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Wohnungsbau steigt Erholung am Bau nimmt wieder Fahrt auf

Wohnungsbau in Deutschland legt zu: Im August werden mehr neue Wohnungen genehmigt. Bringt der Trend bezahlbaren Wohnraum und Stabilität zurück?

Fakten im Überblick

Im August wurden in Deutschland rund 20.600 neue Wohnungen genehmigt, das sind 6,8 Prozent mehr als im Vorjahr.

In den ersten acht Monaten des Jahres stieg die Zahl genehmigter Wohnungen um 12,1 Prozent auf 169.400.

Trotz des Anstiegs bleibt das Gesamtvolumen deutlich unter den Werten von 2021.

Neue Zahlen vom Statistischen Bundesamt wecken Hoffnung am Bau: Im August wurden 20.600 neue Wohnungen in Deutschland genehmigt – das entspricht einem deutlichen Anstieg von 6,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Nach einem bereits starken ersten Halbjahr war der Trend im Juli kurzzeitig abgeflacht, legte nun aber wieder zu. Im Gesamtzeitraum von Januar bis August stieg die Zahl der Baugenehmigungen auf 169.400 Wohnungen, wie die Statistiker in Wiesbaden bekannt gaben. Das Plus beträgt damit 12,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Trotz dieser positiven Entwicklung bleibt das Niveau relativ niedrig. Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe, ordnet ein: „Das klingt nach viel, ist aber noch immer rund ein Drittel weniger als 2021, als im selben Zeitraum über 250.000 Wohnungen genehmigt wurden“. Weiter warnte er: „Wir erholen uns von einem historischen Tiefpunkt, von einem normalen Niveau sind wir noch weit entfernt.“ Er machte zudem deutlich, dass eine Genehmigung nicht automatisch den Bau bedeute, da die derzeit hohen Preise oft Investoren wie Bauherren zögern lassen.

Auch Tim-Oliver Müller vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie bremst die Euphorie: „Der Aufwärtstrend ist erfreulich, eine heute genehmigte Wohnung ist aber erst frühestens Ende 2028 fertiggestellt“. Als Gründe für die andauernde Vorsicht bei Bauherren und Investoren nennt er: „Die zwischenzeitlich auftretenden Risiken wie steigende Kosten für Baumaterialien und höhere Finanzierungskosten lassen Investoren und Bauherren vor dem Projektstart zögern.“ Ein strukturelles Problem bleibt unverändert: „Wir brauchen jährlich rund 320.000 neue Wohnungen, darunter 100.000 Sozialwohnungen“, betont Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft. Für dieses Jahr wird jedoch nur mit rund 200.000 fertiggestellten Wohnungen gerechnet, so Gedaschko: „Tatsächlich werden in diesem Jahr voraussichtlich nur rund 200.000 Wohnungen fertiggestellt.“

Die größte Zahl an neuen Genehmigungen entfällt dabei auf Mehrfamilienhäuser. Bis Ende August wurden 90.600 neue Wohnungen in diesen Gebäuden genehmigt, ein Plus von 14,5 Prozent. Auch bei Einfamilienhäusern und Zweifamilienhäusern gab es zweistellige Wachstumsraten. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Marco Luczak sieht im neuen Trend den Abwärtstrend beim Wohnungsbau als „gebrochen“. Dem pflichtet er bei: „Das sind gute Nachrichten für alle Menschen, die auf der Suche nach einer bezahlbaren Wohnung sind und für unsere Volkswirtschaft“.

Allerdings dämpft das Ifo-Institut die allgemeine Zuversicht. Die Entwicklung der EZB-Leitzinsen sowie die Erwartung höherer Finanzierungskosten belasten die Branche laut Institutsumfrage spürbar. Klaus Wohlrabe vom Ifo-Institut analysiert dazu: „Die Zinserhöhung der EZB dürfte die Zuversicht im Wohnungsbau gedämpft haben“. Zudem merkt er an: „Die Aussicht auf wieder höhere Finanzierungskosten belastet die Branche.“ Der leichte Aufschwung bei den Genehmigungen ist also schon jetzt mit Unsicherheiten behaftet. Viele Experten befürchten, dass die bessere Entwicklung bei den Zahlen am Papier bleibt und nicht zwingend mehr Wohnraum entsteht.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Zwischen Hoffnungsschimmer und weiterem Handlungsbedarf

Die Genehmigungszahlen im Wohnungsbau zeigen erstmals seit langem einen Aufwärtstrend – ein Hoffnungsschimmer nach Monaten der Krisenbotschaften. Dennoch ist die Erleichterung gedämpft. Denn Genehmigungen sind nur der erste Schritt: Hohe Baukosten, teure Kredite und wirtschaftliche Unsicherheiten halten viele Investoren vom tatsächlichen Baustart ab. Ein Drittel unter dem Niveau von 2021, dabei steigt der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum weiter. Politische Initiativen und gezielte Investitionen scheinen notwendiger denn je. Es bleibt der Eindruck, dass der Wohnungsmarkt zwar aufatmen kann, aber noch nicht nachhaltig entlastet wird. Kurzfristig ist keine grundlegende Wende zu erwarten – ein echter Impuls kann nur durch konsequentes Gegensteuern entstehen. Die Prognose: Ohne ein entschlossenes Maßnahmenpaket von Wirtschaft und Politik könnten die Erholungstendenzen schon bald wieder verpuffen.

Historischer Hintergrund

Die Entwicklung des Wohnungsbaus in Deutschland ist seit Jahren ein zentrales Thema. Bereits in den vergangenen Jahrzehnten prägten hohe Baunachfrage, regionale Engpässe und politische Initiativen die Debatte. In den Jahren 2021 und 2022 verzeichnete Deutschland einen starken Rückgang bei Baugenehmigungen, unter anderem bedingt durch steigende Baupreise und wirtschaftliche Unsicherheiten. Die aktuellen Zahlen markieren einen möglichen Wendepunkt, bewegen sich aber weiterhin deutlich unter den Höchstständen der vergangenen Jahre.

Zukunftsprognose

Sollte sich der Aufwärtstrend bei den Baugenehmigungen fortsetzen, könnten mittelfristig mehr Wohnungen entstehen und so der Druck auf dem Wohnungsmarkt etwas sinken. Prognosen gehen jedoch davon aus, dass hohe Kosten und langfristige Bauzeiten den Anstieg der Fertigstellungen bremsen werden. Sollte die EZB ihren restriktiven Kurs beibehalten, könnten Investoren weiter zögern und die Erholung ausgebremst werden. Ein wirklicher Durchbruch auf dem Wohnungsmarkt wird daher auch von politischen und finanziellen Rahmenbedingungen abhängen.

Erklärungen

Was ist eine Baugenehmigung?

Eine Baugenehmigung sind die behördlichen Erlaubnisse, die notwendig sind, um ein Bauprojekt legal zu beginnen. Sie wird von den zuständigen Baubehörden vergeben und prüft, ob das geplante Projekt alle Vorschriften und Baugesetze erfüllt.

OZD-Extras

Der Umbau von Bestandsgebäuden schafft zunehmend zusätzlichen Wohnraum – im Jahr 2023 wurden 29.100 neue Wohnungen allein durch Umbaumaßnahmen genehmigt. Eine schnelle Entspannung auf dem Wohnungsmarkt wird von Experten als unwahrscheinlich bewertet, auch Börse und Immobilienpreise sind weiterhin von Unsicherheit geprägt. Die Erwartung kurz- bis mittelfristiger Kursanstiege bleibt daher verhalten.

Gewinnspiel

Wie viele neue Wohnungen wurden in Deutschland im August genehmigt?

A) Rund 20.600

B) Rund 50.000

C) Rund 100.000

D) Rund 250.000

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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.