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Sensationsfund in NRW: Mehr als 900 römische Silbermünzen auf Acker entdeckt

Mehr als 900 römische Silbermünzen lagen bei Wesseling im Boden. Der außergewöhnliche Schatz wiegt 3,1 Kilogramm und reicht bis 148 vor Christus zurück.

Fakten im Überblick

Bei Wesseling in Nordrhein-Westfalen wurden insgesamt 934 römische Silbermünzen mit einem Gesamtgewicht von 3,1 Kilogramm entdeckt.

Der Fund gilt als größter bislang bekannter Münzschatz aus der Zeit Kaiser Hadrians in Deutschland.

Die jüngste Münze wurde 124/125 nach Christus geprägt, die älteste stammt bereits aus dem Jahr 148 vor Christus.

Mehr als 1800 Jahre lang lag ein außergewöhnliches Vermögen verborgen unter einem Acker im Rheinland: Bei Wesseling in Nordrhein-Westfalen hat ein Sondengänger einen römischen Münzschatz entdeckt, der Archäologen durch seinen Umfang und seine Zusammensetzung beeindruckt. Insgesamt kamen 934 römische Silbermünzen mit einem Gesamtgewicht von 3,1 Kilogramm ans Licht. Nach Angaben des Amts für Bodendenkmalpflege im Rheinland handelt es sich um den größten bislang bekannten Münzschatz aus der Zeit des römischen Kaisers Hadrian in Deutschland.

Der entscheidende Moment begann bei einer genehmigten Suche mit einer Metallsonde. Auf dem Acker stieß der Sondengänger zunächst nach und nach auf 15 Silbermünzen. Statt auf eigene Faust weiterzugraben, informierte er die zuständige Bodendenkmalpflege. Experten übernahmen daraufhin die archäologische Untersuchung der Fundstelle. Diese Vorgehensweise erwies sich als besonders wertvoll, weil dadurch nicht nur die Münzen geborgen, sondern auch ihr Fundzusammenhang wissenschaftlich dokumentiert werden konnte.

Am Ende der Ausgrabung stand eine beeindruckende Zahl: 934 Silbermünzen. Die jüngste wurde in den Jahren 124 oder 125 nach Christus geprägt. Damit lässt sich die Verbergung des Schatzes frühestens in die Regierungszeit Kaiser Hadrians einordnen, der von 117 bis 138 nach Christus über das Römische Reich herrschte. Der größte Teil des Geldes ist allerdings deutlich älter und stammt aus der Zeit der flavischen Kaiser zwischen 69 und 96 nach Christus.

Eine Münze fällt besonders aus diesem zeitlichen Rahmen: Das älteste Geldstück wurde bereits 148 vor Christus geprägt. Als der Schatz mehr als 270 Jahre später im Rheinland verborgen wurde, war diese Münze noch immer gültiges Zahlungsmittel. Der Fund zeigt damit eindrucksvoll, wie lange römische Silbermünzen im Umlauf bleiben konnten und wie Geld verschiedener Generationen innerhalb eines Vermögens zusammenkam.

Die Archäologen gehen davon aus, dass der Münzbestand vermutlich bereits um das Jahr 100 nach Christus zusammengetragen, aber erst während der Herrschaft Hadrians vergraben wurde. Warum das Vermögen niemals wieder ausgegraben wurde, bleibt ein Geheimnis. „Wir können über die Beweggründe natürlich nur spekulieren, aber sehr wahrscheinlich wollte jemand dieses Geld sicher aufbewahren“, erklärte Landesarchäologe Erich Claßen. Möglicherweise sei der Besitzer oder die Besitzerin gestorben, bevor das Versteck wieder geöffnet werden konnte.

Münzfunde aus der Römerzeit sind im Rheinland grundsätzlich keine Seltenheit. Die Region gehörte über Jahrhunderte zu den bedeutenden Grenz- und Siedlungsräumen des Römischen Reiches. Das heutige Wesseling liegt südlich von Köln und damit in einer Landschaft, die in der Antike eng mit dem römischen Colonia Claudia Ara Agrippinensium, dem heutigen Köln, verbunden war. Außergewöhnlich ist jedoch die enorme Zahl der Münzen: Vergleichbar umfangreiche Schatzfunde aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus sind selten.

Der Fund erzählt deshalb mehr als die Geschichte eines verlorenen Vermögens. Er liefert Archäologen Informationen über Geldumlauf, Sparverhalten, wirtschaftliche Verbindungen und den Alltag im römischen Rheinland. Dass diese Informationen erhalten blieben, ist auch der Reaktion des Sondengängers zu verdanken. Die Bodendenkmalpflege bezeichnete sein Vorgehen als „vorbildlich“. Aus einzelnen Signalen einer Metallsonde wurde so ein wissenschaftlich dokumentierter Schatzfund von außergewöhnlicher Bedeutung.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Ein Schatz wird erst durch seinen Fundort zur Geschichte

934 römische Silbermünzen sind spektakulär. Archäologisch noch wertvoller ist jedoch, dass nicht nur die Münzen selbst erhalten wurden, sondern auch die Umstände ihrer Niederlegung untersucht werden konnten.

Genau darin liegt der Unterschied zwischen einem historischen Objekt und einem archäologischen Fund. Lage, Tiefe, Verteilung und Zusammenhang können Hinweise darauf geben, ob Münzen verloren, absichtlich versteckt oder gemeinsam mit anderen Gegenständen deponiert wurden.

Der Sondengänger handelte deshalb entscheidend richtig, als er nach den ersten 15 Münzen die Fachbehörde informierte. Hätte er den gesamten Schatz eigenständig ausgegraben, wären möglicherweise Informationen verloren gegangen, die sich später nicht mehr rekonstruieren lassen.

Der Fund von Wesseling zeigt zugleich, welches archäologische Potenzial noch immer unter Feldern, Wiesen und modernen Siedlungsräumen des Rheinlands verborgen liegt. Selbst nach fast zwei Jahrtausenden kann ein gewöhnlicher Acker plötzlich ein neues Fenster in die römische Vergangenheit öffnen.

Historischer Hintergrund

Das Rheinland gehörte während der römischen Kaiserzeit zu den strategisch wichtigsten Regionen nördlich der Alpen. Köln entwickelte sich als Colonia Claudia Ara Agrippinensium zu einem bedeutenden Verwaltungs-, Handels- und Militärzentrum. Entlang des Rheins entstanden Straßen, Gutshöfe, Siedlungen, Militäranlagen und Handelsverbindungen.

Kaiser Hadrian regierte das Römische Reich von 117 bis 138 nach Christus. Seine Regierungszeit war weniger durch große Eroberungsfeldzüge als durch die Sicherung und Konsolidierung des riesigen Imperiums geprägt. Berühmt wurde insbesondere der Hadrianswall im heutigen Großbritannien.

Der Münzschatz von Wesseling reicht jedoch weit über Hadrians Epoche zurück. Viele Stücke stammen aus der flavischen Dynastie, zu der die Kaiser Vespasian, Titus und Domitian gehörten. Sie regierten zwischen 69 und 96 nach Christus.

Besonders bemerkenswert ist die älteste Münze aus dem Jahr 148 vor Christus. Zwischen ihrer Prägung und der Niederlegung des Schatzes lagen mehr als zweieinhalb Jahrhunderte. Dass sie weiterhin als Zahlungsmittel akzeptiert wurde, verdeutlicht die besondere Bedeutung des Silberwerts und die lange Umlaufdauer römischer Münzen.

Zukunftsprognose

Für die Archäologie beginnt nach der Bergung die eigentliche Detailarbeit. Jede einzelne Münze kann nach Herrscher, Prägestätte, Münztyp, Erhaltungszustand und Herstellungszeit untersucht werden. Aus der Zusammensetzung des gesamten Schatzes lassen sich möglicherweise weitere Erkenntnisse über seine Entstehung gewinnen.

Besonders interessant dürfte die Frage sein, über welchen Zeitraum das Vermögen angespart wurde. Die zeitliche Verteilung der 934 Stücke kann Hinweise darauf liefern, wann besonders viele Münzen hinzukamen und welche Geldtypen im römischen Rheinland tatsächlich kursierten.

Auch der unmittelbare Fundort könnte weitere Erkenntnisse ermöglichen. Archäologische Untersuchungen im Umfeld können zeigen, ob sich dort einst ein Gebäude, ein Gutshof, eine Siedlung oder andere römische Strukturen befanden. Ob solche Zusammenhänge nachweisbar sind, bleibt zunächst offen.

Für Wesseling und das Rheinland besitzt der Fund zudem kulturelle Bedeutung. Wissenschaftlich aufbereitete Münzschätze können die römische Geschichte einer Region besonders anschaulich vermitteln und damit auch das Interesse an Museen, Archäologie und regionalem Kulturerbe stärken.

Wer war Kaiser Hadrian?

Hadrian wurde 76 nach Christus geboren und regierte das Römische Reich von 117 bis 138. Er gehörte zu den bekanntesten römischen Kaisern und bereiste große Teile seines Reiches. Seine Politik konzentrierte sich stark auf die Stabilisierung der Grenzen und Verwaltung des Imperiums.

Was ist ein römischer Münzschatz?

Als Münzschatz oder Hortfund wird eine größere Zahl von Münzen bezeichnet, die gemeinsam verborgen oder niedergelegt wurden. Häufig wurden solche Vermögen in Gefäßen, Beuteln oder anderen Behältnissen vergraben, um sie vor Diebstahl, Krieg oder anderen Gefahren zu schützen.

Warum ist die Münze von 148 vor Christus so außergewöhnlich?

Sie war bereits mehr als 270 Jahre alt, als der Schatz vermutlich im zweiten Jahrhundert nach Christus vergraben wurde. Trotzdem befand sie sich weiterhin im Geldumlauf. Für Archäologen ist das ein anschauliches Beispiel für die lange Lebensdauer antiker Silbermünzen.

Wo liegt Wesseling?

Wesseling liegt im Rhein-Erft-Kreis in Nordrhein-Westfalen unmittelbar am Rhein zwischen Köln und Bonn. Die gesamte Region war in römischer Zeit dicht erschlossen und durch Verkehrs- und Handelswege mit Köln und weiteren römischen Siedlungen verbunden.

OZD-Extra – Ein römisches Vermögen aus mehreren Jahrhunderten

Der faszinierendste Aspekt des Wesselinger Schatzes ist möglicherweise nicht seine Größe, sondern sein Altersspektrum. Zwischen der ältesten Münze von 148 vor Christus und dem jüngsten Stück aus den Jahren 124/125 nach Christus liegen mehr als 270 Jahre.

Damit vereint der Schatz Geld aus völlig unterschiedlichen Phasen der römischen Geschichte. Während die älteste Münze noch aus der Zeit der Römischen Republik stammt, wurde das jüngste Geldstück unter Kaiser Hadrian geprägt, als Rom längst ein gewaltiges Kaiserreich beherrschte.

Die 934 Münzen bilden damit eine kleine Chronik aus Silber. Generationen wechselten, Kaiser kamen und gingen – doch manche Münzen blieben weiterhin im Umlauf.

Offen bleibt die persönlichste Frage des Fundes: Wem gehörten die 3,1 Kilogramm Silber? Vielleicht war es das Ersparte eines Händlers, eines Landbesitzers oder einer Familie. Sicher ist bislang nur, dass jemand das Vermögen sorgfältig versteckte – und niemals zurückkehrte, um es wieder an sich zu nehmen.

Gewinnspiel

Wie viele römische Silbermünzen wurden bei Wesseling insgesamt entdeckt?

A: 315
B: 624
C: 934
D: 1.248

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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.