US-Präsident Donald Trump hat nach Angaben des Weißen Hauses „intensiv“ über einen möglichen Kauf Grönlands von Dänemark diskutiert. Seine Sprecherin Karoline Leavitt erklärte in Washington, das Thema werde derzeit ausführlich vom Präsidenten und seinem nationalen Sicherheitsteam beraten. Es gehe konkret darum, wie ein solcher Kauf ausgestaltet sein könnte. Trump sei überzeugt, dass eine Übernahme der arktischen Insel im sicherheitspolitischen Interesse der Vereinigten Staaten liege.
Leavitt begründete dies mit der strategischen Lage Grönlands und der wachsenden Präsenz Russlands und Chinas in der Arktis. Ein Erwerb der Insel sei nach Auffassung Trumps notwendig, um einer möglichen „russischen oder chinesischen Aggression“ in der Region zuvorzukommen. Auf die Frage, warum Trump selbst ein militärisches Vorgehen gegen den Nato-Partner Dänemark nicht ausdrücklich ausschließe, erklärte die Sprecherin, für diesen Präsidenten lägen „immer alle Optionen auf dem Tisch“. Zugleich betonte sie, Trumps erste Option sei stets die Diplomatie.
Die Aussagen haben die Spannungen zwischen Washington und Kopenhagen weiter verschärft. Grönland gehört formal zum Königreich Dänemark, genießt jedoch weitreichende Autonomie. US-Außenminister Marco Rubio kündigte für die kommende Woche ein Treffen mit dänischen Regierungsvertretern an. Dänemarks Außenminister Lars Løkke Rasmussen hatte zuvor selbst um Gespräche gebeten, um die Lage zu entschärfen.
Trump hatte seinen Anspruch auf Grönland zuletzt öffentlich bekräftigt und erklärt, die USA benötigten die Insel aus Gründen der nationalen Sicherheit. Nach dem jüngsten US-Militäreinsatz in Venezuela wächst in Europa die Sorge, dass Trump seine Drohungen diesmal ernst meint. Mehrere westliche Staats- und Regierungschefs, darunter Friedrich Merz, sicherten Dänemark öffentlich ihre Unterstützung zu.
In Grönland selbst ist die Lage ambivalent. Umfragen zeigen, dass eine große Mehrheit der rund 57.000 Einwohner langfristig die vollständige Unabhängigkeit von Dänemark anstrebt. Eine Eingliederung in die USA lehnen die meisten Grönländer jedoch klar ab. Dennoch rückt die Insel zunehmend ins Zentrum globaler Machtpolitik.
Der republikanische Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Mike Johnson, versuchte die Debatte zu entschärfen. Er sehe keine Anzeichen für einen militärischen Einsatz der USA in Grönland und gehe von diplomatischen Lösungen aus. Allerdings räumte auch er ein, bei früheren militärischen Entscheidungen Trumps nicht immer vorab informiert worden zu sein. OZD
OZD-Kommentar – Wenn Kaufverträge die Weltordnung ersetzen
Donald Trump behandelt internationale Politik wie einen Immobilienmarkt. Grönland ist für ihn kein autonomes Territorium mit eigener Bevölkerung, sondern ein strategisches Objekt: groß, rohstoffreich, günstig gelegen. Dass er selbst militärische Optionen rhetorisch offenhält, markiert eine gefährliche Verschiebung politischer Maßstäbe. Der Gedanke, einen Nato-Verbündeten indirekt unter Druck zu setzen, sprengt bisherige Bündnislogik. Trumps Argument der Sicherheit ist dabei nur die halbe Wahrheit – es geht ebenso um Einfluss, Kontrolle und ein neues Machtverständnis, das nationale Souveränität dem geopolitischen Nutzen unterordnet.

– Fläche: Größte Insel der Welt
– Einwohner: ca. 57.000
– Status: Autonomes Gebiet des Königreichs Dänemark
– Strategische Bedeutung: Arktis, Raketenflugbahnen, Rohstoffe
Geostrategische Dimension
a) Kontrolle über arktische Seewege
b) Nähe zu Russland und Nordamerika
c) Militärische Bedeutung für Raketenabwehr
Bündnispolitische Folgen
a) Belastung der Beziehungen zu Dänemark
b) Irritationen innerhalb der Nato
c) Vertrauensverlust bei europäischen Partnern
Innenpolitische Risiken
a) Widerstand im US-Kongress
b) Ablehnung durch die grönländische Bevölkerung
c) Völkerrechtliche Konfliktlinien

Das Interesse der USA an Grönland ist nicht neu. Bereits 1946 bot Washington Dänemark 100 Millionen Dollar in Gold für den Kauf der Insel. Während des Kalten Krieges wurde Grönland zu einem zentralen Vorposten der US-Verteidigung, insbesondere mit der Einrichtung der Thule-Luftwaffenbasis, die bis heute eine Schlüsselrolle im amerikanischen Raketenwarnsystem spielt.
Mit dem Abschmelzen des arktischen Eises gewinnt die Region erneut massiv an Bedeutung. Neue Schifffahrtsrouten, seltene Erden und Energie-Rohstoffe rücken Grönland ins Zentrum globaler Konkurrenz. Trumps Vorstoß knüpft damit an alte strategische Überlegungen an – geht jedoch erstmals so weit, die politische und territoriale Ordnung eines Nato-Partners offen infrage zu stellen.
OZD-Extras:
Fun Fact: Würde
Grönland ein eigener Staat, wäre es flächenmäßig größer als alle
EU-Länder – hätte aber weniger Einwohner als eine mittelgroße deutsche
Stadt.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.