Fakten im Überblick
Ein russischer Raketenangriff in der Region Tschernihiw forderte mindestens 14 Todesopfer, darunter vier Kinder.
Kiew und andere Städte der Ukraine erlebten neue schwere Angriffe und Angst in der Bevölkerung.
Die EU-Mitgliedstaaten bereiten weitere Sanktionen gegen Russland vor.
Ein verheerender russischer Raketenangriff hat in der nordukrainischen Stadt Pryluky mindestens 14 Menschenleben gefordert, unter den Opfern sind nach Angaben der Rettungsdienste auch vier Kinder. Das Wohngebäude in der Region Tschernihiw wurde völlig zerstört, 50 weitere Menschen erlitten Verletzungen. 15 Menschen konnten noch rechtzeitig gerettet werden. Während Einsatzkräfte fieberhaft nach Überlebenden suchen, erschüttert die erneute Gewalt zahlreiche Familien und versetzt die ganze Ukraine in tiefe Angst.
In Kiew suchten zahlreiche Menschen Schutz in U-Bahn-Stationen, packten Habseligkeiten zusammen und warteten angespannt aus. „Wir haben unsere Sachen gepackt und sind hierher gekommen, wir leben direkt nebenan“, schilderte eine Bankangestellte im Gespräch mit AFP. Nach Einschätzungen von Präsident Wolodymyr Selenskyj handelte es sich um „einen der abscheulichsten Angriffe“ seit Beginn des Krieges. Die Menschen sind von der Angst vor einem weiteren harten Winter gezeichnet, da die russischen Attacken gezielt die Energieinfrastruktur treffen. Bürgermeister Vitali Klitschko beschreibt die Lage als „extrem dramatisch“ und warnte zuletzt, dass Kiew „in Stücke gerissen“ werde.
Weitere Angriffe trafen auch Hochhäuser in Dnipro und Krementschuk, dabei kamen laut Selenskyj insgesamt mindestens 20 Menschen ums Leben. In der Hauptstadt Kiew sorgt insbesondere das nächtliche Heulen der Sirenen für permanente Anspannung. Die ukrainische Luftwaffe meldete, dass in der Nacht mehr als 50 Raketen und 130 Drohnen abgefeuert wurden. Davon konnten zahlreiche Geschosse abgefangen werden, doch viele kamen durch. Präsident Selenskyj sprach von einem „massiven“ Angriff und warnte, dass ballistische Raketen die „größte Herausforderung“ für die Verteidigung seien. Er forderte weitere Luftabwehrsysteme und internationale Unterstützung, um solch schwerwiegende Schläge abzuwehren.
Als Reaktion auf die anhaltenden Angriffe einigten sich die EU-Staaten auf eine Ausweitung ihrer Sanktionen gegen Russland. Fast 1600 Verantwortliche und Organisationen sollen betroffen sein. Damit reagiert die Staatengemeinschaft auf die russische Kriegsführung mit bislang 21 umfangreichen Sanktionspaketen, ein weiteres Paket wird bereits diskutiert.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Russlands Härte trifft die Ukraine mitten ins Herz
Der erneute Raketenangriff bringt das unermessliche Leid des ukrainischen Alltags bitter zum Vorschein. Wohngebäude, die zur Zuflucht vieler werden, verlieren binnen Sekunden jede Sicherheit. Die gezielte Zerstörung der lebenswichtigen Infrastruktur rückt die Krise für Millionen Ukrainer wieder in greifbare Nähe. Wenn nicht bald entschiedene Hilfe von außen kommt, droht den Menschen ein dunkler, eiskalter Winter. Dass die EU weiter Sanktionen verhängt, zeigt zwar Entschlossenheit, verändert aber kurzfristig nicht das blanke Entsetzen, das der Angriff hinterlässt. Es droht ein neuer gnadenloser Winter – und ohne wirksame Hilfe könnten die Tiefschläge anhalten.
Historischer Hintergrund
Seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine im Februar 2022 gibt es immer wieder massive Luftangriffe auf ukrainische Städte. Die gezielten Angriffe auf Wohngebäude und kritische Infrastruktur haben in den vergangenen Monaten zugenommen. Die Europäische Union reagiert seit Kriegsbeginn mit mehreren Sanktionspaketen gegen Russland, deren Umfang zunehmend ausgedehnt wird.
Zukunftsprognose
Für die Ukraine könnte sich die Lage mit herannahendem Winter weiter verschärfen, sollten russische Angriffe auf die Energieinfrastruktur fortgesetzt werden. Politisch ist davon auszugehen, dass die EU und internationale Partner den Druck auf Russland mit weiteren Sanktionen erhöhen. Gesellschaftlich droht in den betroffenen Regionen eine Zunahme an Not und Verunsicherung der Bevölkerung. Internationale Auswirkungen sind insbesondere für die Energie- und Flüchtlingsfrage zu erwarten, sofern sich die Situation zuspitzt.
Erklärungen
Was ist die Region Tschernihiw?
Die Region Tschernihiw liegt im Norden der Ukraine an der Grenze zu Belarus und Russland. Sie ist mehrfach Ziel russischer Angriffe seit Kriegsbeginn.
Was sind Sanktionen?
Sanktionen sind wirtschaftliche oder diplomatische Strafmaßnahmen, mit denen Staaten auf Verstöße gegen internationales Recht reagieren. Die EU richtet Sanktionen seit 2022 gegen russische Verantwortliche und Organisationen.
OZD-Extras
Die ukrainische Luftwaffe konnte einen Großteil der abgefeuerten Drohnen und Raketen abfangen, dennoch trafen mehrere Geschosse zivile Ziele.
An den Finanzmärkten könnten neue EU-Sanktionen gegen Russland Unsicherheiten bei Energieträgern auslösen. Die konkreten Auswirkungen auf Rohstoffpreise bleiben noch abzuwarten.
Gewinnspiel
Wie viele Sanktionspakete hat die EU bisher gegen Russland beschlossen?
A) 17
B) 19
C) 21
D) 23
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.