Fakten im Überblick
Das DFB-Präsidium will das Kompassmodell zur Regionalliga-Reform durchsetzen.
Alle vier Regionalliga-Meister sollen künftig direkt in die 3. Liga aufsteigen.
Die Reform benötigt eine Zweidrittelmehrheit auf dem DFB-Bundestag am 18. Dezember.
Im jahrelangen Streit um die Struktur und den Aufstieg in der Regionalliga will der Deutsche Fußball-Bund einen Schlussstrich ziehen. Bei seiner Sitzung am Freitag hat das DFB-Präsidium beschlossen, beim Außerordentlichen DFB-Bundestag am 18. Dezember einen Antrag auf Einführung des sogenannten Kompassmodells zu stellen. Damit sollen die aktuellen Uneinigkeiten über Aufstiegsregelungen, die Vereine und Verbände seit langem belasten, gelöst werden. Noch ist offen, ob die notwendige Zweidrittelmehrheit unter den 257 Delegierten zusammenkommen wird, denn vor allem aus Bayern und dem Südwesten gibt es Vorbehalte.
Der DFB-Präsident Bernd Neuendorf bekräftigte, das Kompassmodell habe zuletzt bei einer bundesweiten Vereinsbefragung eine Mehrheit erhalten. Er erklärte: "Das Kompassmodell hat in einer bundesweiten Vereinsbefragung im Sommer eine Mehrheit erzielt", und weiter: "Dem wollen wir mit unserem Antrag Rechnung tragen. Vier Meister, vier direkte Aufsteiger: Dieses klare Prinzip schafft endlich Verlässlichkeit." Das Kompassmodell sieht vor, die aktuelle Regionalliga von fünf auf vier Staffeln à jeweils zwanzig Mannschaften umzubauen. Ein klar nachvollziehbares Prinzip: Alle Meister aus den vier Staffeln sollen künftig direkt in die 3. Liga aufsteigen.
Bislang sorgen die bestehenden Regeln für Unmut, denn nur die Meister aus West und Südwest steigen sicher auf. In den Staffeln Bayern, Nord und Nordost wird das direkte Aufstiegsrecht jährlich rotiert, die übrigen beiden Meister spielen in Playoff-Partien um einen weiteren Aufstiegsplatz. In der neuen Struktur sollen die Staffeln nach geografischen Kriterien zusammengestellt werden und sich von Saison zu Saison ändern können. Auch die Organisation, Vermarktung und Zulassungsvoraussetzungen würden laut DFB einheitlich und zentralisiert. Die Umsetzung ist für die Saison 2028/29 vorgesehen, wobei die Spielzeit 2027/28 als Qualifikationsrunde dienen würde. Ein vorheriger Reformversuch war Ende Juni gescheitert.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Verlässlichkeit statt Chaos: Die Chance für die Regionalliga
Seit Jahren streiten Vereine, Verband und Fans über die gerechte Aufteilung der Regionalliga und den Weg in die 3. Liga. Nun legt das DFB-Präsidium mit dem Kompassmodell ein Konzept vor, das ein Grundproblem des deutschen Amateurfußballs beheben kann: Die berechtigte Anspruch auf Verlässlichkeit und transparente Aufstiegschancen. Dass vier Meister direkt aufsteigen dürfen, ist ein klares Signal gegen das oft kritisierte Playoff-System, das bislang für Enttäuschungen und Verunsicherung gesorgt hat. Nicht jeder wird mit der Neuaufteilung einverstanden sein, doch das Kompassmodell bietet nachvollziehbare Regeln und vereinfacht die Liga-Struktur deutlich. Die Schaffung einheitlicher Zulassungsvoraussetzungen und zentraler Vermarktung bietet zudem Potenziale für die Entwicklung der Vereine. Die entscheidende Hürde bleibt die Zweidrittelmehrheit: Ob die Delegierten das Modell annehmen, hängt am Ende davon ab, ob Vernunft und der Wunsch nach Stabilität die alten Grabenkämpfe überwinden. Die Prognose: Gelingt der Durchbruch, könnte die Regionalliga endlich den dauerhaften Bruch mit alten Streits schaffen – andernfalls droht eine weitere Verzögerung der so dringend benötigten Reform.
Historischer Hintergrund
Das Thema Aufstieg und Struktur der Regionalliga beschäftigt den deutschen Fußball seit der Wiedereinführung der Regionalliga als vierte Liga vor über 15 Jahren erneut. Ursprünglich bestand eine größere Zahl an Staffeln, immer wieder kam es zu Streit über die gerechte Verteilung von Aufstiegsplätzen und die Regioneneinteilung. In den letzten Jahren sorgte vor allem das Rotations- und Playoff-System für Unzufriedenheit und zahlreiche Reformdebatten, bei denen Reformversuche oft an Interessengegensätzen der Regionalverbände scheiterten. Erst kürzlich, im Juni, war eine umfassende Reform erneut nicht zustande gekommen.
Zukunftsprognose
Kommt die Reform durch den Bundestag, wäre für Vereine, Spieler und Fans eine Phase der Klarheit angebrochen. Die direkte Aufstiegsmöglichkeit für alle vier Meister schafft faire Bedingungen und kann die Attraktivität der Regionalliga steigern. Wirtschaftlich könnten zentrale Vermarktung und Organisation zu mehr Einnahmen führen. Gesellschaftlich würde dies den Fußballstandort Deutschland stärken, weil aufstrebende Vereine besser planen können. Doch besteht weiterhin das Risiko, dass regionale Interessen die Zustimmung blockieren. International bleiben die Auswirkungen begrenzt, doch das Modell könnte in anderen Ligen als Orientierung dienen.
Erklärungen
Was ist das Kompassmodell?
Das Kompassmodell ist ein Vorschlag zur Reform der Regionalliga im deutschen Fußball. Es sieht vor, die bisher fünf Staffeln auf vier Staffeln mit jeweils 20 Teams umzustellen. Die Einteilung richtet sich nach geografischen Kriterien. Zukünftig würden alle vier Staffelsieger direkt in die 3. Liga aufsteigen.
Was ist die Regionalliga?
Die Regionalliga ist die vierthöchste Spielklasse im deutschen Herrenfußball. Sie ist derzeit in fünf regionale Staffeln unterteilt und bildet die wichtigste Schnittstelle zwischen Amateur- und Profifußball.
OZD-Extras
Eine einheitliche Organisation und zentrale Vermarktung der Regionalliga könnten für Sponsoren und TV-Anbieter neue Möglichkeiten schaffen. Mögliche Auswirkungen auf TV- und Werbeerlöse würden sich erst nach Umsetzung des Modells zeigen und hängen von konkreten Verhandlungen ab.
Gewinnspiel
Wie viele Regionalliga-Staffeln sind im Kompassmodell vorgesehen?
A) Vier
B) Fünf
C) Sechs
D) Sieben
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.