Fakten im Überblick
Jürgen Klopp hat für die vier Nations-League-Spiele insgesamt 44 Spieler auf zwei verschiedene DFB-Kader verteilt.
Mika Baur, Finn Jeltsch und Vitaly Janelt gehören zu den möglichen Debütanten im zweiten Aufgebot.
Deutschland trifft am Donnerstag in München auf Serbien und am Sonntag in Thessaloniki erneut auf Griechenland.
Neue Gesichter, große Ambitionen und erheblicher Druck: Jürgen Klopps radikales Casting in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft geht in die zweite Runde. Nach dem durchwachsenen Start in die Nations League erhält nun ein weitgehend verändertes Aufgebot die Chance, sich für die Zukunft der DFB-Elf zu empfehlen.
Gleich neun Spieler des aktuellen Kaders könnten ihr Debüt in der deutschen A-Nationalmannschaft feiern. Drei von ihnen stellten sich am Dienstag besonders ausführlich vor: Mika Baur von Celtic Glasgow, Finn Jeltsch vom VfB Stuttgart und Vitaly Janelt vom FC Brentford.
Sie kommen mit unterschiedlichen Stärken, aber einem gemeinsamen Ziel.
"Man will seinen Fußabdruck hinterlassen", sagte Baur.
Der 22 Jahre alte Mittelfeldspieler will seine erste Berufung dennoch bewusst erleben. "Man will alles aufsaugen, die Erfahrung machen. Auch Spaß haben, es genießen. Aber natürlich möchten wir alle spielen, Minuten sammeln."
Gelegenheit dazu könnte es bereits am Donnerstag geben.
Um 20.45 Uhr trifft Deutschland in München auf Serbien. Die Partie wird live im ZDF übertragen. Drei Tage später folgt in Thessaloniki das zweite Nations-League-Duell mit Griechenland.
Die Ausgangslage verleiht Klopps Experiment zusätzliche Brisanz.
Deutschland ist mit einem 1:1 in Amsterdam gegen die Niederlande und einer 0:1-Heimniederlage gegen Griechenland in Augsburg in die neue Nations-League-Saison gestartet.
Gerade die Niederlage gegen tief verteidigende Griechen zeigte ein Problem, das Klopp selbst anschließend thematisierte: Deutschland fand gegen einen kompakten Gegner zu selten Lösungen.
Genau hier glaubt Baur helfen zu können.
Der 1,72 Meter große Mittelfeldspieler spielt inzwischen für Celtic Glasgow. Im schottischen Fußball habe er gelernt, wie schwierig tief stehende Gegner zu bespielen seien.
Gleichzeitig will Baur beweisen, dass körperliche Größe nicht darüber entscheidet, wie unangenehm ein Spieler für den Gegner sein kann.
Während seiner Zeit in Paderborn und nun in Glasgow habe er Gefallen daran gefunden, "eklige Arbeit zu machen, zu kämpfen und mein Herz auf dem Platz zu lassen. Vor und zurück zu sprinten, Zweikämpfe zu führen."
Körperlich sei er zwar nicht der Stärkste. Dennoch könne er "den Gegenspielern wehtun. Da bin ich mittlerweile auf einem super Niveau, dass ich sowohl mit als auch gegen den Ball Input haben kann."
Diese Mischung aus spielerischer Qualität, Laufbereitschaft und aggressivem Gegenpressing passt zu dem Fußball, für den Klopp während seiner Trainerkarriere bekannt geworden ist.
Auch Finn Jeltsch glaubt, dass seine Qualitäten zum neuen Bundestrainer passen.
Der Verteidiger des VfB Stuttgart will sich gegen Serbien und Griechenland "natürlich zeigen, meine Stärken reinbringen, um dem Team zu helfen, das Trainerteam von meinen Qualitäten überzeugen und gut in die Mannschaft reinkommen".
Seine eigene Spielweise beschreibt Jeltsch eindeutig: "Ich bin ein aggressiver Verteidiger. Mutig, auch offensiv denkend, aggressiv nach vorne verteidigend."
Für den 20-Jährigen ist der Sprung zur A-Nationalmannschaft der nächste Schritt einer bemerkenswerten Entwicklung.
Jeltsch kennt große internationale Erfolge bereits aus dem Nachwuchsbereich. Mit Deutschlands U17 wurde er 2023 zunächst Europameister und wenige Monate später auch Weltmeister.
Nun misst er die deutsche A-Nationalmannschaft an der internationalen Spitze.
"Wenn man so Länder sieht wie Spanien, das den Fußball gerade dominiert - da wollen wir auch hinkommen", sagte Jeltsch.
Auch Vitaly Janelt bringt Erfahrung aus einem anspruchsvollen internationalen Fußballumfeld mit.
Der Mittelfeldspieler steht beim FC Brentford in der englischen Premier League unter Vertrag und sieht deutliche Parallelen zwischen der dort verlangten Spielweise und Klopps Vorstellungen.
"In Brentford spielen wir aggressiv gegen den Ball, egal gegen wen - wir versuchen, unserer Linie treu zu bleiben."
Janelt definiert seine Rolle dabei weniger über spektakuläre Einzelaktionen als über Arbeit für die Mannschaft.
"Ich mache die Drecksarbeit für die Jungs vor mir. Ich versuche, ihnen den Weg freizuschaffen."
Der Mittelfeldspieler sieht sich darüber hinaus als kommunikative Kraft innerhalb einer Mannschaft.
Er sei "ein gutes Bindeglied zwischen den Älteren und den Jüngeren. Ich glaube, dass da meine Stärken sind. Dass ich auch relativ präsent bin und meine Meinung sage. Ich versuche, viel zu kommunizieren auf dem Spielfeld. Ich glaube, das kann der Mannschaft sehr helfen."
Genau solche Qualitäten sucht Klopp derzeit.
Der neue Bundestrainer hat für seine ersten vier Nations-League-Partien einen ungewöhnlichen Weg gewählt. Insgesamt nominierte er 44 Spieler und teilte sie auf zwei Aufgebote auf.
Nach den Begegnungen gegen die Niederlande und Griechenland wurde der Kader weitgehend ausgetauscht. Nur ein kleiner Teil der Spieler blieb bei der Mannschaft.
Klopp begründet das XXL-Casting mit einem langfristigen Ansatz. Spieler sollen Gelegenheit bekommen, sich auf höchstem Niveau zu präsentieren und für die kommenden Jahre zu empfehlen.
Doch das Experiment besitzt auch eine kurzfristige sportliche Dimension.
Nach nur einem Punkt aus den ersten beiden Nations-League-Partien benötigt Deutschland Ergebnisse. Gegen Serbien und beim Rückspiel in Griechenland geht es deshalb nicht nur um die Entwicklung einzelner Spieler.
Klopps Neulinge müssen ihre Chance in einer Mannschaft nutzen, die gleichzeitig Punkte braucht.
Für Baur, Jeltsch und Janelt könnte genau diese Kombination aus Konkurrenzdruck und sportlicher Verantwortung zur großen Gelegenheit werden.
Denn ein Debüt im DFB-Trikot ist das eine.
Einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, ist etwas anderes.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Klopps Casting wird jetzt zum Härtetest
44 Spieler für vier Nations-League-Spiele sind ein außergewöhnliches Experiment. Jürgen Klopp will möglichst viele Kandidaten unter Wettkampfbedingungen erleben und gleichzeitig eine Mannschaft entwickeln, die langfristig wieder zur internationalen Spitze gehören soll.
Nach den ersten beiden Spielen zeigt sich allerdings das Spannungsfeld dieser Strategie.
Ein 1:1 gegen die Niederlande und eine 0:1-Niederlage gegen Griechenland sind ein schwieriger Auftakt. Gleichzeitig steht die Nations League nicht nur im Zeichen der Entwicklung. Ergebnisse können für den weiteren Verlauf des Wettbewerbs und perspektivisch auch für Deutschlands Position in internationalen Setzlisten relevant werden.
Deshalb wird der zweite Kader zum wichtigen Test.
Spieler wie Baur, Jeltsch und Janelt bringen genau jene Eigenschaften mit, die Klopp traditionell schätzt: Intensität, aggressives Verteidigen, Laufarbeit, Mut und Bereitschaft zur Arbeit gegen den Ball.
Ob daraus bereits eine funktionierende Nationalmannschaft entsteht, ist eine andere Frage. Internationale Teams benötigen neben Qualität auch Automatismen und Erfahrung miteinander.
Die realistische Prognose: Einige der Neulinge werden sich über die beiden Spiele hinaus im erweiterten DFB-Kreis festsetzen können. Wer das schafft, dürfte weniger von Namen oder bisherigen Stationen abhängen als davon, wie schnell er Klopps Anforderungen unter internationalem Druck umsetzt.
Historischer Hintergrund
Die deutsche Nationalmannschaft befindet sich nach der Weltmeisterschaft 2026 in einer Phase der Neuorientierung. Jürgen Klopp hat das Amt des Bundestrainers übernommen und nutzt die Nations League auch zur Sichtung zahlreicher Spieler.
Für seine ersten vier Spiele nominierte Klopp insgesamt 44 Akteure in zwei unterschiedlichen Aufgeboten.
Der erste Kader bestritt das 1:1 gegen die Niederlande in Amsterdam und die 0:1-Niederlage gegen Griechenland in Augsburg.
Für die Spiele gegen Serbien in München und Griechenland in Thessaloniki wurde die Mannschaft anschließend weitgehend neu zusammengestellt.
Ein derart umfassender personeller Test ist für eine deutsche Nationalmannschaft ungewöhnlich. Klopps Ziel ist es, den Kreis potenzieller Nationalspieler zu erweitern und Spieler frühzeitig an internationales Niveau heranzuführen.
Zukunftsprognose
Sportlich werden die Partien gegen Serbien und Griechenland erste Hinweise darauf liefern, welche der neuen Spieler tatsächlich längerfristig zum Nationalmannschaftskader gehören könnten.
Für Klopp geht es gleichzeitig um die Entwicklung einer klar erkennbaren Spielidee. Aggressives Pressing, schnelles Umschalten und mutiges Verteidigen gehören zu den Elementen, die viele seiner neuen Kandidaten bereits aus ihren Vereinen kennen.
International bleibt Spanien eine wichtige Referenz für Deutschlands Ambitionen. Die DFB-Elf will wieder dauerhaft mit den stärksten europäischen Nationalmannschaften konkurrieren.
Gesellschaftlich und wirtschaftlich bleibt eine erfolgreiche Nationalmannschaft zudem ein bedeutender Faktor für den deutschen Fußball. Große Turniere und erfolgreiche DFB-Teams beeinflussen Zuschauerinteresse, TV-Reichweiten, Sponsoring und die öffentliche Wahrnehmung des Fußballs.
Wer ist Mika Baur?
Mika Baur ist ein deutscher Mittelfeldspieler von Celtic Glasgow. Der 22-Jährige ist 1,72 Meter groß und zeichnet sich durch Laufstärke, Einsatz gegen den Ball und offensive Qualitäten aus.
Sein Vater Markus Baur gehörte zu jener deutschen Handball-Nationalmannschaft, die 2007 Weltmeister wurde.
Wer ist Finn Jeltsch?
Finn Jeltsch ist ein deutscher Innenverteidiger des VfB Stuttgart. Bereits im Nachwuchsbereich feierte er große Erfolge: 2023 wurde er mit Deutschlands U17 Europa- und Weltmeister.
Seinen Spielstil beschreibt Jeltsch selbst als aggressiv, mutig und offensiv denkend.
Wer ist Vitaly Janelt?
Vitaly Janelt ist ein deutscher Mittelfeldspieler des FC Brentford. Durch seine Jahre in der englischen Premier League bringt er Erfahrung aus einer der stärksten Fußballligen der Welt mit.
Janelt sieht seine Stärken insbesondere in der Arbeit gegen den Ball, der Kommunikation und seiner Rolle als Verbindung zwischen verschiedenen Mannschaftsteilen und Altersgruppen.
Was bedeutet Klopps "Kader zwei"?
Für seine ersten vier Nations-League-Spiele nominierte Jürgen Klopp insgesamt 44 Spieler in zwei Aufgeboten. Der zweite Kader ist vor allem für die Partien gegen Serbien am 1. Oktober in München und Griechenland am 4. Oktober in Thessaloniki vorgesehen.
Sechs Spieler aus dem ersten Aufgebot blieben beim Team, weitere ursprünglich für den zweiten Kader vorgesehene Akteure waren aufgrund von Verletzungen bereits früher zur Mannschaft gestoßen.
Was bedeutet die Nations League für Deutschland?
Die UEFA Nations League ist ein Wettbewerb für europäische Nationalmannschaften. Deutschland spielt in der höchsten Spielklasse, Liga A.
Die beiden besten Mannschaften jeder Gruppe erreichen das Viertelfinale. Ergebnisse können darüber hinaus für internationale Ranglisten und Setzverfahren Bedeutung besitzen.
OZD-Extra – Neun Debütanten und eine ungewöhnliche DFB-Wette
Jürgen Klopps XXL-Kader ist mehr als eine gewöhnliche Rotation.
Der Bundestrainer hat für die vier Spiele gegen die Niederlande, Griechenland und Serbien insgesamt 44 Spieler berufen. Damit nutzt er die Nations League bewusst als erweitertes Auswahlverfahren.
Zu den neuen Kandidaten gehören Spieler mit sehr unterschiedlichen Karrierewegen.
Baur sammelte Erfahrungen in Paderborn und spielt inzwischen beim schottischen Traditionsklub Celtic Glasgow. Jeltsch gehört zu Deutschlands erfolgreicher U17-Generation von 2023 und spielt beim VfB Stuttgart. Janelt hat sich über Jahre in der englischen Premier League etabliert.
Für die Bundesliga und deutsche Klubs kann Klopps breiter Auswahlansatz zusätzliche Aufmerksamkeit für junge Spieler schaffen. Auch Akteure außerhalb der größten deutschen Vereine erhalten dadurch eine realistische Perspektive auf die Nationalmannschaft.
Auf Aktien, Rohstoffe und Währungen sind keine relevanten Auswirkungen zu erwarten. Wirtschaftlich interessant ist vielmehr die Vermarktung des DFB-Teams: Neue Nationalspieler können ihren Marktwert und ihre internationale Bekanntheit durch erfolgreiche Auftritte deutlich steigern.
Gewinnspiel
Bei welchem schottischen Traditionsverein spielt DFB-Neuling Mika Baur?
A: Glasgow Rangers
B: Celtic Glasgow
C: Aberdeen FC
D: Heart of Midlothian
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.