Fakten im Überblick
Zwei mutmaßliche Führungsmitglieder der Brigade N'Hamedu wurden in Stuttgart und Saarbrücken festgenommen.
Die Bundesanwaltschaft stuft den deutschen Ableger als inländische terroristische Vereinigung ein.
Hintergrund sind gewalttätige Ausschreitungen bei Eritrea-Veranstaltungen in Gießen und Stuttgart.
Die Bundesanwaltschaft ist mit einem weiteren Schlag gegen mutmaßliche Mitglieder der eritreischen Organisation Brigade N'Hamedu vorgegangen. Am Dienstag wurden in Stuttgart und Saarbrücken zwei eritreische Staatsbürger festgenommen. Den Männern wird Mitgliedschaft in einer inländischen terroristischen Vereinigung vorgeworfen.
Nach Angaben der Ermittler handelt es sich bei den Beschuldigten um den Generalsekretär sowie den ersten Vorsitzenden des deutschen Ablegers der Brigade N'Hamedu. Beide sollen "maßgeblich" am Aufbau der Organisation in Deutschland beteiligt gewesen sein und gewaltsame Aktionen organisiert haben. Einer der Festgenommenen soll sich zudem persönlich "aktiv" an den schweren Ausschreitungen in Gießen beteiligt haben.
Die Brigade N'Hamedu ist nach Angaben der Bundesanwaltschaft international vernetzt und verfolgt das Ziel, die Regierung des ostafrikanischen Staates Eritrea zu stürzen. In Deutschland soll die Gruppierung gewaltsame Angriffe auf Veranstaltungen organisiert haben, die von Anhängern der eritreischen Regierung besucht wurden.
Besonders im Fokus stehen die Ausschreitungen in Gießen in den Jahren 2022 und 2023 sowie in Stuttgart 2023. Dabei griffen Angreifer Veranstaltungsteilnehmer und zahlreiche Polizeibeamte an. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft riefen Funktionäre der Brigade N'Hamedu zu potenziell tödlicher Gewalt auf. Mitglieder hätten Wurf- und Schlaggegenstände "gezielt" gegen Köpfe eingesetzt.
Bei den Krawallen wurden zahlreiche Polizisten und mehrere Teilnehmer verletzt, einige davon schwer. Allein bei den Ausschreitungen in Stuttgart wurden nach früheren Behördenangaben 39 Polizeibeamte verletzt, rund 230 Menschen vorläufig festgenommen. Vergleichbare Gewalttaten ereigneten sich auch bei Eritrea-Veranstaltungen in den Niederlanden und Schweden.
Nach Angaben der Bundesanwaltschaft waren die beiden nun Festgenommenen seit 2022 im deutschen Ableger aktiv und stiegen rasch in Führungspositionen auf. Bereits im März 2025 hatten Ermittler bei einer groß angelegten Razzia Wohnungen und Objekte in sechs Bundesländern sowie in Dänemark durchsucht und umfangreiche Beweismittel sichergestellt.
Die beiden Beschuldigten sollen dem Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe vorgeführt werden. Dieser entscheidet über die Anordnung der Untersuchungshaft.
Eritrea gilt als einer der autoritärsten Staaten Afrikas. Das Land am Horn von Afrika wird seit der Unabhängigkeit 1993 von Präsident Isaias Afwerki regiert. Internationale Menschenrechtsorganisationen kritisieren seit Jahren massive Einschränkungen der Freiheitsrechte sowie schwere Menschenrechtsverletzungen.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Politische Konflikte dürfen nicht auf Deutschlands Straßen ausgetragen werden
Der Fall zeigt, wie internationale Konflikte zunehmend bis nach Europa getragen werden. Politischer Protest ist durch das Grundgesetz geschützt – organisierte Gewalt gegen Menschen und Einsatzkräfte jedoch nicht. Wenn aus politischen Auseinandersetzungen koordinierte Angriffe werden, muss der Rechtsstaat konsequent handeln. Gleichzeitig bleibt die Herausforderung bestehen, zwischen friedlichem Engagement und strafbaren extremistischer Gewalt klar zu unterscheiden.
Historischer Hintergrund
Eritrea wurde 1993 nach einem jahrzehntelangen Unabhängigkeitskrieg von Äthiopien unabhängig. Präsident Isaias Afwerki regiert das Land seitdem ohne freie Wahlen. Viele Eritreer flohen in den vergangenen Jahrzehnten nach Europa. Innerhalb der Diaspora bestehen teils erhebliche Spannungen zwischen Anhängern und Gegnern der Regierung, die in mehreren europäischen Ländern bereits zu gewaltsamen Auseinandersetzungen führten.
Zukunftsprognose
Die Ermittlungen dürften den Druck auf gewaltbereite extremistische Gruppierungen innerhalb der eritreischen Diaspora erhöhen. Sicherheitsbehörden in Deutschland und anderen europäischen Staaten werden ihre Zusammenarbeit bei der Beobachtung international vernetzter Organisationen voraussichtlich weiter ausbauen. Gleichzeitig ist mit weiteren juristischen Verfahren gegen mutmaßliche Beteiligte früherer Ausschreitungen zu rechnen.
Erklärungen
Was ist die Brigade N'Hamedu?
Die Brigade N'Hamedu ist eine regierungskritische Bewegung von Eritreern im Ausland. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft wird ihr deutscher Ableger als inländische terroristische Vereinigung eingestuft. Der Organisation wird vorgeworfen, gewaltsame Aktionen gegen regierungsnahe Veranstaltungen organisiert zu haben.
Wo liegt Eritrea?
Eritrea liegt am Horn von Afrika und grenzt an Äthiopien, Sudan und Dschibuti sowie an das Rote Meer. Das Land gehört zu den wirtschaftlich ärmsten Staaten der Welt und wird seit der Unabhängigkeit autoritär regiert.
OZD-Extras
Die Ausschreitungen rund um Eritrea-Veranstaltungen beschäftigen Sicherheitsbehörden inzwischen in mehreren europäischen Staaten. Neben Deutschland kam es auch in Schweden und den Niederlanden zu schweren Gewalttaten mit zahlreichen Verletzten. Wirtschaftliche Auswirkungen auf die Börsen sind durch die aktuellen Festnahmen nicht zu erwarten.
Gewinnspiel
Welche Organisation steht nach Angaben der Bundesanwaltschaft im Mittelpunkt der aktuellen Ermittlungen?
A) Brigade N'Hamedu
B) Interpol
C) Afrikanische Union
D) ECOWAS
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.