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Russland lehnt Kampfpause ab: Lawrow kündigt weitere Angriffe auf die Ukraine an

Russland will seine Militäroperationen in der Ukraine nicht unterbrechen. Gleichzeitig versucht Washington, zumindest Angriffe auf Energieanlagen einzudämmen.

Fakten im Überblick

Russlands Außenminister Sergej Lawrow erklärte im UN-Sicherheitsrat in New York, Moskau werde die Kampfhandlungen während möglicher Verhandlungen nicht pausieren.

Die Ukraine ist nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj zu einem gegenseitigen Stopp von Angriffen auf Energieinfrastruktur bereit, sofern Russland ebenfalls darauf verzichtet.

Vor seinem Auftritt im Sicherheitsrat traf Lawrow US-Außenminister Marco Rubio, während die USA ihre diplomatischen Bemühungen um eine begrenzte Deeskalation fortsetzen.

Russland lehnt eine Unterbrechung seiner militärischen Angriffe auf die Ukraine ab und setzt damit trotz neuer diplomatischer Bemühungen in New York vorerst auf eine Fortsetzung der Kampfhandlungen. „Wir werden in unserer speziellen Militäroperation keine Pause einlegen“, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow am Mittwoch bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats. Moskau bezeichnet seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine offiziell als „spezielle Militäroperation“. Lawrow erklärte zugleich, Russland sei grundsätzlich zu Verhandlungen über einen dauerhaften Frieden bereit, wolle die militärischen Operationen während möglicher Gespräche aber nicht aussetzen. Europa wolle eine Unterbrechung seiner Darstellung nach nutzen, um „das Kiewer Regime mit Waffen vollzupumpen“. Für diese Behauptung legte Lawrow in seiner Rede keine Belege vor.

Die russische Position steht einer Initiative gegenüber, die vor allem die Energieversorgung beider Länder schützen soll. US-Präsident Donald Trump hatte Russland und die Ukraine dazu aufgerufen, zumindest ihre gegenseitigen Angriffe auf Energieanlagen einzustellen. Selenskyj erklärte in New York, die Ukraine sei bereit, russische Energieinfrastruktur nicht mehr anzugreifen, wenn Moskau im Gegenzug seine Angriffe auf ukrainische Energieanlagen beendet. Gerade mit Blick auf den bevorstehenden Winter besitzt diese Frage erhebliche Bedeutung: Russland greift seit Beginn seiner großangelegten Invasion wiederholt ukrainische Energieanlagen an, während die Ukraine ihrerseits russische Raffinerien und andere Einrichtungen der Energiewirtschaft attackiert. Rubio bezeichnete eine solche begrenzte Energievereinbarung als schwierig, erklärte aber, Washington wolle den Versuch unternehmen.

Unmittelbar vor seinem Auftritt im Sicherheitsrat war Lawrow am Rande der UN-Generalversammlung mit US-Außenminister Marco Rubio zusammengekommen. Das Gespräch dauerte Berichten zufolge rund eine Stunde. Danach bestätigte Rubio auch die Einladung des russischen Präsidenten Wladimir Putin zum G20-Gipfel im Dezember in Miami. Washington versucht damit gleichzeitig auf mehreren Ebenen, Gesprächskanäle nach Moskau offenzuhalten. Die US-Regierung bemüht sich seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus im Januar 2025 um eine Beendigung des Krieges. Verschiedene Gesprächsrunden und diplomatische Initiativen haben bislang jedoch keine umfassende Friedensregelung hervorgebracht.

Die aktuellen Gespräche zeigen zugleich, wie weit die Positionen weiterhin auseinanderliegen. Russland erklärt sich zu Verhandlungen bereit, lehnt aber eine Kampfpause während dieser Gespräche ab. Die Ukraine signalisiert Bereitschaft zu einer begrenzten gegenseitigen Vereinbarung über Energieanlagen, will diese jedoch nur auf Gegenseitigkeit umsetzen. Die USA versuchen wiederum, aus einem solchen begrenzten Schritt eine Form der Deeskalation zu entwickeln. Damit konzentriert sich die Diplomatie derzeit weniger auf eine sofortige umfassende Waffenruhe als auf einzelne Bereiche, in denen möglicherweise Vereinbarungen erreichbar sein könnten. Ob Moskau einer solchen begrenzten Regelung tatsächlich zustimmt, blieb nach Lawrows Auftritt offen.

Für die Ukraine ist die Energiefrage besonders vor dem Winter von großer Bedeutung. Schäden an Kraftwerken, Umspannwerken und Stromnetzen können weitreichende Folgen für Millionen Menschen haben. Gleichzeitig haben ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien wirtschaftliche und strategische Bedeutung, weil sie Teile der russischen Treibstoffproduktion treffen. Ein gegenseitiger Verzicht könnte deshalb einen klar umrissenen Bereich des Krieges entschärfen, ohne die Kämpfe an der Front automatisch zu beenden. Lawrows Absage an eine allgemeine Pause macht deutlich, dass von einem umfassenden Waffenstillstand derzeit nicht gesprochen werden kann.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Diplomatie ohne Waffenruhe

Die Gespräche in New York zeigen ein grundlegendes Dilemma der gegenwärtigen Ukraine-Diplomatie. Washington versucht, konkrete Bereiche für eine begrenzte Deeskalation zu finden, während Moskau eine allgemeine Kampfpause während möglicher Verhandlungen ausdrücklich ablehnt. Kiew wiederum knüpft seinen Verzicht auf Angriffe gegen russische Energieanlagen an entsprechende russische Schritte.

Eine Energievereinbarung wäre deshalb nicht mit einem Waffenstillstand gleichzusetzen. Sie könnte Schäden an kritischer Infrastruktur begrenzen und insbesondere die Risiken für die Zivilbevölkerung während des Winters reduzieren. Gleichzeitig würden militärische Operationen an anderen Frontabschnitten dadurch nicht automatisch beendet.

Entscheidend wird sein, ob aus den amerikanisch-russischen Kontakten konkrete, überprüfbare Vereinbarungen entstehen. Solange Russland die Kampfhandlungen fortsetzt und beide Seiten keine umfassende Waffenruhe vereinbaren, bleibt die diplomatische Bewegung in New York zunächst ein begrenzter Ansatz zur Deeskalation. Eine schnelle Beendigung des Krieges lässt sich aus den aktuellen Gesprächen nicht ableiten.

Historischer Hintergrund

Russland begann am 24. Februar 2022 seine großangelegte Invasion der Ukraine. Vorausgegangen waren die russische Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim im Jahr 2014 sowie der Krieg im Donbass.

In den ersten Monaten nach Beginn der Großinvasion fanden direkte Verhandlungen zwischen russischen und ukrainischen Delegationen statt. Eine dauerhafte Vereinbarung kam nicht zustande. In den folgenden Jahren wurden unterschiedliche Vermittlungsinitiativen gestartet, während die Kämpfe weitergingen.

Die Energieinfrastruktur entwickelte sich dabei zu einem wichtigen Teil des Krieges. Russland griff wiederholt das ukrainische Strom- und Energiesystem an. Die Ukraine weitete ihrerseits insbesondere Drohnenangriffe auf russische Ölraffinerien und andere Energieanlagen aus. Im September 2026 rückte deshalb die Idee eines gegenseitigen Verzichts auf solche Angriffe erneut in den Mittelpunkt der internationalen Diplomatie.

Seit Donald Trumps Rückkehr ins Weiße Haus im Januar 2025 haben die USA ihre direkten diplomatischen Kontakte mit Moskau und Kiew intensiviert. Ein umfassender Friedensschluss wurde bislang nicht erreicht.

Zukunftsprognose

Politisch dürfte Washington weiter versuchen, zunächst begrenzte Vereinbarungen zwischen Russland und der Ukraine zu erreichen. Eine Regelung für Energieanlagen könnte dabei als möglicher Zwischenschritt dienen. Rubio machte jedoch deutlich, dass selbst eine solche Vereinbarung schwierig zu erreichen sei.

Gesellschaftlich wäre insbesondere die ukrainische Zivilbevölkerung von einem Schutz der Energieinfrastruktur betroffen. Ein Winter mit weniger Angriffen auf Strom- und Wärmeversorgung könnte humanitäre Risiken reduzieren. Ohne Vereinbarung bleibt dagegen die Gefahr weiterer Schäden bestehen.

International dürfte der Druck auf beide Seiten anhalten. Die USA bleiben diplomatisch aktiv, während europäische Staaten die Ukraine weiterhin unterstützen. Moskau stellt diese europäische Unterstützung als einen Grund dafür dar, einer Kampfpause zu misstrauen. Diese Darstellung ist die Position der russischen Regierung und wird von europäischen Regierungen nicht geteilt.

Für Rohstoff- und Finanzmärkte bleibt insbesondere die Entwicklung bei Öl, Gas und Treibstoffen relevant. Eine belastbare Deeskalation könnte geopolitische Risikoprämien reduzieren; eine weitere Eskalation gegen Energieanlagen könnte dagegen zusätzliche Unsicherheit erzeugen. Konkrete Kursbewegungen bei Öl, Gas, Euro oder Aktien lassen sich daraus nicht seriös vorhersagen.

Wer ist Sergej Lawrow?

Sergej Lawrow ist seit 2004 Außenminister der Russischen Föderation und gehört zu den dienstältesten Außenministern weltweit. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs vertritt er Moskaus Position regelmäßig bei internationalen Organisationen und diplomatischen Gesprächen.

Was bedeutet „spezielle Militäroperation“?

Russland bezeichnet seinen Krieg gegen die Ukraine offiziell als „spezielle Militäroperation“. Der Begriff ist die Bezeichnung der russischen Regierung für die am 24. Februar 2022 begonnene großangelegte Invasion der Ukraine.

Was wäre eine Energie-Waffenruhe?

Dabei würden Russland und die Ukraine gegenseitig auf Angriffe gegen bestimmte Energieanlagen verzichten. Für Russland wären insbesondere Raffinerien und andere Einrichtungen seiner Öl- und Gaswirtschaft relevant, für die Ukraine unter anderem Kraftwerke, Stromnetze und weitere Versorgungsanlagen. Eine solche Vereinbarung wäre keine vollständige Waffenruhe.

Welche Rolle spielen die USA?

Die Regierung von Donald Trump versucht, direkte Kontakte zu Moskau und Kiew für Verhandlungen zu nutzen. Außenminister Marco Rubio traf Lawrow in New York und erklärte anschließend, Washington wolle auch eine begrenzte Vereinbarung über Energieangriffe vorantreiben. Gleichzeitig haben die USA Putin zum G20-Gipfel im Dezember in Miami eingeladen.

OZD-Extra – Warum die Energiefrage plötzlich so wichtig wird

Die Energieinfrastruktur ist längst zu einem strategischen Bestandteil des Krieges geworden. Russische Angriffe können die ukrainische Strom- und Wärmeversorgung treffen, während ukrainische Drohnenattacken gegen russische Raffinerien die Verarbeitung und Bereitstellung von Treibstoffen beeinträchtigen können.

Genau deshalb könnte eine begrenzte Energievereinbarung für beide Seiten einen konkreten Nutzen haben, ohne dass sie sich gleichzeitig über alle Bedingungen eines Friedensvertrags einigen müssten. Der entscheidende Punkt wäre allerdings die Überprüfbarkeit: Beide Seiten müssten nachvollziehen können, ob die Vereinbarung tatsächlich eingehalten wird.

Für Europa besitzt das Thema zusätzlich wirtschaftliche Bedeutung. Neue Angriffe auf große Energieanlagen können Erwartungen an den internationalen Öl- und Gasmarkt beeinflussen. Eine stabile Vereinbarung könnte Unsicherheit reduzieren, während weitere Attacken zusätzliche Risiken für Energiepreise und Transportwege schaffen könnten.

Gewinnspiel

Wo erklärte Sergej Lawrow, Russland werde seine Militäroperationen nicht pausieren?

A: Im Europäischen Parlament

B: Im UN-Sicherheitsrat

C: Beim NATO-Gipfel

D: Im Deutschen Bundestag

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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.