Fakten im Überblick
Borussia Mönchengladbach verliert gegen den FSV Mainz 05 mit 3:4 und bleibt nach vier Spielen ohne einen einzigen Punkt.
Nach der Entlassung von Eugen Polanski betreut Jan-Moritz Lichte die Mannschaft vorerst interimistisch.
Sportchef Rouven Schröder hat bei der Trainersuche nach eigenen Angaben mittlerweile einen klaren Favoriten.
Borussia Mönchengladbach steckt immer tiefer in der Krise. Nach dem 3:4 (1:2) gegen den FSV Mainz 05 sanken die Spieler erschöpft auf den Rasen, während sich unter den Reaktionen der Fans im Borussia-Park aufmunternder Beifall und Pfiffe mischten. Vier Spiele, vier Niederlagen, null Punkte und nun auch noch der letzte Tabellenplatz: Der schlechteste Saisonstart der Vereinsgeschichte erhöht den Druck auf einen Klub, der derzeit nicht einmal einen festen Cheftrainer besitzt. Nur sechs Tage nach der Entlassung von Eugen Polanski ist von einer sportlichen Wende nichts zu erkennen.
Dabei hatte der Abend vor 50.000 Zuschauern zunächst Hoffnung gemacht. Interimscoach Jan-Moritz Lichte überraschte mit Florian Neuhaus in der Startelf. Der frühere Nationalspieler, der bei der Borussia zuletzt kaum noch eine Rolle gespielt hatte, begann erstmals seit Januar – und traf prompt. Nach einem Schuss von Lukas Ullrich fälschte Neuhaus den Ball in der 11. Minute unhaltbar für Mainz-Ersatzkeeper Alexander Schwolow ab. Es war sein erstes Tor seit Mai 2024. Doch die Führung hielt nur sieben Minuten. Sheraldo Becker bekam im Gladbacher Strafraum zu viel Raum, Phillip Tietz löste sich von Joe Scally und vollendete zum 1:1. Noch vor der Pause drehte Mainz die Partie vollständig: Becker traf in der Nachspielzeit per Kopf zum 2:1.
Nach dem Seitenwechsel kämpfte Gladbach um die Rückkehr. Kevin Diks bekam nach Videobeweis die große Chance zum Ausgleich, setzte seinen Handelfmeter in der 57. Minute jedoch an den Pfosten. Nur zwei Minuten später jubelte der Borussia-Park trotzdem. Isac Lidberg, der für den gesperrten Kapitän Tim Kleindienst in die Startelf gerückt war, erzielte sein erstes Tor für die Fohlen und stellte auf 2:2. Die Mannschaft war wieder im Spiel, Lichte trieb seine Spieler an der Seitenlinie immer wieder nach vorne – doch die defensive Unsicherheit blieb.
Vor allem bei ruhenden Bällen bekam Gladbach die Mainzer nicht in den Griff. Eric Martel traf in der 78. Minute per Kopf zum 3:2 für die Gäste, Danny da Costa sorgte in der 89. Minute für den nächsten schweren Schlag. Der späte Handelfmeter von Shuto Machino zum 3:4 in der fünften Minute der Nachspielzeit änderte nichts mehr an der vierten Niederlage im vierten Saisonspiel. Schon zuvor hatte die Borussia zu Hause gegen die SV Elversberg ebenfalls mit 3:4 verloren. Sieben eigene Treffer aus diesen beiden Heimspielen reichten damit nicht einmal zu einem Punkt. „Du kriegst drei Gegentore nach Standards, das ist zu billig“, schimpfte Philipp Sander. Und weiter: „Wenn es nach jedem ruhenden Ball klingelt“, sagte Sander, „dann kannst du dir nichts dafür kaufen.“
Für Sportchef Rouven Schröder wird die Trainersuche damit immer dringlicher. Bis zum Derby beim 1. FC Köln am 11. Oktober soll ein neuer Chefcoach gefunden werden. Nach Angaben Schröders ist die Borussia dabei bereits weit gekommen. „Wir haben mittlerweile einen klaren Favoriten“, sagte der Sportchef. Die Namen Horst Steffen und Christian Titz schloss er bereits vor dem Anpfiff aus. Lichte bleibt damit zunächst der Mann für den Übergang. Der 46-Jährige kennt Mainz bestens: Ende 2020 hatte er den FSV selbst in zwölf Pflichtspielen betreut, dabei allerdings nur einen Sieg gefeiert.
Die sportliche Lage in Mönchengladbach ist inzwischen unübersehbar. Die Mannschaft kann Tore erzielen und zeigte gegen Mainz nach Rückschlägen Moral, doch ihre defensive Anfälligkeit zerstört immer wieder die eigene Arbeit. Besonders die Gegentore nach Standards werden zum Symbol einer Mannschaft, der in entscheidenden Momenten Stabilität und Sicherheit fehlen. Der nächste Trainer übernimmt deshalb nicht einfach einen Tabellenletzten. Er übernimmt eine Mannschaft unter enormem Druck – und vor ihr wartet ausgerechnet das emotional aufgeladene rheinische Derby beim 1. FC Köln.
OZD/SID
OZD-Kommentar – Gladbach braucht mehr als nur einen Trainereffekt
Vier Spiele und null Punkte sind ein Fehlstart, der bei Borussia Mönchengladbach zwangsläufig Unruhe auslöst. Noch schwerer wiegt jedoch die Art, wie die Niederlagen zustande kommen. Wer zu Hause zweimal drei Tore erzielt und dennoch beide Partien mit 3:4 verliert, hat kein grundsätzliches Offensivproblem. Die entscheidenden Baustellen liegen in der Stabilität, der Organisation und insbesondere im Verteidigen von Standardsituationen.
Der kommende Cheftrainer wird deshalb kaum Zeit für eine behutsame Eingewöhnung bekommen. Gleichzeitig wäre es zu einfach, sämtliche Probleme mit einem Trainerwechsel lösen zu wollen. Die Spieler müssen auf dem Platz jene Konzentration entwickeln, die in entscheidenden Situationen bislang fehlt. Die realistische Prognose: Gladbach besitzt offensiv genügend Möglichkeiten, um sich aus dem Tabellenkeller zu arbeiten. Ohne eine schnelle Verbesserung der Defensive wird jedoch auch ein neuer Trainer große Schwierigkeiten haben, die Mannschaft nachhaltig zu stabilisieren.
Historischer Hintergrund
Borussia Mönchengladbach gehört zu den traditionsreichsten Vereinen des deutschen Fußballs. Besonders in den 1970er-Jahren prägten die „Fohlen“ die Bundesliga und gewannen fünf deutsche Meisterschaften. Spieler wie Günter Netzer, Berti Vogts, Jupp Heynckes und Rainer Bonhof machten den Klub auch international bekannt. Hinzu kamen zwei UEFA-Pokal-Titel und mehrere DFB-Pokal-Erfolge.
Die aktuelle Situation steht in starkem Kontrast zu dieser großen Vergangenheit. Der Saisonstart mit vier Niederlagen aus vier Spielen ist der schlechteste in der Vereinsgeschichte. Die frühe Trennung von Eugen Polanski zeigt, wie groß der Handlungsdruck am Niederrhein bereits geworden ist. Nun muss die Vereinsführung einen Trainer finden, der kurzfristige Stabilisierung und eine längerfristige sportliche Entwicklung miteinander verbinden kann.
Zukunftsprognose
Sportlich werden die kommenden Wochen für Borussia Mönchengladbach entscheidend. Der neue Trainer muss vor allem die Defensive stabilisieren und die Mannschaft mental aus der Negativspirale führen. Das Derby beim 1. FC Köln am 11. Oktober könnte dabei früh zu einem wichtigen Stimmungstest werden. Ein Erfolg gegen den rheinischen Rivalen könnte neue Energie freisetzen, eine weitere Niederlage den Druck auf Mannschaft und Vereinsführung dagegen nochmals erhöhen.
Wirtschaftlich wäre ein längerer Abstiegskampf ebenfalls problematisch. Borussia Mönchengladbach verfügt über ein großes Stadion, eine starke Anhängerschaft und eine bundesweit bekannte Marke, ist jedoch auf die Einnahmen aus der Bundesliga angewiesen. Ein möglicher Abstieg hätte erhebliche Auswirkungen auf Medienerlöse, Sponsoring und Kaderplanung. Direkte Folgen für Aktienmärkte, Rohstoffe oder Währungen sind nicht zu erwarten.
Wer ist Jan-Moritz Lichte?
Jan-Moritz Lichte ist ein deutscher Fußballtrainer und betreut Borussia Mönchengladbach derzeit interimistisch. Der 46-Jährige besitzt auch eine Vergangenheit beim FSV Mainz 05. Ende 2020 war er dort in zwölf Pflichtspielen verantwortlich, gewann in dieser Zeit allerdings nur eine Partie.
Warum wurde Eugen Polanski entlassen?
Borussia Mönchengladbach reagierte auf den schwachen Saisonstart und trennte sich von Eugen Polanski. Auch unter Interimscoach Lichte setzte sich die Negativserie zunächst fort. Nach vier Spieltagen steht die Borussia ohne Punkt am Tabellenende.
Warum ist das Derby gegen Köln so wichtig?
Spiele zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln gehören zu den emotionalsten Derbys im deutschen Fußball. Neben der regionalen Rivalität bekommt die Begegnung am 11. Oktober durch Gladbachs Tabellenlage zusätzliche Bedeutung. Bis dahin soll nach den Plänen des Vereins ein neuer Cheftrainer gefunden sein.
OZD-Extra – Sechs Tore reichen nicht einmal für einen Punkt
Eine Zahl verdeutlicht die ungewöhnliche Situation der Borussia besonders deutlich: In den beiden jüngsten Heimspielen gegen die SV Elversberg und Mainz 05 erzielte Gladbach jeweils drei Treffer – und verlor beide Begegnungen trotzdem mit 3:4. Sechs Tore brachten damit keinen einzigen Punkt. Für den kommenden Trainer ist die Priorität offensichtlich: Nicht die Offensive muss zuerst neu erfunden werden, sondern die Mannschaft muss lernen, Führungen und Comebacks durch konsequentere Defensivarbeit auch in Ergebnisse umzuwandeln.
Gewinnspiel
Wie endete das Heimspiel von Borussia Mönchengladbach gegen Mainz 05?
A: 2:2
B: 2:3
C: 3:4
D: 4:4
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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.