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IG Metall droht Volkswagen mit Streik bei Tarifstreit

VW und IG Metall stehen vor einer Zerreißprobe. Die Gewerkschaft droht mit Streiks, falls der Autobauer Tarifkündigungen nicht zurücknimmt.

Fakten im Überblick

IG Metall droht Volkswagen mit Streiks, falls Tarifkündigungen bestehen bleiben.

Die Stimmung in der VW-Belegschaft ist laut Gewerkschaft angespannt.

Ab 2030 sollen Werke und Zukunftszusagen auf dem Prüfstand stehen.

Im Tarifkonflikt zwischen Volkswagen und der Gewerkschaft IG Metall spitzt sich die Lage weiter zu. Vor einem ursprünglich angesetzten Gespräch mit dem Management drohte IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger dem Autobauer mit massiven Streiks, sollte Volkswagen seine Kündigung von Tarifverträgen nicht zurücknehmen. Die Stimmung bei den Beschäftigten habe laut Gröger „den Siedepunkt erreicht“. Er fügte hinzu: „Der Kredit des Vorstands ist längst aufgebraucht und alles deutet auf eine Auseinandersetzung hin, die größer werden könnte als alles das, was dieser Konzern jemals erlebt hat.“ Die IG Metall wolle in den kommenden Wochen „den Dialog mit der Belegschaft vertiefen und wir werden - weil wir es müssen, nicht weil wir es wollen - die Eskalation vorbereiten“ – eine Eskalation, auf die sich der Traditionskonzern einstellen müsse.

Im Zentrum des Konflikts steht die Zukunftssicherheit von Werken wie Hannover, Zwickau, Emden und dem Audi-Standort Neckarsulm, deren Bestand ab dem Jahr 2030 laut Konzernangaben auf dem Prüfstand steht. Schon im September markierte ein „Überprüfungsgespräch“ zwischen Arbeitnehmervertretern und Management einen Wendepunkt: An diesem Tag hatte Volkswagen mehrere Tarifverträge gekündigt, was für Gröger als „Zäsur“ in der Unternehmensgeschichte gilt. Die Arbeitnehmerseite fordert von Volkswagen, „dass dieser Vertrauensbruch, der jetzt vollzogen worden ist, dass der rückgängig gemacht wird. Eine Kündigung, die man übermittelt hat, kann man auch zurücknehmen“. Gröger warnte erneut, dass ohne „Einsicht“ des Konzerns „die Folgen gewaltig“ wären. Volkswagen bleibt demnach „noch bis Ende Oktober“, um die Kündigungen zurückzunehmen, ansonsten drohe „eine gewaltige Maschinerie an“, die „den Arbeitskampf bei Volkswahlen vorbereitet, sagte Gröger.“

Vorstand und Arbeitnehmer sollen laut Tarifvereinbarung spätestens am 3. Dezember Tarifverhandlungen beginnen, doch IG Metall fordert bereits Gespräche ab dem 24. November. Für VW-Vorstände ist spätestens der 31. Dezember ein entscheidendes Datum, denn dann endet die sogenannte Friedenspflicht, nach deren Ablauf Arbeitskämpfe rechtlich möglich wären. Die Gewerkschaft macht deutlich: Man suche den Konflikt nicht, aber alle Signale stehen auf Konfrontation, sollte keine Annäherung erreicht werden.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – VW und IG Metall: Die Konfrontation ist fast unausweichlich

Die Eskalation im Tarifkonflikt bei Volkswagen zeigt, wie schnell Vertrauen zwischen Vorstand und Belegschaft zerstört werden kann. Die Entscheidung, Tarifverträge zu kündigen, hat aufseiten der IG Metall ein Gefühl tiefen Misstrauens ausgelöst. In Grögers Wortwahl klingt an, dass es nun nicht mehr alleine um Lohnfragen oder wirtschaftliche Einzeldetails geht, sondern um Grundsätzliches. Die Drohung mit Streik ist keine leere Geste, sondern Ausdruck echter Wut und Enttäuschung. Sollte der Dialog nicht schnell wieder auf eine sachliche Ebene zurückkehren, droht ein Arbeitskampf mit Signalwirkung für die gesamte deutsche Industrie. Die Wahrscheinlichkeit, dass VW und IG Metall in den kommenden Wochen eine Einigung ohne lauten Streit finden, erscheint im Moment gering. Möglich ist aber, dass beide Seiten im allerletzten Moment kompromissbereit werden und zumindest einen Teil des Vertrauens wiederherstellen. Gewiss ist das keineswegs.

Historischer Hintergrund

Die Beziehungen zwischen Volkswagen und IG Metall sind seit Jahrzehnten von Tarifverhandlungen geprägt, die regelmäßig für Schlagzeilen sorgen. In der Vergangenheit konnten Streiks meist abgewendet werden, weil beide Seiten kompromissbereit waren. Mit dem aktuellen Sparkurs und der Kündigung mehrerer Tarifverträge durch Volkswagen ist die Lage jedoch so angespannt wie lange nicht mehr. Die Zukunft einiger Produktionsstandorte ist erstmals offen, was die Sorgen der Beschäftigten verstärkt. Der 30. September 2024 gilt als tiefer Einschnitt, weil an diesem Tag sowohl ein Überprüfungsgespräch stattfand als auch VW die überraschende Kündigung mehrerer Tarifverträge ankündigte.

Zukunftsprognose

Sollten Volkswagen und IG Metall keine Einigung erzielen, drohen im neuen Jahr massive Streiks mit Auswirkungen weit über den Konzern hinaus. Produktionsausfälle könnten nicht nur das Unternehmen, sondern auch Zulieferer und ganze Regionen treffen. Im besten Fall könnten die Gespräche am Verhandlungstisch eine Eskalation in letzter Minute abwenden. Angesichts der verhärteten Fronten ist das aber nur eines von mehreren möglichen Szenarien. International könnten anhaltende Konflikte bei einem der größten Autobauer Europas auch Anleger, Partner und Märkte beunruhigen.

Erklärungen

Was ist ein Haustarifvertrag bei Volkswagen?

Ein Haustarifvertrag ist eine spezielle Vereinbarung zwischen einem einzelnen Unternehmen und den Gewerkschaften. Für Volkswagen regelt dieser Vertrag die Arbeitsbedingungen, Löhne und Zusatzleistungen für die Beschäftigten an den VW-Standorten.

Was bedeutet Friedenspflicht?

Die Friedenspflicht sichert in Tarifkonflikten einen Zeitraum, in dem keine Arbeitskampfmaßnahmen wie Streiks erlaubt sind. Sie endet mit dem Auslaufen oder der Kündigung eines Tarifvertrags.

OZD-Extras

Die Auseinandersetzung bei Volkswagen ist eine der größten gewerkschaftlichen Konflikte der deutschen Automobilgeschichte seit Jahrzehnten. Auch an der Börse könnten längere Arbeitskämpfe das Vertrauen in den Konzern belasten; aktuell sind konkrete Kursausschläge in Reaktion auf die Drohungen nicht bekannt, mögliche Auswirkungen bleiben aber ein Risiko für Anleger.

Gewinnspiel

Wie lautet der Name des VW-Werks, das ab 2030 ebenfalls auf der Kippe steht?

A) Hannover

B) München

C) Wolfsburg

D) Dresden

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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.