BPI fordert mehr Krisenfestigkeit bei Arzneimitteln
Lieferketten und Standortkosten setzen Pharmaindustrie unter Druck
Der BPI sieht Arzneimittelversorgung und Pharmastandort durch Handelskonflikte, Abhängigkeiten, Cyberangriffe und hohe Kosten bedroht.
Fakten im Überblick
BPI-Hauptgeschäftsführer Kai Joachimsen sprach bei Pharma Trends 2027 in Berlin.
Er nannte Handelskonflikte, Asien-Abhängigkeit und fragile Lieferketten als Risiken.
Der Verband fordert, Gesundheitspolitik stärker als Standort- und Sicherheitspolitik zu behandeln.
Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie warnt vor einer Mehrfachkrise für Arzneimittelversorgung und Pharmastandort. BPI-Hauptgeschäftsführer Dr. Kai Joachimsen erklärte auf der gesundheitspolitischen Jahrestagung „Pharma Trends 2027“ in Berlin, externe Schocks träfen auf strukturelle Schwächen.
Joachimsen nannte Handelskonflikte, eine wachsende Abhängigkeit von Asien, fragile Lieferketten, Cyberangriffe sowie Knappheiten und hohe Kosten bei Energie und Rohstoffen. „Es zieht ein perfect storm auf, aber unser Gesundheitswesen ist nicht krisenfest, schon gar nicht krisenresilient. Externe Schocks treffen auf strukturelle Schwächen am Standort und in der Versorgung“, sagte er.
Der Verband fordert schnellere politische Entscheidungen. Nach seiner Darstellung wird über den europäischen Critical Medicines Act zu lange beraten. Zugleich könnten andere Vorgaben zusätzliche Belastungen für die Produktion in Europa schaffen. Auf Bundesebene kritisiert der BPI steigende Abschläge und den zunehmenden Einsatz von Rabattverträgen.
Die Absicht des Bundesgesundheitsministeriums, die Regelversorgung zugleich krisenfester zu machen, begrüßte Joachimsen grundsätzlich. Der Blick dürfe sich jedoch nicht auf Krankenhäuser beschränken. Auch bei Arzneimitteln müsse die alltägliche Versorgung so aufgestellt sein, dass sie in einer Krise belastbar bleibt.
Für Finanzmärkte lässt sich aus der Verbandsforderung keine konkrete Kursreaktion ableiten. Für die Branche sind jedoch Produktionskosten, Regulierung, Erstattungsbedingungen und Lieferketten zentrale Investitionsfaktoren. Politische Änderungen könnten deshalb Standortentscheidungen und Arbeitsplätze beeinflussen.
BPI/news aktuell/OZD
OZD-Kommentar – Versorgungssicherheit braucht klare Prioritäten
Der BPI spricht aus Verbandsinteresse, benennt aber Risiken, die Patienten unmittelbar betreffen können. Mehr Produktion in Europa ist politisch leicht gefordert, wirtschaftlich jedoch teuer. Wer Abhängigkeiten verringern will, muss definieren, welche Reservekapazitäten und höheren Kosten die Gesellschaft dauerhaft tragen soll.
Historischer Hintergrund
Engpässe bei Arzneimitteln beschäftigen Deutschland und die Europäische Union seit Jahren. Ein Teil der Wirkstoffproduktion wurde aus Kostengründen nach Asien verlagert. Pandemie, Krieg, Energiekrise und geopolitische Spannungen machten sichtbar, wie störanfällig international verzweigte Lieferketten sein können.
Zukunftsprognose
EU und Bundesregierung dürften die Förderung strategisch wichtiger Arzneimittel und Produktionsstandorte weiter beraten. Entscheidend wird sein, wie Versorgungssicherheit finanziert und mit Umwelt-, Wettbewerbs- und Haushaltszielen verbunden wird. Kurzfristige Entlastungen allein werden strukturelle Abhängigkeiten kaum beseitigen.
Was bedeutet Polykrise?
Der Begriff beschreibt mehrere Krisen, die gleichzeitig auftreten und sich gegenseitig verstärken. In der Arzneimittelversorgung können etwa Handelskonflikte, Cyberangriffe, Rohstoffknappheit und hohe Energiekosten zusammenwirken.
OZD-Extra – Warum Medikamente Teil kritischer Infrastruktur sind
Eine stabile Versorgung mit Arzneimitteln ist für Kliniken, Praxen und Patienten unverzichtbar. Produktionsausfälle oder blockierte Lieferketten können daher schnell gesundheitliche und gesellschaftliche Folgen haben.
Gewinnspiel
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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild BPI/Jonathan Vahsen.