bestandserhaltungsniveau von rund 2,1 Kindern je Frau. In den vergangenen Jahren verschärften Pandemie, Energiekrise, Inflation, internationale Konflikte und Wohnraummangel die Unsicherheit vieler junger Menschen zusätzlich.

Zukunftsprognose

Demografen erwarten, dass die Geburtenzahlen kurzfristig niedrig bleiben könnten, sofern sich wirtschaftliche und gesellschaftliche Unsicherheiten nicht deutlich verringern. Langfristig drohen eine alternde Bevölkerung, zunehmender Fachkräftemangel und steigende Belastungen für Renten-, Gesundheits- und Pflegesysteme. Gleichzeitig wächst der politische Druck, Familiengründungen durch bessere Wohnungsangebote, verlässliche Kinderbetreuung und wirtschaftliche Stabilität attraktiver zu machen.

Erklärungen

Was ist das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BIB)?

Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung mit Sitz in Wiesbaden untersucht die demografische Entwicklung Deutschlands. Es analysiert unter anderem Geburtenraten, Familienstrukturen, Migration und gesellschaftliche Veränderungen.

Was ist die Geburtenrate?

Die Geburtenrate gibt an, wie viele Kinder eine Frau im Durchschnitt im Laufe ihres Lebens bekommt. Für eine langfristig stabile Bevölkerungsentwicklung gilt ein Wert von etwa 2,1 Kindern pro Frau als erforderlich.

OZD-Extras

Die demografische Entwicklung beeinflusst langfristig auch die Wirtschaft. Weniger Geburten bedeuten künftig weniger Arbeitskräfte und Fachpersonal. Unternehmen aus den Bereichen Pflege, Gesundheit, Wohnungsbau und Bildung dürften dadurch noch stärker unter Personalmangel leiden. Gleichzeitig gewinnen Investitionen in Automatisierung und Künstliche Intelligenz zunehmend an Bedeutung, um den Arbeitskräftemangel auszugleichen.

Gewinnspiel

Wie viele Kinder wünschen sich Frauen zwischen 18 und 39 Jahren laut der aktuellen BIB-Studie durchschnittlich?

A) 1,1 Kinder

B) 1,7 Kinder

C) 2,2 Kinder

D) 2,8 Kinder

https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen

Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.