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Bombendrohungen stören Europas Flugverkehr erneut massiv

Europas Flugverkehr wurde durch neue Bombendrohungen erneut stark gestört. Viele Flüge waren betroffen, Sprengstoff wurde jedoch nicht gefunden.

Fakten im Überblick

Rund 20 Flüge in Europa wurden durch Bombendrohungen gestört.

Alle betroffenen Flugzeuge konnten sicher landen, Sprengsätze wurden nicht gefunden.

In Drohmails wird eine Gruppierung namens Männerstaat erwähnt.

Eine Serie neuer Bombendrohungen hat den europäischen Flugverkehr erneut durcheinandergebracht. Am Donnerstag wurden laut Behörden und Fluggesellschaften rund 20 Flüge im europäischen Luftraum zum Ziel anonymer Bedrohungen. Mehrere Flugzeuge mussten umgeleitet oder von Militärflugzeugen zu Flughäfen eskortiert werden. Betroffen waren insbesondere Flüge von und nach Italien, Bulgarien und Tschechien, darunter Maschinen von Ryanair, Finnair, Wizz Air und Aer Lingus. Die Flughäfen und Sicherheitsdienste reagierten mit umfassenden Maßnahmen. Übereinstimmend berichten die Behörden, dass alle betroffenen Maschinen sicher landeten und nach gründlicher Durchsuchung kein Sprengstoff gefunden wurde. Besonders Bulgarien war Ziel mehrerer Drohungen: Nach Angaben des Verteidigungsministeriums begleiteten Kampfflugzeuge drei Maschinen von Ryanair nach Sofia. Zwei Flugzeuge konnten dort landen, eine weitere wich nach Plowdiw aus. Das Innenministerium erklärte, alle drei seien durchsucht worden, Bomben seien nicht gefunden worden.

Im Fokus steht eine an mehrere E-Mail-Adressen des Flughafens von Sofia geschickte Nachricht. Die AFP konnte eine davon einsehen. Darin wird erklärt: "Wir, die Kämpfer des Männerstaats, werden mit unseren heutigen Taten in die Geschichte eingehen. Euer feministisches Regime wird sich für immer daran erinnern". Die Gruppierung Männerstaat ist in Russland als rechtsextrem und antifeministisch bekannt. Ob sie tatsächlich hinter den Drohungen steckt, ist bislang nicht verifiziert. Laut der NGO Inpact, die russische Aktivitäten beobachtet, hat diese Organisation tausende Mitglieder und unterstützt den Krieg gegen die Ukraine. Auch in Italien, Frankreich, Dänemark, Griechenland, Tschechien, Polen und Rumänien ging eine Vielzahl von Drohmails ein. In Frankreich musste ein Aer-Lingus-Flug aus Dublin nach Rom auf einem Luftwaffenstützpunkt in der Normandie landen. Die französische Staatsanwaltschaft ermittelt, weil der irische Pilot zunächst auf einem zivilen Flughafen landen wollte.

Nach Angaben von Finnair wurden zwei Verbindungen von Helsinki nach Rom und Wien bedroht. Die Airline erklärte, ein Entschärfungsteam habe bei der Kontrolle "nichts Ungewöhnliches gefunden". In Dänemark gab die Polizei nach Durchsuchungen betroffener Flüge am Flughafen Kopenhagen Entwarnung: Es bestehe "keine Gefahr". Auch in Griechenland, wo Bombendrohungen gegen zwei Flüge eingingen, sowie in Tschechien, wo anonyme E-Mails mehrere Flüge nach Prag betrafen, blieben die Kontrollen ohne Befund. Die Ermittlungen hat dort die Anti-Terror-Polizei übernommen, wie eine Sprecherin bestätigte.

Aktuell gibt es laut EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas keine eindeutigen Hinweise auf eine Verbindung zwischen den Drohungen. Er betonte, es sei "zu früh, um Rückschlüsse auf einen möglichen Zusammenhang" zu ziehen. Schon in den Tagen zuvor waren zehn weitere innereuropäische Flüge von Bombendrohungen betroffen gewesen; ein Warschauer Flughafen musste zeitweise schließen. In keinem einzigen Fall wurden bisher Sprengsätze gefunden, doch die anhaltenden Bedrohungen führen in ganz Europa zu großer Verunsicherung und einem hohen Sicherheitsaufwand. Die Ermittlungen dauern weiterhin an.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Bombenangst als Test für Europas Flughäfen

Die Serie von Bombendrohungen macht deutlich, wie rasch ein ganzer Kontinent durch anonyme E-Mails in Alarmbereitschaft versetzt werden kann. Trotz ausbleibender Funde wurden Sicherheitsabläufe massiv belastet, Maschinen umgeleitet und Passagiere mit Angst und Ungewissheit konfrontiert. Besonders brisant ist das Bekennerschreiben, das antifeministische und rechtsextreme Botschaften transportiert und gezielt Angst schürt. Europas Sicherheitsstrukturen haben in der aktuellen Lage zwar effizient und entschlossen reagiert, doch zeigt sich: Die Abwehr solcher hybrider Angriffe bleibt ein Wettlauf mit der Zeit und eine Herausforderung für internationale Zusammenarbeit. Es ist zu erwarten, dass künftig Prävention und digitale Absicherung weiter verstärkt werden, während Ermittlungen hoffentlich ein klares Bild der Urheber dieser Drohungen liefern.

Historischer Hintergrund

Bombendrohungen gegen den Flugverkehr sind in Europa kein neues Phänomen, sorgen aber immer wieder für umfassende Sicherheitsmaßnahmen. Die aktuelle Bedrohungswelle ist Teil eines Anstiegs sogenannter hybrider Angriffe, wie sie zuletzt mehrfach auch Russland und dem Iran zugeschrieben werden. Die offene Verwendung des Gruppennamens Männerstaat gibt diesem Fall eine neue Dimension; die Behörden prüfen die tatsächliche Verwicklung aktuell. Europäische Flughäfen waren auch in der Vergangenheit regelmäßig Ziel von anonymen Drohmails, meist mit sofortigen Evakuierungen, Durchsuchungen und Umleitungen.

Zukunftsprognose

In den kommenden Monaten werden europäische Sicherheitsbehörden ihre Vorsorge gegen hybride Angriffe und Bombendrohungen weiter ausbauen. Passagiere werden sich auf mehr Kontrollen und unvorhergesehene Verspätungen einstellen müssen, solange die Bedrohungslage anhält. Die Luftfahrtbranche könnte kurz- bis mittelfristig mit einem Anstieg der Kosten und möglicherweise auch eingeschränktem Vertrauen der Reisenden konfrontiert sein. Solange die Täter nicht eindeutig identifiziert sind, werden europaweit Präventionsmaßnahmen und technische Sicherheitssysteme wahrscheinlich verschärft. Insgesamt bleibt das Risiko hoch, dass solche Drohwellen erneut auftreten.

Erklärungen

Was ist Männerstaat

Männerstaat ist der Name einer rechtsextremen und antifeministischen Gruppierung aus Russland. Sie fiel durch frauenfeindliche und radikale Aktivitäten auf und wird in Beobachterkreisen mit Unterstützung für den Krieg gegen die Ukraine in Verbindung gebracht. Ob sie hinter der aktuellen Serie von Bombendrohungen steckt, ist noch unklar.

OZD-Extras

Die Drohmails waren teils in schlechtem Italienisch verfasst. Die Nennung von Männerstaats in den Schreiben verbindet gezielt politische Botschaften mit Bedrohung. Die wiederholten Bombendrohungen könnten das Vertrauen in Europas Flugverkehr belasten und zu kurzfristigen Reaktionen an den Börsen der Luftfahrtunternehmen führen. Beeinträchtigungen am Aktienmarkt sind bisher aber nicht eindeutig belegt.

Gewinnspiel

Welche Hauptstadt Europas war unter den Zielen aktueller Bombendrohungen auf Flugzeuge?

A) Sofia

B) Wien

C) Athen

D) Madrid

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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.