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Streit um Usmanow und Fridman: EU sichert Russland-Sanktionen bis 2029

Die EU verlängert persönliche Russland-Sanktionen bis 2029. Doch die Streichung von Alischer Usmanow und Michail Fridman sorgt für heftigen Streit.

Fakten im Überblick

Die EU verlängert ihre personenbezogenen Russland-Sanktionen um 36 Monate bis zum 22. September 2029.

Mehr als 3000 Personen und Organisationen bleiben von Reisebeschränkungen, Vermögenssperren oder Finanzierungsverboten betroffen.

Alischer Usmanow und Michail Fridman werden von der Sanktionsliste gestrichen; die Ukraine kritisiert die Entscheidung scharf.

Kurz vor Ablauf der bisherigen Frist haben sich die 27 EU-Staaten auf eine langfristige Verlängerung wichtiger personenbezogener Russland-Sanktionen verständigt. Die restriktiven Maßnahmen gegen mehr als 3000 Menschen und Organisationen gelten nun für weitere 36 Monate bis zum 22. September 2029. Bislang wurden diese Sanktionen regelmäßig für deutlich kürzere Zeiträume verlängert. Der Rat der Europäischen Union bestätigte am Dienstag die dreijährige Verlängerung.

Der politische Preis für die Einigung sorgt allerdings für erheblichen Streit in Brüssel und mehreren europäischen Hauptstädten. Die russischen Milliardäre Alischer Usmanow und Michail Fridman werden nicht länger von den EU-Sanktionen erfasst. Nach Angaben des EU-Rats wurden insgesamt die Listungen von drei Personen und einer Organisation nicht erneuert; außerdem wurden drei Verstorbene aus der Liste entfernt. Reuters bestätigte, dass Usmanow und Fridman zu den Personen gehören, deren Sanktionen auslaufen.

Bis zuletzt hatte insbesondere Lettland Widerstand gegen den Kompromiss geleistet. Außenministerin Baiba Braze erklärte: „Die Haltung der lettischen Regierung ist unerschütterlich. Die EU-Sanktionen gegen Russland müssen verschärft, nicht abgeschwächt werden“. Am Dienstag enthielt sich Lettland schließlich und ermöglichte damit die Einigung. Reuters zufolge erwägt Riga nun nationale Sanktionen gegen die beiden Milliardäre.

Besonders umstritten war die Rolle Frankreichs. Paris hatte sich gemeinsam mit der Slowakei für eine Streichung Usmanows eingesetzt und dies mit Fragen der „nationalen Sicherheit“ begründet. Nach Recherchen von Reuters stand die französische Position auch im Zusammenhang mit Spannungen zwischen Frankreich und Aserbaidschan sowie mit dort festgehaltenen französischen Staatsbürgern. Aserbaidschan bestreitet die Darstellung, es habe Frankreich in der Sanktionsfrage unter Druck gesetzt. Estlands Außenminister Margus Tsahkna forderte Frankreich anschließend öffentlich zu einer Erklärung auf und sprach von einem falschen Signal zum falschen Zeitpunkt.

Luxemburg setzte sich wiederum dafür ein, neben Usmanow auch Michail Fridman von der Liste zu nehmen. Der russische Geschäftsmann führt wegen eingefrorener Vermögenswerte ein milliardenschweres Verfahren gegen Luxemburg. Reuters beziffert seine Schadenersatzforderung auf rund 16 Milliarden Dollar. Die unterschiedlichen nationalen Interessen brachten die Verlängerung der gesamten Sanktionsliste bis unmittelbar vor Ablauf der Frist ins Wanken.

Aus Kiew kam scharfer Protest. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha bezeichnete die Streichung der beiden Geschäftsleute als „beschämend und unentschuldbar“ und forderte die EU-Mitgliedstaaten auf, nationale Sanktionen gegen Usmanow und Fridman zu verhängen. Die ukrainische Regierung sieht die Entscheidung als problematisches Signal in einer Phase, in der sie von ihren europäischen Partnern zusätzlichen wirtschaftlichen Druck auf Moskau verlangt.

Die nun verlängerten personenbezogenen Maßnahmen umfassen unter anderem Reisebeschränkungen für gelistete Personen, das Einfrieren von Vermögenswerten sowie das Verbot, den Betroffenen Gelder oder andere wirtschaftliche Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Die EU hatte diese Sanktionsstruktur nach dem russischen Großangriff auf die Ukraine im Februar 2022 massiv ausgeweitet. Nach Angaben des Rates verfolgt Brüssel damit das Ziel, Russlands wirtschaftliche Basis und Kriegsfähigkeit zu schwächen.

Von den personenbezogenen Sanktionen zu unterscheiden sind die umfassenderen Wirtschaftssanktionen gegen Russland. Diese betreffen unter anderem Handel, Finanzwesen, Energie und Dual-Use-Technologien. Der EU-Rat verlängerte diese Maßnahmen im Juni 2026 separat um zwölf Monate bis zum 31. Juli 2027. Die jetzige Entscheidung über 36 Monate betrifft dagegen die individuellen Listungen.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Ein Kompromiss mit politischem Preis

Die Entscheidung zeigt einen strukturellen Konflikt der europäischen Sanktionspolitik: Die EU will wirtschaftlichen und politischen Druck auf Russland aufrechterhalten, benötigt für entsprechende Verlängerungen aber die Zustimmung aller Mitgliedstaaten. Dadurch können einzelne nationale Interessen erheblichen Einfluss auf das Gesamtergebnis erhalten.

Aus Sicht der Befürworter des Kompromisses steht der Erhalt der Sanktionen gegen mehr als 3000 Personen und Organisationen im Vordergrund. Die neue Laufzeit von drei Jahren reduziert zudem die Zahl der regelmäßigen Verlängerungsverhandlungen und damit die Möglichkeiten, das gesamte Paket bei jeder Überprüfung erneut infrage zu stellen.

Kritiker konzentrieren sich dagegen auf das Signal der beiden prominenten Streichungen. Lettland, Estland und die Ukraine äußerten Bedenken, dass nationale oder diplomatische Interessen die Geschlossenheit der Sanktionspolitik schwächen könnten. Frankreich verweist seinerseits auf nationale Sicherheitsinteressen. Diese unterschiedlichen Bewertungen erklären den heftigen Streit, ohne dass daraus allein auf die künftige Wirksamkeit der Sanktionen geschlossen werden kann.

Fest steht: Der Kern der personenbezogenen Sanktionen bleibt bis 2029 bestehen. Ebenso deutlich ist aber, dass die Auseinandersetzung um Usmanow und Fridman die schwierige Balance zwischen europäischer Einheit, nationalen Interessen und außenpolitischem Druck sichtbar gemacht hat.

Historischer Hintergrund

Die Europäische Union verhängte bereits 2014 nach der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim erste umfassende Sanktionen gegen Russland. Nach dem russischen Großangriff auf die Ukraine am 24. Februar 2022 wurden die Maßnahmen erheblich erweitert.

Seither hat die EU zahlreiche Sanktionspakete beschlossen. Sie richten sich gegen Teile der russischen Wirtschaft, den Finanz- und Energiesektor, militärisch nutzbare Technologien, die sogenannte Schattenflotte sowie gegen einzelne Personen und Organisationen, denen Brüssel eine Rolle bei der Unterstützung des russischen Vorgehens zuschreibt.

Die individuellen Sanktionen gegen Personen und Organisationen wurden bislang regelmäßig befristet verlängert. Noch im März 2026 hatte der Rat entsprechende Listungen für sechs Monate verlängert. Damals waren mehr als 2600 Personen und Organisationen betroffen. Mit der jüngsten Entscheidung steigt die Laufzeit auf drei Jahre und die Zahl der erfassten Personen und Organisationen liegt inzwischen bei mehr als 3000.

Usmanow und Fridman standen seit 2022 auf der EU-Sanktionsliste und gingen juristisch gegen die Maßnahmen vor. Ihre Fälle zeigen zugleich, dass EU-Sanktionen nicht nur politische Instrumente sind, sondern regelmäßig vor europäischen und internationalen Gerichten überprüft werden.

Zukunftsprognose

Politisch dürfte die Entscheidung die Debatte über die Einstimmigkeitsregel bei EU-Sanktionen weiter verstärken. Die jüngsten Verhandlungen zeigen, wie einzelne Mitgliedstaaten Verlängerungen nutzen können, um nationale Forderungen einzubringen. Ob daraus konkrete institutionelle Änderungen folgen, ist offen.

Für die Ukraine ist vor allem entscheidend, dass die Sanktionen gegen den weitaus größten Teil der gelisteten Personen und Organisationen weiterlaufen. Gleichzeitig dürfte Kiew versuchen, einzelne EU-Staaten zu zusätzlichen nationalen Maßnahmen gegen Usmanow und Fridman zu bewegen. Lettland hat entsprechende Schritte bereits in Aussicht gestellt.

Wirtschaftlich bedeutet die Verlängerung zunächst Kontinuität. Vermögenswerte der weiterhin gelisteten Personen und Organisationen bleiben eingefroren, und EU-Unternehmen dürfen ihnen grundsätzlich keine Gelder oder wirtschaftlichen Ressourcen zur Verfügung stellen.

Für Aktienmärkte, Rohstoffe und Währungen dürfte die Verlängerung dieser personenbezogenen Sanktionen allein begrenzte unmittelbare Auswirkungen haben. Wesentlich bedeutender für Energiepreise, europäische Unternehmen und den Euro sind die sektoralen Sanktionen gegen russische Energie-, Finanz- und Handelsstrukturen. Diese laufen in einem getrennten Rechtsrahmen.

Wer ist Alischer Usmanow?

Alischer Usmanow ist ein russisch-usbekischer Milliardär mit langjährigen Beteiligungen und Geschäftsinteressen unter anderem in den Bereichen Metall, Bergbau und Telekommunikation. Die EU hatte ihn 2022 auf ihre Sanktionsliste gesetzt. Nun wird seine Listung nicht verlängert.

Wer ist Michail Fridman?

Michail Fridman ist ein russischer Geschäftsmann und Mitgründer der Alfa Group. Auch er wurde 2022 von der EU mit Sanktionen belegt. Fridman hat gegen die Maßnahmen juristisch gekämpft und fordert von Luxemburg wegen eingefrorener Vermögenswerte Milliardenentschädigungen.

Was bedeuten personenbezogene EU-Sanktionen?

Für gelistete Personen gelten unter anderem Einreisebeschränkungen. Ihre Vermögenswerte in der EU werden eingefroren, außerdem dürfen ihnen grundsätzlich keine Gelder oder wirtschaftlichen Ressourcen bereitgestellt werden.

Warum mussten alle EU-Staaten zustimmen?

Beschlüsse im Rahmen der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik der Europäischen Union erfordern bei solchen Sanktionsentscheidungen grundsätzlich Einstimmigkeit. Deshalb kann der Widerstand einzelner Mitgliedstaaten eine Verlängerung blockieren oder Verhandlungen über Kompromisse erzwingen.

OZD-Extra – Drei Jahre statt sechs Monate verändern die Sanktionspolitik

Die wohl langfristig bedeutendste Änderung der Entscheidung liegt nicht bei zwei Namen, sondern bei der Laufzeit. Noch im März verlängerte die EU ihre personenbezogenen Russland-Sanktionen um sechs Monate. Nun gelten die Listungen für 36 Monate bis September 2029.

Damit muss die EU nicht mehr zweimal jährlich um die Fortsetzung dieses Sanktionsregimes ringen. Politisch könnte das die Planungssicherheit erhöhen und die Zahl möglicher Blockadesituationen reduzieren.

Die sektoralen Wirtschaftssanktionen folgen allerdings weiterhin einem anderen Zeitplan. Im Juni wurden sie um zwölf Monate bis Ende Juli 2027 verlängert. Sie umfassen zentrale Bereiche wie Handel, Finanzen, Energie und Dual-Use-Technologien.

Für Börsen und Unternehmen ist diese Unterscheidung entscheidend: Die Streichung einzelner Geschäftsleute kann deren Vermögens- und Unternehmensinteressen erheblich betreffen. Für die großen europäischen Aktienindizes, Öl- und Gaspreise oder den Euro sind dagegen Änderungen an Energie-, Banken- und Handelssanktionen in der Regel wirtschaftlich relevanter.

Gewinnspiel

Bis wann verlängert die EU die nun beschlossenen personenbezogenen Russland-Sanktionen?

A: September 2027
B: September 2028
C: September 2029
D: September 2030

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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.