Fakten im Überblick
Globale Treibhausgasemissionen liegen laut UN-Report "auf Rekordstand".
Selbst bei voller Einhaltung der Zusagen droht eine Erwärmung um 2,8 Grad.
Das Überschreiten der 1,5-Grad-Grenze gilt laut Guterres als kaum mehr abwendbar.
Die Menschheit ist laut UN-Umweltprogramm "gefährlich weit" von den eigenen Klimazielen entfernt. Dies unterstreicht der neue Emissions Gap Report, der die Kluft zwischen den im Pariser Abkommen vereinbarten Werten und den tatsächlichen Emissionen dokumentiert. António Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen, erklärte bei der Vorstellung, die nationalen Klimaschutzmaßnahmen seien völlig unzureichend, die Emissionen liegen weiterhin "auf Rekordstand". Der Bericht erscheint nur drei Wochen vor dem Start der Weltklimakonferenz in Antalya und verdeutlicht die Dringlichkeit des Themas.
Selbst wenn alle Staaten ihre aktuellen Versprechen vollständig einlösen, steuere die Welt laut Bericht bis 2100 auf eine Erwärmung um 2,6 Grad zu. Beim bisherigen Kurs sei sogar mit 2,8 Grad Erwärmung zu rechnen. Das Ziel, die Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, wie es das Pariser Klimaabkommen 2015 vorsieht, gilt laut Guterres im Grunde als unerreichbar: "Die Welt kann es nicht mehr verhindern, die 1,5-Grenze zu überschreiten, und die Konsequenzen sind jetzt schon zerstörerisch". Er nennt als Folgen "Tödliche Überflutungen, brutale Hitzewellen, wütende Waldbrände, Todesfälle, gelähmte Volkswirtschaften, sich vertiefende Ungleichheiten und diejenigen, die am wenigsten verantwortlich sind, leiden am meisten".
Die Emissionen aus Kohle, Erdöl und Erdgas steigen laut UN-Bericht weiterhin und zählen zu den Hauptantrieben der Krise. Auch energieintensive Sektoren wie Stromerzeugung und Verkehr entwickeln sich laut Report "in die falsche Richtung". Besonders stechen die USA hervor, die 2025 gegenüber dem Vorjahr 133 Megatonnen mehr Treibhausgase ausstießen – ein Plus, das laut der Autoren "bei weitem übertreffe", was andere Länder verzeichnen. Unep-Chefin Inger Andersen mahnt, der Klimawandel habe "Auswirkungen auf jedes Land auf dem Planeten, die USA eingeschlossen".
Laut Bericht gibt es nur eine 50-prozentige Chance, den Temperaturanstieg bis 2100 auf 1,5 Grad zurückzubringen – und das nur, wenn die Emissionen bis 2035 jährlich um etwa sechs Prozent sinken. Dieses Szenario halten die Autoren aktuell nicht für realistisch. Die Bilanz in den jeweiligen Ländern ist unterschiedlich: Indonesien und China stoßen weiterhin mehr CO2 aus, während Indien, Russland und die EU einen Rückgang verzeichnen. Im Fokus der kommenden Weltklimakonferenz in Antalya steht die Frage, wie die Menschheit den Abwärtstrend noch stoppen kann.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Klimaziel-Verfehlung ist Mahnung und Wendepunkt
Die erneute Warnung der Vereinten Nationen ist ein Symbol für den klimapolitischen Stillstand. Die Kluft zwischen Ziel und Realität ist erschreckend. Die Zahlen zeigen, dass selbst das Minimalziel des Pariser Abkommens außer Reichweite ist. Die Prognosen sind eindeutig, doch das Tempo für eine politische oder wirtschaftliche Wende fehlt. Die wirtschaftlichen Interessen der großen Emittenten dominieren weiterhin das Geschehen, der nötige Wandel wird vertagt. Wenn die größten CO2-Verursacher ihre Haltung nicht deutlich ändern, drohen der Welt nicht nur ökologische, sondern auch soziale und ökonomische Schäden, mit kaum absehbaren Folgen für kommende Generationen. Es ist realistisch zu erwarten, dass der Druck und die Auswirkungen auf die Gesellschaft weiter steigen, wenn keine grundlegende Trendwende gelingt.
Historischer Hintergrund
Das Pariser Klimaabkommen von 2015 bildet das Herzstück der internationalen Klimapolitik und verpflichtet die Staaten, die Erderwärmung deutlich unter zwei Grad und möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen. Der Emissions Gap Report des UN-Umweltprogramms analysiert jährlich, wie groß die Lücke zwischen den Zusagen der Länder und der realen Entwicklung ist. Ereignisse wie der temporäre Ausstieg der USA aus dem Pariser Abkommen und die anhaltenden Rekordemissionen einiger Industriestaaten haben die Zielerreichung massiv erschwert. Besonders die G20-Staaten stehen als Hauptverursacher unter Druck.
Zukunftsprognose
Sollte sich der aktuelle Trend verfestigen, wird die Erde gravierende Folgen spüren: politische Unsicherheiten, Naturkatastrophen, Wirtschaftseinbrüche und wachsende soziale Ungleichheit. Konferenzen wie COP31 in Antalya könnten über die Richtung der internationalen Klimapolitik entscheiden, aber die Umsetzung wird zur entscheidenden Hürde. Wirtschaftsmärkte und Rohstoffpreise bleiben abhängig vom internationalen Kurs im Klimaschutz. Ohne konsequente Maßnahmen wird die Erderwärmung weiter voranschreiten und milliardenschwere Schäden in Industrie- wie Entwicklungsländern verursachen. Die Prognose bleibt düster, solange der Emissionstrend anhält.
Erklärungen
Was ist das Pariser Klimaabkommen?
Das Pariser Klimaabkommen ist ein internationaler Vertrag von 2015. Ziel ist es, die Erderwärmung deutlich unter zwei Grad und möglichst auf 1,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen.
Was ist der Emissions Gap Report?
Der Emissions Gap Report des UN-Umweltprogramms (UNEP) ermittelt jährlich die Differenz zwischen den aktuellen globalen Emissionen und den Zielwerten, die zur Erreichung der Pariser Klimaziele notwendig sind.
OZD-Extras
Die Treibhausgasemissionen der USA sind 2025 um 133 Megatonnen gestiegen. Das Plus "bei weitem übertreffe" den Anstieg anderer Länder.
Börsen und Rohstoffmärkte könnten weiterhin auf neue Klimabilanzen reagieren, konkrete Trends bleiben jedoch abhängig von internationalen Gipfeln wie der COP31.
Gewinnspiel
Welches Ziel verfolgt das Pariser Klimaabkommen laut UN-Bericht?
A) Begrenzung der Erderwärmung auf unter zwei Grad
B) Reduzierung der CO2-Emissionen um 50 Prozent bis 2030
C) Abschaffung aller fossilen Energien weltweit
D) Verpflichtende Klimaanpassung in allen Staaten
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.