Zum Inhalt springen
OZD.news - News und Nachrichten zum Nachschlagen
QR-Code zu www.online-zeitung-deutschland.de
Diesen Artikel teilen

Bewaffnete Extremisten eröffnen Feuer auf Trauergäste in Karak – 34 Menschen verletzt

Bei einem Anschlag auf eine griechisch-orthodoxe Kirche im Süden Jordaniens sterben mindestens sieben Menschen. König Abdullah II. kündigt eine entschlossene Reaktion an.

Fakten im Überblick

Bewaffnete Männer haben während eines Trauerzugs in Hammud in der jordanischen Provinz Karak mindestens sieben Menschen getötet und 34 weitere verletzt.

König Abdullah II. kündigte eine harte Reaktion an. Die jordanischen Sicherheitskräfte leiteten eine Fahndung nach den geflüchteten Angreifern ein.

Die griechisch-orthodoxe Kirche verurteilt den Anschlag und betont die Verbundenheit der christlichen Gemeinschaft mit Jordanien.

Ein bewaffneter Angriff auf eine griechisch-orthodoxe Kirche hat Jordanien erschüttert und mindestens sieben Menschen das Leben gekostet. In der Ortschaft Hammud in der südjordanischen Provinz Karak eröffneten mehrere Männer am Freitag während eines Trauerzugs das Feuer auf Gläubige. Nach offiziellen Angaben wurden 34 weitere Menschen verletzt, darunter zahlreiche Teilnehmer der Trauerfeier. Jordaniens Innenminister Mazen al-Faraya sprach von einem "Terroranschlag einer Gruppe von Extremisten". Die Angreifer waren nach Angaben der jordanischen Sicherheitsdirektion mit einem Fahrzeug zum Tatort gekommen, ausgestiegen und hatten unmittelbar auf die versammelten Menschen geschossen. Bilder des jordanischen Staatssenders Al-Mamlaka zeigen zwei Männer mit Pistolen und einen dritten mit einem Gewehr, die von der Straße aus auf die Kirche feuerten und anschließend auf das Gebäude zustürmten. Nach der Tat gelang den Angreifern die Flucht. Sicherheitskräfte leiteten eine umfangreiche Fahndung ein, während Rettungskräfte die Verletzten versorgten und in Krankenhäuser brachten.

Ein Augenzeuge berichtete dem Staatssender Al-Mamlaka, die Täter hätten etwa fünf Minuten lang nahezu ununterbrochen geschossen. Zum Zeitpunkt des Angriffs sollen sich zwischen 150 und 200 Menschen in der Kirche und ihrer unmittelbaren Umgebung aufgehalten haben. Viele der Opfer seien zwischen 50 und 70 Jahre alt gewesen. Die zunächst unübersichtliche Lage führte auch zu unterschiedlichen Angaben über die Zahl der Todesopfer. Die Behörden meldeten zunächst sieben Tote, korrigierten die Zahl zwischenzeitlich auf sechs und bestätigten später erneut mindestens sieben Todesopfer. Der Leiter der jordanischen Sicherheitsdirektion, Abdullah al-Maaytah, erklärte, dass von den insgesamt 34 Verletzten noch 27 medizinisch behandelt würden. Über den Gesundheitszustand der übrigen Betroffenen und mögliche weitere Todesopfer lagen zunächst keine abschließenden Informationen vor. Auch die Identität der Angreifer und die Hintergründe ihrer Tat waren noch Gegenstand der Ermittlungen.

Jordaniens König Abdullah II. reagierte mit scharfen Worten auf die Gewalttat. "Der Terroranschlag in Karak wird mit der härtesten Vergeltung beantwortet", erklärte das Staatsoberhaupt im Onlinedienst X. "Wir werden mit eiserner Faust gegen diejenigen vorgehen, die es wagen, unsere Nation zu bedrohen." Noch am Freitagabend reiste der König nach Karak. Aufnahmen des Staatssenders zeigten seine Ankunft in der Region. Innenminister al-Faraya bezeichnete den Anschlag bei einer Pressekonferenz als entsetzliche Tat und versicherte, dass die Sicherheitskräfte rund um die Uhr daran arbeiteten, die Täter aufzuspüren. Der Angriff werde den Willen der jordanischen Bevölkerung stärken, gegen Terrorismus in allen seinen Erscheinungsformen vorzugehen. Regierungssprecher Mohammed al-Momani kündigte umfassende Ermittlungen an. Ob die Angreifer einer bestimmten extremistischen Organisation angehören oder gezielt die christliche Gemeinde treffen wollten, war zunächst nicht abschließend geklärt.

Besonders betroffen reagierte die griechisch-orthodoxe Erzdiözese in Jordanien. Sie erklärte, sollte der Anschlag darauf abzielen, Christen aus dem Land zu vertreiben, werde die Tat lediglich deren Verbundenheit mit ihrer Heimat stärken. Die jordanische Gesellschaft werde sich "jeder finsteren extremistischen Ideologie" widersetzen. Zugleich betonte die Erzdiözese, dass die Tat "nichts mit dem gemäßigten Islam" des Landes gemein habe. Die Erklärung unterstreicht die Bedeutung des religiösen Zusammenlebens in Jordanien, wo Christen seit Jahrhunderten Teil der Gesellschaft sind. Obwohl die Bevölkerung überwiegend sunnitisch-muslimisch ist, bestehen im Land zahlreiche christliche Gemeinden und Kirchen. Nach Angaben des jordanischen Tourismusministeriums machen Christen etwa zwei bis drei Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Gerade die Provinz Karak, in der rund 375.000 Menschen leben, verfügt über eine größere christliche Gemeinschaft. Angriffe auf Kirchen und andere Gotteshäuser gelten in Jordanien als selten.

Auch international löste die Tat Bestürzung aus. Der libanesische Präsident Joseph Aoun, das einzige christliche Staatsoberhaupt der arabischen Welt, verurteilte die Schüsse als "abscheulichen Terroranschlag". Die Gewalttat zeige erneut, dass Terrorismus weder Religion noch Heimat kenne. Sein Ziel bestehe darin, das Zusammenleben unterschiedlicher Religionsgemeinschaften zu zerstören und Zwietracht zwischen den Menschen zu säen, erklärte Aoun nach Angaben des libanesischen Präsidialamts. Die Reaktionen verdeutlichen die besondere politische und gesellschaftliche Bedeutung des Anschlags. Jordanien gilt innerhalb einer von zahlreichen Konflikten geprägten Region als vergleichsweise stabiler Staat. Eine gezielte Attacke auf eine religiöse Minderheit könnte deshalb nicht nur die betroffene Gemeinde verunsichern, sondern auch das Sicherheitsgefühl der gesamten Bevölkerung beeinträchtigen.

Die Provinz Karak war bereits in der Vergangenheit Schauplatz eines schweren terroristischen Angriffs. Im Dezember 2016 töteten bewaffnete Männer bei Attacken auf einen Sicherheitsposten und Polizeipatrouillen insgesamt zehn Menschen, darunter sieben Sicherheitskräfte und eine Touristin. Vier Angreifer verschanzten sich damals in der historischen Festung von Karak, bevor sie von jordanischen Sicherheitskräften erschossen wurden. Der aktuelle Anschlag weckt Erinnerungen an diese Gewalttat, auch wenn ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen beiden Ereignissen nicht bekannt ist. Während die Behörden nach den geflüchteten Tätern suchen, stehen die medizinische Versorgung der Verletzten, die Betreuung der Angehörigen und die Aufklärung des Angriffs im Mittelpunkt. Für die christliche Gemeinde in Hammud bleibt nach der Trauerfeier, die zum Schauplatz des Anschlags wurde, vor allem die Frage, wie Sicherheit und Vertrauen wiederhergestellt werden können.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Ein Angriff auf das friedliche Zusammenleben

Eine Trauerfeier ist ein Moment des Abschieds, der Erinnerung und des gemeinsamen Gedenkens. Dass ausgerechnet eine solche Zusammenkunft zum Ziel eines bewaffneten Angriffs wird, macht die Tat in Jordanien besonders erschütternd. Menschen, die sich versammelt hatten, um einem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen, wurden plötzlich selbst zu Opfern tödlicher Gewalt. Sieben Menschen verloren nach den bisherigen Angaben ihr Leben, zahlreiche weitere wurden verletzt.

Der Anschlag trifft zugleich einen empfindlichen Punkt der jordanischen Gesellschaft. Christen bilden zwar eine kleine Minderheit, gehören aber seit Jahrhunderten zur religiösen und kulturellen Geschichte des Landes. Das Zusammenleben unterschiedlicher Glaubensgemeinschaften ist deshalb mehr als eine politische Formel. Es ist Teil des gesellschaftlichen Alltags. Wenn Extremisten religiöse Einrichtungen oder Gläubige angreifen, richtet sich die Gewalt nicht nur gegen einzelne Menschen, sondern kann auch das Vertrauen zwischen gesellschaftlichen Gruppen beschädigen.

Die deutliche Reaktion von König Abdullah II. zeigt, welchen Stellenwert die jordanische Regierung der Sicherheit des Landes beimisst. Entscheidend wird jedoch sein, dass die Täter rechtsstaatlich verfolgt, die Hintergründe der Tat aufgeklärt und die betroffenen Gemeinden geschützt werden. Eine konsequente Strafverfolgung und die Vermeidung pauschaler Schuldzuweisungen gehören dabei zusammen. Denn das Ziel einer demokratisch und rechtsstaatlich verantworteten Terrorismusbekämpfung muss sein, Menschen zu schützen und nicht neue gesellschaftliche Spaltungen entstehen zu lassen.

Historischer Hintergrund

Jordanien liegt im Nahen Osten zwischen Israel, dem Westjordanland, Syrien, dem Irak und Saudi-Arabien. Das Königreich ist seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1946 eine wichtige politische Größe in der Region. Trotz wiederkehrender regionaler Konflikte und erheblicher sicherheitspolitischer Herausforderungen konnte Jordanien vergleichsweise stabile staatliche Strukturen bewahren. König Abdullah II. regiert das Land seit 1999.

Christliche Gemeinschaften haben in Jordanien eine lange Geschichte, die bis in die Frühzeit des Christentums zurückreicht. Neben griechisch-orthodoxen Christen leben dort unter anderem römisch-katholische und weitere christliche Glaubensgemeinschaften. Kirchen und christliche Einrichtungen gehören zum religiösen und kulturellen Erbe des Landes. Die Stadt Karak ist außerdem durch ihre mittelalterliche Kreuzritterburg bekannt, die zu den bedeutenden historischen Sehenswürdigkeiten Jordaniens zählt.

Im Dezember 2016 wurde Karak zum Schauplatz eines schweren bewaffneten Angriffs, bei dem zehn Menschen getötet wurden. Die damaligen Ereignisse verdeutlichten, dass auch Jordanien von terroristischer Gewalt betroffen sein kann. Der jetzige Angriff auf eine griechisch-orthodoxe Kirche ist ein weiterer schwerer Vorfall in der Region. Ob zwischen den Taten organisatorische oder ideologische Verbindungen bestehen, ist bislang nicht bekannt.

Zukunftsprognose

In den kommenden Tagen dürfte sich die Aufmerksamkeit der jordanischen Sicherheitsbehörden auf die Fahndung nach den Angreifern und die Aufklärung möglicher Hintermänner konzentrieren. Sollten sich Hinweise auf eine extremistische Organisation ergeben, könnten die Ermittlungen über die Provinz Karak hinaus ausgeweitet werden. Ob zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen an Kirchen und anderen religiösen Einrichtungen eingeführt werden, bleibt abzuwarten.

Für die christlichen Gemeinden in Jordanien könnte der Anschlag zunächst zu einer erhöhten Verunsicherung führen. Zugleich haben sowohl die staatliche Führung als auch die griechisch-orthodoxe Erzdiözese deutlich gemacht, dass sie eine gesellschaftliche Spaltung durch die Tat verhindern wollen. Wie sich die Sicherheitslage entwickelt, hängt wesentlich davon ab, ob die Täter gefasst und mögliche weitere Bedrohungen erkannt werden.

Eine unmittelbare wirtschaftliche Auswirkung des Anschlags lässt sich aus den vorliegenden Informationen nicht belastbar ableiten. Sollte sich die Sicherheitslage jedoch dauerhaft verschlechtern, könnte dies auch das Vertrauen internationaler Besucher und Investoren beeinflussen. Konkrete Hinweise auf eine solche Entwicklung liegen derzeit nicht vor.

Wo liegt Karak in Jordanien?

Karak liegt im Süden Jordaniens, südlich der Hauptstadt Amman und östlich des Toten Meeres. Die Region ist für ihre historische Festung und ihre lange Geschichte bekannt. In der Provinz leben rund 375.000 Menschen, darunter eine bedeutende christliche Gemeinschaft.

Wie viele Menschen wurden bei dem Anschlag getötet?

Nach den zuletzt vorliegenden Behördenangaben wurden mindestens sieben Menschen getötet und 34 weitere verletzt. Von den Verletzten befanden sich 27 weiterhin in medizinischer Behandlung. Die Opferzahlen wurden zwischenzeitlich korrigiert und können sich noch verändern.

Wer ist König Abdullah II.?

Abdullah II. ist seit 1999 König des Haschemitischen Königreichs Jordanien. Er folgte seinem Vater König Hussein auf den Thron. Als Staatsoberhaupt spielt er eine zentrale Rolle in der jordanischen Außen- und Sicherheitspolitik und setzt sich international unter anderem für regionale Stabilität und den interreligiösen Dialog ein.

Wie groß ist die christliche Gemeinschaft in Jordanien?

Nach Angaben des jordanischen Tourismusministeriums gehören etwa zwei bis drei Prozent der Bevölkerung christlichen Kirchen an. Die meisten Jordanier sind sunnitische Muslime. Christliche Gemeinden sind seit Jahrhunderten Teil der jordanischen Gesellschaft und unterhalten zahlreiche Kirchen, Schulen und soziale Einrichtungen.

OZD-Extra – Karak: Eine Stadt mit jahrhundertealter christlicher Geschichte

Die jordanische Stadt Karak ist weit über die Landesgrenzen hinaus für ihre mächtige historische Festung bekannt. Die Burg wurde im 12. Jahrhundert während der Zeit der Kreuzfahrer errichtet und spielte aufgrund ihrer strategischen Lage eine wichtige Rolle bei der Kontrolle bedeutender Handelswege. Heute gehört sie zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Jordaniens und erinnert an die wechselvolle Geschichte der Region.

Doch Karak ist nicht nur ein Ort mittelalterlicher Geschichte. Die Stadt und ihre Umgebung besitzen auch eine lange christliche Tradition. Bereits in der Spätantike bestanden in der Region christliche Gemeinden, die sich über viele Jahrhunderte hinweg behaupteten. Bis heute leben in Karak muslimische und christliche Familien, deren gemeinsamer Alltag ein wichtiger Bestandteil der regionalen Identität ist.

Die griechisch-orthodoxe Kirche gehört zu den traditionsreichen christlichen Gemeinschaften des Nahen Ostens. Ihre Gläubigen verstehen sich nicht als neu hinzugekommene Minderheit, sondern als Teil der historischen Bevölkerung der Region. Vor diesem Hintergrund erhält die Erklärung der jordanischen Erzdiözese besondere Bedeutung: Ein möglicher Versuch, Christen durch Gewalt aus ihrer Heimat zu vertreiben, würde auf eine Gemeinschaft treffen, die tief in der Geschichte und Gesellschaft Jordaniens verwurzelt ist.

Gewinnspiel

In welcher jordanischen Provinz ereignete sich der tödliche Anschlag auf eine griechisch-orthodoxe Kirche?

A: Amman

B: Irbid

C: Karak

D: Aqaba

Jetzt beim großen OZD-Gewinnspiel 2026 mitmachen und die Chance auf Gutscheine sichern.

Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.