Fakten im Überblick
Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) bezeichnet den Vorschlag für ein bundesweit einheitliches Ticket für Gelegenheitsfahrer als „spannende Idee“. Der öffentliche Nahverkehr solle einfacher zugänglich werden.
Nordrhein-Westfalen und Hamburg schlagen einen digitalen „In/Out-Tarif“ vor. Fahrgäste melden den Beginn und das Ende ihrer Fahrt per Smartphone an und ab. Die Abrechnung soll nach einem einheitlichen bundesweiten Tarif erfolgen.
Die Verkehrsminister der Länder haben die Beratungen auf die nächste Verkehrsministerkonferenz vertagt. Zuvor sollen Fragen zur Finanzierung und technischen Umsetzung geklärt werden. Der Fahrgastverband Pro Bahn unterstützt die Initiative.
Deutschland könnte künftig neben dem bekannten Deutschlandticket ein weiteres bundesweit einheitliches Tarifangebot für den öffentlichen Personennahverkehr erhalten. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) hat sich offen für einen Vorschlag aus Nordrhein-Westfalen und Hamburg gezeigt, der insbesondere Menschen ansprechen soll, die Busse und Bahnen nur gelegentlich nutzen. „Das Deutschlandticket für Gelegenheitsfahrer ist eine spannende Idee. Denn ein einfacher Zugang zu den Angeboten von Bus und Bahn ist wichtig“, sagte Bilger dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ für dessen Samstagsausgabe. Die Digitalisierung eröffne neue Möglichkeiten, den Zugang zum öffentlichen Nahverkehr unkomplizierter zu gestalten. Während das bisherige Deutschlandticket vor allem auf die regelmäßige Nutzung durch ein monatliches Abonnement ausgerichtet ist, könnte das neue Modell eine Alternative für Menschen schaffen, die nur einzelne Fahrten unternehmen und deshalb keine Monatskarte benötigen.
Im Mittelpunkt der Überlegungen steht ein sogenannter „In/Out-Tarif“. Das Konzept sieht vor, dass Fahrgäste beim Einstieg in ein öffentliches Verkehrsmittel mit ihrem Smartphone einchecken und nach der Fahrt wieder auschecken. Auf dieser Grundlage wird der zu zahlende Fahrpreis ermittelt. Anders als bei den zahlreichen regional unterschiedlichen Einzeltarifen soll die Abrechnung nach einem bundesweit einheitlichen System erfolgen. Fahrgäste müssten sich damit nicht mehr bei jeder Reise mit den Tarifbestimmungen des jeweiligen Verkehrsverbundes beschäftigen. Besonders für Menschen, die gelegentlich in anderen Städten unterwegs sind oder unterschiedliche Verkehrsregionen durchqueren, könnte ein solches Verfahren den Ticketkauf erheblich vereinfachen. Welche konkreten Preise, Berechnungsregeln und möglichen Preisobergrenzen vorgesehen sind, geht aus dem bislang bekannt gewordenen Vorschlag allerdings nicht hervor.
Die Initiative stammt aus Nordrhein-Westfalen und Hamburg. Beide Länder wollen den digitalen Zugang zum öffentlichen Nahverkehr verbessern und damit eine zusätzliche Möglichkeit schaffen, Busse und Bahnen ohne komplizierte Tarifauswahl zu nutzen. Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) verweist darauf, dass entsprechende digitale Verfahren in seinem Bundesland bereits erfolgreich eingesetzt würden. Nach seiner Darstellung ist das Ein- und Auschecken per Smartphone nicht nur komfortabler für die Fahrgäste, sondern kann auch dazu beitragen, Kosten zu reduzieren. Krischer betont außerdem, dass anders als beim Deutschlandticket keine zusätzlichen Kosten entstünden. Diese Aussage bezieht sich auf die Einschätzung des nordrhein-westfälischen Ministers. Ob ein bundesweit einheitliches System tatsächlich ohne zusätzliche öffentliche Finanzmittel umgesetzt werden könnte, ist noch nicht abschließend geklärt.
Bei der jüngsten Verkehrsministerkonferenz der Länder wurde der Vorstoß zunächst nicht weiter beraten. Die Verkehrsminister nahmen das Thema von der Tagesordnung. Bundesverkehrsminister Bilger stellte jedoch klar, dass dies keine grundsätzliche Ablehnung des Vorschlags bedeute. Die Beratungen seien lediglich „bis zur nächsten Verkehrsministerkonferenz vertagt“ worden, erklärte er. Zuvor müssten Fragen zu den finanziellen Auswirkungen und zur konkreten Umsetzung geklärt werden. Damit bleibt das Projekt politisch auf der Tagesordnung, ohne dass bereits eine verbindliche Entscheidung über seine Einführung getroffen wurde. Ein konkreter Starttermin für einen bundesweiten In/Out-Tarif wurde bislang nicht genannt.
Die möglichen Vorteile eines solchen Angebots liegen vor allem in der Vereinfachung des öffentlichen Nahverkehrs. Wer bislang nur gelegentlich mit Bus oder Bahn fährt, muss häufig zwischen Einzelfahrscheinen, Tageskarten, Kurzstreckentickets und weiteren regionalen Angeboten wählen. Die Preisgestaltung unterscheidet sich je nach Verkehrsverbund und Region teilweise erheblich. Für Fahrgäste, die selten öffentliche Verkehrsmittel nutzen, kann diese Vielfalt unübersichtlich sein. Ein digitales Verfahren, das den Beginn und das Ende einer Fahrt erfasst und anschließend automatisch abrechnet, könnte diese Hürde reduzieren. Allerdings müsste ein bundesweit einheitlicher Tarif berücksichtigen, dass Verkehrsunternehmen und Verkehrsverbünde unterschiedliche Kostenstrukturen und bestehende Finanzierungsmodelle haben. Die technische Vernetzung und die Verteilung der Einnahmen wären deshalb wesentliche Fragen bei der Umsetzung.
Unterstützung erhält die Initiative vom Fahrgastverband Pro Bahn. Der Verband setzt sich dafür ein, dass auch Menschen, die öffentliche Verkehrsmittel nur selten nutzen, von attraktiven und möglichst günstigen Fahrpreisen profitieren können. Damit verbindet sich die Hoffnung, zusätzliche Fahrgäste für Busse und Bahnen zu gewinnen. Besonders für Personen, die überwiegend mit dem Auto unterwegs sind, könnte ein unkompliziertes digitales Angebot den gelegentlichen Umstieg erleichtern. Ob daraus tatsächlich eine spürbare Verlagerung vom Autoverkehr auf den öffentlichen Nahverkehr entsteht, hängt allerdings nicht allein vom Ticketpreis ab. Auch die Verfügbarkeit von Verbindungen, die Zuverlässigkeit der Angebote und die Erreichbarkeit von Haltestellen spielen eine wichtige Rolle.
Der Vorschlag verdeutlicht zugleich, dass die Diskussion über die Zukunft des Deutschlandtickets nicht auf den Preis der Monatskarte beschränkt bleibt. Mit einem zusätzlichen Angebot für Gelegenheitsfahrer könnte ein Tarifmodell entstehen, das unterschiedliche Nutzungsgewohnheiten berücksichtigt. Regelmäßige Pendler könnten weiterhin ein Monatsabonnement nutzen, während Menschen mit geringerem Fahrbedarf einzelne Fahrten digital abrechnen lassen. Ob diese Ergänzung tatsächlich eingeführt wird, müssen die weiteren Beratungen zwischen Bund und Ländern zeigen. Entscheidend werden die finanziellen Auswirkungen, die technische Umsetzbarkeit und die Frage sein, wie sich ein bundesweiter Einheitstarif mit den bestehenden Verkehrsverbünden vereinbaren lässt.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Einfach einsteigen statt erst den Tarifdschungel verstehen
Wer regelmäßig Bus und Bahn fährt, kennt das Deutschlandticket. Für Menschen, die öffentliche Verkehrsmittel nur gelegentlich nutzen, sieht die Situation häufig anders aus. Sie müssen sich mit unterschiedlichen Tarifen, Preisstufen und Ticketarten beschäftigen. Gerade in einer fremden Stadt kann der Kauf eines einfachen Fahrscheins dadurch unnötig kompliziert werden.
Ein bundesweit einheitlicher In/Out-Tarif könnte hier tatsächlich eine sinnvolle Ergänzung sein. Die Idee, mit dem Smartphone einzuchecken und am Ende der Fahrt automatisch den passenden Preis zu bezahlen, orientiert sich stärker am tatsächlichen Verhalten der Fahrgäste als an den bestehenden Tarifgrenzen.
Allerdings wird der Erfolg eines solchen Modells davon abhängen, wie verständlich und transparent die Abrechnung funktioniert. Fahrgäste müssen vor der Nutzung erkennen können, welche Kosten entstehen können. Auch Menschen ohne Smartphone oder mit eingeschränkten digitalen Möglichkeiten dürfen beim Zugang zum öffentlichen Nahverkehr nicht aus dem Blick geraten.
Die Aussage, ein bundesweites System verursache keine zusätzlichen Kosten, verdient eine sorgfältige Prüfung. Technische Systeme müssen miteinander verbunden, Zahlungsprozesse organisiert und Einnahmen zwischen Verkehrsunternehmen verteilt werden. Wie hoch der tatsächliche Aufwand ausfällt, sollte vor einer politischen Entscheidung nachvollziehbar dargestellt werden.
Die Initiative aus Nordrhein-Westfalen und Hamburg eröffnet eine interessante Perspektive. Entscheidend ist jedoch, dass aus der technischen Vereinfachung am Ende ein Angebot entsteht, das für die Fahrgäste verständlich, bezahlbar und zuverlässig ist.
Historischer Hintergrund
Der öffentliche Personennahverkehr in Deutschland ist traditionell durch regionale Verkehrsverbünde und unterschiedliche Tarifstrukturen geprägt. Verkehrsunternehmen und Verbünde legen innerhalb ihrer Zuständigkeitsbereiche fest, welche Fahrscheine angeboten werden und welche Preise gelten.
Mit dem Deutschlandticket wurde im Mai 2023 erstmals ein bundesweit nutzbares Monatsabonnement für den öffentlichen Nahverkehr eingeführt. Es ermöglicht die Nutzung zahlreicher Busse, Straßenbahnen, U-Bahnen, S-Bahnen und Regionalzüge im Rahmen der geltenden Bedingungen. Fernverkehrszüge wie ICE und IC sind grundsätzlich nicht Bestandteil des Angebots.
Das Deutschlandticket vereinfachte insbesondere für regelmäßige Fahrgäste die Nutzung über regionale Tarifgrenzen hinweg. Für Menschen, die nur wenige Fahrten im Monat unternehmen, ist ein Monatsabonnement jedoch nicht zwangsläufig die wirtschaftlich günstigste Lösung.
Digitale Check-in- und Check-out-Verfahren wurden bereits in verschiedenen Verkehrsregionen erprobt oder eingeführt. In Nordrhein-Westfalen ist mit eezy.nrw ein elektronischer Tarif verfügbar, bei dem Fahrgäste ihre Fahrten über eine App erfassen und die Abrechnung anhand der geltenden Tarifregeln erfolgt.
Der Vorschlag aus Nordrhein-Westfalen und Hamburg knüpft an diese Entwicklung an und erweitert sie um die Idee eines bundesweit einheitlichen Systems.
Zukunftsprognose
Die nächste Verkehrsministerkonferenz könnte neue Erkenntnisse über die Realisierbarkeit eines bundesweiten In/Out-Tarifs bringen. Zunächst müssen die beteiligten Länder und der Bund die finanziellen Auswirkungen und die technischen Voraussetzungen untersuchen.
Sollte sich ein gemeinsames Tarifmodell entwickeln lassen, könnte es das bestehende Deutschlandticket ergänzen. Besonders Menschen mit unregelmäßigem Fahrbedarf könnten davon profitieren, wenn sie nicht mehr zwischen verschiedenen regionalen Fahrscheinen wählen müssten.
Offen bleibt, wie die Preise berechnet werden sollen und ob beispielsweise eine automatische Begrenzung der täglichen oder monatlichen Fahrtkosten vorgesehen wäre. Auch die Einbindung unterschiedlicher Verkehrsunternehmen und die Verteilung der Ticketeinnahmen müssten geregelt werden.
Ein konkreter Einführungstermin lässt sich derzeit nicht nennen. Der Vorschlag befindet sich weiterhin in der politischen Diskussion.
Was ist das Deutschlandticket für Gelegenheitsfahrer?
Gemeint ist ein vorgeschlagenes bundesweit einheitliches Tarifangebot für Menschen, die öffentliche Verkehrsmittel nur gelegentlich nutzen. Anders als beim monatlichen Deutschlandticket sollen einzelne Fahrten digital erfasst und abgerechnet werden.
Wie funktioniert der geplante In/Out-Tarif?
Fahrgäste sollen sich zu Beginn einer Fahrt mit ihrem Smartphone einchecken und am Ende wieder auschecken. Anschließend wird der Fahrpreis nach einem einheitlichen Tarif berechnet. Die konkreten Regeln für die bundesweite Abrechnung stehen noch nicht fest.
Wann wird das neue Ticket eingeführt?
Ein Einführungstermin ist bislang nicht bekannt. Die Verkehrsminister der Länder haben die Beratungen auf ihre nächste Konferenz vertagt. Zunächst müssen Fragen zur Finanzierung und Umsetzung geklärt werden.
Wird das bisherige Deutschlandticket abgeschafft?
Dafür gibt es in der vorliegenden Meldung keinen Hinweis. Der vorgeschlagene Tarif richtet sich vor allem an Gelegenheitsfahrer und ist als mögliches zusätzliches Angebot zum bestehenden Monatsabonnement zu verstehen.
OZD-Extra – eezy.nrw: So funktioniert das digitale Ticketmodell in Nordrhein-Westfalen
In Nordrhein-Westfalen gibt es mit eezy.nrw bereits ein digitales Tarifangebot, das auf dem Prinzip des Ein- und Auscheckens basiert. Fahrgäste können ihre Fahrt über eine teilnehmende App beginnen und nach dem Aussteigen beenden.
Das System berechnet den Fahrpreis anhand der geltenden Tarifregeln. Dadurch entfällt für Nutzer die Notwendigkeit, vor jeder Fahrt selbst die passende Preisstufe oder einen bestimmten Einzelfahrschein auszuwählen.
Ein wesentlicher Unterschied zum vorgeschlagenen bundesweiten Modell besteht darin, dass eezy.nrw auf Nordrhein-Westfalen ausgerichtet ist. Der Vorstoß von NRW und Hamburg zielt dagegen auf ein bundesweit einheitliches Angebot, das auch bei Fahrten in unterschiedlichen Regionen nutzbar sein soll.
Für eine solche Erweiterung müssten technische Systeme, Tarifregeln und Abrechnungsverfahren miteinander abgestimmt werden. Dabei geht es nicht nur um die Erfassung von Fahrten, sondern auch um die Frage, wie Einnahmen den beteiligten Verkehrsunternehmen zugeordnet werden.
Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer verweist auf die positiven Erfahrungen mit dem bestehenden Modell. Ob sich diese Erfahrungen unmittelbar auf ganz Deutschland übertragen lassen, wird Gegenstand der weiteren Beratungen sein.
Gewinnspiel
Welches Verfahren schlagen Nordrhein-Westfalen und Hamburg für ein neues bundesweites Ticket für Gelegenheitsfahrer vor?
A: Einen ausschließlich am Automaten erhältlichen Wochenfahrschein
B: Einen digitalen In/Out-Tarif mit Ein- und Auschecken per Smartphone
C: Eine kostenlose Jahreskarte für alle Autofahrer
D: Eine Reservierungspflicht für sämtliche Regionalzüge
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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.