Fakten im Überblick
Der Bundestag beschließt das Digitale Identitätengesetz für die digitale Brieftasche.
Ab 2027 kann das Smartphone freiwillig als Ausweis genutzt werden.
Laut Bitkom kannten 46 Prozent der Deutschen die EUDI-Wallet nicht.
Der Bundestag hat mit den Stimmen von Union und SPD dem Gesetz zur Einführung einer digitalen Brieftasche zugestimmt und damit einen entscheidenden Schritt in Richtung digitaler Verwaltung gemacht. Bürgerinnen und Bürger sollen ab Januar 2027 in der Lage sein, ihre Identität bequem und freiwillig über das Smartphone nachzuweisen, etwa zur Altersprüfung oder beim Abschluss eines Vertrags. Bundesdigitalminister Karsten Wildberger erklärte, das Smartphone solle „zum sicheren und bequemen Ausweis für den Alltag“ werden. Die digitale Brieftasche, die in der Europäischen Union als EUDI-Wallet und in Deutschland unter dem Namen d-you bekannt ist, soll außerdem die Verwaltung von digitalen Dokumenten sowie elektronische Unterschriften erleichtern.
Neben den Regierungsfraktionen stimmten auch Interessenverbände wie der Handelsverband HDE für die Neuerung. Der HDE bezeichnete den Beschluss als „wichtigen Schritt“ und betonte, entscheidend werde sein, „dass sie im Alltag einen echten Mehrwert bietet und von möglichst vielen Menschen genutzt werden kann“. Eine vom Digitalverband Bitkom veröffentlichte Umfrage zeigt, dass 53 Prozent der Deutschen die EUDI-Wallet „auf jeden Fall“ oder „eher schon“ nutzen wollen, jeweils 21 Prozent gaben an, dies „auf keinen Fall“ oder „eher nicht“ zu wollen, und 5 Prozent machten dazu keine Angaben. Die Bekanntheit der Wallet ist bislang noch gering: 46 Prozent der Bevölkerung hatten nach Angaben von Bitkom noch nie von der EUDI-Wallet gehört, zu Jahresbeginn waren es 52 Prozent.
Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst forderte: „Bund, Länder und vor allem die Ämter und Behörden vor Ort müssen rasch und deutlich kommunizieren, welche konkreten Vorteile die Wallet-Nutzung den Menschen bringt“. Digitalminister Wildberger sieht im Beschluss auch einen Vertrauensvorschuss, erklärte aber: „Wir wollen aber auch diejenigen überzeugen, die das Projekt noch nicht kennen“. Um den Zugang möglichst einfach zu gestalten, kündigte er an: „Dafür machen wir den Einstieg so einfach wie möglich“. Dazu gehört ein neu aufgelegter kostenloser PIN-Rücksetzdienst für den Personalausweis: „Wir haben den kostenlosen PIN-Rücksetzdienst für den Personalausweis wieder auf den Weg gebracht: Niemand soll mehr aufs Amt müssen, nur um seine Wallet zu aktivieren“. Wer beim Ausweis die PIN vergessen hat oder den PIN-Brief verloren hat, kann nun online einen neuen PIN-Rücksetzbrief beantragen, ohne dafür zum Bürgeramt gehen zu müssen.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Der digitale Ausweis braucht Vertrauen und Engagement
Mit dem beschlossenen Digitale Identitätengesetz hat der Bundestag ein zukunftsweisendes Signal gesetzt. Moderne Verwaltung und digitale Lösungen werden endlich greifbar. Doch eine neue Technologie entfaltet ihren Wert nur dann, wenn die Menschen sie annehmen. Viele kennen die digitale Brieftasche noch nicht, die Unsicherheiten sind spürbar. Entscheidend ist jetzt, Bürgerinnen und Bürger effektiv zu informieren und zu motivieren – und vor allem alle Zweifel an Sicherheit und Alltagstauglichkeit zu entkräften. Klar ist: Erst wenn die Vorteile für alle im Alltag spürbar werden, kann die digitale Brieftasche ein echter Erfolg werden. Es bleibt abzuwarten, wie konsequent die Aufklärung erfolgt – und wie stark der Wandel im Alltag tatsächlich sichtbar wird.
Meine Einschätzung: Das eigentliche Schlüsselthema der kommenden Jahre bleibt das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger. Ohne systematische Information und einfache Nutzbarkeit wird die digitale Brieftasche nicht zur Selbstverständlichkeit im Alltag.
Historischer Hintergrund
Mit dem Digitale Identitätengesetz schafft Deutschland erstmals die gesetzliche Grundlage für eine digitale Brieftasche, die Bürgerinnen und Bürger freiwillig nutzen können. Die Idee einer länderübergreifend nutzbaren digitalen Identität wird seit einiger Zeit auch auf europäischer Ebene verfolgt. Die EUDI-Wallet soll EU-weit funktionieren und die bisherigen oft papierbasierten oder analogen Verfahren modernisieren.
Zukunftsprognose
Ob sich die digitale Brieftasche im Alltag durchsetzt, hängt von der Akzeptanz der Nutzer und dem wahrgenommenen Mehrwert ab. In Deutschland wird die Nutzung freiwillig bleiben. Sollten mehr Menschen die Vorteile im Alltag erkennen, könnte das Smartphone mittelfristig zum bevorzugten Ausweismittel werden.
Mögliche politische Debatten könnten sich künftig auf Datenschutz und Zugänglichkeit konzentrieren. Gesellschaftlich würde eine breite Nutzung viele Behördengänge vereinfachen, wirtschaftlich können Anbieter digitaler Dienstleistungen profitieren. International dürfte das deutsche Modell innerhalb der EU aufmerksam beobachtet werden, auch weil die EUDI-Wallet europaweit eingeführt wird.
Wie sich die Einführung auf andere EU-Staaten auswirkt, lässt sich derzeit noch nicht umfassend abschätzen.
Erklärungen
Was ist die digitale Brieftasche?
Die digitale Brieftasche – auch EUDI-Wallet oder d-you genannt – ist eine App fürs Smartphone. Sie erlaubt es, sich auszuweisen, digitale Dokumente zu verwalten und Verträge elektronisch zu unterschreiben. Die Nutzung ist freiwillig.
Für wen ist die digitale Brieftasche gedacht?
Das Angebot richtet sich an Bürgerinnen und Bürger in Deutschland ab 2027, die ein kompatibles Smartphone besitzen.
OZD-Extras
Eine repräsentative Bitkom-Umfrage ergab, dass mit 46 Prozent fast die Hälfte der Deutschen im Herbst 2023 noch nie vom Begriff EUDI-Wallet gehört hatte.
Gewinnspiel
Wie wird die digitale Ausweis-Brieftasche in Deutschland auch genannt?
A) d-you
B) eVista
C) Smart-ID
D) MyDigit
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.