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Kampf um zwei Schlüsselrouten des Welthandels: G7 erhöht Druck auf Huthis und Iran

Der Jemen-Konflikt eskaliert erneut. Die G7 fordert ein Ende der Huthi-Angriffe – während zwei strategische Wasserstraßen den Welthandel bedrohen.

Fakten im Überblick

Die G7 fordert die Huthis auf, ihre Militäraktionen sowie Angriffe und Drohungen gegen die zivile Schifffahrt einzustellen.

Mehr als 130.000 Menschen wurden durch die jüngsten Kämpfe im Jemen innerhalb des Landes vertrieben.

Die Kämpfe gefährden mit Bab al-Mandab eine strategische Route zwischen Rotem Meer und Indischem Ozean.

Der wieder eskalierende Krieg im Jemen alarmiert die großen westlichen Industriestaaten. Die G7-Außenminister forderten die Huthi-Miliz auf, ihre militärischen Aktionen sowie Drohungen und Angriffe gegen die zivile Schifffahrt unverzüglich einzustellen und zu einem politischen Prozess zurückzukehren. Zugleich riefen Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada, Japan und die USA den Iran dazu auf, die Bewaffnung und Unterstützung der Huthis zu beenden. Die Erklärung folgte auf Beratungen am Rande der UN-Generalversammlung in New York.

Die internationale Sorge richtet sich längst nicht mehr allein auf den Bürgerkrieg im Jemen. Die Huthis haben bei ihrer jüngsten Offensive wichtige Gebiete an der Küste des Roten Meeres eingenommen. Besonders strategisch ist die Region um Mocha und Bab al-Mandab. Durch diese schmale Meerenge führt eine der bedeutendsten Schifffahrtsrouten zwischen dem Indischen Ozean, dem Roten Meer und dem Suezkanal. Parallel sorgen die Spannungen an der Straße von Hormus für zusätzliche Risiken. Russlands Präsident Wladimir Putin und der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman betonten am Dienstag in einem Telefonat die Bedeutung einer sicheren Passage durch beide Meerengen.

Die militärische Eskalation hat Saudi-Arabien inzwischen wieder unmittelbar erreicht. Am Samstag bestätigte Riad einen ballistischen Raketenangriff der Huthis auf die saudische Hauptstadt. Nach Angaben der saudischen Seite wurde die Rakete abgefangen; Schäden oder Opfer wurden zunächst nicht gemeldet. Die Huthis reklamierten darüber hinaus Angriffe auf weitere Ziele und saudische Infrastruktur für sich. Nicht alle Angaben der Konfliktparteien lassen sich unabhängig überprüfen.

Saudi-Arabien reagiert seinerseits mit Luftangriffen im Jemen. Die den Huthis nahestehende Nachrichtenagentur Saba meldete am Dienstag mindestens sechs Tote und acht Verletzte durch Angriffe auf die strategisch wichtige Küstenstadt Mocha. Die Huthis werfen Riad darüber hinaus tödliche Angriffe in anderen Landesteilen vor. Die Angaben zu einzelnen Opferzahlen stammen von Konfliktparteien beziehungsweise ihnen nahestehenden Medien und können nicht unabhängig bestätigt werden.

Der Konflikt reicht mehr als ein Jahrzehnt zurück. 2014 nahmen die Huthis die jemenitische Hauptstadt Sanaa ein. Seit 2015 unterstützt eine von Saudi-Arabien geführte Koalition die international anerkannte jemenitische Regierung. Eine von den Vereinten Nationen vermittelte Waffenruhe führte 2022 zu einer deutlichen Verringerung der großflächigen Kämpfe. Die jüngste Offensive der Huthis an der Küste des Roten Meeres hat diese Phase relativer Ruhe beendet.

Für die Zivilbevölkerung sind die Folgen bereits dramatisch. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks wurden im September mehr als 130.000 Menschen innerhalb des Jemen vertrieben. Mehr als 3000 Menschen flohen über das Rote Meer Richtung Afrika, vor allem nach Dschibuti und Somalia. Das UNHCR hält in den kommenden Monaten eine weitere starke Zunahme für möglich und bereitet sich auf bis zu 10.000 Ankommende auf der afrikanischen Seite des Roten Meeres vor. Die Hilfsmaßnahmen sind zugleich massiv unterfinanziert.

Damit verschmelzen im Jemen mehrere Krisen miteinander: ein langjähriger Bürgerkrieg, die Rivalität zwischen Saudi-Arabien und dem Iran, die Sicherheit internationaler Handelswege und eine der schwersten humanitären Notlagen der Region. Mehr als 22 Millionen Menschen im Jemen benötigen nach aktuellen Schätzungen humanitäre Unterstützung. Jede weitere Eskalation bedroht deshalb nicht nur die regionale Stabilität, sondern kann über Energiepreise und Lieferketten auch weit über den Nahen Osten hinaus Folgen haben.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Wenn regionale Kämpfe den Welthandel treffen

Die strategische Bedeutung des Konflikts lässt sich an zwei Namen erkennen: Bab al-Mandab und Straße von Hormus. Beide Meerengen sind für internationale Handels- und Energierouten von großer Bedeutung. Störungen an beiden Stellen gleichzeitig erhöhen die Risiken für Reedereien, Energieunternehmen und Staaten, die auf verlässliche Transportwege angewiesen sind.

Die G7 setzt mit ihrer Erklärung auf politischen Druck. Sie fordert ein Ende der Huthi-Angriffe und verlangt zugleich vom Iran, seine Unterstützung für die Miliz einzustellen. Die Huthis und Teheran weisen Darstellungen eines einfachen iranischen Befehlsverhältnisses traditionell zurück; zugleich ist die politische und militärische Unterstützung der Huthis durch Iran international umfangreich dokumentiert.

Für Saudi-Arabien verschärft die Lage ein seit Jahren bestehendes Sicherheitsproblem. Riad hatte versucht, die direkte militärische Konfrontation im Jemen zurückzufahren. Die neuen Angriffe auf saudisches Territorium und die Huthi-Gebietsgewinne an der Küste verändern diese Ausgangslage erneut.

Entscheidend wird deshalb sein, ob diplomatische Kanäle wieder Gewicht gewinnen. Die G7 fordert ausdrücklich eine Rückkehr zum politischen Prozess. Wie schnell dies gelingen kann, ist angesichts der laufenden Kampfhandlungen offen.

Historischer Hintergrund

Der heutige Jemen-Konflikt eskalierte 2014, als die Huthi-Bewegung Sanaa einnahm und die international anerkannte Regierung zunehmend unter Druck setzte. Im März 2015 griff eine von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition in den Krieg ein.

Der Konflikt entwickelte sich zugleich zu einem regionalen Machtkampf. Saudi-Arabien unterstützt die Gegner der Huthis, während Iran die Huthi-Bewegung politisch und militärisch unterstützt. Über die Jahre entstand dadurch ein Konflikt mit regionaler Dimension.

2022 vermittelte die UN eine Waffenruhe. Obwohl diese formal nach einigen Monaten auslief, blieb das Ausmaß der direkten Kämpfe anschließend deutlich geringer als in den Jahren zuvor. Diese relative Ruhe wurde durch die jüngste Eskalation erheblich erschüttert.

Besondere Bedeutung besitzt die Geografie. Der Jemen liegt am Bab al-Mandab, der Meerenge zwischen der Arabischen Halbinsel und dem Horn von Afrika. Schiffe auf dem Weg zwischen Asien und Europa passieren von dort das Rote Meer und anschließend den Suezkanal. Militärische Kontrolle und Angriffe in dieser Region können deshalb Auswirkungen auf globale Handelsströme haben.

Zukunftsprognose

Politisch steigt der Druck auf internationale Vermittler, eine erneute großflächige Kriegsphase zu verhindern. Die G7 setzt auf die Rückkehr zu Verhandlungen, während auch andere Staaten der Region zu Diplomatie und sicherer Schifffahrt aufrufen. Ein konkreter Weg zu einer neuen Waffenruhe ist bislang jedoch nicht erkennbar.

Wirtschaftlich bleiben vor allem Energiepreise und Transportkosten im Blick. Kämpfe an Bab al-Mandab können Reedereien dazu bewegen, Routen zu ändern oder zusätzliche Sicherheitskosten einzukalkulieren. Gleichzeitig erhöht jede Unsicherheit an der Straße von Hormus die Bedeutung alternativer Exportwege für die Golfstaaten.

Die Ölpreise haben auf die Spannungen bereits deutlich reagiert. Brent-Rohöl lag zuletzt zeitweise oberhalb von 100 Dollar je Barrel, bevor der Preis am Dienstag wieder unter diese Marke fiel. Die Schwankungen zeigen, wie sensibel der Energiemarkt auf Signale über die beiden strategischen Wasserstraßen reagiert.

Gesellschaftlich und humanitär ist die Entwicklung besonders bedrohlich. Das UNHCR hält in den kommenden drei Monaten weitere rund 100.000 Binnenvertreibungen für möglich. Damit könnten noch mehr Familien in einem Land ihre Heimat verlieren, in dem Millionen Menschen bereits auf internationale Hilfe angewiesen sind.

Wer sind die Huthis?

Die Huthis, auch Ansar Allah genannt, sind eine aus dem Norden des Jemen stammende politische und militärische Bewegung. Sie kontrollieren Sanaa und große Gebiete des Landes. Iran unterstützt die Gruppe, deren Verhältnis zu Teheran jedoch nicht mit einer formalen staatlichen Befehlskette gleichzusetzen ist.

Was ist Bab al-Mandab?

Bab al-Mandab ist eine Meerenge zwischen Jemen auf der Arabischen Halbinsel sowie Dschibuti und Eritrea am Horn von Afrika. Sie verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und ist damit Teil der Schifffahrtsroute zum Suezkanal.

Warum ist die Straße von Hormus wichtig?

Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman. Für mehrere große Öl- und Gasexporteure der Region ist sie ein zentraler Zugang zum Weltmarkt. Störungen können deshalb internationale Energiepreise beeinflussen.

Was ist die G7?

Zur Gruppe der Sieben gehören Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und die USA. Die Europäische Union nimmt ebenfalls an den Beratungen teil. Die Gruppe stimmt sich regelmäßig zu internationalen Wirtschafts-, Sicherheits- und außenpolitischen Fragen ab.

OZD-Extra – Zwei Meerengen, ein globales Risiko

Die aktuelle Krise ist wirtschaftlich besonders brisant, weil sich die Risiken an zwei Seiten der Arabischen Halbinsel konzentrieren. Westlich liegt Bab al-Mandab, östlich die Straße von Hormus. Beide gehören zu den strategisch wichtigen Wasserwegen für Energie und Welthandel.

Für Saudi-Arabien ist diese Lage besonders relevant. Das Königreich ist einer der weltweit bedeutendsten Rohölexporteure und benötigt sichere Transportwege zu seinen internationalen Kunden. Einschränkungen auf See erhöhen den Stellenwert von Pipelines und alternativen Exportwegen.

An den Börsen könnten deshalb vor allem Öl- und Gasunternehmen, Reedereien, Fluggesellschaften und energieintensive Industriekonzerne auf eine weitere Eskalation reagieren. Steigende Ölpreise können Energiekonzerne begünstigen, während höhere Treibstoff- und Transportkosten andere Branchen belasten. Gold könnte bei einer stärkeren geopolitischen Unsicherheit als klassischer Sicherheitswert zusätzliche Nachfrage erfahren. Für den Euro wären die Auswirkungen indirekter und vor allem davon abhängig, wie stark Energieimporte und Inflation in Europa betroffen wären.

Die unmittelbare menschliche Dimension bleibt jedoch größer als jede Marktbewegung: Mehr als 130.000 Menschen mussten allein durch die jüngste Eskalation ihre Heimat verlassen.

Gewinnspiel

Welche strategisch wichtige Meerenge liegt zwischen dem Jemen und dem Horn von Afrika?

A: Straße von Gibraltar
B: Bosporus
C: Bab al-Mandab
D: Straße von Malakka

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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.