Fakten im Überblick
Deutschland besiegt Gastgeber Bulgarien nach einem 0:2-Satzrückstand noch mit 3:2 und zieht ins Viertelfinale der Volleyball-EM ein.
Erik Röhrs ist mit 20 Punkten bester deutscher Angreifer, Anton Brehme steuert 14 Punkte zum dramatischen Erfolg in Sofia bei.
Im Viertelfinale wartet am Dienstag mit Polen der Weltranglistenerste und Turnierfavorit auf die Mannschaft von Bundestrainer Massimo Botti.
Deutschlands Volleyballer haben bei der Europameisterschaft einen denkwürdigen Abend erlebt. Die Mannschaft von Bundestrainer Massimo Botti besiegte Gastgeber Bulgarien in Sofia nach einem 0:2-Satzrückstand noch mit 3:2 (21:25, 21:25, 25:19, 25:23, 15:12) und steht damit erstmals seit fünf Jahren wieder im Viertelfinale einer EM. Vor mehr als 12.000 Zuschauern trotzte die Auswahl des Deutschen Volleyball-Verbandes nicht nur einem starken Gegner, sondern auch einer lautstarken Kulisse. Nach rund zweieinhalb Stunden verwandelte sich die bulgarische Volleyball-Party in deutschen Jubel.
„Das war unsere Energie, die wir auf den Platz bringen, jeder für jeden, wir sind wie eine Familie, wir haben uns das verdient“, sagte Anton Brehme nach dem Krimi. Der Mittelblocker gehörte mit 14 Punkten zu den entscheidenden Spielern des deutschen Teams. Erfolgreichster Angreifer war Erik Röhrs mit 20 Punkten. Beide standen sinnbildlich für eine Mannschaft, die selbst nach zwei verlorenen Sätzen nicht auseinanderfiel. Gegen den Vize-Weltmeister schien die Ausgangslage zunächst immer schwieriger zu werden, doch Deutschland arbeitete sich Punkt für Punkt zurück.
Dabei war das DVV-Team keineswegs schwach in die Begegnung gestartet. Deutschland hielt bereits im ersten Satz dagegen, Bulgarien entwickelte vor allem mit seinen Aufschlägen jedoch größeren Druck und entschied den Durchgang mit 25:21 für sich. Im zweiten Satz war die deutsche Mannschaft dem Ausgleich deutlich näher, leistete sich in entscheidenden Momenten aber erneut Fehler beim Aufschlag. Wieder hieß es 21:25. Der Gastgeber führte mit 2:0, die Halle in Sofia tobte – und Deutschland stand nur noch einen Satz vor dem EM-Aus.
Doch genau in diesem Moment kippte die Partie. Im dritten Durchgang erspielte sich Deutschland erstmals eine deutlichere Führung und brachte diese mit 25:19 ins Ziel. Plötzlich war die Sicherheit zurück, während die zuvor so laute Kulisse ruhiger wurde. Im vierten Satz entwickelte sich ein Kampf um nahezu jeden Ball. Bulgarien wollte die Entscheidung, Deutschland erzwang sie. Mit 25:23 rettete sich Bottis Mannschaft in den Tiebreak und hatte aus einem scheinbar aussichtslosen 0:2 ein völlig offenes Spiel gemacht.
Auch im entscheidenden fünften Satz konnte sich zunächst keine Mannschaft entscheidend lösen. Jeder Fehler bekam zusätzliches Gewicht, jeder Punkt brachte die Teams dem Viertelfinale oder dem Ausscheiden näher. Deutschland blieb in der entscheidenden Phase stabiler und setzte sich schließlich mit 15:12 durch. Der Jubel bei Röhrs, Brehme und ihren Teamkollegen war entsprechend groß: Nach vier Siegen aus fünf Vorrundenspielen und der abschließenden Niederlage gegen Olympiasieger Frankreich hatte sich Deutschland ausgerechnet gegen den starken Gastgeber den Platz unter den besten acht Mannschaften Europas erkämpft.
Der Erfolg gewinnt zusätzlich an Bedeutung, weil Deutschland kurzfristig auf Zuspieler Johannes Tille verzichten musste. Tille hatte sich eine Fraktur im Mittelfuß zugezogen und fiel für das Achtelfinale aus. Dennoch gelang dem DVV-Team gegen Bulgarien die bislang eindrucksvollste Vorstellung des Turniers. Nun steigt die Schwierigkeit noch einmal erheblich: Am Dienstag wartet Polen, der Weltranglistenerste und Turnierfavorit. Brehme geht mit dem Selbstvertrauen des Abends von Sofia in diese Aufgabe. Gegen Polen müsse Deutschland „so spielen, wie heute, dann haben wir wieder eine Chance.“
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Dieses Comeback kann eine Mannschaft verändern
Ein 0:2-Rückstand in einem EM-Achtelfinale, mehr als 12.000 Fans gegen sich und mit Johannes Tille einen wichtigen Spieler kurzfristig verloren – Deutschland hatte genügend Gründe, an diesem Abend aus dem Turnier zu verschwinden. Stattdessen zeigte die Mannschaft genau jene Eigenschaft, die bei großen Turnieren den Unterschied machen kann: Sie blieb zusammen, obwohl die Situation beinahe aussichtslos wirkte.
Der Sieg gegen Bulgarien ist deshalb mehr als nur das Ticket fürs Viertelfinale. Deutschland hat erlebt, dass es auch unter maximalem Druck ein Spiel drehen kann. Gegen Polen werden die Anforderungen noch einmal steigen. Der Weltranglistenerste geht als Turnierfavorit in das Duell, Deutschland kann nach dem emotionalen Kraftakt von Sofia jedoch mit erheblich gewachsenem Selbstvertrauen antreten. Die realistische Prognose: Polen bleibt die große Herausforderung, doch nach diesem Comeback dürfte niemand im deutschen Team das Viertelfinale bereits vor dem ersten Aufschlag verloren geben.
Historischer Hintergrund
Die deutsche Volleyball-Nationalmannschaft der Männer wartet noch auf ihren ersten EM-Titel. Den bislang größten Erfolg bei einer Europameisterschaft feierte Deutschland 2017 in Polen. Damals erreichte das Team das Finale und gewann nach der Niederlage gegen Russland die Silbermedaille.
Bei der aktuellen Europameisterschaft präsentierte sich Deutschland bereits in der Vorrunde stabil. Vier der fünf Gruppenspiele wurden gewonnen. Erst die Niederlage gegen Olympiasieger Frankreich zum Abschluss verhinderte den Gruppensieg und führte zum schwierigen Achtelfinale gegen Bulgarien. Mit dem Erfolg in Sofia steht Deutschland nun erstmals seit fünf Jahren wieder unter den besten acht Mannschaften Europas.
Zukunftsprognose
Im Viertelfinale wartet mit Polen eine der schwierigsten Aufgaben des internationalen Volleyballs. Der Weltranglistenerste verfügt über enorme individuelle Qualität und große Erfahrung in entscheidenden Turnierspielen. Deutschland muss deshalb insbesondere beim Aufschlag, in der Annahme und in den längeren Ballwechseln konstant bleiben.
Sportlich könnte der Einzug ins Halbfinale dem deutschen Volleyball zusätzliche Aufmerksamkeit verschaffen. Schon der dramatische Erfolg gegen Bulgarien bietet die Chance, das Interesse an der Nationalmannschaft in Deutschland weiter zu erhöhen. Wirtschaftliche Auswirkungen auf Börsen, Aktien, Rohstoffe oder Währungen sind durch das Turnier nicht zu erwarten.
Wer ist Massimo Botti?
Massimo Botti ist Bundestrainer der deutschen Volleyball-Nationalmannschaft der Männer. Der Italiener trägt die sportliche Verantwortung für das DVV-Team und führte Deutschland bei dieser Europameisterschaft nach einer starken Vorrunde ins Viertelfinale.
Wer ist Erik Röhrs?
Erik Röhrs gehört zur deutschen Volleyball-Nationalmannschaft und wurde im Achtelfinale gegen Bulgarien zum erfolgreichsten deutschen Punktesammler. Mit 20 Punkten hatte er entscheidenden Anteil an der spektakulären Aufholjagd.
Warum fehlte Johannes Tille?
Zuspieler Johannes Tille fiel kurzfristig mit einer Fraktur im Mittelfuß aus. Gerade auf der Zuspielposition ist ein solcher Ausfall besonders schwer aufzufangen, weil dort die Angriffszüge einer Mannschaft organisiert werden. Umso bemerkenswerter war die Stabilität des deutschen Teams gegen Bulgarien.
OZD-Extra – 47 Punkte trennten Deutschland vom EM-Aus
Nach zwei Sätzen stand Deutschland mit dem Rücken zur Wand. Bulgarien benötigte nur noch einen weiteren Satzgewinn, um das Viertelfinale zu erreichen. Das DVV-Team musste dagegen drei Sätze hintereinander gewinnen – und genau das gelang. Mit 25:19, 25:23 und 15:12 holte Deutschland die entscheidenden 65 Punkte der drei letzten Durchgänge und verwandelte einen nahezu perfekten bulgarischen Abend in Sofia in einen deutschen Volleyball-Triumph.
Gewinnspiel
Gegen welches Team spielt Deutschland im Viertelfinale der Volleyball-EM?
A: Frankreich
B: Italien
C: Polen
D: Serbien
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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.