Zum Inhalt springen
OZD.news - News und Nachrichten zum Nachschlagen
QR-Code zu www.online-zeitung-deutschland.de
Diesen Artikel teilen

Zwei Hinrichtungsversuche überlebt: UN fordert Tennessee zum Verzicht auf erneute Exekution auf

Christa Pike hat in Tennessee zwei Hinrichtungsversuche überlebt. UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk fordert nun Gnade für die 50-Jährige.

Fakten im Überblick

Christa Pike überlebte am Mittwoch zwei Versuche, sie im US-Bundesstaat Tennessee per Giftspritze hinzurichten.

UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk fordert die Behörden auf, auf einen weiteren Hinrichtungsversuch zu verzichten.

In den USA wurden 2025 insgesamt 47 Menschen hingerichtet, im laufenden Jahr waren es bereits 28.

Nach der gescheiterten Hinrichtung von Christa Pike im US-Bundesstaat Tennessee hat UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk die Behörden eindringlich aufgefordert, die 50-Jährige zu begnadigen und auf einen erneuten Versuch der Vollstreckung zu verzichten. „Die Todesstrafe hat in keiner Gesellschaft einen Platz“, erklärte Türk am Donnerstag im Onlinedienst X. Pike hatte am Mittwoch zwei Versuche überlebt, sie per Giftspritze hinzurichten, und wurde anschließend nach Angaben ihrer Anwälte in ein Krankenhaus gebracht. Über ihren Zustand lagen zunächst keine weiteren Angaben vor. Das UN-Menschenrechtsbüro reagierte mit scharfer Kritik auf den Ablauf. „Der Fall von Christa Pike macht eine Vielzahl von Gründen deutlich, warum die Todesstrafe abgeschafft werden sollte. Das anhaltende körperliche und seelische Leiden durch mehrere gescheiterte Hinrichtungsversuche ist verabscheuungswürdig und grausam.“ Darüber hinaus sieht das Menschenrechtsbüro weiterhin ungeklärte Fragen hinsichtlich eines fairen Verfahrens.

Die geplante Exekution war bereits vor ihrer Durchführung Gegenstand heftiger juristischer und gesellschaftlicher Auseinandersetzungen. Pike wäre die erste Frau seit mehr als 200 Jahren gewesen, die in Tennessee hingerichtet worden wäre. Ihre Verteidiger hatten bis zuletzt versucht, die Vollstreckung zu verhindern. Ein Gnadengesuch war vom republikanischen Gouverneur des Bundesstaates abgelehnt worden, wenige Stunden vor der vorgesehenen Hinrichtung hatte zudem der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten in Washington einen Aufschub aufgehoben. Damit war der Weg für die Exekution frei. Dass Pike anschließend gleich zwei Versuche mit der Giftspritze überlebte, hat die Debatte über die Todesstrafe und insbesondere über die Risiken ihrer praktischen Durchführung erneut verschärft.

Pike sitzt wegen des Mordes an ihrer 19-jährigen Klassenkameradin Colleen Slemmer im Todestrakt. Sie hatte Slemmer 1995 gemeinsam mit ihrem damaligen Freund angegriffen und getötet und wurde anschließend wegen Mordes zum Tode verurteilt. Die Schwere der Tat ist unbestritten. Pikes Anwälte argumentieren jedoch seit Jahren, dass mehrere Umstände bei der Entscheidung über eine Begnadigung stärker berücksichtigt werden müssten. Pike war zum Tatzeitpunkt erst 18 Jahre alt. Die Verteidigung verweist zudem auf langjährigen sexuellen Missbrauch und psychische Probleme. Genau diese Faktoren führten vor der geplanten Exekution zu Forderungen, die Todesstrafe in eine andere Sanktion umzuwandeln. Der Gouverneur von Tennessee folgte diesen Argumenten zunächst nicht.

Der Fall bekommt inzwischen weit über Tennessee hinaus politische und menschenrechtliche Bedeutung. Türk erklärte, er sei grundsätzlich „besorgt über den Anstieg der Hinrichtungen“ in den Vereinigten Staaten. Seit dem erneuten Amtsantritt von Präsident Donald Trump Anfang 2025 ist die Zahl der vollstreckten Todesurteile deutlich gestiegen. Trump unterstützt die Todesstrafe und hat sich dafür ausgesprochen, sie häufiger anzuwenden. Nach Angaben des Death Penalty Information Center wurden im vergangenen Jahr 47 Menschen in den Vereinigten Staaten hingerichtet. Das war der höchste Stand seit 2009. Im laufenden Jahr wurden bereits 28 Todesurteile vollstreckt. Die Vereinigten Staaten bleiben damit eine der wenigen westlichen Demokratien, in denen Menschen staatlich hingerichtet werden.

Mit dem gescheiterten Hinrichtungsversuch steht Tennessee nun vor einer besonders schwierigen Entscheidung. Rechtlich besteht das Todesurteil gegen Pike zunächst weiter, zugleich hat die 50-Jährige bereits zwei Versuche ihrer Hinrichtung überlebt. Menschenrechtsorganisationen und die Vereinten Nationen sehen gerade darin ein Beispiel für das Risiko zusätzlichen körperlichen und psychischen Leidens durch die Todesstrafe. Türk fordert deshalb nicht lediglich eine Untersuchung der misslungenen Exekution, sondern eine endgültige Begnadigung Pikes und grundsätzlich die Abschaffung der Todesstrafe. Ob Tennessee dieser Forderung folgt, ist offen. Sicher ist dagegen, dass der Fall die amerikanische Debatte über die Kapitalstrafe weit über die Grenzen des Bundesstaates hinaus neu entfacht hat.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Nach zwei gescheiterten Versuchen steht Tennessee vor einer Grundsatzfrage

Der Mord an Colleen Slemmer war ein schweres Verbrechen. Ihre Familie hat Anspruch darauf, dass dieses Verbrechen nicht hinter der aktuellen Diskussion über Christa Pike verschwindet. Gleichzeitig wirft der gescheiterte Hinrichtungsversuch Fragen auf, denen sich Tennessee nicht entziehen kann.

Ein Mensch wird auf seine Hinrichtung vorbereitet, die Exekution beginnt – und der staatlich vorgesehene Tod tritt nicht ein. Geschieht dies mehrfach, geht es nicht mehr allein um technische Probleme bei der Vollstreckung. Es geht um die Frage, welches zusätzliche körperliche und psychische Leiden der Staat bei der Durchsetzung eines Todesurteils verursachen darf.

Genau darauf zielt die Kritik des UN-Menschenrechtskommissars. In den Vereinigten Staaten stehen sich bei dieser Frage grundsätzlich unterschiedliche Positionen gegenüber. Gegner der Todesstrafe sehen den Fall als Beleg dafür, dass eine kontrollierte und humane Exekution nicht garantiert werden kann. Befürworter halten dagegen am staatlichen Recht zur Vollstreckung rechtskräftiger Todesurteile fest.

Für Tennessee wird nun entscheidend sein, wie die Behörden mit Pike weiter verfahren. Ein erneuter Hinrichtungsversuch würde mit hoher Wahrscheinlichkeit neue Gerichtsverfahren und eine noch intensivere internationale Debatte auslösen.

Historischer Hintergrund

Die Todesstrafe besitzt in den Vereinigten Staaten eine lange und umstrittene Geschichte. 1972 stoppte der Oberste Gerichtshof die damalige Anwendung der Kapitalstrafe faktisch. Vier Jahre später ließ das Gericht sie unter veränderten gesetzlichen Voraussetzungen wieder zu.

Seitdem wurden in den USA mehr als 1.600 Menschen hingerichtet. Die Giftspritze entwickelte sich zur am häufigsten eingesetzten Methode, obwohl es wiederholt zu Problemen bei Exekutionen kam.

Christa Pike wäre die erste Frau seit mehr als 200 Jahren gewesen, die in Tennessee hingerichtet worden wäre. Allein diese historische Besonderheit hatte dem Fall bereits vor dem gescheiterten Vollzug große Aufmerksamkeit verschafft.

Zukunftsprognose

Für Christa Pike dürfte der juristische Kampf weitergehen. Ihre Anwälte werden voraussichtlich argumentieren, dass ihr nach zwei gescheiterten Hinrichtungsversuchen keine weitere Exekution zugemutet werden darf. Gleichzeitig bleibt das ursprüngliche Todesurteil bestehen, solange es nicht aufgehoben oder in eine andere Strafe umgewandelt wird.

Auch politisch dürfte der Fall Folgen haben. Tennessee wird sich mit dem Ablauf der Hinrichtung beschäftigen müssen, während Menschenrechtsorganisationen und die Vereinten Nationen den Druck zur Begnadigung erhöhen.

Auf nationaler Ebene fällt der Fall in eine Phase steigender Hinrichtungszahlen. Damit dürfte die grundsätzliche Auseinandersetzung über die Todesstrafe in den USA weiter an Intensität gewinnen.

Wer ist Christa Pike?

Christa Pike wurde wegen des Mordes an ihrer 19-jährigen Klassenkameradin Colleen Slemmer zum Tode verurteilt. Die Tat geschah 1995, als Pike 18 Jahre alt war.

Ihre Anwälte verweisen im Kampf gegen die Todesstrafe auf ihr junges Alter zur Tatzeit, langjährigen sexuellen Missbrauch und psychische Probleme. Ein Gnadengesuch wurde vor der geplanten Hinrichtung abgelehnt.

Wer ist Volker Türk?

Volker Türk ist seit Oktober 2022 Hoher Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte. Der österreichische Jurist leitet das UN-Menschenrechtsbüro und äußert sich regelmäßig zu Menschenrechtsverletzungen und internationalen Konflikten.

Die Vereinten Nationen setzen sich seit Jahren für eine weltweite Abschaffung der Todesstrafe ein.

Warum ist die Todesstrafe in den USA weiterhin erlaubt?

Die Vereinigten Staaten haben kein landesweit einheitliches Verbot der Todesstrafe. Die gesetzlichen Regelungen unterscheiden sich zwischen den einzelnen Bundesstaaten. Ein Teil hat die Kapitalstrafe abgeschafft, andere Bundesstaaten halten daran fest.

Auch auf Bundesebene kann die Todesstrafe für bestimmte schwere Straftaten verhängt werden. Ihre Anwendung bleibt politisch und gesellschaftlich stark umstritten.

OZD-Extra – Hinrichtungszahlen steigen wieder deutlich

Der Fall Pike fällt in eine Phase, in der in den Vereinigten Staaten wieder deutlich mehr Todesurteile vollstreckt werden. Nach Angaben des Death Penalty Information Center wurden 2025 insgesamt 47 Menschen hingerichtet – so viele wie seit 2009 nicht mehr.

Im laufenden Jahr wurden bereits 28 Hinrichtungen vollstreckt. UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk äußerte sich deshalb ausdrücklich besorgt über die Entwicklung.

Damit geht es im Fall Pike längst nicht mehr nur um das Schicksal einer einzelnen Todeskandidatin. Die gescheiterte Exekution ist zu einem neuen Brennpunkt der amerikanischen und internationalen Debatte über die Todesstrafe geworden.

Gewinnspiel

Wie alt war Christa Pike zum Zeitpunkt der Tat im Jahr 1995?

A: 16 Jahre

B: 17 Jahre

C: 18 Jahre

D: 21 Jahre

https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen

Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.