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Brutale WM-Entscheidung in Montréal: Vollering holt Gold, schwerer Sturz überschattet Straßenrennen

Franziska Koch verpasst sechs Tage nach Zeitfahr-Bronze ihre zweite WM-Medaille. In Montréal wird sie Zehnte, während Demi Vollering erstmals Straßenrad-Weltmeisterin wird.

Fakten im Überblick

Demi Vollering gewinnt nach ihrem Tour-de-France-Sieg auch den WM-Titel im Straßenrennen und setzt sich im Sprint gegen Kasia Niewiadoma-Phinney durch.

Franziska Koch erreicht über 180,1 Kilometer mit 5:51 Minuten Rückstand Platz zehn und verpasst damit ihre zweite Medaille bei dieser Weltmeisterschaft.

Ein schwerer Massensturz überschattet das Rennen in Montréal, mehrere Fahrerinnen müssen ins Krankenhaus gebracht werden.

Der Traum von der zweiten WM-Medaille erfüllte sich für Franziska Koch nicht. Sechs Tage nach ihrem Bronze-Coup im Einzelzeitfahren musste sich die 26-Jährige aus Mettmann beim Straßenrennen der Weltmeisterschaft in Montréal mit Platz zehn begnügen. Ganz vorne krönte Demi Vollering ein herausragendes Jahr: Die Niederländerin setzte sich nach 180,1 anspruchsvollen Kilometern im Sprint gegen die Polin Kasia Niewiadoma-Phinney durch und gewann erstmals den WM-Titel auf der Straße.

Koch konnte ihre Platzierung dennoch realistisch einordnen. „Natürlich war eine Medaille der große Traum“, sagte die deutsche Meisterin: „Aber wenn man auf das Ergebnis guckt, sind die neun vor mir alles Weltklassefahrerinnen. Der Kurs war wirklich so, dass die stärkste gewinnt. Und deswegen kann ich sehr, sehr stolz auf den zehnten Platz sein.“

An der Spitze gehörte diese Stärke Vollering. Die 29-Jährige, die im Sommer bereits die Tour de France gewonnen hatte, musste für ihren ersten WM-Titel allerdings tief in die Reserven gehen. Bereits 39 Kilometer vor dem Ziel griff die Niederländerin an und sprengte damit das verbliebene Feld. Zwar wurde sie später wieder eingeholt, doch im entscheidenden Sprint verfügte sie noch immer über die größten Kraftreserven.

„Ich kann es noch nicht begreifen. Du musst stark sein, um in so einem Rennen immer an dich zu glauben“, sagte Vollering nach ihrem Triumph: „Ich habe es wieder und wieder versucht und alles hineingeworfen. Ich bin sehr stolz.“

Nach ihrem zweiten Platz bei der WM 2023 gelang Vollering damit erstmals der Sprung auf die oberste Stufe des Podiums. Silber ging an Niewiadoma-Phinney. Die Italienerin Elisa Longo Borghini gewann wie bereits 2020 und 2024 Bronze. Zeitfahr-Weltmeisterin Marlen Reusser aus der Schweiz verpasste als Vierte knapp eine weitere Medaille.

Für die deutsche Mannschaft platzte die Hoffnung auf Edelmetall in der entscheidenden Rennphase. Koch verlor ebenso wie Liane Lippert und Antonia Niedermaier den Anschluss an die entscheidende Gruppe. Koch versuchte anschließend allein, die Lücke wieder zu schließen, doch die Weltspitze war an diesem Tag zu stark.

Am Ende erreichte sie das Ziel mit 5:51 Minuten Rückstand. Lippert wurde mit 8:34 Minuten Rückstand 14., Niedermaier folgte sechs Sekunden später auf Rang 28. Damit bleibt Lisa Brenners Silbermedaille von 2014 weiterhin das letzte deutsche WM-Edelmetall im Straßenrennen der Frauen.

Dabei hatte das Rennen zunächst vergleichsweise ruhig begonnen. Nach rund 70 weitgehend flachen Kilometern erreichte das Feld den etwa 15 Kilometer langen Rundkurs in Montréal. Dort änderte sich der Charakter der Weltmeisterschaft grundlegend.

Eine kleine Fluchtgruppe um die junge US-Amerikanerin Natalie Quinn hatte zwischenzeitlich rund viereinhalb Minuten Vorsprung herausgefahren. Doch mit zunehmender Schwierigkeit des Kurses zerfiel die Gruppe, während im Hauptfeld der Kampf um die entscheidenden Positionen begann.

Rund 95 Kilometer vor dem Ziel wurde aus dem kontrollierten Rennen das erwartete Ausscheidungsfahren. Das Tempo stieg – und mit ihm die Nervosität.

Dann kam es auf gerader Strecke zu einem schweren Massensturz. Etwa ein Dutzend Fahrerinnen ging zu Boden. Besonders schwer erwischte es die Schwedin Caroline Andersson. Sie blieb zunächst regungslos liegen und musste lange medizinisch versorgt werden. Andersson und mehrere weitere Fahrerinnen wurden anschließend ins Krankenhaus gebracht.

Der Sturz beeinflusste auch den sportlichen Verlauf erheblich. Mehrere Mitfavoritinnen verloren den Anschluss, darunter die kanadische Titelverteidigerin Magdeleine Vallieres, die Neuseeländerin Niamh Fisher-Black und Kim Le Court-Pienaar aus Mauritius.

Auch das deutsche Team wurde getroffen. Ricarda Bauernfeind und Linda Riedmann gehörten zu den gestürzten Fahrerinnen und spielten danach im Kampf um die vorderen Plätze keine Rolle mehr.

Damit ruhten die deutschen Hoffnungen vor allem auf Koch, Lippert und Niedermaier. Doch als Vollering 39 Kilometer vor dem Ziel die entscheidende Verschärfung einleitete, konnte das Trio nicht folgen.

Besonders Koch kämpfte weiter. Als Solistin versuchte sie, den Anschluss an die erste Verfolgergruppe herzustellen. Doch auf dem selektiven Kurs von Montréal war die Lücke nicht mehr zu schließen.

Für die Deutsche endet die Weltmeisterschaft trotzdem mit einem starken Ergebnis. Bronze im Einzelzeitfahren und Rang zehn im Straßenrennen zeigen, dass Koch in beiden großen WM-Disziplinen zur erweiterten Weltspitze gehört.

Vollering dagegen verlässt Montréal mit dem Regenbogentrikot. Nach ihrem Triumph bei der Tour de France ist der WM-Titel der nächste Höhepunkt eines außergewöhnlichen Jahres.

OZD/SID

OZD-Kommentar – Koch verliert die Medaille, aber gewinnt internationales Format

Platz zehn klingt nach einer deutlichen Niederlage im Kampf um die Medaillen. Bei genauerem Blick erzählt das Ergebnis von Franziska Koch jedoch eine andere Geschichte.

Sechs Tage zuvor hatte sie im Einzelzeitfahren Bronze gewonnen. Im Straßenrennen gehörte sie erneut zu den besten zehn Fahrerinnen der Welt – auf einem Kurs, der kaum Möglichkeiten bot, fehlende Kraft taktisch zu kaschieren.

Koch selbst bringt es treffend auf den Punkt: Vor ihr landeten neun Weltklassefahrerinnen. Gegen Vollering, Niewiadoma-Phinney, Longo Borghini und die weiteren Spezialistinnen fehlte an diesem Tag schlicht die letzte Leistungsreserve.

Für German Cycling bleibt allerdings eine hartnäckige Serie bestehen. Seit Lisa Brennauers Silber 2014 wartet Deutschland bei den Frauen auf eine weitere Straßen-WM-Medaille.

Montréal hat trotzdem gezeigt, dass die deutsche Mannschaft mehrere Optionen besitzt. Koch, Lippert und Niedermaier können auf höchstem Niveau mithalten.

Und Koch verlässt Kanada mit etwas, das vor dieser Weltmeisterschaft keineswegs selbstverständlich war: einer WM-Medaille und dem Wissen, auch im Straßenrennen zur internationalen Spitze zu gehören.

Historischer Hintergrund

Das Straßenrennen der Frauen gehört zu den wichtigsten Entscheidungen bei den Radsport-Weltmeisterschaften. Neben dem Einzelzeitfahren entscheidet es über das prestigeträchtige Regenbogentrikot, das die Weltmeisterin anschließend ein Jahr lang bei Straßenrennen tragen darf.

Für Deutschland liegt die letzte Medaille in dieser Disziplin inzwischen zwölf Jahre zurück. 2014 gewann Lisa Brennauer Silber.

Franziska Koch hatte bereits sechs Tage vor dem Straßenrennen für einen deutschen Erfolg in Montréal gesorgt. Im Einzelzeitfahren gewann sie Bronze.

Demi Vollering wiederum hatte sich längst als eine der stärksten Rundfahrerinnen ihrer Generation etabliert. Nach Platz zwei bei der Straßen-WM 2023 gelang ihr in Montréal erstmals der Gewinn des Regenbogentrikots.

Zukunftsprognose

Für Vollering dürfte der WM-Titel ihre Stellung im internationalen Frauenradsport weiter festigen. Der Sieg bei der Tour de France und das Regenbogentrikot innerhalb einer Saison unterstreichen ihre Vielseitigkeit.

Für Koch könnte die Weltmeisterschaft ebenfalls einen wichtigen Entwicklungsschritt markieren. Bronze im Zeitfahren und ein Top-Ten-Ergebnis im Straßenrennen liefern Argumente dafür, sie künftig bei großen internationalen Rennen noch stärker als mögliche Kapitänin einzuplanen.

Auch das deutsche Team besitzt mit Liane Lippert und Antonia Niedermaier weitere Fahrerinnen, die auf anspruchsvollen Kursen international konkurrenzfähig sind.

Die große offene Aufgabe bleibt jedoch bestehen: Deutschland wartet im Frauen-Straßenrennen seit 2014 auf eine WM-Medaille.

Wirtschaftlich stärkt Vollerings Erfolg vor allem ihre persönliche Vermarktung und die internationale Sichtbarkeit ihres Teams FDJ. Im professionellen Frauenradsport können Tour- und WM-Erfolge für Sponsoren besonders wertvoll sein. Auswirkungen auf Aktienmärkte, Rohstoffe oder Währungen sind durch das Rennergebnis nicht zu erwarten.

Wer ist Demi Vollering?

Demi Vollering ist eine niederländische Radrennfahrerin und gehört zu den erfolgreichsten Fahrerinnen ihrer Generation. Nach ihrem Tour-de-France-Sieg gewann die 29-Jährige in Montréal erstmals den WM-Titel im Straßenrennen.

Wer ist Franziska Koch?

Franziska Koch ist eine deutsche Radrennfahrerin aus Mettmann. Bei der WM in Montréal gewann die 26-Jährige Bronze im Einzelzeitfahren und belegte im Straßenrennen Platz zehn.

Was bedeutet das Regenbogentrikot?

Das Regenbogentrikot ist das traditionelle Trikot der Radsport-Weltmeister. Die amtierende Weltmeisterin darf es bis zur nächsten WM in der jeweiligen Disziplin tragen.

Warum war der Kurs in Montréal so schwer?

Nach rund 70 vergleichsweise flachen Kilometern führte das Rennen auf einen etwa 15 Kilometer langen anspruchsvollen Rundkurs. Wiederholte Belastungen und Tempoverschärfungen machten daraus ein Ausscheidungsrennen, in dem vor allem die stärksten Fahrerinnen bestehen konnten.

OZD-Extra – Deutschlands Warten dauert seit 2014

Zwölf Jahre sind im Spitzensport eine lange Zeit.

So lange wartet der deutsche Frauenradsport inzwischen auf eine weitere Medaille im WM-Straßenrennen.

2014 holte Lisa Brennauer Silber. Seitdem gelang keiner deutschen Fahrerin der Sprung auf das Podium dieser prestigeträchtigen WM-Disziplin.

In Montréal gab es gleich mehrere Hoffnungen. Koch reiste durch ihre Zeitfahr-Bronzemedaille mit Selbstvertrauen an, Lippert hatte vor dem Rennen ebenfalls auf eine Medaille gehofft.

Am Ende blieb Platz zehn für Koch.

Das Ergebnis zeigt allerdings auch, wie nah Deutschland wieder an der erweiterten Weltspitze ist. Koch gehört nach dieser WM sowohl gegen die Uhr als auch auf der Straße zu den Fahrerinnen, mit denen bei großen Rennen gerechnet werden muss.

Gewinnspiel

Welche Medaille gewann Franziska Koch sechs Tage vor dem Straßenrennen im WM-Einzelzeitfahren?

A: Gold

B: Silber

C: Bronze

D: Keine Medaille

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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.