Zum Inhalt springen
OZD.news - News und Nachrichten zum Nachschlagen
QR-Code zu www.online-zeitung-deutschland.de
Diesen Artikel teilen

VW-Krise vertieft sich: Verlust steigt und China bereitet Sorgen

Volkswagen schreibt ein tiefes Minus und sieht sich in China sowie bei E-Autos vor großen Herausforderungen. Kann der Konzern die Wende schaffen?

Fakten im Überblick

Volkswagen meldet für das dritte Quartal einen Verlust von 5,82 Milliarden Euro.

Das China-Geschäft bricht um 40 Prozent ein, E-Autos belasten die Gewinnmargen.

VW will mit einem Sparplan 31 Milliarden Euro Kosten einsparen und Stellen abbauen.

Die Krise beim Volkswagen-Konzern spitzt sich deutlich zu. Im dritten Quartal dieses Jahres verbuchte VW einen Verlust von 5,82 Milliarden Euro und damit mehr als das Fünffache des Minus aus dem Vorjahreszeitraum. Der Umsatz sank im Vorjahresvergleich auf 75,3 Milliarden Euro, der Absatz von Fahrzeugen auf 1,88 Millionen. Besonders dramatisch wirkt sich die Entwicklung auf dem weltgrößten Automarkt China aus: Hier brach das Geschäft um 40 Prozent ein und stellt den Konzern vor enorme Herausforderungen im Wettbewerb mit günstigeren chinesischen E-Autos.

VW-Finanzvorstand Arno Antlitz betonte in einer Videobotschaft: "Bei der Elektromobilität in Europa sind wir führend. 40 Prozent unseres Auftragsbestandes sind Elektrofahrzeuge". Doch trotz der führenden Stellung bei E-Autos sorgt gerade ihre geringere Gewinnmarge für Finanzdruck. Laut Antlitz müsse Volkswagen bei diesen Fahrzeugtypen Kosten senken und rasch handeln: "Aber der Erfolg geht auch zulasten unserer Finanzergebnisse." Besonders in den deutschen Werken sei das Problem sichtbar: "Bei den anderen Elektrofahrzeugen aus den deutschen Werken ist das noch im größeren Umfang der Fall." Für jedes eingenommene Hundert Euro bleiben nach seinen Angaben weniger als vier Euro Gewinn. "Von 100 Euro Umsatz bleiben damit weniger als 4 Euro Gewinn. Das reicht langfristig nicht aus." VW hat deshalb einen massiven Sparplan aufgesetzt und plant, weltweit rund 31 Milliarden Euro einzusparen.

Im Rahmen der Kostensenkungen beschloss der Aufsichtsrat im September, zusätzlich zu bereits geplanten Maßnahmen weitere 50.000 Stellen abzubauen. Zugleich stehen vier Werke in Deutschland ab 2031 bis 2034 vor einer ungewissen Zukunft. Die E-Mobilität gilt zwar als Wachstumstreiber, doch die hohen Entwicklungskosten und margenschwachen Batterien, deren Zulieferung oft extern erfolgt, belasten die Bilanz deutlich.

In China blickt VW auf einen drastischen Wandel. Laut China-Chef Ralf Brandstätter soll ein stärkerer Fokus auf den Export helfen. Mindestens 300.000 in China produzierte Fahrzeuge will VW bis 2030 jährlich ausführen – vorerst jedoch nicht nach Europa, sondern vor allem in asiatische Länder und nach Südamerika. Das 2023 eröffnete Entwicklungszentrum in Hefei, Provinz Anhui, sei laut Brandstätter "ein Innovationsmotor für den gesamten Konzern". Dennoch bezeichnete er China laut "Handelsblatt" als "keine Wachstumsmaschine mehr". Einst verkaufte VW über vier Millionen Fahrzeuge im Jahr auf dem Riesenmarkt, künftig könnten es laut Prognosen nur noch etwa 2,2 Millionen sein. Der Wettbewerb mit lokalen Herstellern verschärft die Lage weiter. VW steht damit vor einer der größten Herausforderungen seiner Unternehmensgeschichte und muss auf mehreren Ebenen reagieren, um die Zukunft zu sichern.

OZD/AFP

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Volkswagen am Scheideweg

Volkswagen steht vor einer Zäsur, wie sie das Unternehmen seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt hat. Die Zahlen des dritten Quartals sind ein Alarmsignal. Der Konzern steckt im Spagat zwischen Tradition und Zukunft: Das China-Geschäft, einst prestigeträchtige Geldquelle, bricht dramatisch ein. Gleichzeitig sind E-Autos zwar politisch gefordert und technologisch zukunftsweisend, bringen aber deutlich weniger Gewinn. China, lange das sichere Wachstumspferd, fällt nun als Motor aus. Die geplante Entlassungswelle zeigt, wie dringend das Management die nötige Kurskorrektur sieht. Noch profitiert VW vom guten Ruf im Heimatmarkt und seiner weltweiten Bekanntheit, doch diese Faktoren allein reichen nicht. Wer den Wandel verschläft oder zögerlich angeht, bleibt zurück. Die kommenden Jahre werden darüber entscheiden, ob Volkswagen seinen Status als Global Player behaupten kann. Es zeichnet sich ab, dass harte Einschnitte unvermeidlich sind. Eine nachhaltige Erholung ist denkbar, wenn VW konsequent Kosten senkt, Innovationen priorisiert und den Wettlauf um die Elektromobilität nicht bloß als Pflichtübung versteht. Die Zeit, mutig und entschlossen zu handeln, ist jetzt.

Historischer Hintergrund

Volkswagen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem Symbol für das deutsche Wirtschaftswunder und erlangte international große Bedeutung. In den vergangenen Jahrzehnten war China für Volkswagen der wichtigste Einzelmarkt, auf dem der Konzern jahrelang massive Wachstumsraten erzielte. Mit dem Aufkommen günstiger chinesischer E-Autos und veränderten Marktbedingungen hat sich diese Dynamik grundlegend gewandelt. Die hohen Investitionen in die Elektromobilität und die Herausforderungen beim Markteintritt gegen lokale Anbieter prägen heute die Entwicklung. Das Entwicklungszentrum Hefei ist dabei ein neuer strategischer Eckpfeiler, der Innovationen beschleunigen soll.

Zukunftsprognose

Sollte Volkswagen seine Sparpläne zügig umsetzen, könnten die Kosten nachhaltig sinken und die Gewinnmargen wieder steigen. Die Unsicherheiten im China-Geschäft aber werden den Konzern nach Einschätzung vieler Marktbeobachter weiterhin stark beschäftigen. Sollte es nicht gelingen, mit heimischen und internationalen Wettbewerbern Schritt zu halten, drohen weitere Marktverluste, Arbeitsplatzabbau und Werksschließungen. Schafft VW hingegen den Wandel zur rentablen Elektromobilität, könnte der Konzern seine Stellung als einer der führenden Automobilhersteller in Europa und der Welt behaupten.

Erklärungen

Was ist das VW-Entwicklungszentrum Hefei?

Das Entwicklungszentrum in Hefei, gegründet 2023, ist Volkswagens größtes Forschungs- und Entwicklungszentrum außerhalb Deutschlands. Es entwickelt Fahrzeuge speziell für den chinesischen Markt und beschäftigt ca. 3000 chinesische sowie 200 ausländische Mitarbeiter.

Was ist der VW-Sparplan?

Der Zukunftsplan von Volkswagen sieht vor, weltweit rund 31 Milliarden Euro an Kosten einzusparen und dafür Stellen abzubauen. Ziel ist, das Unternehmen wieder wettbewerbsfähiger und profitabler zu machen.

OZD-Extras

Die Entwicklungen in China gelten international als Gradmesser für die Zukunft der deutschen Automobilindustrie. Besonders an der Börse sorgten die tiefroten VW-Zahlen nach Bekanntwerden für Unsicherheit. Ein direkter Zusammenhang zu kurzfristigen Kursbewegungen kann aktuell zwar nicht abschließend bewertet werden, doch verunsichern die schlechten Zahlen Anleger weltweit. Die Innovationspartnerschaft im chinesischen Entwicklungszentrum könnte langfristig auch für andere Regionen von strategischer Bedeutung sein.

Gewinnspiel

Wie hoch ist der Verlust von Volkswagen im dritten Quartal?

A) 1,2 Milliarden Euro

B) 5,82 Milliarden Euro

C) 3,9 Milliarden Euro

D) 8,4 Milliarden Euro

Zum Gewinnspiel

Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.