Fakten im Überblick
Cristiano Ronaldo wirft Nationaltrainer Jorge Jesus gebrochene Zusagen vor.
Ronaldo bittet Fans und Mitspieler um Entschuldigung für sein Verhalten.
Ronaldo will für Portugal weiterspielen, verlangt aber Trainerwechsel.
Cristiano Ronaldo hat mit deutlichen Vorwürfen gegen Nationaltrainer Jorge Jesus für Aufsehen gesorgt. In einer Erklärung schilderte der 41-Jährige den Bruch zwischen ihm und dem Coach und legte „die Wahrheit“ über seine abrupte Abreise aus dem Nationalteam offen. Ronaldo warf Jesus vor: „Der Trainer hat sein Wort mir gegenüber gebrochen“. Einen Rücktritt schloss der Superstar zwar aus, machte seine weitere Karriere in der Selecao aber von einer Ablösung des Trainers abhängig.
Ronaldo entschuldigte sich in seinem Schreiben ausdrücklich bei den Portugiesen und „bei meinen Mitspielern“ dafür, dass er nach dem Nations-League-Spiel in Norwegen das Team verlassen hatte. Zur Begründung führte er an: „Ich habe beschlossen, das Trainingscamp zu verlassen anstatt auf weitere gebrochene Versprechen zu warten. Trotz des vollständigen Vertrauensverlusts in den Coach hätte ich das nicht tun sollen.“ Wie Ronaldo in den sozialen Netzwerken ausführte, war vor allem die Nichteinhaltung vorheriger Absprachen zu seinen Einsätzen in den Nations-League-Spielen der Auslöser. Besonders schwer wog für ihn, dass er im Hinspiel gegen Norwegen am 27. September entgegen der Ankündigung nicht eingesetzt wurde.
Jesus hatte nach dem 2:1 im Rückspiel gegen Norwegen betont: „Wir können vor der nächsten Nominierung sprechen, aber Cris ist derjenige, der entscheiden wird“. Eine Entschuldigung gegenüber Ronaldo äußerte er nicht. Ronaldo ließ verlauten, er werde dem Nationalteam „immer“ zur Verfügung stehen. Er berichtete zudem, er habe nach der WM eigentlich zurücktreten wollen, sei aber vom Verbandspräsidenten Pedro Proença „eindringlich gebeten“ worden, weiterzumachen. Zudem habe ihn der Präsident zur Verpflichtung von Jorge Jesus befragt, worauf Ronaldo geäußert habe: „Ich sagte dem Präsidenten des Verbands, dass dies aus meiner Sicht die richtige Wahl wäre.“ Zum Zeitpunkt der Vorstellung habe er sich „wirklich glücklich über diese Entscheidung“ gefühlt. Ronaldo betonte zur Bilanz der Mannschaft: „es war die richtige Entscheidung, wie die Ergebnisse bestätigen“, denn mit vier Siegen aus vier Spielen ist Portugal bereits fürs Viertelfinale qualifiziert.
Ungeachtet sportlicher Erfolge bleibt die Zukunft des Rekordtorschützen im Verband offen – die Risse zwischen Ronaldo und Jesus werfen einen Schatten auf das bislang so erfolgreiche Team.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Eine Nationalikone am Scheideweg
Cristiano Ronaldo zieht öffentlich eine klare Grenze – und stellt den Wert von Ehrlichkeit und Vereinbarungen in den Mittelpunkt. Wer als Ikone das Gefühl hat, Ziele gemeinschaftlich zu verfolgen, erwartet zu Recht Verbindlichkeit von allen Seiten. In der aktuellen Situation zeigt sich die Stärke wie auch die Verletzbarkeit eines Weltstars. Dass Ronaldo dennoch selbstkritische Töne wählt, steht ihm gut zu Gesicht. Die Führung des Verbandes ist jetzt gefordert. Sie muss auf Ronaldo zugehen, um den Teamfrieden wiederherzustellen – ohne dabei das Ansehen des Trainers restlos zu beschädigen. Ich halte es für wahrscheinlich, dass beide Seiten zu einem Gespräch bereit sein werden. Nur so kann Portugals Erfolgsgeschichte weitergehen.
Historischer Hintergrund
Cristiano Ronaldo prägt die portugiesische Nationalmannschaft seit fast zwei Jahrzehnten wie kein anderer Spieler. Nach der Weltmeisterschaft wurde Jorge Jesus als Nationaltrainer verpflichtet, auch auf Empfehlung wichtiger Persönlichkeiten im Verband. Portugals größter internationaler Erfolg ist der EM-Titel von 2016. Der aktuelle Konflikt spiegelt die enormen Erwartungen und die sensible Balance zwischen Führung und Teamspirit auf höchster Ebene wider.
Zukunftsprognose
Sollte die Kluft zwischen Ronaldo und Jesus bestehen bleiben, könnte dies personelle Konsequenzen beim Trainerteam oder einen endgültigen Bruch mit Ronaldo nach sich ziehen. Ein weiteres Szenario wäre ein Gespräch, bei dem Vertrauen wieder aufgebaut wird. Der sportliche Erfolg der Mannschaft hängt davon ab, ob die Führung die Interessen beider Seiten in Einklang zu bringen vermag. International würde eine längere Krise die Position Portugals schwächen.
Erklärungen
Wer ist Cristiano Ronaldo?
Cristiano Ronaldo ist Rekordnationalspieler Portugals und weltweit als einer der erfolgreichsten Fußballer bekannt. Er steht seit zwanzig Jahren im Rampenlicht der größten Wettbewerbe.
Was ist die Nations League?
Die UEFA Nations League ist ein Wettbewerb für europäische Nationalmannschaften. Ziel ist es, mehr attraktive Spiele und sportlichen Vergleich außerhalb von Freundschaftsspielen zu bieten.
OZD-Extras
Der öffentlich ausgetragene Zwist zwischen Ronaldo und Jesus beschäftigt nicht nur portugiesische Fans, sondern findet europaweit Beachtung. Künftige Personalentscheidungen des Verbands werden aufmerksam verfolgt. Die Verunsicherung kann auch auf den Marktwert und die Wahrnehmung portugiesischer Spieler Einfluss nehmen, wobei der aktuelle sportliche Erfolg vorerst für Ruhe sorgt. Ein nachhaltiger Börseneffekt auf Fußballaktien in Verbindung mit dem Konflikt ist nicht belegbar.
Gewinnspiel
Wer ist aktuell Nationaltrainer der portugiesischen Fußballnationalmannschaft?
A) Jorge Jesus
B) Fernando Santos
C) José Mourinho
D) Carlos Queiroz
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.