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Cyberangriffe auf Warn-Apps schocken Millionen in Kriegsgebieten

Cyberangriffe trafen Warn-Apps in der Ukraine und Russland. Falsche Warnungen wie Atom-Angriff sorgten für Unsicherheit in den Kriegsregionen.

Fakten im Überblick

Warn-Apps der Ukraine und Russlands wurden Ziel von Cyberattacken.

In der Ukraine sorgte die pro-russische Gruppe Hitcore für Falschmeldungen.

In Russland wurden Falschinformationen über Katastrophenschutz-Kanäle verbreitet.

In der Nacht zum Montag verbreiteten sich in der Ukraine und in Russland Angst und Unsicherheit, nachdem Warn-Apps Opfer von Hackerangriffen wurden. Millionen Menschen in der Ukraine erhielten am späten Sonntagabend über die Luftalarm-App Warnungen vor einem angeblichen "Atom-Angriff", einer "chemischen Bedrohung" oder "Straßenschlachten" in Kiew. Die ukrainische Luftwaffe warnte vor einer "feindlichen Beeinträchtigung" der App und forderte dazu auf, die Falschinformationen nicht zu glauben. Als Urheber des Hackerangriffs auf das Alarmsystem bekannte sich die pro-russische Gruppe Hitcore. Die App, die vor russischen Raketen- und Drohnenangriffen schützen soll, wurde vorübergehend abgeschaltet, nach der Wiederherstellung am Montag aber wieder aktiviert. Laut Ajax Systems war sie bereits mehr als 46 Millionen Mal heruntergeladen worden und hat täglich rund 6,7 Millionen Nutzer. Andere Warn-Apps in der Ukraine waren nach Behördenangaben nicht betroffen.

Kurz darauf meldete auch das russische Katastrophenschutzministerium einen "massiven Cyberangriff" auf seine Warn-App. Über Telegram und regionale Onlinekanäle erhielten Menschen in der Grenzregion Belgorod eine Warnung, laut der "nukleare Sprengköpfe" auf Russland abgefeuert worden seien und man "dringend Lebensmittelvorräte für drei Wochen anlegen" solle. Über die Herkunft der russischen Angriffe gab es zunächst keine Hinweise. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte, eine solche Bedrohung nehme durch Künstliche Intelligenz zu. Moskau werde "angemessene Maßnahmen" ergreifen. Anders als die ukrainische Luftalarm-App hat Russlands Warn-App deutlich weniger Nutzer und kein landesweites System.

Auf internationaler Ebene sorgten die Hackerangriffe für große Besorgnis. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas betonte, Moskau versuche, die Warnsysteme zu stören, damit "sie so viele Menschen wie möglich töten können". Großbritanniens Verteidigungsminister Wes Streeting meinte, es sei noch nicht sicher, wer "hinter diesem konkreten Cyberangriff" stecke. Dennoch habe es keinen Zweifel daran gegeben, "dass wir in ganz Europa diese hybriden oder staatlich geförderten Terrorangriffe gesehen haben, die von Moskau ausgehen".

Parallel dazu endete in der südukrainischen Stadt Oleschky am Sonntag nach Vermittlung von US-First-Lady Melania Trump die längste Feuerpause seit Kriegsbeginn. Nach ukrainischen Angaben lehnte Russland eine Verlängerung der sechstägigen Pause ab und nahm die Angriffe auf die Region Cherson wieder auf. Laut Stadtverwaltung traf eine Drohne eine "medizinische Einrichtung" in Cherson, weitere Drohnen verletzten zwei Menschen in einem Außenbezirk. Die Feuerpause hatte Versorgung und Evakuierungen ermöglicht. Während der Kreml die Waffenruhe als "erfolgreich" bezeichnete und von "gute Zusammenarbeit" sprach, warf die Ukraine Russland vor, die Kampfpause zur militärischen Verstärkung genutzt zu haben. Peskow widersprach dem nicht und sagte: "Das ist in solchen Situationen eine völlig normale Praxis". Im November sollen neue Gespräche zwischen Russland und der Ukraine unter US-Vermittlung stattfinden, bisher blieben Durchbrüche aus. In Kiew wächst die Sorge, dass sich US-Präsident Donald Trump dem Kreml annähern könnte.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Die Unsichtbare Front im Cyberkrieg

Die gezielten Angriffe auf Warn-Apps zeigen die neue Dimension moderner Kriegsführung. Wenn lebensrettende Systeme durch gefälschte Warnungen untergraben werden, bedroht dies nicht nur die physische Sicherheit, sondern auch das Vertrauen der Bevölkerung in staatliche Schutzmaßnahmen. Die internationale Reaktion unterstreicht, wie groß die Angst vor einer weiteren Eskalation digitaler Angriffe ist. Gleichzeitig offenbaren die Angriffe auch Schwächen im Schutz der digitalen Infrastruktur beider Länder. Dass sich Verantwortliche zu Angriffen bekennen oder Zitate wie "sie so viele Menschen wie möglich töten können" die öffentliche Debatte dominieren, verdeutlicht das Ausmaß an Verunsicherung. Für die Menschen bedeutet dies, dass das Ringen um verlässliche Information längst zur Überlebensfrage geworden ist. Die nächsten Hackerattacken dürften wohl nur eine Frage der Zeit sein – der Schutz kritischer Systeme wird zur Priorität.

Historischer Hintergrund

Seit Beginn des Kriegs zwischen Russland und der Ukraine gehören Cyberangriffe und Desinformation zum traurigen Alltag. Über Jahre hinweg wurden digitale Systeme gezielt attackiert, um Verunsicherung zu stiften. Die Luftalarm-App der Ukraine wurde zur zentralen Schutzmaßnahme und ist ein Symbol für den ständigen Luftalarm. In Russland existierte hingegen bislang kein solches landesweites Warnsystem. Die aktuelle Angriffswelle ist ein neuer Höhepunkt digitaler Auseinandersetzung beider Seiten.

Zukunftsprognose

Weitere Cyberangriffe auf Warninfrastruktur und kritische Systeme erscheinen sehr wahrscheinlich, solange keine politische Lösung in Sicht ist. Das Vertrauen in staatliche Warnungen könnte durch solche Aktionen weiter geschwächt werden, was die Bevölkerung im Ernstfall gefährden kann. Im internationalen Kontext wird mit einer weiteren Zunahme hybrider Angriffe in Europa gerechnet. Die Stärkung digitaler Sicherheit rückt bei Staaten und Unternehmen noch stärker in den Fokus.

Erklärungen

Was ist eine Luftalarm-App?

Eine Luftalarm-App ist eine Smartphone-Anwendung, die vor Raketen- und Drohnenangriffen warnt. In der Ukraine nutzen Millionen Menschen täglich die App zum Schutz vor Angriffen.

Wer ist Hitcore?

Hitcore ist eine pro-russische Hackergruppe, die sich zum Cyberangriff auf die ukrainische Luftalarm-App bekannte.

OZD-Extras

IT-Sicherheitsexperten beobachten weltweit verstärkte Angriffe auf kritische Warnsysteme. Auswirkungen auf Börsen, Rohstoffe und Währungen sind derzeit nicht direkt nachweisbar.

Gewinnspiel

Wie heißt die Hackergruppe, die für den Angriff auf die ukrainische Luftalarm-App verantwortlich ist?

A) GhostSec

B) NightDragon

C) Hitcore

D) LockBit

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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.