Fakten im Überblick
Der Goldene Löwe geht an May el-Toukhy für „Woman Unknown“.
Die Gaza-Dokumentation „Naza“ erhält den Spezialpreis der Jury.
Drei weitere Auszeichnungen gehen an vom Medienboard Berlin-Brandenburg geförderte Produktionen.
Das 83. Internationale Filmfestival von Venedig hat einen historischen Gewinner gekürt. Die dänisch-ägyptische Regisseurin May el-Toukhy wurde für ihr Drama „Woman Unknown“ mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet und setzte sich damit gegen die internationale Konkurrenz durch. Es war der einzige Wettbewerbsfilm, bei dem eine Frau allein Regie führte – ein Umstand, der während des Festivals immer wieder kontrovers diskutiert wurde.
Bei der feierlichen Preisverleihung auf dem Lido bedankte sich el-Toukhy ausdrücklich bei Jurypräsidentin Maggie Gyllenhaal.
"ihre Stimme erhoben und die mangelnde Chancengleichheit für Regisseurinnen in unserer Branche"
„Woman Unknown“ erzählt die Geschichte einer Hausangestellten im Dänemark der Nachkriegszeit. Kurz vor ihrer Hochzeit mit einem wohlhabenden Witwer droht eine verborgene Liebesbeziehung zu einem deutschen Soldaten während des Zweiten Weltkriegs ihre Zukunft zu zerstören. Gleichzeitig thematisiert der Film gesellschaftliche Machtverhältnisse und die Rolle von Frauen in einer von Männern dominierten Welt.
Auch Hauptdarstellerin Mathilde Arcel wurde ausgezeichnet und erhielt den Preis als Beste Schauspielerin. El-Toukhy erklärte bei ihrer Dankesrede:
"In 'Woman Unknown' geht es um den weiblichen Körper als Schlachtfeld und als Thema von öffentlichem Interesse. Gleichzeitig erzählt der Film die Geschichte unsichtbarer, ignorierter und stimmloser Frauen."
Für großes internationales Aufsehen sorgte auch die Dokumentation „Naza“ der israelischen Filmemacher Yuval Abraham und Rachel Szor. Der Film erhielt den Spezialpreis der Jury. Darin schildern anonyme israelische Militär- und Geheimdienstangehörige ihre Sicht auf militärische Einsätze im Gazastreifen. Bereits bei der Premiere wurde der Film mit außergewöhnlich langen stehenden Ovationen gefeiert.
Der Silberne Löwe ging an den südkoreanischen Regisseur Lee Chang Dong für „Possible Love“. Den Preis für die Beste Regie erhielt Ilja Chrschanowski für sein experimentelles Werk „DAU“. In seiner Rede widmete er die Auszeichnung den Menschen in der Ukraine.
Auch Deutschland durfte jubeln. Gleich drei ausgezeichnete Produktionen wurden vom Medienboard Berlin-Brandenburg gefördert. Unter anderem gewann „Falling House“ den Orizzonti-Preis für die beste Darstellerin sowie den Airone della Laguna als bester Spielfilm. MBB-Geschäftsführerin Sarah Duve-Schmid sprach von einer großen Ehre.
Den Preis als Bester Schauspieler erhielt Hollywood-Star John Malkovich für seine Rolle als zynischer CIA-Agent in der schwarzen Komödie „Wild Horse Nine“.
Bereits zu Beginn und während des Festivals waren George Clooney und Ellen Burstyn mit dem Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk geehrt worden.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Ein wichtiges Signal für das Weltkino
Die Auszeichnung für May el-Toukhy ist weit mehr als ein persönlicher Triumph. Sie ist ein deutliches Signal an eine Filmbranche, in der Regisseurinnen noch immer deutlich schlechtere Chancen auf Finanzierung und große Produktionen haben. Dass ausgerechnet der einzige allein von einer Frau inszenierte Wettbewerbsfilm den Goldenen Löwen gewinnt, dürfte weltweit Diskussionen über Gleichberechtigung im Kino weiter befeuern. Gleichzeitig zeigt das Festival, dass mutige Stoffe über Geschichte, Krieg und gesellschaftliche Verantwortung international immer stärker gefragt sind.
Historischer Hintergrund
Die Internationalen Filmfestspiele von Venedig wurden 1932 gegründet und gelten als ältestes Filmfestival der Welt. Der Goldene Löwe zählt neben der Goldenen Palme von Cannes und dem Goldenen Bären der Berlinale zu den bedeutendsten Filmpreisen weltweit. Venedig dient regelmäßig als Sprungbrett für spätere Oscar-Gewinner.
Zukunftsprognose
Der Erfolg von „Woman Unknown“ dürfte die internationale Aufmerksamkeit für May el-Toukhy erheblich steigern und ihre Chancen auf große internationale Produktionen verbessern. Auch europäische Filmförderungen könnten künftig stärker auf Regisseurinnen setzen. Wirtschaftlich profitieren Produktionsfirmen und Verleiher meist deutlich von einem Goldenen Löwen. Börsenauswirkungen sind unmittelbar nicht zu erwarten, allerdings stärken internationale Festivalerfolge regelmäßig die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Filmbranche.
Erklärungen
Was ist der Goldene Löwe?
Der Goldene Löwe ist die höchste Auszeichnung der Internationalen Filmfestspiele von Venedig. Er zählt zu den prestigeträchtigsten Filmpreisen der Welt und wird jährlich für den besten Wettbewerbsfilm vergeben.
Wer ist May el-Toukhy?
May el-Toukhy ist eine dänisch-ägyptische Filmregisseurin und Drehbuchautorin. Internationale Bekanntheit erlangte sie mit gesellschaftskritischen Dramen über Macht, Identität und soziale Ungleichheit.
OZD-Extras
Mit gleich drei ausgezeichneten Produktionen war das Medienboard Berlin-Brandenburg einer der großen Gewinner des Festivals. Damit unterstreicht Deutschland erneut seine Bedeutung als wichtiger Produktions- und Förderstandort für internationales Autorenkino.
Gewinnspiel
Welcher Film gewann 2026 den Goldenen Löwen beim Filmfestival von Venedig?
A) Naza
B) Possible Love
C) Woman Unknown
D) Wild Horse Nine
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.