Fakten im Überblick
Die 285 versteigerten Objekte von Brigitte Bardot erzielten einschließlich Gebühren 953.531 Euro.
Rund 3000 Bieter meldeten sich für die Auktion an, zuvor kamen etwa 15.000 Besucher zur Ausstellung im Pariser Hôtel Drouot.
Zwei auf nur 30 Euro geschätzte Hundehalsbänder wurden für 9400 Euro verkauft, ein Selbstporträt erzielte fast 40.000 Euro.
Persönliche Erinnerungsstücke der verstorbenen französischen Filmikone Brigitte Bardot haben bei einer Auktion in Paris einen überraschend hohen Erlös erzielt. Insgesamt 285 Gegenstände wechselten im Hôtel Drouot für 953.531 Euro einschließlich Gebühren den Besitzer. Damit lag das Ergebnis fast beim Zwanzigfachen der ursprünglichen Gesamtschätzung von rund 50.000 Euro. Versteigert wurden keine klassischen Hollywood-Trophäen allein, sondern zahlreiche Gegenstände aus Bardots Alltag: Strohhüte, Sonnenbrillen, Nachthemden, Möbel, Geschirr und persönliche Erinnerungsstücke aus ihren Häusern La Madrague und La Garrigue in Saint-Tropez sowie aus ihrer Wohnung in Paris.
„Brigitte Bardot hat sich erneut als bemerkenswerte Alchemistin erwiesen“, sagte Alexandre Millon, Chef des Pariser Auktionshauses. „Aus geschätzt 50.000 Euro hat sie fast eine Million Euro inklusive Gebühren gemacht.“ Das internationale Interesse war enorm. Rund 3000 Menschen aus Frankreich und dem Ausland registrierten sich als Bieter. Schon vor der eigentlichen Versteigerung hatte sich die außergewöhnliche Anziehungskraft des Nachlasses gezeigt: Etwa 15.000 Menschen besuchten innerhalb von fünf Tagen die öffentliche Ausstellung der Objekte im Hôtel Drouot.
Wie stark der Name Bardot die Preise beeinflusste, zeigte sich besonders bei zwei unscheinbaren Hundehalsbändern. Zusammen waren sie auf lediglich 30 Euro geschätzt worden. Weil sie jedoch eine Marke mit Bardots Namen und der Telefonnummer ihres berühmten Anwesens La Madrague trugen, stieg der Preis auf 9400 Euro. Den Zuschlag erhielt eine Käuferin aus Russland. Ein Selbstporträt Bardots brachte fast 40.000 Euro ein. Ihre Schreibmaschine, auf der sie ihre Autobiografie verfasste, wechselte für 4634 Euro den Besitzer. Drei Plüsch-Robbenbabys, deren Schätzwert ebenfalls nur 30 Euro betragen hatte, erzielten fast 2200 Euro.
Auch weitere persönliche Stücke entwickelten eine erstaunliche Dynamik. Zwei Gitarren, die ursprünglich auf jeweils einige hundert Euro taxiert worden waren, wurden für 8600 beziehungsweise 11.900 Euro versteigert. Ein goldenes Armband mit mehreren Anhängern, das Bardot bei ihrer Hochzeit mit Jacques Charrier getragen hatte, erzielte nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur Ansa 43.000 Euro. Der ursprüngliche Schätzwert hatte lediglich zwischen 800 und 1200 Euro gelegen.
Der enorme Zuspruch erklärt sich auch aus Bardots außergewöhnlicher Stellung in der europäischen Filmgeschichte. Ihren internationalen Durchbruch feierte die Französin mit „Und immer lockt das Weib“. Der Film machte sie in den 1950er-Jahren zu einem Symbol einer neuen weiblichen Selbstbestimmung und zugleich zu einem der meistfotografierten Stars ihrer Zeit. Bis Anfang der 1970er-Jahre spielte Bardot in rund 50 Filmen. 1973 beendete sie ihre Schauspielkarriere und widmete sich zunehmend dem Tierschutz. Sie starb im Dezember 2025 im Alter von 91 Jahren.
Bardots späteres öffentliches Vermächtnis blieb zugleich umstritten. Neben ihrem jahrzehntelangen Engagement für Tiere fiel sie mit politischen Äußerungen am rechten Rand auf und wurde mehrfach wegen rassistischer Äußerungen zu Geldstrafen verurteilt. Bereits zu Lebzeiten hatte Bardot Teile ihres Vermögens eingesetzt, um ihre Tierschutzarbeit zu finanzieren. Die nach ihr benannte Stiftung führt dieses Engagement fort.
Der Erlös der Pariser Auktion soll der Fondation Brigitte Bardot sowie Bardots einzigem Sohn Nicolas-Jacques Charrier zugutekommen. Allerdings wurde die Versteigerung von einem familiären Streit begleitet. Bardots Witwer Bernard d'Ormale bezeichnete sie vorab als „skandalös“ und erklärte, er sei nicht informiert worden. Die Stiftung widersprach: Nach ihrer Darstellung war der Verkauf bereits im Juni beschlossen worden – auch mit Zustimmung d'Ormales, der damals noch Vorsitzender ihres Verwaltungsrats gewesen sei.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Wenn Alltagsgegenstände zu Zeitzeugen werden
Die Preise dieser Auktion zeigen eindrucksvoll, dass bei persönlichen Gegenständen berühmter Menschen nicht ihr materieller Wert allein den Preis bestimmt. Zwei gewöhnliche Hundehalsbänder wären ohne ihre Verbindung zu Brigitte Bardot kaum mehrere tausend Euro wert. Durch ihre Herkunft wurden sie jedoch zu greifbaren Fragmenten einer außergewöhnlichen Biografie.
Dabei erzählt die Sammlung zwei Geschichten zugleich. Da ist zunächst Bardot als internationaler Filmstar, dessen Erscheinungsbild das Kino und die Popkultur der 1950er- und 1960er-Jahre prägte. Daneben steht Bardot als Tierschützerin, die ihre Filmkarriere früh beendete und einen großen Teil ihres späteren Lebens dem Schutz von Tieren widmete.
Der fast zwanzigfache Erlös gegenüber der Schätzung zeigt vor allem die anhaltende internationale Nachfrage nach Objekten mit prominenter Provenienz. Ob solche Preise dauerhaft Bestand haben, lässt sich nicht vorhersagen – bei dieser Auktion war die emotionale Verbindung zum Namen Bardot jedoch offensichtlich außergewöhnlich stark.
Historischer Hintergrund
Brigitte Bardot wurde am 28. September 1934 in Paris geboren. In den 1950er-Jahren begann ihre Filmkarriere, ehe ihr „Und immer lockt das Weib“ internationalen Ruhm brachte. Ihr Auftreten brach mit zahlreichen gesellschaftlichen Konventionen jener Zeit und machte sie weit über Frankreich hinaus bekannt.
Nach rund 50 Filmen zog sie sich 1973 aus dem Kino zurück. Ihr zweites öffentliches Leben galt dem Tierschutz. 1986 gründete sie die Fondation Brigitte Bardot, nachdem sie zur Finanzierung ihres Engagements bereits wertvolle persönliche Besitztümer verkauft hatte.
Die aktuelle Versteigerung knüpft damit auf besondere Weise an Bardots eigene Vergangenheit an: Schon 1987 hatte sie wertvolle Gegenstände versteigert, um ihre Stiftung und deren Tierschutzarbeit zu finanzieren. Die Stiftung bezeichnete die Pariser Auktion deshalb als Fortsetzung dieses Engagements.
Zukunftsprognose
Der enorme Erlös dürfte das Interesse an weiteren authentischen Bardot-Objekten verstärken. Für den internationalen Markt für Film- und Prominentenmemorabilien zeigt die Auktion, welchen Preis selbst alltägliche Gegenstände erreichen können, wenn ihre Herkunft eindeutig dokumentiert und ihre frühere Besitzerin eine globale Ikone war.
Für die Fondation Brigitte Bardot bedeutet der Verkauf zusätzliche finanzielle Mittel für ihre Tierschutzarbeit. Ein Teil des Erlöses geht zugleich an Bardots Sohn Nicolas-Jacques Charrier.
Für klassische Aktien-, Rohstoff- oder Devisenmärkte besitzt die Auktion keine relevante Größenordnung. Interessant ist sie vielmehr für den Sammlermarkt: Prominenten-Nachlässe bilden ein eigenes Segment, in dem Seltenheit, dokumentierte Herkunft, persönliche Geschichte und emotionale Bedeutung den Preis stärker bestimmen können als der reine Materialwert.
Wer war Brigitte Bardot?
Brigitte Bardot war eine französische Schauspielerin, Sängerin und spätere Tierschutzaktivistin. Sie gehörte in den 1950er- und 1960er-Jahren zu den international bekanntesten europäischen Filmstars und wurde insbesondere durch „Und immer lockt das Weib“ berühmt.
Was ist La Madrague?
La Madrague ist Bardots berühmtes Anwesen in Saint-Tropez an der französischen Côte d'Azur. Es wurde eng mit ihrem Rückzug vom Filmgeschäft und ihrem späteren Leben verbunden. Zahlreiche Gegenstände der Auktion stammten aus La Madrague und ihrem weiteren Haus La Garrigue.
Was ist die Fondation Brigitte Bardot?
Die Fondation Brigitte Bardot ist eine französische Tierschutzorganisation, die Bardot in den 1980er-Jahren gründete. Sie engagiert sich für den Schutz und die Versorgung von Tieren in Frankreich und darüber hinaus.
Warum erzielen persönliche Gegenstände von Stars so hohe Preise?
Sammler bezahlen häufig nicht allein für das Objekt, sondern für dessen Geschichte. Ist zweifelsfrei belegt, dass ein Gegenstand einer berühmten Persönlichkeit gehörte oder von ihr benutzt wurde, kann diese sogenannte Provenienz den Sammlerwert erheblich erhöhen.
OZD-Extra – Aus 30 Euro wurden 9400 Euro
Kaum ein Objekt verdeutlicht den Bardot-Effekt besser als die beiden Hundehalsbänder. Ihr gemeinsamer Schätzwert lag bei gerade einmal 30 Euro. Am Ende fiel der Hammer bei 9400 Euro – mehr als das 300-Fache der Schätzung.
Auch die drei Plüsch-Robbenbabys demonstrierten, wie wenig der ursprüngliche materielle Wert über das Auktionsergebnis aussagte: Geschätzt auf 30 Euro, wurden sie für fast 2200 Euro verkauft. Robben waren eng mit Bardots jahrzehntelangem Tierschutzengagement verbunden.
Noch größer war die Dimension der gesamten Auktion: Aus einer Gesamtschätzung von rund 50.000 Euro wurden schließlich 953.531 Euro einschließlich Gebühren.
Gewinnspiel
Für welchen Preis wurden die ursprünglich auf 30 Euro geschätzten Hundehalsbänder von Brigitte Bardot versteigert?
A: 940 Euro
B: 2400 Euro
C: 9400 Euro
D: 19.400 Euro
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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.