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Historischer Linken-Sieg in Berlin: Elif Eralp greift nach dem Roten Rathaus

Die Linke gewinnt erstmals die Berlin-Wahl. Elif Eralp will ins Rote Rathaus – doch die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne könnte Gespräche erschweren.

Fakten im Überblick

Die Linke hat die Abgeordnetenhauswahl in Berlin erstmals gewonnen und kommt im vorläufigen Ergebnis auf 25,7 Prozent.

Die CDU landet hinter der Linken auf Platz zwei, während die SPD ihr historisch schlechtes Ergebnis bei einer Berliner Abgeordnetenhauswahl verzeichnet.

Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp strebt das Amt der Regierenden Bürgermeisterin an; für eine Regierungsbildung sind Koalitionsverhandlungen erforderlich.

Berlin erlebt einen historischen politischen Einschnitt: Die Linke hat erstmals eine Wahl zum Abgeordnetenhaus gewonnen und ist stärkste politische Kraft der deutschen Hauptstadt geworden. Im inzwischen vorliegenden vorläufigen Ergebnis erreicht die Partei von Spitzenkandidatin Elif Eralp 25,7 Prozent. Bei der Wiederholungswahl 2023 waren es noch 12,2 Prozent gewesen. Die Linke hat ihren Stimmenanteil damit mehr als verdoppelt und ihr bislang bestes Ergebnis in Berlin erzielt. Eralp beansprucht nach dem Wahlerfolg eine führende Rolle bei der Regierungsbildung und will Regierende Bürgermeisterin werden.

Am Wahlabend hatte sich der Erfolg bereits früh abgezeichnet. Die Hochrechnungen von ARD und ZDF sahen die Linke deutlich vor der Konkurrenz. Hinter ihr landete die bislang regierende CDU, während die AfD den dritten Platz vor den Grünen erreichte. Besonders schwer traf der Wahlabend die SPD, die auf ihr bislang schlechtestes Ergebnis bei einer Berliner Abgeordnetenhauswahl fiel. Das BSW blieb nach den späteren Hochrechnungen unter der Fünfprozenthürde. Die hohe Wahlbeteiligung unterstrich zugleich die starke Mobilisierung: Bereits bis 16.00 Uhr hatten 58,2 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben, gegenüber 48,8 Prozent zum gleichen Zeitpunkt 2023.

Eralp machte unmittelbar nach den ersten Zahlen deutlich, dass sie den Wahlausgang als Auftrag für einen politischen Richtungswechsel versteht. „Die Berlinerinnen und Berliner haben mir, haben uns, den klaren Auftrag fürs Rote Rathaus gegeben“, sagte sie in der ARD. „Ich will Regierende Bürgermeisterin für Berlin werden, damit die Menschen in unserer Stadt wieder ein besseres Leben haben“, fügte sie hinzu. Ihr Wahlkampf hatte sich besonders stark auf die Wohnungs- und Mietenpolitik konzentriert. Befragungen von infratest dimap zeigen, dass die Linke vor allem bei jüngeren Menschen stark abschnitt: Unter den Wählern unter 25 Jahren erreichte sie demnach 43 Prozent, bei den 25- bis 34-Jährigen sogar 48 Prozent.

„Unsere Inhalte haben die Wahl gewonnen“, sagte Eralp. „Es braucht endlich diesen Politikwechsel - dafür stehe ich und dafür werde ich in die Gespräche gehen“, ergänzte sie. Einen Schwerpunkt setzt die Linke auf die Berliner Mietenkrise. Eralp will den Volksentscheid zur sogenannten Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen politisch umsetzen. „Ich habe immer gesagt, wir arbeiten ab Tag eins für die Vergesellschaftung“, sagte sie. Gerade dieser Punkt könnte in möglichen Koalitionsverhandlungen zu einem zentralen Streitpunkt werden. Rechnerisch kommen nach dem Wahlergebnis unterschiedliche Mehrheiten infrage; welche davon politisch zustande kommt, ist offen.

Besonders schwierig ist die Situation für die SPD. Spitzenkandidat Steffen Krach räumte die Niederlage ein: „Wir sind abgewählt worden - wir haben keinen Regierungsauftrag“. Der Regierungsauftrag liege bei anderen Parteien – „und deswegen sind die jetzt erstmal am Zuge“. Krach bezeichnete das Ergebnis seiner Partei als Zäsur. Die SPD sei jahrzehntelang die „Berlin-Partei“ gewesen. „Und heute kann man definitiv nicht mehr sagen, dass wir sie sind.“ Die frühere Regierende Bürgermeisterin und heutige Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey forderte personelle und inhaltliche Konsequenzen. Ob sich die SPD dennoch an einer neuen Regierung beteiligt, wird von den anstehenden Gesprächen und den politischen Bedingungen möglicher Partner abhängen.

Auch die CDU muss den Verlust der bisherigen Spitzenposition verarbeiten. Ihr neuer Spitzenkandidat Stefan Evers war erst nach dem Rückzug des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner in die erste Reihe gerückt. Evers räumte die Verluste ein: „Wir kommen von einem außerordentlich guten Ergebnis, das wir bei der Wahl 2023 erreicht haben, und haben heute deutlich verloren“. Dies sei „kein Grund zur Freude“, das Ergebnis stimme „demütig“. Gleichzeitig verwies Evers darauf, dass seine Partei im Wahlkampf gegen einen Abwärtstrend gearbeitet habe. Die Union habe sich „nach vorn zurückgearbeitet“. Er forderte für die Hauptstadt ein „Bündnis der Stabilität“. Die Hochrechnungen zeigten am Abend, dass neben einer von der Linken geführten Konstellation auch andere rechnerische Mehrheiten möglich sein könnten.

Der Wahlsieg bedeutet deshalb noch nicht automatisch, dass Eralp tatsächlich ins Rote Rathaus einzieht. Berlin ist ein parlamentarisches Regierungssystem: Der Regierende Bürgermeister oder die Regierende Bürgermeisterin benötigt die erforderliche Mehrheit im Abgeordnetenhaus. Nun beginnen Gespräche, bei denen Wohnungs-, Finanz-, Verkehrs-, Sozial- und Wirtschaftspolitik eine zentrale Rolle spielen dürften. Fest steht dagegen bereits: Die politische Landschaft Berlins hat sich deutlich verändert. Die Linke geht erstmals als stärkste Kraft aus einer Abgeordnetenhauswahl hervor – und ausgerechnet die jahrzehntelang prägende SPD muss nach ihrem historischen Tief nach einer neuen Rolle suchen.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Wahlsieg ist noch keine Regierungsbildung

Das Ergebnis verändert die Ausgangslage in Berlin grundlegend. Die Linke ist erstmals stärkste Kraft, die CDU verliert ihre bisherige Spitzenposition und die SPD erreicht einen historischen Tiefpunkt. Diese Tatsachen stehen fest. Welche Regierung daraus entsteht, steht dagegen noch nicht fest.

Für Elif Eralp beginnt damit der schwierigere Teil. Wahlkampfforderungen müssen nun mit möglichen Koalitionspartnern verhandelt werden. Besonders die Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen kann dabei zum Konfliktthema werden. Wie groß der Spielraum für Kompromisse tatsächlich ist, wird sich erst in den Gesprächen zeigen.

Bemerkenswert ist zudem die Altersstruktur der Linken-Wählerschaft. Nach den Wahltagsbefragungen war die Partei bei jüngeren Berlinern besonders stark. Bei den 25- bis 34-Jährigen erreichte sie 48 Prozent, bei den unter 25-Jährigen 43 Prozent. Die CDU war dagegen bei den über 60-Jährigen besonders erfolgreich. Das dokumentiert deutlich unterschiedliche politische Präferenzen zwischen Altersgruppen, ohne bereits zu erklären, wie dauerhaft diese Bindungen sein werden.

Für die kommenden Tage ist deshalb vor allem mit intensiven Sondierungsgesprächen zu rechnen. Ob daraus eine von Eralp geführte Regierung entsteht, hängt von parlamentarischen Mehrheiten und erfolgreichen Koalitionsverhandlungen ab.

Historischer Hintergrund

Die Linke und ihre Vorgängerparteien besitzen in Berlin insbesondere im Ostteil der Stadt eine lange politische Tradition. Dennoch hatte die Partei bislang niemals eine Wahl zum Abgeordnetenhaus gewonnen. Das bisherige Berliner Rekordergebnis der damaligen PDS stammte aus dem Jahr 2001 mit 22,6 Prozent.

Bei der Wiederholungswahl 2023 erreichte die Linke nur 12,2 Prozent. Drei Jahre später hat sie diesen Wert mehr als verdoppelt. Das vorläufige Ergebnis von 25,7 Prozent markiert damit einen historischen Höchststand.

Berlin wurde in den vergangenen Jahrzehnten von unterschiedlichen Koalitionen regiert. SPD, CDU, Grüne und Linke waren dabei in wechselnden Konstellationen an Landesregierungen beteiligt. Die Wahl 2026 verändert die Reihenfolge der politischen Kräfte erneut deutlich.

Zukunftsprognose

Zunächst stehen Sondierungen zwischen den Parteien an. Eine parlamentarische Mehrheit kann sich aus mehreren Parteien zusammensetzen, entscheidend sind jedoch nicht nur mathematische Möglichkeiten, sondern auch politische Vereinbarungen.

Besondere Aufmerksamkeit dürfte der Wohnungspolitik gelten. Eralp hat die Umsetzung der Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen zu einem zentralen Projekt erklärt. Gleichzeitig stehen Berlin große finanz-, verkehrs-, sozial- und wirtschaftspolitische Entscheidungen bevor. Welche Vorhaben Bestandteil eines möglichen Koalitionsvertrags werden, ist derzeit offen.

Für Immobilienunternehmen könnte die weitere Debatte über Vergesellschaftung und Wohnungspolitik von erheblicher Bedeutung sein. Konkrete Auswirkungen auf einzelne Aktien oder Unternehmenswerte lassen sich aus dem Wahlergebnis allein jedoch nicht seriös ableiten. Auch unmittelbare Effekte auf Rohstoffe oder Währungen sind nicht zu erwarten.

Wer ist Elif Eralp?

Elif Eralp ist die Spitzenkandidatin der Berliner Linken bei der Abgeordnetenhauswahl 2026. Nach dem historischen Wahlerfolg ihrer Partei strebt sie das Amt der Regierenden Bürgermeisterin an.

Was bedeutet Vergesellschaftung von Wohnungsunternehmen?

Bei der Berliner Debatte geht es darum, große private Wohnungsbestände auf Grundlage von Artikel 15 des Grundgesetzes in eine Form gesellschaftlichen Eigentums zu überführen. 2021 stimmte bei einem Berliner Volksentscheid eine Mehrheit der Abstimmenden für das entsprechende Anliegen. Die konkrete rechtliche und finanzielle Umsetzung ist seitdem politisch umstritten.

Wie wird der Regierende Bürgermeister gewählt?

Die Berlinerinnen und Berliner wählen nicht direkt den Regierenden Bürgermeister. Sie bestimmen das Abgeordnetenhaus. Der Regierungschef beziehungsweise die Regierungschefin benötigt anschließend die notwendige parlamentarische Mehrheit.

Warum ist der Linken-Sieg historisch?

Die Linke hat erstmals eine Berliner Abgeordnetenhauswahl gewonnen. Mit dem vorläufigen Ergebnis von 25,7 Prozent übertraf sie zugleich ihr bisheriges Rekordergebnis in der Hauptstadt.

OZD-Extra – Junge Berliner treiben den Linken-Erfolg

Ein Blick auf die Wahltagsbefragungen zeigt eine auffällige Generationenstruktur. Bei den unter 25-Jährigen kam die Linke laut infratest dimap auf 43 Prozent. Bei den 25- bis 34-Jährigen waren es sogar 48 Prozent. Unter den Erstwählern lag die Partei bei 38 Prozent.

Die CDU erzielte dagegen bei Menschen ab 60 Jahren mit 30 Prozent ihren stärksten Wert. Damit zeigen die Daten deutliche Unterschiede zwischen jüngeren und älteren Wählergruppen.

Hinzu kommt eine starke Mobilisierung früherer Nichtwähler: Das Wählerwanderungsmodell von infratest dimap schätzt für die Linke einen positiven Saldo von rund 75.000 Stimmen aus diesem Lager. Auch von Grünen, SPD und CDU gewann die Partei laut Modell unter dem Strich Stimmen hinzu.

Gewinnspiel

Welche Partei wurde bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl 2026 erstmals stärkste Kraft?

A: SPD
B: CDU
C: Die Linke
D: Grüne

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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.