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Deutsche Wirtschaft spürt Aufschwung doch Skepsis bleibt

Die Wirtschaft in Deutschland fasst langsam Zuversicht, doch Unternehmen bleiben vorsichtig. DIHK-Umfrage offenbart helle und dunkle Seiten.

Fakten im Überblick

Die DIHK-Umfrage zeigt, mehr Unternehmen bewerten ihre Lage als gut.

Elektrotechnik profitiert vom KI-Boom und besseren Exporten.

Die Mehrheit der Unternehmen bleibt bei den Aussichten vorsichtig.

Die deutsche Wirtschaft blickt laut aktueller DIHK-Konjunkturumfrage etwas optimistischer auf die Geschäftslage, auch wenn Sorgen bleiben. Denn 26 Prozent der Unternehmen bewerten ihre derzeitige Lage als gut, drei Prozentpunkte mehr als noch im Frühsommer. Gleichzeitig schätzen 23 Prozent ihre Lage als schlecht ein. Besonders im Handel bleibt die Situation nach DIHK-Angaben düster. Im Gegensatz dazu erlebt die Elektrotechnik laut Verband mit dem anhaltenden Boom bei Künstlicher Intelligenz spürbaren Aufwind. Mehr als ein Drittel der Betriebe meldet dort gute Geschäfte.

Eine "Atempause" verschaffen der Wirtschaft nach Angaben der DIHK auch die staatlichen Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung sowie eine verbesserte Auslandsnachfrage nach deutschen Exportgütern. Mit Blick auf die kommenden zwölf Monate bleiben viele Unternehmen jedoch zurückhaltend. "Nur 15 Prozent der Betriebe rechnen mit besseren Geschäften, vor allem in der Elektrotechnik, der Verteidigungsindustrie sowie der Versicherungs- und Kreditwirtschaft", meldet die DIHK. Fast doppelt so viele gehen von einer Verschlechterung aus. "Nach dem Einbruch der Erwartungen zu Beginn des Iran-Krieges kehren die Werte damit auf das bescheidene Vorjahresniveau zurück."

Für die Herbst-Konjunkturumfrage wurden gut 23.000 Unternehmen aller Branchen im September und Anfang Oktober befragt. In der vorherigen Konjunkturumfrage, die Ende Mai 2023 veröffentlicht wurde, hatten die Firmen ihre Lage angesichts struktureller Probleme und des Iran-Krieges so schlecht bewertet wie zuletzt in Corona-Zeiten. DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov bezeichnet die aktuelle Entwicklung als "Aufschwung auf Pump". Sie sagt: "Der Staat gibt Geld für Infrastruktur und Verteidigung aus", und es gebe etwas Rückenwind beim Export. Sie betont jedoch: "Von selbsttragendem Wachstum sind wir weit entfernt." Melnikov fordert, dass die Reformpläne der Bundesregierung von den Sozialreformen bis zum Bürokratieabbau nun endlich umgesetzt werden müssten.

Die DIHK erwartet für das deutsche Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr ein Wachstum von einem Prozent, nachdem zuvor nur mit 0,3 Prozent gerechnet wurde. Für 2027 rechnet sie ebenfalls mit einem Prozent Plus. Die Prognosen spiegeln vorsichtigen Optimismus bei anhaltender Unsicherheit wider.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Unsicherer Aufschwung wird vom Staat gestützt

Die aktuelle DIHK-Umfrage verdeutlicht die fragile Erholung in Deutschland. Während Branchen wie die Elektrotechnik durch Innovation und Export profitieren, bleibt die Zurückhaltung vieler Unternehmen spürbar und der Handel leidet weiter. Wenn die DIHK von einer "Atempause" durch Staat und Ausland spricht und von einem "Aufschwung auf Pump", wirft das Fragen zur Nachhaltigkeit der Entwicklung auf. Der Satz "Von selbsttragendem Wachstum sind wir weit entfernt." bringt es nüchtern auf den Punkt: Ohne entschlossene Reformen bleibt das Wachstum abhängig von politischen Stützungsmaßnahmen. Auch in den nächsten Jahren ist nicht mit einer übergreifenden Trendwende zu rechnen, solange strukturelle Herausforderungen fortbestehen. Die kleine Erholung bleibt damit ein Hoffnungsschimmer – ein nachhaltiger Aufschwung braucht mehr Mut zu Veränderung.

Historischer Hintergrund

Die DIHK erhebt regelmäßig Stimmungsbilder zur deutschen Wirtschaftslage. Die vorherige Umfrage zeigte angesichts struktureller Probleme und des Iran-Krieges eine sehr schlechte Stimmung, ähnlich der Corona-Zeit. Die aktuelle Erhebung von September und Oktober 2023 dokumentiert erste Erholungstendenzen aber auch anhaltende Verunsicherung. Internationale Konflikte und wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen spielen dabei eine zentrale Rolle.

Zukunftsprognose

Sollten staatliche Investitionen und gestiegene Exportnachfrage anhalten, könnte sich die Lage in einzelnen Branchen wie der Elektrotechnik etwas weiter verbessern. Die Mehrheit der Unternehmen bleibt vorsichtig, weshalb ein schneller, umfassender Aufschwung unwahrscheinlich erscheint. International werden sich Veränderungen vor allem in spezialisierten deutschen Sektoren abzeichnen. Die Prognose bleibt uneinheitlich: eine leichte konjunkturelle Erholung ist möglich, eine grundlegende Trendwende hängt jedoch von politischen und wirtschaftlichen Reformen ab.

Erklärungen

Was ist die DIHK-Konjunkturumfrage

Die Konjunkturumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) ist eine breit angelegte Erhebung, bei der zehntausende Unternehmen zu ihrer aktuellen Lage und ihren Erwartungen befragt werden. Sie gilt als wichtiger Indikator für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland und erscheint regelmäßig mit Daten aus verschiedenen Branchen.

OZD-Extras

Stimmungsaufhellungen in DIHK-Umfragen können das Anlegervertrauen und die Bewegungen an Finanzmärkten beeinflussen, werden aber in Handlungen erst bedeutsam, wenn sie sich in realen Wirtschaftsdaten widerspiegeln. Die aktuelle DIHK-Prognose hat noch keine direkten Auswirkungen auf Aktien oder Währungen, zeigt aber Tendenzen auf.

Gewinnspiel

Wie viele Unternehmen bewerten laut aktueller DIHK-Umfrage ihre Lage als gut?

A) 26 Prozent

B) 15 Prozent

C) 23 Prozent

D) 33 Prozent

Zum Gewinnspiel

Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.