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Israel kündigt weitreichende Militäroperation an – Hebron und Halhul nach tödlichem Angriff abgeriegelt

Nach einem tödlichen Angriff auf israelische Soldaten bei Hebron kündigt Benjamin Netanjahu eine massive Militäroperation im Westjordanland an.

Fakten im Überblick

Bei einem palästinensischen Angriff auf einen israelischen Kontrollpunkt nahe Hebron wurden zwei israelische Soldaten getötet und drei weitere verletzt. Die beiden Angreifer wurden erschossen.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu kündigte eine großangelegte Militäroperation im besetzten Westjordanland an. Hebron und Halhul wurden abgeriegelt.

Die Ankündigung erfolgte wenige Tage vor der israelischen Parlamentswahl. Die Hamas begrüßte den Angriff, bekannte sich jedoch nicht zu der Tat.

Nach dem Tod zweier israelischer Soldaten bei einem bewaffneten Angriff nahe Hebron hat Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu eine großangelegte Militäroffensive im besetzten Westjordanland angekündigt. Bei einem Besuch in Hebron erklärte der Ministerpräsident am Freitag, Israel bereite einen Militäreinsatz vor, dessen Umfang nach seinen Worten alles übertreffen könnte, was die Region seit dem Sechstagekrieg von 1967 erlebt hat. "Der Verteidigungsminister und ich erwägen eine sehr weitreichende Militäroperation in Judäa und Samaria, wie es sie seit dem Sechstagekrieg nicht mehr gegeben hat", sagte Netanjahu und verwendete dabei die biblischen Bezeichnungen für das Westjordanland. Die israelischen Streitkräfte seien bereits auf einen solchen Einsatz vorbereitet. "Die Armee ist bereit, sie auszuführen, und wir werden den Zeitpunkt festlegen. Aber sie wird kommen", erklärte er. Damit stellte der Regierungschef eine erhebliche Ausweitung der israelischen Militäraktivitäten in Aussicht, die weit über die unmittelbar nach dem Angriff eingeleiteten Sicherheitsmaßnahmen hinausgehen könnte.

Auslöser der Ankündigung war ein Schusswaffenangriff am Freitagmorgen an einem israelischen Kontrollpunkt nahe der Stadt Hebron im südlichen Westjordanland. Zwei bewaffnete Palästinenser eröffneten nach den vorliegenden Angaben das Feuer auf israelische Soldaten. Zwei Soldaten wurden getötet, drei weitere verletzt. Die beiden Angreifer wurden bei dem anschließenden Schusswechsel erschossen. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP beobachtete den Vorfall und sah anschließend die Leichen der Angreifer. Der israelische Rettungsdienst hatte zunächst fünf verletzte Israelis gemeldet. Zwei der Soldaten erlagen jedoch später ihren schweren Verletzungen. Nach dem Angriff riegelten die israelischen Sicherheitskräfte Hebron und die benachbarte Stadt Halhul vollständig ab. Die Armee begann eigenen Angaben zufolge mit Razzien in der Umgebung, um mögliche Hintergründe und Unterstützer des Angriffs zu untersuchen.

Netanjahu machte deutlich, dass die geplante Reaktion nicht auf einzelne Durchsuchungen beschränkt bleiben soll. Für einen ersten Einsatz kündigte er umfangreiche Maßnahmen in den betroffenen Gebieten an. "Wir werden die Bewohner evakuieren, wir werden von Haus zu Haus gehen, wir werden auch dort die Waffen beschlagnahmen, und die gesamte terroristische Infrastruktur wird angegangen und zerstört werden", sagte der Regierungschef. Verteidigungsminister Israel Katz erklärte, in Hebron solle nach einem ähnlichen Muster vorgegangen werden wie bei den israelischen Militäreinsätzen in palästinensischen Flüchtlingslagern im nördlichen Westjordanland. Dort hatte Israel Anfang 2025 eine großangelegte Operation begonnen, die zu erheblichen Vertreibungen führte. Nach Angaben der Vereinten Nationen konnten bis Juli desselben Jahres mehr als 33.000 vertriebene Palästinenser nicht in ihre Wohngebiete zurückkehren. Welche Gebiete nun konkret von der angekündigten Offensive betroffen sein könnten, wie lange die Einsätze dauern sollen und wie viele Zivilisten möglicherweise evakuiert würden, blieb zunächst offen.

Die islamistische Palästinenserorganisation Hamas begrüßte den Angriff bei Hebron als "heldenhafte Operation", übernahm jedoch keine Verantwortung dafür. Auch eine Verbindung der beiden getöteten Angreifer zu einer bestimmten Organisation wurde in den vorliegenden Informationen nicht bestätigt. Innerhalb der israelischen Regierung wurden unterdessen noch weitergehende Forderungen laut. Der rechtsextreme Finanzminister Bezalel Smotrich verlangte ein militärisches Vorgehen "genau wie im Gazastreifen" und erklärte, den Abriss palästinensischer Gebäude in der Nähe des Tatortes angeordnet zu haben. Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir forderte sogar die Auflösung der Palästinensischen Autonomiebehörde. Hinweise auf eine Beteiligung dieser Behörde an dem Angriff lagen allerdings nicht vor. Die unterschiedlichen Reaktionen verdeutlichen, wie weitreichend die politischen Konsequenzen des Anschlags innerhalb der israelischen Regierung diskutiert werden.

Besondere politische Brisanz erhält die Ankündigung durch ihren Zeitpunkt. Bereits am kommenden Dienstag soll in Israel eine Parlamentswahl stattfinden. Damit fällt Netanjahus Drohung mit einer historischen Militäroffensive in die unmittelbare Schlussphase des Wahlkampfes. Ob die angekündigte Operation noch vor der Wahl beginnt oder erst danach eingeleitet wird, ließ der Ministerpräsident offen. Auch über den möglichen Umfang eines Einsatzes und dessen Auswirkungen auf die palästinensische Zivilbevölkerung gibt es bislang keine konkreten Angaben. Hebron gehört zu den politisch und religiös besonders sensiblen Städten im Westjordanland. Dort leben zahlreiche Palästinenser, während sich im Stadtgebiet und in der Umgebung auch israelische Siedlungen befinden. Das Zusammenleben ist seit Jahrzehnten von Konflikten, militärischen Sicherheitsmaßnahmen und unterschiedlichen politischen Ansprüchen geprägt.

Mit der angekündigten Offensive droht sich die ohnehin angespannte Sicherheitslage im Westjordanland weiter zu verschärfen. Die israelische Regierung stellt die Bekämpfung bewaffneter palästinensischer Gruppen und die Sicherheit ihrer Soldaten in den Mittelpunkt. Für die palästinensische Bevölkerung könnten großangelegte Razzien, Evakuierungen und mögliche Gebäudeverluste dagegen weitreichende humanitäre Folgen haben. Die Erfahrungen aus den nördlichen Flüchtlingslagern zeigen, dass militärische Operationen zu lang anhaltenden Vertreibungen führen können. Ob Netanjahus Ankündigung tatsächlich in eine Offensive des beschriebenen Ausmaßes mündet, bleibt abzuwarten. Fest steht, dass der tödliche Angriff bei Hebron die Gefahr einer weiteren Eskalation zwischen israelischen Streitkräften und bewaffneten palästinensischen Gruppen erhöht hat.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Eine Militäroffensive mit unabsehbaren Folgen

Zwei getötete Soldaten, drei Verletzte und zwei erschossene Angreifer: Der Vorfall bei Hebron zeigt erneut, wie schnell Gewalt im Westjordanland eskalieren kann. Israel hat die Aufgabe, seine Bevölkerung und seine Sicherheitskräfte vor bewaffneten Angriffen zu schützen. Doch die Ankündigung einer Militäroperation von historischem Ausmaß wirft die Frage auf, welche Folgen ein solcher Einsatz für die Menschen in den betroffenen Gebieten haben könnte.

Besonders schwer wiegt Netanjahus Ankündigung, Bewohner zu evakuieren und systematisch von Haus zu Haus vorzugehen. Die Erfahrungen aus dem nördlichen Westjordanland zeigen, dass großangelegte Militäroperationen nicht nur bewaffnete Gruppen treffen, sondern auch erhebliche Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung haben können. Wenn Menschen ihre Wohnungen verlassen müssen und über Monate nicht zurückkehren können, entstehen humanitäre Probleme, die weit über den eigentlichen Militäreinsatz hinausreichen.

Hinzu kommt die unmittelbare Nähe zur israelischen Parlamentswahl. Militärische Entscheidungen müssen nach ihrer sicherheitspolitischen Notwendigkeit und ihren rechtlichen Grenzen beurteilt werden, nicht nach ihrer Wirkung im Wahlkampf. Die Sicherheit israelischer Soldaten und Zivilisten ist ebenso ernst zu nehmen wie der Schutz der palästinensischen Bevölkerung. Entscheidend wird sein, ob die angekündigten Maßnahmen verhältnismäßig sind, das humanitäre Völkerrecht einhalten und tatsächlich zu mehr Sicherheit führen. Eine weitere Eskalation könnte die ohnehin schwierigen Perspektiven für eine politische Verständigung zusätzlich belasten.

Historischer Hintergrund

Das Westjordanland steht seit dem Sechstagekrieg von 1967 unter israelischer Besatzung. Israel eroberte das Gebiet damals von Jordanien. Seither gehört der politische und rechtliche Status der Region zu den zentralen Streitfragen des israelisch-palästinensischen Konflikts. Während die Palästinenser das Westjordanland als wesentlichen Bestandteil eines künftigen eigenen Staates betrachten, berufen sich Teile der israelischen Politik auf historische und religiöse Verbindungen zu dem Gebiet. Die israelischen Siedlungen im besetzten Westjordanland gelten nach überwiegender internationaler Rechtsauffassung als völkerrechtswidrig. Israel bestreitet diese Bewertung.

Hebron besitzt für Juden, Muslime und Christen eine besondere religiöse Bedeutung. Die Stadt ist zugleich ein Brennpunkt des Konflikts, da sich dort israelische Siedler und palästinensische Bewohner in unmittelbarer räumlicher Nähe befinden. Die israelischen Streitkräfte kontrollieren wichtige Bereiche und Zugänge der Stadt. Im Rahmen der Osloer Vereinbarungen wurde in den 1990er-Jahren eine begrenzte palästinensische Selbstverwaltung in Teilen des Westjordanlands eingerichtet. Eine endgültige politische Lösung wurde jedoch nicht erreicht.

Seit Beginn des Gaza-Krieges im Oktober 2023 haben sich auch die Spannungen im Westjordanland deutlich verschärft. Israelische Militäreinsätze, palästinensische Angriffe und Gewalt durch israelische Siedler haben die Sicherheitslage zusätzlich belastet. Die großangelegten israelischen Operationen in Flüchtlingslagern im Norden des Westjordanlands Anfang 2025 führten zu erheblichen Zerstörungen und Vertreibungen. Die jetzt angekündigte Offensive könnte eine weitere Phase dieser Entwicklung markieren.

Zukunftsprognose

Sollte Israel die angekündigte Militäroffensive tatsächlich in großem Umfang beginnen, könnten Hebron und weitere Teile des südlichen Westjordanlands von verstärkten Truppenbewegungen, Ausgangsbeschränkungen, Durchsuchungen und Evakuierungen betroffen sein. Welche Auswirkungen dies auf die Zivilbevölkerung hätte, hängt wesentlich vom Umfang und der Dauer des Einsatzes ab. Die bisherigen Erfahrungen aus dem nördlichen Westjordanland lassen erhebliche humanitäre Belastungen als möglich erscheinen.

Politisch könnte die Ankündigung auch Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen Israel und der Palästinensischen Autonomiebehörde haben. Sollten Forderungen nach deren Auflösung weiter an Bedeutung gewinnen, würde dies die bestehenden Verwaltungs- und Sicherheitsstrukturen im Westjordanland zusätzlich unter Druck setzen. Auch internationale diplomatische Reaktionen sind möglich, insbesondere wenn umfangreiche Vertreibungen oder Zerstörungen ziviler Infrastruktur erfolgen sollten.

Die bevorstehende israelische Parlamentswahl bildet einen weiteren Unsicherheitsfaktor. Ob und wie die geplante Operation nach der Wahl umgesetzt wird, lässt sich derzeit nicht belastbar vorhersagen. Konkrete Auswirkungen auf internationale Finanzmärkte oder die israelische Wirtschaft sind aus den vorliegenden Informationen ebenfalls nicht zuverlässig abzuleiten.

Wo liegt Hebron im Westjordanland?

Hebron liegt rund 30 Kilometer südlich von Jerusalem im besetzten Westjordanland. Die Stadt gehört zu den größten palästinensischen Städten der Region und besitzt aufgrund ihrer religiösen Stätten eine besondere Bedeutung für Juden, Muslime und Christen. Hebron ist seit Jahrzehnten ein Schwerpunkt des israelisch-palästinensischen Konflikts.

Was meint Netanjahu mit Judäa und Samaria?

Judäa und Samaria sind historische beziehungsweise biblische Bezeichnungen für Gebiete, die heute große Teile des Westjordanlands umfassen. In Israel werden diese Begriffe häufig in offiziellen und politischen Zusammenhängen verwendet. International ist dagegen die geografische Bezeichnung Westjordanland gebräuchlich.

Welche Rolle spielt die Palästinensische Autonomiebehörde?

Die Palästinensische Autonomiebehörde wurde im Zuge der Osloer Friedensvereinbarungen eingerichtet. Sie übernimmt in bestimmten Teilen des Westjordanlands Verwaltungsaufgaben und verfügt über eigene Sicherheitskräfte. Ihre Befugnisse sind jedoch begrenzt, da Israel weiterhin wesentliche Kontrollrechte in dem besetzten Gebiet ausübt. Hinweise auf eine Beteiligung der Autonomiebehörde am aktuellen Angriff bei Hebron liegen nicht vor.

Warum ist der Sechstagekrieg von 1967 so bedeutend?

Während des Sechstagekrieges im Juni 1967 eroberte Israel unter anderem das Westjordanland einschließlich Ostjerusalems, den Gazastreifen, die Golanhöhen und die Sinai-Halbinsel. Der Krieg veränderte die territorialen Verhältnisse im Nahen Osten grundlegend. Der Status der seitdem besetzten palästinensischen Gebiete gehört bis heute zu den zentralen Konfliktpunkten der Region.

OZD-Extra – Hebron: Eine Stadt zwischen Religion, Alltag und militärischer Kontrolle

Hebron zählt zu den ältesten dauerhaft besiedelten Städten der Region und besitzt eine außergewöhnliche religiöse Bedeutung. Im Zentrum befindet sich die Grabstätte der Patriarchen, die im Judentum als Machpela-Höhle und im Islam als Ibrahimi-Moschee bekannt ist. Der Ort wird mit den biblischen Stammvätern Abraham, Isaak und Jakob in Verbindung gebracht und ist für mehrere Religionen von großer Bedeutung.

Die besondere historische Stellung der Stadt hat jedoch nicht zu einem friedlichen Zusammenleben geführt. Vielmehr ist Hebron seit Jahrzehnten ein besonders sensibler Schauplatz des israelisch-palästinensischen Konflikts. Teile der Stadt stehen unter direkter israelischer Sicherheitskontrolle, während andere Bereiche von der Palästinensischen Autonomiebehörde verwaltet werden. Kontrollpunkte, Zugangsbeschränkungen und die Präsenz israelischer Sicherheitskräfte prägen den Alltag vieler Bewohner.

Ein besonders einschneidendes Ereignis war das Massaker von 1994, bei dem ein israelischer Extremist in der Ibrahimi-Moschee 29 betende Palästinenser tötete. Das Verbrechen verschärfte die Spannungen und führte zu zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen. Auch deshalb ist Hebron bis heute ein Ort, an dem historische, religiöse und politische Konflikte besonders unmittelbar aufeinandertreffen.

Eine großangelegte israelische Militäroperation würde nicht nur die Sicherheitslage verändern, sondern könnte auch erhebliche Auswirkungen auf den Alltag, die Bewegungsfreiheit und die wirtschaftliche Situation der Bevölkerung haben.

Gewinnspiel

In welcher Stadt im besetzten Westjordanland wurden bei einem palästinensischen Angriff zwei israelische Soldaten getötet?

A: Ramallah

B: Nablus

C: Hebron

D: Jericho

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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.