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Carney kontert Trump: Kanada und EU schmieden „neue Allianz“

Kanada und die EU wollen enger zusammenrücken. Premier Mark Carney weist Donald Trumps Kritik zurück und verteidigt Kanadas außenpolitische Unabhängigkeit.

Fakten im Überblick

Kanadas Premier Mark Carney strebt eine deutlich engere strategische Partnerschaft mit der Europäischen Union an.

US-Präsident Donald Trump droht wegen der Annäherung zwischen Kanada und der EU mit hohen Zöllen und Handelsbeschränkungen.

Beim EU-Kanada-Gipfel Ende Oktober in Montreal soll über die konkrete Ausgestaltung der neuen Partnerschaft beraten werden.

Kanada und die Europäische Union treiben ihre strategische Annäherung trotz scharfer Kritik aus Washington voran. Premierminister Mark Carney warb im Europäischen Parlament in Straßburg für eine "neue Allianz" zwischen Ottawa und Brüssel und machte zugleich deutlich, dass Kanada seine Außen- und Handelspolitik unabhängig von den Vereinigten Staaten gestalten werde.

"Niemand wird uns vorschreiben, wie unsere Kultur auszusehen hat oder mit wem wir international Vereinbarungen treffen dürfen", sagte Carney nach seiner Rede vor Journalisten.

Die geplante Allianz zwischen Kanada und der EU sei "eine positive Initiative, das ist meine Antwort an den amerikanischen Präsidenten".

Damit reagierte Carney auf Kritik von US-Präsident Donald Trump.

Trump hatte vor einer engeren Partnerschaft zwischen Kanada und der Europäischen Union gewarnt und mit wirtschaftlichen Konsequenzen gedroht.

"Wenn sie das tun und ich das auch nur im Geringsten als feindseligen Akt betrachte, werde ich sehr hohe Zölle verhängen oder den Handel mit Europa einstellen", sagte Trump.

Brüssel weist die Darstellung zurück, dass die geplante Zusammenarbeit gegen die Vereinigten Staaten gerichtet sei.

Die Kooperation mit Kanada richte sich "nicht gegen irgendjemand anderen", erklärte ein Sprecher der EU-Kommission.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte zuvor eine "Allianz für die Zukunft" mit Kanada vorgeschlagen und sogar die Idee einer "assoziierten" EU-Mitgliedschaft Kanadas ins Spiel gebracht.

Wie ein solcher Status rechtlich und politisch aussehen könnte, ist bislang offen.

Carney reagierte grundsätzlich positiv.

"Kanada begrüßt dieses Bestreben", sagte er.

Entscheidend sei allerdings weniger die Bezeichnung als der tatsächliche Inhalt der Partnerschaft.

"Was bauen wir tatsächlich gemeinsam auf?", fragte der kanadische Premier.

Carney schlug "eine enge Zusammenarbeit über das gesamte Spektrum strategischer Fähigkeiten hinweg" vor.

Dazu zählen kritische Mineralien, Verteidigungsindustrie, Künstliche Intelligenz, Energiesicherheit und Raumfahrt.

Von der Leyen will zudem eine Technologie-Allianz und eine engere Zusammenarbeit in der Arktis aufbauen.

Carney beschrieb die Verbindung zwischen Kanada und Europa als "Wahlverwandtschaft".

In seiner Rede vermied er eine direkte Konfrontation mit Trump, sprach jedoch vom "Einsatz des Handels als Waffe" als einer Herausforderung für Kanada und Europa.

Die neue Partnerschaft sei keine Reaktion auf ein einzelnes Land oder Ereignis, betonte Carney.

Es gehe um "eine bessere Zukunft für unsere Bürgerinnen und Bürger".

"Das ist keine Reaktion auf etwas anderes. Das ist ein Schritt in die Zukunft."

Kanada und die Europäische Union verbindet bereits das Handelsabkommen CETA. Nun soll die Zusammenarbeit weit über den klassischen Handel hinausreichen.

Auch innerhalb der EU erhält die Annäherung Unterstützung.

Der französische Außenminister Jean-Noël Barrot erklärte: "Es ist unsere Aufgabe, immer engere Beziehungen zu Kanada zu knüpfen."

Die Bundesregierung zeigte sich ebenfalls offen dafür, "neue Modelle zu diskutieren, die dem besonderen Stellenwert der Beziehungen Rechnung tragen".

Wie weit diese Partnerschaft tatsächlich gehen kann, soll Ende Oktober konkreter werden.

Am 29. und 30. Oktober treffen sich Vertreter Kanadas und der Europäischen Union in Montreal zum EU-Kanada-Gipfel.

Brüssel strebt dabei einen "möglichst ehrgeizigen Ansatz" an.

Gleichzeitig müsse die EU "realistisch und pragmatisch bleiben, was unsere Ziele angeht".

Damit wird Montreal zum nächsten entscheidenden Ort für die neue transatlantische Partnerschaft.

Zwischen Ottawa und Brüssel wächst der politische Wille zur engeren Zusammenarbeit.

Wie Washington darauf reagiert und wie weit die EU und Kanada institutionell tatsächlich gehen, bleibt offen.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Zwischen strategischer Autonomie und neuen Handelsrisiken

Die Annäherung zwischen Kanada und der Europäischen Union zeigt, wie stark sich internationale Handels- und Sicherheitsbeziehungen derzeit verändern.

Kanada und die EU wollen ihre Partnerschaften breiter aufstellen. Die USA betrachten Teile dieser Entwicklung unter Präsident Trump kritisch.

Entscheidend wird deshalb sein, welche konkreten Vereinbarungen aus den politischen Ankündigungen entstehen.

Eine Zusammenarbeit bei Rohstoffen, Energie, Technologie und Verteidigung lässt sich vergleichsweise konkret gestalten. Eine "assoziierte Mitgliedschaft" Kanadas wäre dagegen institutionell wesentlich komplizierter und ist bislang nicht definiert.

Auch Trumps Zolldrohungen gehören zur wirtschaftlichen Risikobewertung. Ob sie tatsächlich umgesetzt werden und in welchem Umfang, ist offen.

Die realistische Prognose: Der Gipfel in Montreal dürfte zunächst konkrete Kooperationsfelder vorantreiben. Ob daraus später ein völlig neuer institutioneller Status Kanadas gegenüber der EU entsteht, hängt von weiteren Verhandlungen und der Zustimmung der beteiligten europäischen Institutionen und Mitgliedstaaten ab.

Historischer Hintergrund

Kanada und die Europäische Union arbeiten seit Jahrzehnten politisch und wirtschaftlich eng zusammen.

Eine zentrale Grundlage ist CETA, das umfassende Handelsabkommen zwischen Kanada und der EU, das seit 2017 in großen Teilen vorläufig angewendet wird.

Kanada ist zudem gemeinsam mit zahlreichen europäischen Staaten Mitglied der NATO und der G7.

Die zunehmenden Spannungen in der internationalen Handelsordnung haben die Frage nach zusätzlichen Partnerschaften für Ottawa und Brüssel verstärkt.

Nun soll aus der bestehenden Zusammenarbeit eine umfassendere strategische Partnerschaft entstehen.

Zukunftsprognose

Besonders große wirtschaftliche Bedeutung könnte eine engere Zusammenarbeit bei kritischen Rohstoffen, Energie, Verteidigung und Zukunftstechnologien bekommen.

Kanada verfügt über bedeutende Rohstoff- und Energieressourcen. Die EU wiederum sucht nach diversifizierten Lieferketten und neuen strategischen Partnern.

Davon könnten langfristig Unternehmen aus Bergbau, Batterietechnik, Energie, Verteidigung, KI, Raumfahrt und Infrastruktur profitieren.

Konkrete Auswirkungen auf Aktienkurse, Euro, kanadischen Dollar oder Rohstoffpreise lassen sich aus den politischen Ankündigungen jedoch noch nicht ableiten.

Ein zusätzliches Risiko wären neue US-Zölle, falls Trump seine Drohungen tatsächlich umsetzt.

Was bedeutet „assoziierte“ EU-Mitgliedschaft?

Ein konkret definierter Status einer "assoziierten Mitgliedschaft", wie er nun für Kanada diskutiert wird, existiert bislang nicht als reguläre EU-Mitgliedschaftskategorie.

Deshalb ist noch offen, welche Rechte und Pflichten Kanada erhalten könnte.

Carney selbst stellt den Inhalt der Zusammenarbeit über die Bezeichnung.

Was ist CETA?

CETA ist das umfassende Wirtschafts- und Handelsabkommen zwischen Kanada und der Europäischen Union.

Es erleichtert den Handel und reduziert zahlreiche wirtschaftliche Barrieren.

Die nun geplante strategische Partnerschaft soll deutlich über dieses Handelsabkommen hinausgehen.

OZD-Extra – Montreal wird zum nächsten Schlüsseltermin

Der nächste wichtige Termin steht bereits fest.

Am 29. und 30. Oktober 2026 findet in Montreal der EU-Kanada-Gipfel statt.

Dort dürfte sich zeigen, welche Teile der großen politischen Vision tatsächlich in konkrete Projekte übersetzt werden können.

Besonders im Fokus stehen Verteidigung, Energie, kritische Rohstoffe und Technologie.

Damit könnte Montreal zum ersten großen Test dafür werden, ob aus der angekündigten "neuen Allianz" zwischen Kanada und Europa eine dauerhaft neue Struktur entsteht.

Gewinnspiel

In welcher kanadischen Stadt findet Ende Oktober der nächste EU-Kanada-Gipfel statt?

A: Toronto

B: Vancouver

C: Montreal

D: Ottawa

https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen

Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.