Zum Inhalt springen
OZD.news - News und Nachrichten zum Nachschlagen
QR-Code zu www.online-zeitung-deutschland.de
Diesen Artikel teilen

Guterres warnt vor KI-Risiken: USA und China sollen trotz Rivalität zusammenarbeiten

António Guterres fordert bei der UN-Generaldebatte gemeinsame KI-Sicherheitsregeln. Besonders die USA und China sieht er in der Verantwortung.

Fakten im Überblick

UN-Generalsekretär António Guterres fordert die führenden KI-Mächte zu Dialog, Transparenz, Vertrauen und Zusammenarbeit auf.

Guterres vergleicht die Risiken Künstlicher Intelligenz mit den existenziellen Gefahren, bei denen selbst Rivalen im Kalten Krieg kooperierten.

Die UN-Generaldebatte in New York beschäftigt sich 2026 unter anderem mit Künstlicher Intelligenz, Kriegen, Klimawandel und der Zukunft internationaler Zusammenarbeit.

Mit einem eindringlichen Appell zur Zusammenarbeit bei Künstlicher Intelligenz hat UN-Generalsekretär António Guterres die Generaldebatte der Vereinten Nationen in New York eröffnet. Regierungen mit den größten Fähigkeiten auf dem Gebiet der KI trügen auch die größte Verantwortung gegenüber der Menschheit, sagte Guterres vor den Staats- und Regierungschefs. Sie müssten „Kanäle für Dialog, Transparenz, Vertrauen und Zusammenarbeit“ schaffen – gerade wegen ihrer geopolitischen Rivalität. Der Appell richtet sich insbesondere an die technologischen Schwergewichte USA und China.

Guterres zog dabei eine historische Parallele zum Kalten Krieg. Damals hätten strategische Rivalen erkannt, dass sie gemeinsame existenzielle Risiken beherrschen müssten. Washington und Moskau schufen Mechanismen, um Missverständnisse zu reduzieren, Eskalationen einzudämmen und eine nukleare Katastrophe zu verhindern. Eine ähnliche Entschlossenheit verlangt der UN-Chef heute bei Künstlicher Intelligenz. Führende KI-Staaten sollten Informationen über neue Sicherheitsrisiken austauschen, bei Tests und Bewertungen zusammenarbeiten und gemeinsame Schutzmechanismen entwickeln.

Der Appell kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der technologische Wettbewerb zwischen den USA und China zunehmend mit geopolitischen und wirtschaftlichen Interessen verbunden ist. Gleichzeitig hat die Debatte über mögliche Kontrollverluste bei besonders leistungsfähigen KI-Systemen an Bedeutung gewonnen. Der UN-Sicherheitsrat befasst sich in dieser Woche ebenfalls mit KI-Risiken. Vertreter des chinesischen KI-Unternehmens DeepSeek sowie führende Vertreter amerikanischer KI-Unternehmen sollen dabei ihre Einschätzungen einbringen. Reuters berichtet zudem von laufenden Gesprächen zwischen Washington und Peking über KI-Sicherheit.

Guterres fordert allerdings keine Abkehr von Künstlicher Intelligenz. Er verwies ausdrücklich auf deren Potenzial für Medizin, wissenschaftliche Forschung und wirtschaftliche Entwicklung. Das Problem sei nicht die Technologie selbst, sondern Technologie ohne Rechenschaftspflicht, Kontrolle und Transparenz. Die Vereinten Nationen arbeiten deshalb an einer internationalen Architektur für KI-Governance. Dazu gehören der Global Digital Compact, ein globaler Dialog über KI-Governance sowie ein internationales wissenschaftliches KI-Gremium. Als nächsten Schritt fordert Guterres einen multilateralen Rahmen für das Management von KI-Risiken mit glaubwürdiger und unabhängiger Aufsicht.

Neben der Künstlichen Intelligenz widmete Guterres einen großen Teil seiner Rede der Klimakrise. Er kritisierte insbesondere die fossile Energiewirtschaft und verlangte stärkere Verantwortung von Unternehmen, die über Jahrzehnte hohe Gewinne mit Öl und Gas erzielt hätten. Die größten Verschmutzer und Profiteure müssten nach seiner Auffassung einen größeren Beitrag zur Bewältigung der verursachten Schäden leisten. Guterres stellte Klimawandel, Ungleichheit, Krieg und Künstliche Intelligenz als miteinander verbundene globale Herausforderungen dar.

Auch der Nahost-Konflikt spielte in seiner Rede eine zentrale Rolle. Guterres warnte vor Gewalt, Vertreibung und fortschreitendem Siedlungsbau im von Israel besetzten Westjordanland und bekräftigte seine Unterstützung für eine Zweistaatenlösung, bei der Israel und ein palästinensischer Staat friedlich nebeneinander existieren. Seine Aussagen erfolgten vor dem Hintergrund anhaltender internationaler Auseinandersetzungen über den Krieg und die Zukunft der palästinensischen Gebiete.

Die Rede besitzt für Guterres besondere persönliche Bedeutung: Nach zehn Jahren endet seine Amtszeit als UN-Generalsekretär am 31. Dezember 2026. In seiner letzten Ansprache zur Eröffnung einer UN-Generaldebatte stellte er deshalb eine grundsätzliche Frage in den Mittelpunkt: Wie lässt sich globale Macht kontrollieren, wenn Staaten rivalisieren, private Technologiekonzerne immer größeren Einfluss erhalten und Menschen zugleich immer mehr Entscheidungen an Maschinen übertragen? Seine Antwort bleibt die internationale Zusammenarbeit auf Grundlage gemeinsamer Regeln.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Die KI-Rivalen brauchen gemeinsame Sicherheitsregeln

Der Vergleich mit dem Kalten Krieg verdeutlicht, wie grundsätzlich Guterres die KI-Frage betrachtet. Dabei geht es nicht darum, Künstliche Intelligenz mit Atomwaffen gleichzusetzen. Die historische Parallele betrifft vielmehr die Frage, wie geopolitische Rivalen mit Risiken umgehen, die nationale Grenzen überschreiten.

USA und China verfolgen unterschiedliche technologische, wirtschaftliche und strategische Interessen. Gerade deshalb wären gemeinsame Mindeststandards für Sicherheitsprüfungen, Risikokommunikation und den Umgang mit besonders leistungsfähigen Systemen international bedeutsam. Guterres fordert dafür einen multilateralen Rahmen und unabhängige Aufsicht.

Wie weit Washington und Peking dabei tatsächlich gehen werden, ist offen. Die amerikanische und chinesische Sicht auf KI-Regulierung unterscheidet sich in wichtigen Bereichen. Gleichzeitig bestehen bereits Gespräche über KI-Sicherheit, und auch der UN-Sicherheitsrat beschäftigt sich erneut mit dem Thema.

Die entscheidende Entwicklung dürfte deshalb weniger in einem umfassenden globalen KI-Vertrag als zunächst in einzelnen gemeinsamen Standards liegen: Informationsaustausch über Sicherheitsrisiken, Tests besonders leistungsfähiger Modelle und Regeln für Anwendungen mit unmittelbaren Folgen für Menschen. Ob daraus eine belastbare internationale Ordnung entsteht, hängt maßgeblich davon ab, ob die technologischen Großmächte Kooperation auch dort akzeptieren, wo sie gleichzeitig miteinander konkurrieren.

Historischer Hintergrund

Internationale Zusammenarbeit zwischen geopolitischen Rivalen bei existenziellen Risiken ist nicht neu. Während des Kalten Krieges entwickelten die USA und die Sowjetunion trotz ihrer fundamentalen politischen Gegensätze Mechanismen zur Rüstungskontrolle und Krisenkommunikation. Guterres griff genau dieses historische Beispiel in New York auf.

Bei Künstlicher Intelligenz steht eine vergleichbare internationale Ordnung noch am Anfang. Die UN-Mitgliedstaaten vereinbarten mit dem Global Digital Compact erstmals universelle Grundsätze für die internationale KI-Governance. Hinzu kamen ein Global Dialogue on AI Governance und ein unabhängiges internationales wissenschaftliches KI-Gremium.

Auch der UN-Sicherheitsrat beschäftigt sich seit 2023 mit den Auswirkungen Künstlicher Intelligenz auf Frieden und internationale Sicherheit. Im September 2026 rücken insbesondere mögliche autonome Fähigkeiten, der Verlust menschlicher Kontrolle und militärische Anwendungen erneut in den Mittelpunkt.

Der technologische Hintergrund hat sich gleichzeitig rasant verändert. KI-Systeme werden inzwischen in Wirtschaft, Forschung, Medizin, Verwaltung, kritischer Infrastruktur und militärischen Bereichen eingesetzt. Genau diese breite Bedeutung unterscheidet Künstliche Intelligenz nach Auffassung der UN von vielen früheren technologischen Herausforderungen.

Zukunftsprognose

Politisch dürfte die internationale Regulierung Künstlicher Intelligenz in den kommenden Jahren zu einem festen Bestandteil der Beziehungen zwischen Washington und Peking werden. Sicherheitsfragen werden dabei neben Handelskonflikten, Halbleitertechnologie und technologischem Wettbewerb stehen. Wie weit beide Seiten bei gemeinsamen Standards gehen, lässt sich derzeit nicht absehen.

Wirtschaftlich geht es um einen der wichtigsten Wachstumsmärkte der kommenden Jahrzehnte. Strengere Sicherheitsanforderungen könnten Entwicklungskosten für KI-Unternehmen erhöhen. Einheitlichere internationale Regeln könnten Unternehmen zugleich mehr Planungssicherheit geben und regulatorische Unterschiede zwischen Märkten verringern.

Gesellschaftlich stehen Fragen nach Arbeitsplätzen, Datenschutz, Desinformation, Diskriminierung durch automatisierte Systeme und menschlicher Kontrolle im Mittelpunkt. Besonders weit geht Guterres bei zwei Forderungen: Kinder dürften nicht zu Versuchspersonen unregulierter Systeme werden, und Entscheidungen über Leben und Tod dürften nicht Maschinen überlassen werden.

An den Börsen könnten internationale KI-Regeln langfristig vor allem Technologie-, Halbleiter-, Rechenzentrums- und Energieunternehmen betreffen. Kurzfristige Auswirkungen auf Aktienkurse, Rohstoffe oder Währungen lassen sich aus Guterres' Rede allein jedoch nicht belastbar ableiten. Langfristig könnten insbesondere Regeln für leistungsfähige KI-Modelle und den Export fortgeschrittener Chips wirtschaftliche Bedeutung gewinnen.

Wer ist António Guterres?

António Guterres ist seit Januar 2017 Generalsekretär der Vereinten Nationen. Der frühere portugiesische Ministerpräsident stand zuvor zehn Jahre an der Spitze des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR. Seine zweite Amtszeit als UN-Generalsekretär endet am 31. Dezember 2026.

Was fordert Guterres bei Künstlicher Intelligenz?

Guterres fordert internationale Zusammenarbeit bei KI-Sicherheit, gemeinsame Tests und Bewertungen, Informationsaustausch über neue Risiken sowie einen multilateralen Rahmen für das Management von KI-Risiken mit unabhängiger Kontrolle.

Was ist der Global Digital Compact?

Der Global Digital Compact ist eine von den UN-Mitgliedstaaten vereinbarte Grundlage für internationale Zusammenarbeit bei Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz. Er enthält gemeinsame Prinzipien für eine offene, sichere und inklusive digitale Zukunft.

Warum sind USA und China bei KI so wichtig?

Beide Staaten verfügen über bedeutende Technologieunternehmen, Forschungszentren, Rechenkapazitäten und Halbleiter- beziehungsweise KI-Ökosysteme. Der Wettbewerb zwischen Washington und Peking beeinflusst deshalb maßgeblich, wie sich globale KI-Technologien, Lieferketten und Sicherheitsstandards entwickeln.

OZD-Extra – KI wird zur Frage internationaler Sicherheit

Künstliche Intelligenz ist längst nicht mehr ausschließlich ein Technologie- und Wirtschaftsthema. Dass sich der UN-Sicherheitsrat erneut damit beschäftigt, zeigt die wachsende sicherheitspolitische Dimension. Am Mittwoch sollen unter anderem Vertreter des chinesischen Unternehmens DeepSeek sowie führende Repräsentanten amerikanischer KI-Unternehmen an Beratungen teilnehmen.

Besonders sensibel sind autonome Waffensysteme. Guterres formulierte hierzu eine eindeutige Position: Entscheidungen über Leben und Tod dürften nicht an Maschinen delegiert werden. Autonome tödliche Waffensysteme hätten in der Zukunft keinen Platz.

Für die Technologiebranche ist die Entwicklung wirtschaftlich relevant. Internationale Sicherheitsstandards könnten neue Prüf-, Dokumentations- und Kontrollpflichten schaffen. Gleichzeitig könnten gemeinsame Regeln das Vertrauen in KI-Anwendungen erhöhen und Unternehmen den Zugang zu internationalen Märkten erleichtern.

An den Börsen wären davon insbesondere große KI-Entwickler, Halbleiterproduzenten, Cloud-Anbieter und Betreiber von Rechenzentren betroffen. Auch Energieunternehmen gewinnen an Bedeutung, weil leistungsfähige KI-Systeme erhebliche Rechen- und Stromkapazitäten benötigen. Welche Unternehmen von künftigen Regeln profitieren oder belastet würden, hängt jedoch von deren konkreter Ausgestaltung ab.

Gewinnspiel

Welche beiden Staaten stehen im Mittelpunkt von Guterres' Appell zur Zusammenarbeit bei Künstlicher Intelligenz?

A: Deutschland und Frankreich
B: USA und China
C: Indien und Japan
D: Brasilien und Kanada

Zum großen OZD-Gewinnspiel 2026 – Gutscheine gewinnen

Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.